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#21
Steinartefakte / Aw: Das Stück, das ich zweimal...
Letzter Beitrag von steinwanderer - 29. April 2026, 11:14:05
Moin Jondular,
Das ist schon ein Kerngerät.
Solche Stücke tauchen auch auf meinen  späten Magelmoseplätzen auf. Ich denke das diese Geräte eher als eine Art von Pickel benutzt wurden.
Ich hab dir Mal meine ähnlichen Geräte angehängt.
Gruß Klaus
#22
Steinartefakte / Aw: Das Stück, das ich zweimal...
Letzter Beitrag von Jondalar - 29. April 2026, 09:22:09
Hallo Frank,

vielen Dank für Deine Einschätzung. Ein 'Perspektivwechsel' ist immer gut! Als Ergänzung und 'Abrundung' anbei noch die beiden anderen Ansichten, auf denen ich die 'Spuren' nachgezeichnet habe, die ich erkennen kann.
Viele Grüße

Jondalar
#23
Steinartefakte / Aw: Das Stück, das ich zweimal...
Letzter Beitrag von Jondalar - 29. April 2026, 09:18:18
Hallo Thomas,

vielen Dank für Deine Einschätzung. Mal wieder sehr spannend, wie unterschiedlich die Auffassungen sind. Unabhängig von meiner eigenen Meinung finde ich Deine Frage sehr interessant.

Zitat von: thovalo in 28. April 2026, 12:03:27Ich bin gespannt wie die Dokumentationslage im Fundraum tatächlich aussieht und wie weit gegen "Süden" denn der Typ der nordischen MESOLITHISCHEN Kernbeilklingen überhaupt verbreitet gewesen ist.
 

Wie üblich habe ich erst angefangen zu recherchieren, nachdem ich das fragliche Objekt in den Fingern hielt.

Anhaltspunkte finden sich hierzu in der Veröffentlichung 'Paläolithische und mesolithische Funde aus dem Kreis Gifhorn' von Bernhard Zeitz im Rahmen der Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens Heft 2, Verlag August Lax Hildesheim, 1969. Hier werden für den Fundpunkt Druffelbeck, Kreis Gifhorn 5 'Kernbeilartige' Geräte genannt und auf Tafel 120 auch abgebildet.

Im vergangenen Jahr wurden Teile einer an das Museum Gifhorn übereigneten ziemlich umfangreichen regionalen Privatsammlung gezeigt. Die dabei ausgestellte Kernbeilklinge vom Fundpunkt Neubokel /Kreis Gifhorn (siehe Foto) halte ich für nachvollziehbar, das benachbarte als Scheibenbeil angesprochene Stück hätte ich vermutlich nicht als solches erkannt... Es scheint also durchaus Indizien zu geben, dass Kernbeilklingen im Raum Gifhorn vorkommen.

Des Weiteren findet sich im Floss auf Seite 635 folgender Hinweis:
'Innerhalb Mitteleuropas markieren einige Exemplare aus Hessen die Südgrenze des Verbreitungsgebietes (Fiedler 1997)
Wobei sich die Aussage auf Kern- UND Scheibenbeilklingen bezieht. Ob es sich dabei tatsächlich AUCH um Kernbeilklingen handelt, erscheint MIR nicht eindeutig...
Viele Grüße

Jondalar
#24
Steinartefakte / Aw: Das Stück, das ich zweimal...
Letzter Beitrag von Jondalar - 29. April 2026, 09:09:31
Hallo Jan,

vielen dank für Deine zahlreichen und detaillierten Informationen. 

Dass die Erteböllekultur zeitlich weit ins Neolithikum weiter südlich gelegener Regionen 'reicht', war mir bewusst, dass man sie jedoch eindeutig dem Mesolithikum zuordnet, hat mich ein wenig verwirrt und ich habe nachgelesen. Für alle, die auf diesem Terrain ebenso unsicher sind wie ich, sei also gesagt, dass im 'Norden' sich das Mesolithikum in die Maglemose Kultur (älteres Mesolithikum), die Kongemose Kultur (jüngeres Mesolithikum) und die Ertebölle Kultur (Endmesolithikum) gliedert.
Viele Grüße und auch Dir zahlreiche und schöne Funde

Jondalar 
#25
Neuzeitliche Funde / Aw: D.R.G.M. gestempeltes Teil...
Letzter Beitrag von Erdspiegel - 28. April 2026, 21:11:27
Das ist das Oberteil eines Zerstäubers.Das Flache Teil ist der Griff,an dem noch ein Gummiball oder ein Faltenbalg zum pumpen befestigt war.Aufgeschraubt wurde das Oberteil auf einen kleineren,meißtens farbigen Glasbehälter.Das Messing dürfte mal vernickelt gewesen sein.
Ich hatte so ein Teil vor Ewwigkeiten in einem alten Keller gefunden,aber ohne Griff.Sondern mit Gummischlauch & Ball.
Verwendet wurde sowas in den 20er/30er Jahren im Friseurladen.Für Rasierwasser oder ähnliches.
#26
Steinartefakte / Aw: Das Stück, das ich zweimal...
Letzter Beitrag von Neos - 28. April 2026, 20:12:16
Hallo, Jondalar,

ich schließe mich Thomas' Einschätzung an, wenn er schreibt

Zitat von: thovalo in 28. April 2026, 12:03:27Ich persönlich halte das Fundstück weder für ein Kernbeil und halte eine mögliche Bearbeitung für fraglich.

