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#21
Steinartefakte / Aw: Kerngerät
Letzter Beitrag von Herlitz - 08. Januar 2026, 18:14:37
Hallo Sven,

ein interessantes Stück, das sicher einer näheren Betrachtung wert ist. Dennoch halte auch ich das durchaus an ein Kernbeil denken lässt, für ein Artefakt. Zum einen scheinen mir die "Abschlagbahnen" nicht zielgerichtet genug zu sein, zum anderen kann ich an ihnen keine Bulbusnegative erkennen. Ein Schneidenschlag ist ja ohnehin nicht vorhanden, der das Stück dann wohl schon zu einem Kernbeil gemacht hätte.
 :winke:  Sven
#22
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Herlitz - 08. Januar 2026, 18:04:54
Hallo Persephone,

ja, das ist doch ein eindeutiger, viel genutzter Schlagstein. Es wird sich um einen Gangquarz handeln, ein dafür gern genutztes Material. Damit konnte man sicher Silex bearbeiten.
 :winke:  Sven
#23
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Persephone - 08. Januar 2026, 18:01:44
und weiter
#24
Steinartefakte / Schlagstein
Letzter Beitrag von Persephone - 08. Januar 2026, 18:01:13
Das ist ein Schlagstein (? ich tue mich schwer mit der Abgrenzung zu z. B. Mahlsteinen) aus dem Norden Niedersachsens.
Es ist anspruchsvoll, die Gebrauchsspuren angemessen fotografisch wiederzugeben,
hoffe aber, dass es einigermaßen hinhaut. Er hat eine nahezu doppelkonische Form, wie man exemplarisch auf Bild 2 sehen kann.
Primär würde mich das Gestein interessieren.
Schlagsteine habe ich so einige über die Jahre finden dürfen, allerdings ist mir dieses Gestein bisher nicht untergekommen. Sieht sehr fein und weiß aus.
Falls es sonst Anmerkungen zu dem Stück gibt; immer gerne!

:winke: Persephone

#25
Steinartefakte / Aw: Kerngerät
Letzter Beitrag von Schabersucher - 08. Januar 2026, 15:08:22
Zitat von: Jondalar in 08. Januar 2026, 10:01:14Hallo Sven,

auch ich wünsche Dir für das neue Jahr alles Gute und -natürlich- viele schöne Funde.

Ich halte das von Dir gezeigte Stück für ein Geofakt. Ich kann zwar nicht davon künden, bisher viele Kerngeräte gefunden zu haben und daher steht meine Einschätzung von vornherein auf sehr wackligen 'Beinen', aber intentionelle Bearbeitungsspuren können zumindest meine Augen nicht erkennen. Ich wünsche dir aber, dass ich mich irre...
Viele Grüße

Jondalar

Hallo Jondalar,

vielen Dank!

Ich kann deine Einschätzung gut verstehen. Ich wollte diesen Stein eigentlich auch am Strand liegen lassen. Der Typ eines "Beils mit unregelmäßigem Querschnitt" war mir nicht wirklich bekannt. Ich habe den Stein dann nur eingesteckt, weil mir die relativ regelmäßigen Absplitterungen, die man in Bild 5 sieht, auffielen.

Was bei diesem Stein gegen ein Geofakt sprechen könnte, ist:
* fast alle großen und kleinen Facetten sind Negative von Absplitterungen mit negativen Wallnerlinien und negativen Schlagbeulen
* die Patina aller Facetten ist sehr einheitlich, die Facetten sind also (auf Zeitskalen der Patinierung) etwa gleichzeitig entstanden
* es ergeben sich durch die Absplitterungen/Abschläge zwei gegenüberliegende Grate, die sich jeweils über die gesamte Länge des Steins etwas unregelmäßig hinziehen (der eine Grat in der Ansicht Bild 2 rechts und in Bild 3 links am Stein, der andere Grat in Bild 3 rechts und in Bild 4 zentral)
* die grobe Form des Steins entspricht in etwa der eines Kernbeils wie im Floss beschrieben (wo auch steht, dass dies die häufigste Form aus dieser Zeit ist) oder wie auch im Museum Kopenhagen ausgestellt (siehe angehängte Bilder / das zentrale Beil im Detailausschnitt, das hier, wenn ich es richtig zuordne, als "Maglemose/Konglemose, 8500-5500 BC" ausgeschildert ist)

Viele Grüße,
Sven
#26
Steinartefakte / Aw: Grundlegende Fragestellung...
Letzter Beitrag von thovalo - 08. Januar 2026, 15:02:42
Moin!

Mit sehr ähnlichen und ausführlichen Nachhalt hätte auch gesagt werden können, es gäbe dumme Fragen!  :winke:
Das behauptet hier aber auch Keiner.

