Geländeformation im Wald

Begonnen von lord3d, 12. Februar 2012, 19:55:44

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lord3d

Guten Abend miteinander!

Was ihr auf den folgenden Bildern seht, steht so im Landkreis Diepholz, Niedersachsen, in einem Wald, der einige Jahrzehnte vor dem Dreißigjährigen Krieg an eine in der Nähe ansässige Familie vererbt wurde. In deren Besitz ist er bis heute. Der Besitzer hat mir erzählt, dass es in seinem Wald etwas gibt, worauf er sich keinen Reim machen kann. Er ist weit über 80, geistig klar wie ein Gebirgsbach und hat ein besseres Gedächtnis als ich es je haben werde. Er sagt, das es diese Geländeformation so gibt, seit er jung ist und sie auch davor schon da war, laut seinem Vater. Das darf man also als Fakt betrachten. Es kann also kein Bunker sein, es hat auch nichts mit der Ölförderung in der Gegend zu tun, es ist kein vergrabener Tank oder sonstwas, es ist gar nichts. Und es ist auch kein eingetragenes Bodendenkmal. Es ist also so eine Art Rätsel, bei dem ich zum Miträtseln einlade.

Ich möchte zunächst betonen: es schließt sich für mich aus, dort irgendwie zu graben, zu sondeln oder sonstwas zu tun. Es gibt drei Gründe, weshalb ich gerne mehr darüber erfahren würde: in der Gegend gibt es sehr viele Sondengänger, sehr viele tolle Leute, die einen wertvollen Beitrag leisten, entsprechend aber auch sicher sehr viele Spinner. Wenn es also etwas interessantes sein könnte, möchte ich es melden, bevor es zu spät ist. Das war Grund eins, Grund zwei wäre, dass es mich interessiert und Grund drei, dass es vor allem meinen lieben Freund interessiert, dem das alles gehört. Vielleicht ist es auch gar nichts, was wahrscheinlich ist, auch damit wären wir absolut zufrieden.

Ich möchte nicht zuviel verraten, aber es gibt zahlreiche Gründe, warum bisher nicht viele Leute über die Stelle gestolpert sein werden.
Wer genaueres Wissen möchte, soll mich per Privater Nachricht kontaktieren, aber so öffentlich will ich dazu nichts schreiben, weil die Identifizierung der Stelle dann relativ einfach möglich wäre. Im Übrigen ist die Ausdehnung des Waldes seit mindestens dem ausgehenden 18. Jahrhundert nahezu unverändert, davor liegen keine Karten vor, die den Wald zeigen. Seine Existenz wiederum ist ab dem 13. Jahrhundert belegbar.

Nun ein paar Fakten: die Fläche in der Mitte hat einen Durchmesser von etwa sieben Metern. In Hufeisenform verläuft ein etwa 100cm tiefer Graben, der etwa drei bis vier Meter breit ist, die Seiten fallen recht steil ab. An einer, etwa zwei bis drei Meter breiten Stelle ist der Graben unterbrochen, hier kann die Formation betreten werden, ohne dass der Graben durchschritten werden muss. Der Hügel in der Mitte ist keiner, weshalb ich ihn so eigentlich auch nicht nennen möchte, da er die gleiche Höhe besitzt, wie das umliegende Land. Wohin der Aushub geschafft wurde, der beim Ausheben des Grabens entstand, weiß ich nicht. Auf der Formation befindet sich ein etwa 100x100x30 cm tiefer "Schacht", der aber nicht in den letzten Jahren entstanden ist, sondern ebenfalls etwas älter sein muss, d. h., drei bis fünf Jahrzehnte. An der Formation direkt sind keine Spuren zu sehen, wie z. B. bearbeitete Steine, in der Umgebung liegen allerdings einige. Die hier zuzuordnen wäre aber auch wieder rein spekulativ.

Falls ihr euch ein paar Gedanken machen wollt, wäre ich euch dankbar. Weitere Infos oder spezielle Bilderwünsche gibts auf Anfrage. :winke:

Danke im voraus!
Habemus Nachforschungsgenehmigung.

Levante

Hallo,

der Schacht, wie du ihn bezeichnest, ist schon mal ein Zeichen dafür, das schon andere die Stelle für interessant erachtet haben.

Ist ein typisches Loch für eine Probegrabung, mann könnte auch sagen, typisches Raubgräberloch.
Nicht nur ein Scherben (Keramische Fragmente) Sucher sondern auch ein Scherben (Keramische Fragmente) Finder. :-)

lord3d

Ja, das dachte ich mir auch. Nur ist es wie gesagt so, dass das Loch wohl aus der Zeit stammt, in der es kaum Sondengänger gab. Ich vermute, dass man sich damals erstmal die wirklich fundträchtigen Stellen vornahm, wenn man auf eine Raubgrabung aus war. Der Aushub des Lochs liegt direkt darum herum, es ist das einzige Loch auf dem Hügel. Das spricht für mich eher dafür, dass es bei einem Versuch blieb und, falls es was zu rauben gibt, nicht alles geraubt wurde.
Habemus Nachforschungsgenehmigung.

insurgent

Könnte eine alte Motte (Turmhügelburg) sein.
Meine Bodenfunde werden gemeldet

Levante

Zitat von: insurgent in 12. Februar 2012, 21:03:32
Könnte eine alte Motte (Turmhügelburg) sein.

