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#21
Steinartefakte / Aw: Abschlag mit Facetten
Letzter Beitrag von Danske - 24. Februar 2026, 20:39:11
Moin Sven,

auch von mir Glückwunsch zum Fund.

Jan hat ja schon alles gesagt.

Bei der Levallois-Technik wurde eine Kante des Kerns sorgfältig retuschiert, so dass er eine leicht bogenförmige Schlagfläche erhielt. Der Schlagpunkt lag nahe an der Kernkante, wodurch ein gleichmäßig dünner Abschlag gewonnen werden konnte. Der SFR des Abschlags war daher fein facettiert und in der Aufsicht wellen- bzw. sinusförmig schmal. Der Winkel zwischen SFR und Dorsalfläche beträgt regelmäßig 90°. Ein weiteres Kennzeichen sind die durch die Schlagflächenpräparation gekappten Dorsalnegative.

Den Winkel zwischen SFR und Dorsalfläche kann ich bei deinem Fundstück auf den Fotos nicht einschätzen. Aber alle anderen Merkmale, die für einen Levallois-Abschlag sprechen würden, sehe ich bei deinem Stück nicht.

LG
Holger
#22
Steinartefakte / Aw: Stein mit Zeichen aus Nach...
Letzter Beitrag von Neos - 24. Februar 2026, 20:15:11
Hallo, strato,

Zitat von: stratocaster in 24. Februar 2026, 19:59:18Ich frage mich, ob die KI die beiden Bilder verwechselt hat  :nixweiss:
Bei dem Gewicht aus dem Louvre sind doch die Einschnitte viel heller als die Umgebung
und nicht bei Daniels Gewicht ???

tatsächlich ist mir dieser eine Satz auch aufgefallen und ich kann ihn wie du nicht nachvollziehen.

Fakt ist, dass ich der KI zuvor klar definiert hatte, welches Foto das Gewicht aus dem Louvre darstellt und welche Fotos zu dem Stein gehören, mit dem es verglichen werden soll.

Viele Grüße

Frank
#23
Steinartefakte / Aw: Stein mit Zeichen aus Nach...
Letzter Beitrag von Danske - 24. Februar 2026, 20:03:59
Für mich sehen die Zeichen auf dem Stück von Daniel aus, als seien sie eingepickt und nicht eingeritzt worden. :glotz:  Und die Patina in den Linien sieht aus wie die auf der restlichen Oberfläche. Beides würde somit, folgt man der KI, für ein authentisches Stück aus dem Zweistromland sprechen.

LG
Holger
#24
Steinartefakte / Aw: Stein mit Zeichen aus Nach...
Letzter Beitrag von stratocaster - 24. Februar 2026, 19:59:18
Interessant  :super:
Ich frage mich, ob die KI die beiden Bilder verwechselt hat  :nixweiss:
Bei dem Gewicht aus dem Louvre sind doch die Einschnitte viel heller als die Umgebung
und nicht bei Daniels Gewicht ???

Gruß  :winke:
#25
Steinartefakte / Aw: Stein mit Zeichen aus Nach...
Letzter Beitrag von Neos - 24. Februar 2026, 19:10:52
Hallo, Fischkopp,

Zitat von: Fischkopp in 20. Februar 2026, 16:31:41Lieber Frank,
vielleicht kannst du die KI ja mal mit den neuen Daten füttern? Sehr spannend dein Ansatz!

nichts leichter als das! :smoke:

Ich habe zwei der neuen Fotos von Daniel sowie das Foto des Gewichtes aus Diorit von der einen verlinkten Webseite hochgeladen, die KI um einen Vergleich der Fotos gebeten sowie um eine Einschätzung, ob es sich bei Daniels Stein um ein Artefakt oder um eine Replik handelt.

