Flintplanke mit bewegter Vergangenheit (Strandfund)

Begonnen von Wiedehopf, 25. Januar 2026, 10:39:09

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Wiedehopf

Moin,

ich habe mit Interesse die Diskussionen über die letzten Strandfunde hier im Forum verfolgt, insbesondere über die Wirkung der 'Brandungsgeröllmühle' bei der Entstehung vermeintlicher Artefakte. Ich habe auch solche Stücke die aussehen wie total verschliffene Scheibenbeile oder Klingen und bei denen es sich nicht lohnt sie hier zu zeigen.

Interessant ist aber eine Flintplanke aus einer Altsammlung an der man sowohl intentionelle Abschläge als auch natürliche, durch das Brandungsgeschehen entstandene Abplatzer erkennen kann und zwar aufgrund der unterschiedlichen Färbung.

Das Stück war wohl zunächst auf dem Land in ein Milieu eingelagert welches die orangefarbene Patinierung verursacht hat. Später ist die Planke dann durch irgendwelche Umstände, vielleicht durch die von Steinkopf Jan kürzlich beschriebenen geologischen Veränderungen (Landsenkungen) oder durch einen Küstenabbruch ins Meer gelangt und dort 'überarbeitet' worden.

Alle scharfen Grate sind verschliffen und abgerundet, an besonders exponierten Stellen wie den Kanten tritt unter der Patinierung die ursprüngliche graue Farbe des Flints wieder hervor.

Es sind auch einige größere graue Abplatzungen erkennbar die dem Stück durch den Absturz oder die Brandungsgeröllmühle zugefügt wurden.

Diese lassen sich, bis auf den farblichen Unterschied, nicht von den intentionell zur Formgebung der Planke angelegten Abschlägen unterscheiden ! Siehe z.B. links unten auf Bild 2 und 3.

Dies zeigt, wie schwierig es oft ist Strandfunde zu beurteilen. 

Viele Grüße
Michael                 

Steinkopf

Moin Michael,

das ist ein schönes Beispiel. Die Beilplanke ist noch deutlich zu sehen, Ecken und Kanten
werden verrundet.

Wie es viel später aussieht ist unter
https://sucherforum.de/steinartefakte/geroll-85405/
zu sehen. Die Abschlagnegative halten sich noch eine Weile.

LG
Jan

thovalo



Auch die Patinierung ist sehr beeindruckend!


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Fischkopp

Hallo Michael,
zuerst einmal möchte ich dir wiedersprechen. Grundsätzlich lohnt es sich hier alles zu zeigen und du machst mich ganz neugierig.
Ein wirklich ansehnliches Artefakt.
Was mich sehr fasziniert ist die Länge gemessen an der "rohen" Planke. Und die Frage warum es eine Planke geblieben ist.
Vielen Dank fürs Zeigen!
LG Fischkopp

Wiedehopf

Hallo Fischkopp,

ZitatGrundsätzlich lohnt es sich hier alles zu zeigen und du machst mich ganz neugierig

Ich hänge gerne ein Bild an. Falls dich etwas davon besonders interessiert mache ich gerne auch weitere Fotos. Weitere fragliche Stücke von Stränden der Ostsee sind auch noch vorhanden.

ZitatWas mich sehr fasziniert ist die Länge gemessen an der "rohen" Planke. Und die Frage warum es eine Planke geblieben ist.

Ich habe nochmal nachgemessen, es sind genau 19,2 cm Länge bei 775 Gramm. Ich denke es ist die Vorarbeit für ein dicknackiges Beil der Einzelgrabkultur mit hängender Schneide (PVP Nr. 167). Die Muschelung ist extrem grob ausgefallen, weniger als 50 eindeutige Abschläge an den vier Schmal- und Breitseiten zur Formgebung. Eine Breitseite ist sehr eben, die andere steht seitlich etwas heraus. Vielleicht war das der Grund es nicht weiter zu bearbeiten. Auch hier kann ich gerne noch Fotos in korrekter Darstellung machen. Andererseits wurden ja auch solch unvollendete Stücke weitergereicht und auch in Horten niedergelegt.

Viele Grüße
Michael   

Neos

Moin, Michael,

erst einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Halbfabrikat! Klasse!  :Danke2:

Sollte es ein Beil werden? Möglicherweise. Ich könnte mir aufgrund der Formgebung auch gut vorstellen, dass es sich hier eventuell um die Vorarbeit zu einem Meißel handelt.

Auf alle Fälle ist es meiner Meinung nach eines: In der Ausführung/Qualität recht selten.

Viele Grüße

Frank

Neos

Hallo, Fischkopp,

Zitat von: Fischkopp in Heute um 18:08:04Und die Frage warum es eine Planke geblieben ist.

da bleibt uns nur eines: zu spekulieren. Eine Option: Es kommt gar nicht so selten vor, dass Halbfabrikate hergestellt wurden, um dann andernorts zum Endprodukt zugearbeitet zu werden.

Viele Grüße

Frank