War auch mein Gedanke
Nicht nur ein Scherben (Keramische Fragmente) Sucher sondern auch ein Scherben (Keramische Fragmente) Finder. :-)

Gratian

Kann das viereckige Loch nicht auch von (z.B. englischen) Soldaten stammen die in den 70iger Jahren hier mal wieder eine ihrer großangelegten Herbstmanöver gemacht haben?

Gut Fund!   :engel:
Gratian

ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS
PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR. AMEN.

Levante

Dann sollten da aber noch weiter Löcher in der Nähe sein, wo sich die Soldaten verschanzt haben?
Nicht nur ein Scherben (Keramische Fragmente) Sucher sondern auch ein Scherben (Keramische Fragmente) Finder. :-)

lord3d

Weitere Löcher gibt es nicht. Ich weiß, dass auf einer Wiese (jetzt: Acker) in dorfnähe, aber von diesem Platz doch Luftlinie 1000+ Meter entfernt, niederländische Truppen in den 70/80er Jahren Übungen durchgeführt haben. Dort habe ich auch entsprechende Hülsenreste von Übungsmunition gefunden.

Die Idee mit der Motte finde ich interessant. Glaubt ihr nicht, dass der Durchmesser der Formation, ohne Graben allenfalls sieben oder acht Meter, zu gering ist?

Habemus Nachforschungsgenehmigung.

insurgent

Zitat von: lord3d in 13. Februar 2012, 11:29:18
Weitere Löcher gibt es nicht. Ich weiß, dass auf einer Wiese (jetzt: Acker) in dorfnähe, aber von diesem Platz doch Luftlinie 1000+ Meter entfernt, niederländische Truppen in den 70/80er Jahren Übungen durchgeführt haben. Dort habe ich auch entsprechende Hülsenreste von Übungsmunition gefunden.

Die Idee mit der Motte finde ich interessant. Glaubt ihr nicht, dass der Durchmesser der Formation, ohne Graben allenfalls sieben oder acht Meter, zu gering ist?



Gibt es kleiner und auch größer. Je nachdem ob es ein Wohnturm oder nur Schutzturm war
Meine Bodenfunde werden gemeldet

lord3d

Danke für die Information. Diese Quelle (http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Turmhuegel.htm) bestätigt das:

ZitatIhr Durchmesser [gemeint sind vierzig Burgen in einer Region] reicht von 5 bis 40 m, wobei am häufigsten jedes Maß zwischen 10 und 30 m beobachtet werden kann. Je nach Erhaltungszustand und Ausnützung der Lage sind sie noch 2, 4 oder sogar 10 m hoch (z.B. Gossenreuth [46b]). Auch beim Graben schwankt die Breite beträchtlich von 2 bis 20/25 m, mit einer mittleren Tendenz von 10 m.

Was mich dahingehend etwas stutzig macht, ist das Vorhandensein des, sagen wir mal, natürlich ,,Stegs", den man auch auf den Bildern sieht. Auf den Bildern, die ich gefunden haben, ist immer eine Holzkonstruktion zu sehen, die sich, falls nötig, demontieren/einziehen lässt.
Habemus Nachforschungsgenehmigung.

Levante

Mir ist eine Motte bekannt, die entspricht deinem Befund sehr gut, von den Abmessungen.

Der Graben ist auch nur noch teilweise zu erkennen und vom Aushub fehlt auch, auch dort, jede Spur.

Leider kann ich momentan kein Bild machen, da ich dafür zu meinen Eltern fahren müsste.
Nicht nur ein Scherben (Keramische Fragmente) Sucher sondern auch ein Scherben (Keramische Fragmente) Finder. :-)

insurgent

Meine Bodenfunde werden gemeldet

sludsen

#12
Danke für den Link, Insurgent :super: Sieht sehr interessant aus, da muss ich mal einen Ausflug hin planen! :-)

btt:
ist in der Nähe vielleicht eine Landwehr? Und hat der "Halsgraben" einen Zu- oder Abfluss? Vor einem guten Jahr war ich bei Restaurierungsarbeiten eines Turmhügels entlang einer Landwehr beteiligt. Eine Ähnlichkeit zu dem Hügel von lord3d besteht.

