Zwei Schlagunfälle

Begonnen von Schuhnagel 2, 15. Mai 2026, 08:38:59

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Schuhnagel 2

Morgengruss

Beim esten Objekt sagt mir mein Halbwissen, dass es sich um eine Kernfussklinge handelt. Proximal fehlt ein Stück.

Nummer zwei ist für mich spannend, weil der Silex aus dem Pariser Becken stammt und auf verschlungenen Pfaden irgendwie ins mesolithische Sommerkamp in den Bernischen Voralpen gelangt ist. Hier der Link zu einem einschlägigen Text:
https://steine-scherben.de/pages/das-gestein/kieselgestein/feuerstein/frankreich/pariser-becken/tertiaersilex.php

Viele Grüsse

Ulrich

thovalo

#1
Moin!

Beides sind wohl Kernfußklingen. Die erste, aus dem was man verallgemeinernd "Kieselschiefer nennt" und das zweite Stück zeigt Oogonien, also spezifische fossile Einschlüsse, die eine Bildung in Süßwasser markieren! Ob es dieses Merkmal nur im Pariser Becken gibt, oder doch auch in einem Vorkommen von Hornstein im alpinen Raum, wüsste ich jetzt nicht sofort einzuschätzen?


Hier ein link zum Thema

https://steine-scherben.de/pages/das-gestein/kieselgestein/feuerstein/frankreich/pariser-becken/tertiaersilex.php


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

thovalo

#2

Silex mit Oogonien scheint auch im Fundmaterial von Arbon Bleiche 3 mit vorhanden zu sein!


https://archaeologie.tg.ch/public/upload/assets/58094/AiTG_12_Arbon_Bleiche_OCR%20_verkleinert.pdf?fp=1513168592000


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Schuhnagel 2

Thomas, danke!

Da die Armleuchteralge offenbar weltweit verbreitet war und ist, wäre es gut möglich, dass sich auch anderswo fossile Oogonien in Silex eingebettet finden. Ich bin erst einmal glücklich, diese schöne Uebereinstimmung mit Silex aus der Marne gefunden zu haben.

Viele Grüsse

Ulrich

Schuhnagel 2

Die Herkunft scheint -mangels konkreter Alternativen- geklärt. Aber wie steht es mit einer eventuellen Verwendung?
Vielleicht ein Schaber, links und rechts rezent gebrochen (Kuh drauf gestanden?)

Oder ein Taschenfeuerzeug aus dem 17- 18. Jh? (Mit Blick auf die damalige französische Silexindustrie).

Viele Grüsse

Ulrich

Nanoflitter

Nein, kein Tool, an einem Kern sind immer irgendwelche Präparationen oder Schlagspuren, die sich dann abgetrennt in den Abgeschlagenen Produkten wiederfinden. Da sollten schon eindeutigere Retuschen vorliegen. LG

Schuhnagel 2

Man stelle sich vor: die Knolle über hunderte von Meilen in die Berge geschleppt und dann nix. Solche Tüten :kopfkratz:

Morgengruss

Ulrich

Nanoflitter

War ein hartes Leben  :-D

thovalo

Zitat von: Schuhnagel 2 in Heute um 06:59:12Man stelle sich vor: die Knolle über hunderte von Meilen in die Berge geschleppt und dann nix. Solche Tüten :kopfkratz:

Morgengruss

Ulrich


Das lässt eben viel eher vermuten, dass das Stück nicht so weit hergetragen worden ist. Machte auch keinen großen Sinn. Die Menschen des Mesolithikums sind nicht so weit gewandert, sondern tauschten selten und nur gelegentlich Fern"importe" untereinander aus, wenn sie sich, vielleicht bei jährlichen Treffen oder gemeinsamen Jagden trafen, denn irgenwie musste ja auch der Genpool immer wieder aufgefrischt werden!

Dass ein Material mal etwas über 100 Kilometer Umkreis "persönlich" eingesammelt worden ist, liegt im Grenzraum der Wanderbewegungen der Mesolithiker innerhalb eines Territoriums.

Was darüber hinaus geht, kann und muss als "ausgetauscht" gelten. Wie gesagt sind Oogonien keine besondere Sache und es wird auch im Hornsteinsammelsurium des Südens solche Vorkommen mit vergleichbaren Einschlüssen geben können. Das mögen nun große oder ganz kleine und lokal begrenzte Vorkommen sein.

Ein Vogel macht dem Sprichwort zufolge noch keinen Sommer und ein Schlagabfall Silex, der nicht ins gewohnte Spektrum passt, auch nicht zangsläufig einen exotischen Import aus. Gerade im Mesolithikum nicht!


Vielmehr würde ich weiter aufmerksam suchen und finden und zudem mal die Literatur zu Materialvarietäten des Mesolithikums im Fundgebiet studieren. ich glaube, da liegt viel ungenutztes Potential.
lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.