Wenn man hier gezeigte Artefakte ansprechen möchte, bleiben einem die Kritierien die die Bilder und die Beschreibungen die die Fundumstände und Zusammenhänge vermitteln.

Wenn es um hochfeine Abstufungen von glasklaren Artefakt bishin zur möglichen Gebrauchsspuren an sonst nicht definierten Stücken geht, dann ist das hier auch schlicht falsch am Platz. Das ist ein Forum das Orientierung geben oder in eine gemeinsame Diskussion einsteigen kann. Dann bleibt ein letztendlicher  Schluß eben auch mal offen.

Fundkomplexe werden, auch wenn sie aus gut erschlossenen und dokumentierten facharchäologischen Grabungen stammn, fachwissenshaftlich intern diskutiert und jeder hat dabei die Möglichkeit seine Perspektiven mit einzubringen. Dieses Forum ist aber nicht der Ort für solche feinen Gradierungen die unter den im Fach langjährig beruflichen tätigen Spezialisten üblich sind.



lG  Thomas 


#27
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Levante - 08. Januar 2026, 14:33:19
Hi,

Bei allem nötigen Respekt, diese Standardantworten nach Lehrbuch finde ich leider sehr störend, da sie nicht das vorliegende Problem ansprechen.

Nicht jedes Artefakt muss zwangsläufig aus einem Abschlag gefertigt worden sein. Viele Artefakte entstehen aus Trümmerstücken oder aus Frostscherben. Der Begriff intentionell angelegte Retusche ist bei solchen Artefakten, wie dem hier vorgelegten Beispiel kaum hilfreich.

LG

Patrick

P.S. Meine ausführliche Antwort findet sich hier:

https://sucherforum.de/steinartefakte/grundlegende-fragestellungen-in-der-forschung-artefakt-ja-oder-nein!/
#28
Steinartefakte / Grundlegende Fragestellungen i...
Letzter Beitrag von Levante - 08. Januar 2026, 14:31:47
Hi,


Ich nehme Bezug auf diesen Beitrag, da ich ihn als durchaus repräsentativ für bekannte Probleme in der Forschung ansehe.

https://sucherforum.de/steinartefakte/spitzer-abschlag-mit-retuschen/?topicseen


Bei allem nötigen Respekt, diese Standardantworten nach Lehrbuch finde ich leider sehr störend, da sie nicht das vorliegende Problem ansprechen.

Nicht jedes Artefakt muss zwangsläufig aus einem Abschlag gefertigt worden sein. Viele Artefakte entstehen aus Trümmerstücken oder aus Frostscherben. Der Begriff intentionell angelegte Retusche ist bei solchen Artefakten, wie dem hier vorgelegten Beispiel kaum hilfreich.

Die richtige Antwort wäre gewesen, sorry ich kann zu dem Fund leider nicht passenden sagen.

Das Artefakt weist ohne jeden Zweifel Retuschen auf. Wir sprechen hier jedoch eher von Gebrauchsretuschen. Auch die Einbuchtung ist für solche Artefakte typisch.

Das Problem, was leider kaum einer von den "Steinzeit Experten" eingesteht, ist, dass es natürlich Typologien von Artefakten und Werkzeugen gibt. Aber es eben auf vielen Fundplätzen oft wesentlich mehr Artefakte gibt, die den gängigen Typologien nicht entsprechen.

Auf meinen Jungpaläolithischen Fundplätzen in Mittelhessen habe ich unter Berücksichtigung dieses Problems nach Professor Terberger eine Unterteilung in drei Artefakt Klassen (Artefakt Kategorien) vorgenommen, auch wenn dies noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Artefakte der Kategorie 1, darunter Fallen vor allem typologisch klassifizierbare Werkzeuge wie Kernkantenklingen und Abschläge mit Retuschen, sowie Kernsteine bzw. Kernreste. Diese machen etwa 3% der Funde aus.

Artefakt Kategorie 2, sind meist Reststücke oder Frostscherben mit Retuschen und oder Buchten, auch diese sind meist vollständig retuschiert. Der Experte spricht hier oft von nicht intentionellen Retuschen, was eigentlich quatsch ist. Diese machen bei mir etwa 70 % der Funde aus. Aber auch diese sind natürlich Artefakte, die für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke genutzt wurden. Die kann oder will der Experte aber nicht zuordnen, ansprechen oder datieren.

Artefakt Kategorie 3 sind meist Reststücke oder Abfallstücke mit teilweisen Gebrauchsretuschen, sowie Abschlagspuren, anschlagspuren, Klopfspuren. Diese machen den Rest der Objekte aus. Auch diese lassen sich nicht näher ansprechen. Daher belasse ich diese mittlerweile meist vor Ort.

