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#91
Steinartefakte / Aw: Grundlegende Fragestellung...
Letzter Beitrag von Danske - 10. Januar 2026, 11:44:33
Lieber Patrick,

mit einigem von dem, was du in deinem kritischen Beitrag geschrieben hast, liegst du sicherlich richtig, bei einigem aber auch falsch.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, geht es vor allem um die abschließende Lösung der Frage: Liegt im Einzelfall ein Artefakt, ein Pseudoartefakt oder ein Geofakt vor?

Ich denke, diese Antwort wollen wir alle zu unseren Fundstücken bekommen.

Es ist aber nicht die Aufgabe dieses Forums, immer eine abschließende und verbindliche Ansprache zu erlangen. Wir haben, wie Thomas shon schreibt, nur die Fotos und die Fundumstände zur Verfügung, um eine Beurteilung treffen zu können. Und diese Beurteilungen erfolgen immer individuell nach Wissens- und Erfahrungsstand der Forumsmitglieder. Und, das sollte klar sein, sind diese Einschätzungen nicht in Stein gemeißelt, denn sie erfolgen nicht anhand des Originals.

Aber warum sollte ich, der ich mich als absoluter Laie betrachte, nicht auch eine (vorsichtige) Beurteilung eines Fundstücks abgeben können, die vielleicht hilft, aus einer sich entwickelnden Diskussion heraus zu einer Ansprache zu gelangen? Wenn wir alle nur noch schreiben: "Sorry ich kann zu dem Fund leider nicht passendes sagen.", hilft das erstens dem Finder überhaupt nicht weiter und zweitens können wir dann das Forum eigentlich in die Tonne stopfen.

Was die Begrifflichkeit "intentionell" angeht: Sie bedeutet einach nur "beabsichtigt", "vorsätzlich" und bezieht sich auf die Artefaktherstellung (Abschläge, Klingen, Kerne) sowie die Bearbeitung und Formgebung (Retuschen). Fachleute können durchaus erkennen, ob z.B. ein Abschlag durch Menschenhand erfolgte oder zufällig durch den Zusammenprall zweier Gerölle entstanden ist oder ob eine Retusche beabsichtigt angelegt wurde oder durch Pflug, Bodenmechanik etc. entstanden ist.
Bei dem Fund https://sucherforum.de/steinartefakte/spitzer-abschlag-mit-retuschen/?topicseen liegen zweifellos Retuschen vor, aber woran machst du fest, dass es sich um Gebrauchsretuschen handelt? :kopfkratz: Die Retusche kann, wie auch die Einbuchtung, im Brandungsgeschehen entstanden sein. Aus meiner Sicht wäre hier die Begutachtung durch einen Fachmann anhand des Originals erforderlich.

Lieber Patrick, auch wenn du dich, wie schreibst, aus dem Bewusstsein heraus über die bekannten Probleme seit Jahren eher auf die Keramikforschung des Mittelalters und der Neuzeit konzentrierst, hoffe ich, dass wir uns beim geplanten Treffen der AG Alt- und Mittelsteinzeit Hessen am 09.05.2026 wieder mal sehen.

Liebe Grüße
Holger :winke: 
    
#92
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Danske - 10. Januar 2026, 10:04:07
Hallo Sven (Schabersucher),

soweit ich das mitbekommen habe, hast du alle bisher im Forum gezeigten Funde im Strandbereich gemacht. Wie bereits in einem anderen Thread von dir gesagt, besteht darin eine wesentliche Problematik bei der Beurteilung dieser Funde.

Hier auf einem Acker in Rheinhessen wäre die Sache dahingehend klar, dass der ortsfremde Feuerstein von Menschen eingebracht wäre. Es würde sich also zumindest um Trümmerstücke bei der Bearbeitung, ggf. auch mit Bearbeitungsspuren, handeln.

Im Gegensatz dazu kommt der Feuerstein in deinem Suchgebiet in großen Mengen natürlich vor. Im Brandungsbereich entstehen durch Abrollungen und Kantenbestoßungen die von dir gezeigten Formen, was eine Beurteilung Artefakt oder Geofakt, zumal anhand von Fotos, schwierig macht.

Daher kann ich dir nur nochmals ans Herz legen, deine Funde im zuständigen Landesamt vorzulegen. Bestenfalls kannst du dort mit einem Archäologen ins persönliche Gespräch kommen. Das würde dir bei der Einordnung deiner Funde sicher weiterhelfen.

LG
Holger :winke:   
#93
Steinartefakte / Aw: Weidenblattförmige Pfeilsp...
Letzter Beitrag von StoneMan - 09. Januar 2026, 19:44:22
Moin Thomas,

so is dat.

Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und 'ne Menge Glück dazu - dann klappt dat.

