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#21
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Schabersucher - 09. Januar 2026, 16:38:53
Zitat von: Herlitz in 08. Januar 2026, 18:31:29Hallo,

den Abschlag kann ich nachvollziehen, besitzt das Stück doch einen Bulbus und Schlagnarben. Eindeutige Retuschen sehe ich aber nicht, im Gegenteil, es gibt rezente Bestoßungen. Es wirkt auf mich recht alt, oder stammt es von einem Ufer? Die Angabe der Fundumstände und Region ist oft wichtig für die Bestimmung von Funden.
 :winke:  Sven
Hallo Sven,
vielen Dank für die Kommentare und Nachfragen!
Wie alle meine Steine, stammt auch dieser vom SH Ostseestrand, das hatte ich hier vergessen dazuzuschreiben... also JA: das Ufer der Ostsee, und gleichzeitig auch: NEIN, der Stein war bis vor kurzem in die Steilküste eingebettet und lag noch nicht lange am Ufer als ich ihn aufgehoben habe (behaupte ich mal so aus meiner Erfahrung heraus...). Ob rezent (das heisst erst vor relativ kurzem entstanden) oder nicht rezent, will ich lieber nicht beurteilen, ich vermute, der Stein ist auch in diesen Negativen der Absplitterungen (die jeweils immer von einer Kante auf nur eine Fläche gehen) patiniert.
Viele Grüße, Sven
#22
Steinartefakte / Eine systematische Prospektion...
Letzter Beitrag von thovalo - 09. Januar 2026, 11:11:45
Moin!


Vor sieben Jahren habe ich, zusammen mit einem Doktoranden der urgeschichtlichen Fakultät in Köln, einen spätaltsteinzeitlichen Fundplatz systematisch prospektiert. Die Temperaturen lagen deutlich unter 0 Grad und die Begehung war, wie dort immer, sowohl mühsam wie auch lohnend.

Es fanden sich bei dieser Maßnahme unter anderen die alt gebrochene Distalpartie einer Rückenspitze "mit geraden Rücken" sowie ein klassischer "einfacher" Stichel. Die Rückenspitze und der Stichel gehören in dem erstaunlich umfangreichen Oberflächendundkomplex in die Zeit der spätaltsteinzeitlichen "Federmesserkultur".

Die Fundkomplexe der Zeit des ausgehenden Eiszeitalters werden über die am häufigsten autretende Gerätegruppen näher eingeschätzt. In aller Regel sind das die Kratzer und selten sind es die namengebenden, charakteristischen Peilspitzen. Auf dem hier begangenen Fundplatz ist es überraschend der Gerätetyp des Stichels. Die Stichel treten hier in vielfältigen Variationen auf. Außergewöhnlich ist zudem der hohe Anteil sehr kleinformatiger Stichel. Dafür gibt es in Deutschland bislang keinen vergleichbaren Platz dieser Zeitstellung. Stichel wurden nach heutigen Forschungsstand "spanabhebend" sowie fein schabend eingesetzt. Das lässt vermuten, dass auf diesem Platz recht intensiv Gegenstände hergestellt und bearbeitet worden sind, die an anderen Plätzen eine bei- oder untergeordnete Rolle gespielt hatten. Klassische Produkte die mit Sticheln hergestellt und bearbeitet wurden sind abgetrennte oder ausgelöste Geweih- und Knochenstücke die dann zu Nähnadeln, Harpunen, Spitzen usw. hergestellt worden sind. Dazu gehören aber auch Kunstwerke wie die Elchfigur und die große Knochennadel mit Tierkopfende aus den beiden zeitgleichen Bestattungen bei Bonn-Oberkassel.

Das Fragment der Spitze wurde dann als Abbildung mit in eine Veröffentlichung in A.i.D. aufgenommen.

Das seit 2005 zusammengetragene Fundinventar ist inzwischen vollständig aufgenommen und gezeichnet worden und auch für das kommende Jahr 2026 ist die wissenschaftliche Aufnahme finanziert und gesichert, sodass weitere Neufunde umgehend in das Inventar und die Datenbank übernommen werden können.


Ich wünsche Euch Allen einen guten Start in ein erfolgreiches neues Sucherjahr!



lG  Thomas
#23
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Danske - 08. Januar 2026, 23:08:36
Ja, ein klassisch schöner Klopfer aus Felsgestein, würde auch feinkörniger Quarzit sagen, der hat ja auch einen sehr hohen Anteil an Quarz.

Schön die flachen Griffseiten und die dachförmig facettierte Arbeitsfläche. Ein feines Stück :super:

LG
Holger
#24
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Herlitz - 08. Januar 2026, 18:31:29
Hallo,

den Abschlag kann ich nachvollziehen, besitzt das Stück doch einen Bulbus und Schlagnarben. Eindeutige Retuschen sehe ich aber nicht, im Gegenteil, es gibt rezente Bestoßungen. Es wirkt auf mich recht alt, oder stammt es von einem Ufer? Die Angabe der Fundumstände und Region ist oft wichtig für die Bestimmung von Funden.
 :winke:  Sven
#25
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Persephone - 08. Januar 2026, 18:28:55
Klasse, danke!
Dann werde ich mich mal ans Recherchieren machen :Danke2:
#26
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Herlitz - 08. Januar 2026, 18:25:13
Zitat von: Nanoflitter in 08. Januar 2026, 18:14:40Ja toll! Ein schönes Stück. Quarzit würde ich sagen. Ich denke, die Dinger wurden hauptsächlich zum aufrauhen von Schiebemühlen verwendet, so viel Steinartefakte gibt es gar nicht, um so eine Abnutzung zu generieren. LG

Ja, als Quarzit kann man es sicher auch ansprechen, das ist für den Archäologen sicher kein wesentlicher Unterschied.
Meines Wissens geht man davon aus, dass Silex-Klopfsteine zum Aufrauhen verwendet wurden, diese haben schärfere Kanten, während man mit ihnen wohl nur schlecht Feuersteine bearbeiten konnte, da das dann auch den Schlagstein zersplittert. Dafür brauchte man andere Gesteine wie eben Quarzit, Amphibolit oder auch Grauwacke, die zäher sind.
 :winke:  Sven
#27
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Nanoflitter - 08. Januar 2026, 18:14:40
Ja toll! Ein schönes Stück. Quarzit würde ich sagen. Ich denke, die Dinger wurden hauptsächlich zum aufrauhen von Schiebemühlen verwendet, so viel Steinartefakte gibt es gar nicht, um so eine Abnutzung zu generieren. LG
#28
Steinartefakte / Aw: Kerngerät
Letzter Beitrag von Herlitz - 08. Januar 2026, 18:14:37
Hallo Sven,

ein interessantes Stück, das sicher einer näheren Betrachtung wert ist. Dennoch halte auch ich das durchaus an ein Kernbeil denken lässt, für ein Artefakt. Zum einen scheinen mir die "Abschlagbahnen" nicht zielgerichtet genug zu sein, zum anderen kann ich an ihnen keine Bulbusnegative erkennen. Ein Schneidenschlag ist ja ohnehin nicht vorhanden, der das Stück dann wohl schon zu einem Kernbeil gemacht hätte.
 :winke:  Sven
#29
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Herlitz - 08. Januar 2026, 18:04:54
Hallo Persephone,

ja, das ist doch ein eindeutiger, viel genutzter Schlagstein. Es wird sich um einen Gangquarz handeln, ein dafür gern genutztes Material. Damit konnte man sicher Silex bearbeiten.
 :winke:  Sven
#30
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Persephone - 08. Januar 2026, 18:01:44
und weiter