Gerade das große Problem mit den Objekten der Artefakt Kategorie 2 hat mich mittlerweile leider dazu gebracht, dass ich die Steinzeitforschung aktuell kaum noch als sinnvoll für mich erachte.

Klar es gibt Fundstellen wo viele Artefakte der Kategorie 1 zu finden sind, aber es gibt eben auch viele Fundstellen, vor allem Schlagplätze, wo diese kaum vorkommen. Und zu behaupten, die Artefakte der Kategorie 2 seien keine eindeutigen Artefakte, oder diese werden oft sogar in den wissenschaftlichen Auswertungen nicht einmal berücksichtig ist ein echtes Problem, über das aber kaum gesprochen oder diskutiert wird.

Etwas überspitzt formuliert:
Wenn man nur einen gewissen Prozentsatz der Funde in wissenschaftlichen Arbeiten berücksichtigt, ist das nach meinem Verständnis eigentlich keine exakte Wissenschaft.


Das musste mal raus.  :friede:

LG

Patrick

P.S. Aus dem Bewusstsein heraus über die bekannten Probleme, konzentriere ich mich seit Jahren eher auf die Keramikforschung des Mittelalters und der Neuzeit.
#29
Steinartefakte / Aw: Kerngerät
Letzter Beitrag von Jondalar - 08. Januar 2026, 10:01:14
Hallo Sven,

auch ich wünsche Dir für das neue Jahr alles Gute und -natürlich- viele schöne Funde.

Ich halte das von Dir gezeigte Stück für ein Geofakt. Ich kann zwar nicht davon künden, bisher viele Kerngeräte gefunden zu haben und daher steht meine Einschätzung von vornherein auf sehr wackligen 'Beinen', aber intentionelle Bearbeitungsspuren können zumindest meine Augen nicht erkennen. Ich wünsche dir aber, dass ich mich irre...
Viele Grüße

Jondalar
#30
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Schabersucher - 07. Januar 2026, 21:25:18
Zitat von: thovalo in 17. Dezember 2025, 20:55:05Moin!

Ich antworte mal sehr kurz: es ist kein Abschlag und das Stück hat auch keine intentionell angelegte Retuschen.

Für Beides fehlen die charakteristischen Merkmale.


lG Thomas  :winke: 
Moin Thomas,

vielen Dank für deine Antwort und hilfreiche Einschätzung, entschuldige die späte Rückmeldung! Und bitte entschuldige auch die schlechte Qualität der Fotos, die ich hier hochgeladen habe. Was ich beim Anschauen des Steins gedacht hatte, wäre zB auf Bild 7 links unten ein Schlagflächenrest und die ausgeprägte Schlagnarbe auf der dort gezeigten Ventralseite. Die deutliche Schlagbeule sieht man aus diesen Perspektiven leider noch weniger. Auf der Dorsalseite, zB Bild 1 und 5, ist ein deutliches Negativ eines Steckenbleibers, das aber auch im Original anders wirkt als auf diesen Fotos.
Die vermeintlichen Retuschen überzeugend zu fotografieren, gelingt mir ja leider so gut wie nie... im Floss finde ich dazu folgendes Zitat: "Auch natürliche Prozesse wie Kryoturbationen in Höhlensedimenten, oder moderne Prozesse, zB Einwirkungen des Pfluges, können an Artefakten Beschädigungen hervorrufen, die anthropogenen Retuschierungen ähneln können, jedoch sind die Negative natürlicher Prozesse und moderner Vorgänge niemals in Größe, Form und Lage so regelmäßig, wie dies bei anthropogenen Retuschierungen der Fall ist." Und da muss ich jedenfalls zugeben: die Negative/Beschädigungen, die man zB in Abb 4 (obere rechte Kante) oder Abb 8 (oben) sieht, sind nicht unbedingt die allerregelmäßigsten. Wenn man die Abbildung im Floss dazu anschaut (S. 130, Abb. 10), sieht man aber auch, dass dort tatsächlich anthropogene Retuschen mit einer gewisse Bandbreite an Regelmäßigkeit immer noch als solche bezeichnet werden. Intentionelle Anlage und Regelmäßigkeit gehen sicher Hand in Hand. Ich habe mich bisher eher an der Regelmäßigkeit orientiert, aber ich nehme an, dass ich wegen der Bandbreite dieses Merkmals auch leichter falsche Schlüsse ziehe... gibt es zum Begriff der "intentionellen Anlage" im Floss oder anderswo etwas ausführlichere Definitionen? 

Viele Grüße,
Sven