Abschlag mit Facetten

Begonnen von Schabersucher, 23. Februar 2026, 19:14:27

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Schabersucher

Liebe Leute,

heute möchte ich noch einen Stein zeigen, den ich am gleichen Ort gefunden habe, wie den Abschlag mit Retuschen:
Zitat von: Schabersucher in 22. Februar 2026, 14:08:55... Fundort: Schleswig-Holstein ...
Der Abschlag, den ich jetzt zeige, besitzt auf der Dorsalseite mehrere fast planare Facetten mit entsprechend fast linearen Graten und Kanten. Ausserdem hat er keine oder kaum Retuschen. Ich habe hier zwar einige facettierte Abschläge gefunden, aber dieser sticht doch wegen der Planarität der einzelnen Facetten besonders heraus.

L x B x H, M ~= 5 cm x 3.5 cm x 1 cm, 17 g

Was haltet Ihr davon? Die grobe Form des Steins könnte ja zu einem Abschlag der Levallois Technik passen, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber Schlagfläche und Fundort sprechen wohl eher dagegen... Fielen entsprechende Abschläge auch im Meso- und/oder Neolithikum ab?

Viele Grüße,
Sven

Steinkopf

#1
Moin Sven,

meinen Glückwunsch zum Fund.
Es ist ein Abschlag, der einen großen Schlagflächenrest zeigt
Die beiden Vorgängerabschläge sindwurden richtungsmäßig von der gleichen Schlagfläche abgetrennt.
Ich sehe keine Merkmale, die auf Levallois-Technik hindeuten.

Lg
Jan

Schabersucher

Moin Jan,
Zitat von: Steinkopf in 24. Februar 2026, 09:09:27Es ist ein Abschlag, der einen großen Schlagflächenrest zeigt
Die beiden Vorgängerabschläge sindwurden richtungsmäßig von der gleichen Schlagfläche abgetrennt.
Ich sehe keine Merkmale, die auf Levallois-Technik hindeuten.
vielen Dank! Ja, stimmt, die beiden großen Facetten sind aus der selben Richtung abgetrennt ... ich hatte eher an die vier anderen, kleineren Facetten gedacht, die aus unterschiedlichen Richtungen abgetrennt worden sind. Aber ich kenne mich da tatsächlich überhaupt nicht aus und freue mich jedenfalls über die Einschätzung! Ich nehme dann an, dass der Kern halt auch in anderen Zeiten irgendwie in Form gebracht wurde, zB um einfach Kortex zu entfernen, bevor dann aus einer Richtung ein Abschlag nach dem anderen abgetrennt wurde, sodass sich diese Form des Abschlags wohl immer ergeben könnte.
Viele Grüße,
Sven

Danske

Moin Sven,

auch von mir Glückwunsch zum Fund.

Jan hat ja schon alles gesagt.

Bei der Levallois-Technik wurde eine Kante des Kerns sorgfältig retuschiert, so dass er eine leicht bogenförmige Schlagfläche erhielt. Der Schlagpunkt lag nahe an der Kernkante, wodurch ein gleichmäßig dünner Abschlag gewonnen werden konnte. Der SFR des Abschlags war daher fein facettiert und in der Aufsicht wellen- bzw. sinusförmig schmal. Der Winkel zwischen SFR und Dorsalfläche beträgt regelmäßig 90°. Ein weiteres Kennzeichen sind die durch die Schlagflächenpräparation gekappten Dorsalnegative.

Den Winkel zwischen SFR und Dorsalfläche kann ich bei deinem Fundstück auf den Fotos nicht einschätzen. Aber alle anderen Merkmale, die für einen Levallois-Abschlag sprechen würden, sehe ich bei deinem Stück nicht.

LG
Holger
Ignoramus, ignorabimus.

Schabersucher

Zitat von: Danske in 24. Februar 2026, 20:39:11Bei der Levallois-Technik wurde eine Kante des Kerns sorgfältig retuschiert, so dass er eine leicht bogenförmige Schlagfläche erhielt. Der Schlagpunkt lag nahe an der Kernkante, wodurch ein gleichmäßig dünner Abschlag gewonnen werden konnte. Der SFR des Abschlags war daher fein facettiert und in der Aufsicht wellen- bzw. sinusförmig schmal. Der Winkel zwischen SFR und Dorsalfläche beträgt regelmäßig 90°. Ein weiteres Kennzeichen sind die durch die Schlagflächenpräparation gekappten Dorsalnegative.

Den Winkel zwischen SFR und Dorsalfläche kann ich bei deinem Fundstück auf den Fotos nicht einschätzen. Aber alle anderen Merkmale, die für einen Levallois-Abschlag sprechen würden, sehe ich bei deinem Stück nicht.
Moin Holger,
vielen Dank für die hilfreichen Erklärungen! Der Winkel zwischen Dorsalfläche und Schlagflächenrest ist tatsächlich eher ~120 Grad, schätze ich... und eine Facettierung der Schlagfläche ist überhaupt nicht vorhanden. Wenn ich das richtig verstehe, ist die einzige Ähnlichkeit mit einem Levallois Abschlag die Kappung der Dorsalnegative durch weitere Abschlagsnegative. Auf alle anderen notwendigen Merkmale hatte ich nicht geachtet... es kann also kein Levallois Abschlag sein.
Viele Grüße,
Sven
PS. ich stelle gleich noch einen Abschlag ein, den ich interessant finde... bitte um Nachsicht, wenn da für euch nichts Beeindruckendes dabei ist...

Danske

Zitat von: Schabersucher in 24. Februar 2026, 22:05:52Wenn ich das richtig verstehe, ist die einzige Ähnlichkeit mit einem Levallois Abschlag die Kappung der Dorsalnegative durch weitere Abschlagsnegative.

Moin Sven,

gemeint ist hier die Kappung der Dorsalnegative am proximalen Ende des Abschlags. Der Kern wurde durch die Feinpräparation im Schlagflächenbereich etwas verkürzt, so dass die Negative vorheriger Zielabschlage nicht mehr komplett vorhanden sind, sondern quasi gekappt wurden.

LG Holger :winke: 
Ignoramus, ignorabimus.