Ja, das Stück lässt einen spontan auf alle Fälle an ein Kernbeil denken – das ging mir auch so, als ich deine Fotos das erste Mal sah. Mir hilft es mitunter, einen "Perspektivwechsel" zu machen, weshalb ich mir die beiden Fotos der Lateralen einmal geschnappt und um 90 Grad gedreht habe (Ergebnis s. u.).

Sicherlich ist das jetzt sehr subjektiv, aber in dieser Darstellung wird (für mich) noch deutlicher, dass hier keine formgebenden Retuschen vorhanden sind, die bei einem Kernbeil jedoch natürlich vorhanden sein müssen.

Auf alle Fälle ist es ein diskussionswürdiges Stück, das du uns hier präsentierst. Danke dafür!  :super:

Viele Grüße

Frank
#27
Steinartefakte / Aw: Sieht aus wie ein Stichel....
Letzter Beitrag von thovalo - 28. April 2026, 18:57:42


Moin!

Eine interessante Frage. Stichelschläge werden nach der Definition entweder an einer Grundform (Klinge/ Abschlag) oder an einem Gerät angelegt, das ja auch entweder aus einer Klinge oder einem Abschlag besteht.

Das Stichelschläge systematisch an einem zerbrochenen Gerät angelegt worden wären, ist mir aus der Literatur, nicht bekannt. Letztlich konnte Alles dafür herhalten, war stabil und funktional sinnvoll gewesen ist.


lG Thomas   :winke:


#28
Steinartefakte / Aw: Sieht aus wie ein Stichel....
Letzter Beitrag von Wiedehopf - 28. April 2026, 15:42:11
ZitatAber erfüllt er auch die formellen Anforderungen an einen Stichel?

Hallo zusammen,

darf ich mich hier mal mit einer grundsätzlichen Frage zu Sticheln anhängen ?

Formal werden Stichel ja als aus der Grundform 'Klinge' durch speziellen Abschlag oder spezielle Abschläge gewonnene Spezialwerkzeuge definiert.

In einem nordamerikanischen Fachbuch wird sowohl diese Methode beschrieben, als auch eine Alternative, bei der als Stichel geeignete Werkzeuge einfach durch Zerschlagen von Artefakten gewonnen werden (siehe Bild 1).

Ist das seriös ? Und wenn ja, wurde das auch schon bei uns beobachtet ?

Viele Grüße
Michael

       
#29
Steinartefakte / Aw: Sieht aus wie ein Stichel....
Letzter Beitrag von thovalo - 28. April 2026, 12:42:32
Zitat von: Schuhnagel 2 in 27. April 2026, 17:46:36Hallo Thomas

Habe eben den Text zu der (ansonsten) mesolithischen Fundstelle (Riedli-Balm Zweisimmen) mit den Sticheln genauer durchgelesen. Da steht: "... die in ziemlicher Anzahl vertretenen Stichel... weisen gewisse altsteinzeitliche Züge auf".

Ein Text von 2014 (Huber Renata / Bullinger Jérôme) erwähnt die Fundstelle und weist auf spätpaläolithische Funde hin, ohne diese genau zu benennen.

Danke für deinen Einwand betreffend möglicher mesolithischer Stichel!! Dem wäre ich sonst nicht nachgegangen.

Viele Grüsse

Ulrich

Danke für Deine Rückmeldung!

Das sind wichtige Details die schnell untergehen!

Es gibt für einen rheinischen meolithischen Fundplatz zwei mit publizierte Stichel. Erst beim Lesen fiel mir auf, dass es sich um Lesefunde von der Oberfläche handelt. Das dann mit Dr. Birgit Gehlen besprochen ergab, dass es ältere, spätpaläolithische Stichel sind, die man ohne tiefere Idee dahinter, mit zu den Zeichnungen der mesolithischen Artfeakte genomen hatte. So wachsen dann schnell Optinen für Fehlinterpretationen die sich dann aber auch tief "einfräsen"!


lG Thomas  :winke:
#30
Steinartefakte / Aw: Das Stück, das ich zweimal...
Letzter Beitrag von thovalo - 28. April 2026, 12:03:27
Moin!

Ich persönlich halte das Fundstück weder für ein Kernbeil und halte eine mögliche Bearbeitung für fraglich.

An tatsächlichen Kernbeilen ist eine intentionelle Zurichtung gut erkennbar, wenn es denn eindeutige Fundbelege sind. Da ich gerade dieses Thema in Bezug auf das Rheinland bespechen konnte ist es gesichert, dass im Rheinland (bislang) solche Geräte überhaupt nicht vertreten sind. Die für Krefeld vom Hülser Berg behauptete Kernbeilklinge, ist der nicht professionelen Einordnung und der Fehlinterpretation einer weitgehend abgebauten  neolithischen Beilklinge geschuldet.

Am eingestellten Fundbeleg finde ich persönlich Nichts wirklich gesichert artifizielles. Die Form ERINNERT aus meiner Sicht lediglich an ein Kernbeil.

Ich bin gespannt wie die Dokumentationslage im Fundraum tatächlich aussieht und wie weit gegen "Süden" denn der Typ der nordischen MESOLITHISCHEN Kernbeilklingen überhaupt verbreitet gewesen ist.


lG Thomas