Hier ausschnittsweise das Ergebnis (wie gehabt ohne Gewähr auf Richtigkeit):

Material & Oberflächenanalyse

Beobachtungen an deinem Stein

  • Oberfläche stark matt und porös
  • Unregelmäßige VerwitterungKeine hochpolierte, dichte Dioritstruktur erkennbar
  • Einschnitte wirken heller als Umgebung
  • Keine klare ,,Wüstenpatina" in den Gravuren

Vergleich zu gesicherten Ur-III-Gewichten

Originale aus der Zeit um 2030 v. Chr.:

  • sehr dichtes, feinkristallines Gestein (meist Diorit oder Dolerit)
  • stark polierte Oberfläche
  • gleichmäßige Alterung
  • Patina auch in den Keileinschnitten
  • extrem präzise gearbeitete Flächen

Bei deinem Stück wirken die Einschnitte frischer als die Oberfläche. Das ist eines der stärksten Indizien gegen ein 4000 Jahre altes Objekt.

Technische Ausführung der Keilschrift

Echte sumerische/akkadische Inschriften dieser Zeit:

  • wurden mit Rohrgriffel in weiches Material gedrückt (bei Ton)
  • oder mit Steinwerkzeugen eingepickt (bei Diorit)
  • zeigen klar erkennbare Keilköpfe (dreieckige Druckpunkte)

Dein Stein:

  • Linien wirken geritzt, nicht gepickt
  • Keile haben kaum dreieckige Volumina
  • Tiefen sind gleichmäßig wie bei Metallgravur
  • teilweise unsaubere Winkel

Das spricht eher für moderne Gravurtechnik.

Wahrscheinlichkeitsabschätzung

Basierend auf Bildanalyse:

  • Modernes Objekt oder spätere Replik: ~70–85 %
  • Antiker Stein mit späterer Gravur: ~10–20 %
  • Authentisches Ur-III-Artefakt: <10 %

Das ist natürlich keine absolute Sicherheit — nur eine fachliche Einschätzung anhand der Fotos.

Entscheidende Tests

Wenn du es ernsthaft klären willst, sind diese Punkte ausschlaggebend:

  • Mikroskopische Analyse der Gravurflanken → Werkzeugspuren? Metall? Moderne Schleifscheibe?
  • Dünnschliffanalyse des Gesteins
  • Patina-Vergleich innerhalb und außerhalb der Gravur
  • Röntgenfluoreszenz (Materialzusammensetzung)
  • Gewichtsmessung → stimmt es mit bekannten sumerischen Gewichtssystemen überein?

Zusammenfassung

Rein nach den Fotos:

  • Sehr wahrscheinlich keine originale sumerische oder akkadische Antike
  • Wenn antik, dann stilistisch Ur-III (neusumerisch), nicht altakkadisch
  • Wahrscheinlicher: moderne oder neuzeitliche Reproduktion nach bekanntem Shu-Sin-Gewicht

Viele Grüße

Frank
#26
Steinartefakte / Aw: Abschlag mit Retuschen
Letzter Beitrag von Neos - 24. Februar 2026, 18:31:16
Hallo, Sven,

aufgrund deiner neuen Fotos (vielen Dank dafür!) tendiere ich nicht mehr zu einem Sichel-Fragment. Ich würde es – ganz neutral – als kanten- und flächenretuschiertes Gerät eintüten.

Zitat von: Schabersucher in 24. Februar 2026, 18:28:12Jedenfalls plane ich, den Stein mal einer Archäologin zu zeigen, ...

Das ist auf jeden Fall eine gute Idee.  :super:

Viele Grüße

Frank
#27
Steinartefakte / Aw: Abschlag mit Retuschen
Letzter Beitrag von Schabersucher - 24. Februar 2026, 18:28:12
Zitat von: thovalo in 23. Februar 2026, 14:42:29Es gibt manchmal neolithische "Spitzgeräte" die eigenwillig sein können ......
Vielen Dank, Thomas, für Deine Einschätzung!
Jedenfalls plane ich, den Stein mal einer Archäologin zu zeigen, und ich freue mich natürlich sehr, wenn es hier im Forum weitere Hinweise gibt.
:dumdidum: Dein Hinweis auf einen "kleinen Faustkeil" hat mich dazu verleitet, im Floss durch die Paläo-Artikel zu blättern und an Ähnlichkeiten zu Steinen in meinen Kästen zu denken. Da ist natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens. Ich habe dann dieses Thema eröffnet: ein
Zitat von: Schabersucher in 23. Februar 2026, 19:14:27Abschlag,
der aber anscheinend auch kaum in die Zeit eines Faustkeils führt. Auch für ein paar andere Steine werde ich sicher weiterhin eure Hilfe brauchen...

