Fund 3 von der Fundstelle des Kernbeils: Fragezeichen

Begonnen von neolithi, 31. März 2025, 15:23:51

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neolithi

Hallo zusammen,

hier nun das dritte Stück von der Fundstelle (https://sucherforum.de/steinartefakte/mal-etwas-eindeutiges-kernbeil/).
Ich kann es nicht wirklich einordnen, bin aber ziemlich sicher, dass die Abschläge menschengemacht sind.  Sie sind aber so grob  :kopfkratz:
Kratzer fällt weg, weil von beiden Seiten retuschiert wurde, so dass eine scharfe (wenn auch krumme) Kante entstanden ist. Aber von etwas Beilähnlichem scheint es mir recht weit entfernt oder sehr schlecht gemacht... Vielleicht späte Bronzezeit, als man das Handwerk nicht mehr gut beherrschte?

Bin gespannt auf eure Diagnosen.

Schöne Grüße
Anke

Neos

Hallo, Anke,

ich glaube ,,behauener Stein" würde dieses Fundstück am ehesten beschreiben.

Viele Grüße 

Frank 

neolithi


Wiedehopf

Guten Abend Anke,

ich habe hier schon öfter von 'ausgesplitterten Stücken' gelesen. Einfache und zweckmäßig zugerichtete Stücke zum Spalten von Holz, Knochen .....

Vielleicht ist es so etwas  :nixweiss: .

Viele Grüße
Michael

thovalo

Zitat von: Wiedehopf in 31. März 2025, 20:41:24Guten Abend Anke,

ich habe hier schon öfter von 'ausgesplitterten Stücken' gelesen. Einfache und zweckmäßig zugerichtete Stücke zum Spalten von Holz, Knochen .....

Vielleicht ist es so etwas  :nixweiss: .

Viele Grüße
Michael

Nicht die schlechteste Idee, allerdings wäre es dann ein recht wuchtiges ausgesplittertes Stück. Sofern der reichlich anhaftende Metallabrieb nicht eine Behandlung durch die Landwirtschaft eher nahe legt.


lG Thomas
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

neolithi

Hallo Michael und Thomas, 
ist "ausgesplittertes Stück" so definiert, dass die Aussplitterungen durch Gebrauch eines Steines und nicht durch intentionelle Zurichtung entstanden?
Dann würde ich bei diesem Stück mit "jein" zustimmen. Ich denke schon, dass von beiden Seiten intentionell eine Kante geschlagen wurde, um anschließend damit Kokosnüsse o.Ä.  :-) zu knacken. Weitere Aussplitterungen sind durch Gebrauch hinzugekommen (?).
Als ich das Teil aufgehoben habe,  war mein erster Gedanke "Chopper", aber dazu sind es zuviele Schlagspuren und es passt auch nicht in die Fundgegend. Aber die Assoziation zum Schlagwerkzeug war da.
Liebe Grüße
Anke

Furchenhäschen

Zitat von: Neos in 31. März 2025, 18:37:17Hallo, Anke,

ich glaube ,,behauener Stein" würde dieses Fundstück am ehesten beschreiben.

Viele Grüße

Frank

Hallo Frank,

oder stark bestoßener Stein, denn die zahlreichen Rostspuren lassen auf Kontakt zu landwirtschaftlichem Gerät schließen.

Grüße Peter

RockandRole

Hallo Leute,

ich glaube dass der Pflug wirklich viel kann. Aber Pfeilspitzen flächenretuschieren und eine dreifach gestaffelte Abbaukante wäre schon bemerkenswert. Wäre das auf einer Stelle mit Mittelpaläolithikum, würde ich da an einen Schaber mit Quinaretusche denken. Es gibt doch aber auch Plätze mit Bronzezeit, wo es teilweise richtig grob wird.
Für mich eindeutig ein Artefakt. Vielleicht ist da ja ein Abbau für Abschläge schief gelaufen  :nixweiss:

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Furchenhäschen

#8
Zitat von: RockandRole in 01. April 2025, 17:18:56Hallo Leute,

ich glaube dass der Pflug wirklich viel kann. Aber Pfeilspitzen flächenretuschieren und eine dreifach gestaffelte Abbaukante wäre schon bemerkenswert. Wäre das auf einer Stelle mit Mittelpaläolithikum, würde ich da an einen Schaber mit Quinaretusche denken. Es gibt doch aber auch Plätze mit Bronzezeit, wo es teilweise richtig grob wird.
Für mich eindeutig ein Artefakt. Vielleicht ist da ja ein Abbau für Abschläge schief gelaufen  :nixweiss:

Liebe Grüße Daniel

Hallo Daniel,
wenn ich die ersten 3 Fotos ansehe muß ich sagen, zu einer Quinaretusche führt kein Weg hin, die Absplitterungen ergeben insgesamt keinen Sinn.
Wo ist eine Pfeilspitze zu sehen?
Ich füge gleich noch einen Link mit echten Quinawerkzeugen nach.
https://sucherforum.de/steinartefakte/teil-iv_ein-mittelpalaolithikum-aus-dem-schwabischen/msg310141/#msg310141
https://sucherforum.de/steinartefakte/teil-ii-_-ein-mittelpalaolithikum-aus-dem-schwabischen/msg309878/#msg309878
https://sucherforum.de/steinartefakte/teil-iii-_-ein-mittelpalaolithikum-aus-dem-schwabischen/msg309974/#msg309974
https://sucherforum.de/steinartefakte/ein-mittelpalaolithikum-aus-dem-schwabischen/msg310062/#msg310062

Die in den Links gezeigten Stücke sind Lesefunde von einer beackerten Freilandstation bei Donauwörth und wurden als Quinaartefakte klassifiziert. Aber was ich hier sehe, da führt leider kein Weg hin.

Was man hier als behauener Stein anspricht ergibt aber technologisch  keinen Sinn, wenn man den Gedanken einer Zwischenstufe auf dem Weg zur Herstellung eines Werkzeuges ansieht. Das Stück hat in diesem Zustand noch eine Gesamtlänge von ca. 9cm, würde man die Zurichtung als Werkzeug weiter fortführen würde bis zur Fertigstellung nicht mehr recht viel übrig bleiben,

Trotzdem Interessant und danke fürs zeigen.
Grüße Peter

Nanoflitter

Zitat von: Neos in 31. März 2025, 18:37:17Hallo, Anke,

ich glaube ,,behauener Stein" würde dieses Fundstück am ehesten beschreiben.

Viele Grüße

Frank

Ja, so würde ich auch sagen. Rostspuren entstehen meist an exponierten Graten und
Kanten durch Landwirtschaft, sind aber nicht unbedingt ursächlich für die hier doch einigermaßen gestuften Gestaltungsversuche. Gruss..

RockandRole

Servus,

ich habe nicht gesagt, dass ich das Stück für einen Schaber mit Quinaretusche halte, so mutig bin ich nicht  :zwinker:  Bild 184650 zeigt hier am Besten diese Staffelung, von der ich rede. Ich denke nicht, dass das vom Pflug kommt, mag aber auch jeder anders sehen. Eine Pfeilspitze gibt es natürlich nicht, das war doch nur ein Vergleich.

liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Wiedehopf

ZitatHallo Michael und Thomas,
ist "ausgesplittertes Stück" so definiert, dass die Aussplitterungen durch Gebrauch eines Steines und nicht durch intentionelle Zurichtung entstanden?

Moin Anke,

Thomas, Nano und andere haben hier im Forum eine Vielzahl 'ausgesplitterte Stücke' vorgestellt. Ich habe diese Stücke auch erst hier kennen gelernt, sie werden wohl oft einfach übersehen.

Ich verstehe das so, dass die Aussplitterungen durch den Gebrauch entstanden sind. Insbesondere Flint reagiert empfindlich auf Druck und Schlag.

hier mal ein Beispiel für die Diskussionen dazu aus dem Forum:

https://sucherforum.de/steinartefakte/dechselklinge-fragment-84331/msg530800/#msg530800

Viele Grüße
Michael   

hargo

Moin,

ich würde Kerntrümmer vermuten, weil kein vollständiges Bulbusnegativ vorhanden.
Behauener Stein ist keine Option.

mfg