Es könnte sich aber auch um ein alte Richtstätte handeln, hier mal ein Beispiel: klick Die gezeigt Richtstätte war auch durch einen an einer Seite unterbrochenen Graben umgeben (hufeisenförmig), um zu verhindern, dass Schaulustige in die Hinrichtung eingreifen. Das würde diesen Steg bei Deinem Hügel erklären.

Richtstätte ebenso wie Landwehren lassen sich allerdings in historischen Quelle ganz gut ausmachen, auch Flurnamen geben darüber oft Zeugnis ab. ... ich gehe davon aus, dass Du die hiesigen Ortschroniken nach dem Wald durchsucht hast?

lg
der slud

Markus

Zitat von: Levante in 12. Februar 2012, 20:42:26
Ist ein typisches Loch für eine Probegrabung, mann könnte auch sagen, typisches Raubgräberloch.

Hat zwar nichts mit dem Thema zu tuen, möchte aber hierzu kurz etwas anmerken.
Bei uns im Kreis war es damals (19.-20. Jhd.) scheinbar üblich, sich am Sonntag nach der Messe - unter der Federführung des Ortsansässigen Pastors - zum "Pötte klauben" zu treffen. Hier zog man mit Gottes Segen zum nächstgelegenen Hügelgräberfeld, um diesen ganz ungeniert zu plündern. Die besten Stücke wurden seinerzeit meist vom Pastor, oder anderen gut situierten Lokalgrößen angekauft. Informationen für das Denkmalamt gab es - wenn überhaupt - nur spärliche.
Raubgräberei im Zeichen des Kreuzes!  :staun: :hilfe3:
Ok, einige Geistliche fanden Spaß an der Heimatforschung und haben dieser auch einen großen Dienst erwiesen.
Was ich damit sagen will: Nicht jedes Loch muss von einem Raubgräber gegraben worden sein.  :zwinker:

Beste Grüße
Markus

sludsen

Von dem Hügelgräberfeld im Wald eines Nachbarortes kenne ich ähnliche Erzählungen. Pfaffe, Bürgermeister, Großbauern, etc. fühlten sich über die Zeit öfter mal berufen, die Hügelgräber zu "retten" und auszugraben, das Ergebniss: über 30 schon vor langer Zeit geplünderte Hügelgräber ohne Dokumentation, die Funde sind verschollen. Nur 3 Bestattungen blieben unberührt und kannten in den 70ern gerettet werden, diesmal richtig...

Du kommst nicht zufällig aus dem Landkreis Peine und wir meinen das selbe Gräberfeld?  :zwinker:

lord3d

Moin zusammen! Danke wieder für alle, die sich hier Beteiligen!

Es gibt dort keine sichtbaren Zu- oder Abflüsse. Es befindet sich dort weder eine Landwehr, noch eine Richtstätte, jedenfalls geht aus der Dorfchronik nichts dergleichen hervor. Im Übrigen musste ich in der Dorfchronik nicht lange nach dem Wäldchen suchen, dort wird sehr ausführlich dazu Stellung genommen, einen Hinweis auf den Zweck (oder die Existenz im Allgemeinen) der Bodenformation gibt es aber nicht zu entdecken.

Dabei muss betont werden, dass dies wohl daran liegt, dass der Wald zwei Besitzer kennt – ein Teil ist Gemeindeeigentum, der andere privat. Im privaten Teil liegt die Bodenformation. Es gibt nur ein paar Grenzsteine, die die Trennlinie markieren. In der Chronik wird nur Bezug genommen auf den Gemeindeteil und ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass die Tatsache, dass der zweite Teil des Waldes Privatgrund ist, über all die Jahrhunderte hinweg niemals in Frage gestellt wurde (ganz im Gegensatz zum anderen Teil). Aus der Chronik stammen auch die Informationen, die ich euch im ersten Beitrag genannt habe. Der Flurname gibt nur einen Hinweis auf den Besitzer des Gemeindewalds, zudem ist er inoffiziell und auf keiner Karte verzeichnet, was mich sehr verwundert hat, weil er – in verschiedenen sprachlichen Variationen – ganz offensichtlich seit jeher gebräuchlich ist.

Ich würde euch gerne einfach Scans der Dorfchronik hier zur Vefügung stellen, aber da ist mir unwohl bei. Ich stelle sie jedem gerne via Privater Nachricht zur Verfügung, wer sich dafür interessiert, möge sich melden und ich werde bei nächster Gelegenheit den Text scannen.
Habemus Nachforschungsgenehmigung.

lord3d

Kleine Info: ich war an der Stelle mittlerweile nochmal mit einem örtlichen Heimatforscher und wir sind uns nun nach einiger Recherche sicher, dass das ganze militärischen Ursprungs ist, wie hier im Thema auch schon gemutmaßt wurde. Schade.  :besorgt:
Habemus Nachforschungsgenehmigung.