Ich habe ja immer gehofft, dass wir mal gemeinsam auf der Insel sind.

Die Hoffnung stirb zuletzt - in diesem Sinne auch Dir ein Dankeschön.

Gruß

Jürgen
#94
Steinartefakte / Aw: Weidenblattförmige Pfeilsp...
Letzter Beitrag von StoneMan - 09. Januar 2026, 19:38:05
Moin Frank,

Zitat von: Neos in 07. Januar 2026, 17:51:49Oh Mann, das ist wirklich schon über sechs Jahre her?  :irre:
Holla, sechs Jahre ...  :staun:. Mir kommt es vor, als sei es erst kürzlich gewesen. :irre:  :-D   

Tatsächlich ist dieser Typ Spitze nicht häufig, habe aber im Kopf, dass hier im Forum eine herumschwirrt.

Danke fürs Lob zur Fotodokumentation - die Konkurrenz spornt an. Dich zu toppen, ist mein (sportliches) Ziel.

Gruß

Jürgen
#95
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Persephone - 09. Januar 2026, 19:19:25
@Holger, das mit dem feinkörnig kann im Abgleich mt anderen Exemplaren gut hinkommen.

@Frank, ein Kompliment für meine Fotos nach all den Jahren, das läßt mich sprachlos zurück :narr:
Danke für die zusätzlichen Informationenecuh allen!

Bei den geläufigen Schlagsteinen, die ich finde, sollte es sich um klassischen Quarzit handeln.
Von daher werde ich ncohmal ein paar Vergleichsfotos nachreichen bei Tageslicht.


Schönen Abend,

Persephone
#96
Steinartefakte / Aw: Weidenblattförmige Pfeilsp...
Letzter Beitrag von Birk - 09. Januar 2026, 17:49:21
Moin Jürgen,
da hast du aber wieder einen schönen und interessanten Beitrag verfasst. :super:  Wenn man zur richtigen Zeit auf der Insel ist, kann man echt suchen ohne Ende. Und dazu gibt es oft eine klase aussicht.
Danke dafür.
Gruß
    Thomas
#97
Steinartefakte / Aw: Schlagstein
Letzter Beitrag von Neos - 09. Januar 2026, 17:32:31
Hallo, Persephone,

bei Klopfstein und Quarzit bin ich auch dabei. Da du u. a.

Zitat von: Persephone in 08. Januar 2026, 18:01:13Sieht sehr fein und weiß aus.

schreibst, könnte man auch Milchquarz-Kiesel vermuten. Das würden die Fotos (für mich) jedoch nicht hergeben. Aber wie wir alle wissen, können Fotos auch sehr gerne mal täuschen. Von daher: Schau' doch mal, wenn du magst, ob das auch eine Option sein könnte.

Auf alle Fälle ist das ein wirklich schönes, klassisches Exemplar, das du uns da zeigst, mit einer tollen Facettierung! Herzlichen Glückwunsch dazu und dank dir fürs Zeigen!  :super:

Viele Grüße

Frank

Übrigens: 1a Fotos!  :super:
#98
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Schabersucher - 09. Januar 2026, 16:49:13
Zitat von: Levante in 08. Januar 2026, 14:33:19Hi,

Bei allem nötigen Respekt, diese Standardantworten nach Lehrbuch finde ich leider sehr störend, da sie nicht das vorliegende Problem ansprechen.

Nicht jedes Artefakt muss zwangsläufig aus einem Abschlag gefertigt worden sein. Viele Artefakte entstehen aus Trümmerstücken oder aus Frostscherben. Der Begriff intentionell angelegte Retusche ist bei solchen Artefakten, wie dem hier vorgelegten Beispiel kaum hilfreich.

LG

Patrick

P.S. Meine ausführliche Antwort findet sich hier:

https://sucherforum.de/steinartefakte/grundlegende-fragestellungen-in-der-forschung-artefakt-ja-oder-nein!/
Hallo Patrick,
vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe schon von verschiedenen Fachleuten gehört, dass es tatsächlich sehr sehr sehr viele Artefakte zu finden gibt und dass tatsächlich nicht alle davon interessant erscheinen. Die Fragestellung ja oder nein, bzw Geofakt oder Artefakt, ist vielleicht also manchmal die Fragestellung interessant oder nicht interessant, oder wird damit verwechselt... da hast du sicher recht!
Bei der Beurteilung wendet man wohl intuitiv oder erlernt das sogenannte Ockhams Rasiermesser an (Wikipedia sagt: Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und diese in logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt folgt.) Und was eine "einfache" Theorie ist und was eine nicht so einfache, hängt nach Bayes auch vom Vorwissen jenseits der gezeigten Bilder ab, das bei jedem hier im Forum natürlich unterschiedlich ist. Deshalb können wir auch gar nicht immer zu den gleichen Schlüssen kommen, ob ja oder nein. Und es wird ja auch meistens angemerkt, das jede Beurteilung hier ziemlich unsicher ist. Die Diskussion über diese Theorien ist aber jedenfalls spannend und hilfreich, finde ich