LG Sven
#28
Steinartefakte / Aw: Abschlag mit Facetten
Letzter Beitrag von Schabersucher - 24. Februar 2026, 12:23:49
Moin Jan,
Zitat von: Steinkopf in 24. Februar 2026, 09:09:27Es ist ein Abschlag, der einen großen Schlagflächenrest zeigt
Die beiden Vorgängerabschläge sindwurden richtungsmäßig von der gleichen Schlagfläche abgetrennt.
Ich sehe keine Merkmale, die auf Levallois-Technik hindeuten.
vielen Dank! Ja, stimmt, die beiden großen Facetten sind aus der selben Richtung abgetrennt ... ich hatte eher an die vier anderen, kleineren Facetten gedacht, die aus unterschiedlichen Richtungen abgetrennt worden sind. Aber ich kenne mich da tatsächlich überhaupt nicht aus und freue mich jedenfalls über die Einschätzung! Ich nehme dann an, dass der Kern halt auch in anderen Zeiten irgendwie in Form gebracht wurde, zB um einfach Kortex zu entfernen, bevor dann aus einer Richtung ein Abschlag nach dem anderen abgetrennt wurde, sodass sich diese Form des Abschlags wohl immer ergeben könnte.
Viele Grüße,
Sven
#29
Steinartefakte / Aw: Abschlag mit Facetten
Letzter Beitrag von Steinkopf - 24. Februar 2026, 09:09:27
Moin Sven,

meinen Glückwunsch zum Fund.
Es ist ein Abschlag, der einen großen Schlagflächenrest zeigt
Die beiden Vorgängerabschläge sindwurden richtungsmäßig von der gleichen Schlagfläche abgetrennt.
Ich sehe keine Merkmale, die auf Levallois-Technik hindeuten.

Lg
Jan
#30
TV-Tips und Mediennews / Doku über die Ursprünge des Ho...
Letzter Beitrag von Jondalar - 23. Februar 2026, 21:10:42
Hallo zusammen,
die Doku aus dem Jahre 2020 thematisiert noch bis zum 23.6.2026 die Entdeckung von Knochen des Homo sapiens in Marokko, die deutlich älter sind als die bisher bekannten.

Die Entdeckung 300.000 Jahre alter Homo-sapiens-Fossilien in Marokko stellt die Geschichtsschreibung auf den Kopf. Der Dokumentarfilm begibt sich auf eine wissenschaftlichen Abenteuerreise, die die Vorstellung vom Ursprung und Entwicklungsprozess der menschlichen Spezies revolutioniert.
Im Juni 2017 erschütterten zwei Veröffentlichungen in der angesehenen Zeitschrift ,,Nature" die Wissenschaft. In Marokko hatten Forscher die Überreste von fünf Homo-sapiens-Individuen entdeckt. Sie datierten die Knochen auf ein Alter von etwa 315.000 Jahren – damit war die menschliche Spezies rund 100.000 Jahre älter als bislang angenommen. Mit Hilfe virtueller Paläontologie können neue Informationen aus diesen Fossilien gewonnen werden. Ein Schädel war bereits in den 1960er Jahren gefunden, damals jedoch falsch interpretiert worden. Die jüngsten Funde stellen die bisher gültige Geschichte des Homo sapiens auf den Kopf und machen die marokkanische Fundstätte Jebel Irhoud zum Schauplatz eines der größten wissenschaftlichen Abenteuer des 21. Jahrhunderts.


(Quelle: ARTE)

Homo sapiens - Vom wahren Ursprung des Menschen - Die ganze Doku | ARTE

Wie ich finde, ein sehr sehenswerte Doku.
Viele Grüße

Jondalar