 :friede:  viele Grüße, Sven
#99
Steinartefakte / Aw: Spitzer Abschlag mit Retus...
Letzter Beitrag von Schabersucher - 09. Januar 2026, 16:38:53
Zitat von: Herlitz in 08. Januar 2026, 18:31:29Hallo,

den Abschlag kann ich nachvollziehen, besitzt das Stück doch einen Bulbus und Schlagnarben. Eindeutige Retuschen sehe ich aber nicht, im Gegenteil, es gibt rezente Bestoßungen. Es wirkt auf mich recht alt, oder stammt es von einem Ufer? Die Angabe der Fundumstände und Region ist oft wichtig für die Bestimmung von Funden.
 :winke:  Sven
Hallo Sven,
vielen Dank für die Kommentare und Nachfragen!
Wie alle meine Steine, stammt auch dieser vom SH Ostseestrand, das hatte ich hier vergessen dazuzuschreiben... also JA: das Ufer der Ostsee, und gleichzeitig auch: NEIN, der Stein war bis vor kurzem in die Steilküste eingebettet und lag noch nicht lange am Ufer als ich ihn aufgehoben habe (behaupte ich mal so aus meiner Erfahrung heraus...). Ob rezent (das heisst erst vor relativ kurzem entstanden) oder nicht rezent, will ich lieber nicht beurteilen, ich vermute, der Stein ist auch in diesen Negativen der Absplitterungen (die jeweils immer von einer Kante auf nur eine Fläche gehen) patiniert.
Viele Grüße, Sven
#100
Steinartefakte / Eine systematische Prospektion...
Letzter Beitrag von thovalo - 09. Januar 2026, 11:11:45
Moin!


Vor sieben Jahren habe ich, zusammen mit einem Doktoranden der urgeschichtlichen Fakultät in Köln, einen spätaltsteinzeitlichen Fundplatz systematisch prospektiert. Die Temperaturen lagen deutlich unter 0 Grad und die Begehung war, wie dort immer, sowohl mühsam wie auch lohnend.

Es fanden sich bei dieser Maßnahme unter anderen die alt gebrochene Distalpartie einer Rückenspitze "mit geraden Rücken" sowie ein klassischer "einfacher" Stichel. Die Rückenspitze und der Stichel gehören in dem erstaunlich umfangreichen Oberflächendundkomplex in die Zeit der spätaltsteinzeitlichen "Federmesserkultur".

Die Fundkomplexe der Zeit des ausgehenden Eiszeitalters werden über die am häufigsten autretende Gerätegruppen näher eingeschätzt. In aller Regel sind das die Kratzer und selten sind es die namengebenden, charakteristischen Peilspitzen. Auf dem hier begangenen Fundplatz ist es überraschend der Gerätetyp des Stichels. Die Stichel treten hier in vielfältigen Variationen auf. Außergewöhnlich ist zudem der hohe Anteil sehr kleinformatiger Stichel. Dafür gibt es in Deutschland bislang keinen vergleichbaren Platz dieser Zeitstellung. Stichel wurden nach heutigen Forschungsstand "spanabhebend" sowie fein schabend eingesetzt. Das lässt vermuten, dass auf diesem Platz recht intensiv Gegenstände hergestellt und bearbeitet worden sind, die an anderen Plätzen eine bei- oder untergeordnete Rolle gespielt hatten. Klassische Produkte die mit Sticheln hergestellt und bearbeitet wurden sind abgetrennte oder ausgelöste Geweih- und Knochenstücke die dann zu Nähnadeln, Harpunen, Spitzen usw. hergestellt worden sind. Dazu gehören aber auch Kunstwerke wie die Elchfigur und die große Knochennadel mit Tierkopfende aus den beiden zeitgleichen Bestattungen bei Bonn-Oberkassel.

Das Fragment der Spitze wurde dann als Abbildung mit in eine Veröffentlichung in A.i.D. aufgenommen.

Das seit 2005 zusammengetragene Fundinventar ist inzwischen vollständig aufgenommen und gezeichnet worden und auch für das kommende Jahr 2026 ist die wissenschaftliche Aufnahme finanziert und gesichert, sodass weitere Neufunde umgehend in das Inventar und die Datenbank übernommen werden können.


Ich wünsche Euch Allen einen guten Start in ein erfolgreiches neues Sucherjahr!



lG  Thomas