Ein Hiebgerät aus einem großen Feuersteinabschlag

Begonnen von thovalo, Heute um 13:25:16

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thovalo


Moin!

Vor drei Tagen konne ich noch eine bislang nicht begangene Stelle auf einer Feldflur am Niederrhein begehen. Die Regel sind inzwischen nur noch kleinere Bruchstücke von beim jahrelangen Grubbern vollständig zerstörten Artefakten.

Schon aus einiger Entfernung fiel mir auf der Feldpartie dann recht überraschend dieser 7 cm lange und max. noch 4.7 cm breite Abschlag auf. Wenn ich die Breite um das fehlende Stück ergänze, betrug die Breite ursprünglich etwa 6 cm.

Es ist ein Abschlag aus Lanayefeuerstein vom "Typ Rijckholt". Die Lagerstätte dieser Feuersteinvarietät liegt rund 100 km über moderne Autobahnen und asphaltierte Straßen vom Fundgelände entfernt.



Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

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Dorsal betrachtet sind die obere rechte Ecke und ein Stück rechts Unten rezent abgebrochen. Auf dem zweiten Bild erkennt man noch die Rostspur die das landwirtschaftliche Gerät beim Abbrechen der Ecke der breiten Seite eingedrückt hat.

Eine Langseite ist durchgehend retuschiert. Die gegenständige Langseite weist einen Kortexrest auf. An dieser Stelle wurde der Querschnitt des Abschlags durch seitliche Schläge zur Ventralseite hin in seinem Durchmesser angeglichen.
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

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Die breite Distalpartie ist einseitig von Ventral nach Dorsal zu einer retuschierten Schneide geformt worden. Ventral zeigt die Schneidenpartie die Merkmale heftiger und kurzer Einschläge.

Den Merkmalen folgend, handelt es sich um ein Artefakt, dass in der Art einer Dechselklinge quer in einer Handhabe geschäftet, als Hiebgerät eingesetzt worden war. Tatsächlich ist dieser Fundbeleg auch der am "flusigsten" gearbeitete und die am schlechtesten erhalten gebliebene Dechselklinge aus einer Steingrundform, die ich auf dieser Flurpartie gefunden habe.

Insgesamt liegen bereits etwa 8 Dechselklingen aus Feuersteinabschlägen vor, die J. Weiner mit den Anlaß gegeben htten diese eigenstädige Gerätegruppe zu  beschreiben.

Es gibt diese Feuersteindechselklingen auf diesem Flurstück meist unbeschliffenen. Beschliffene Exemplare sind hier dreimal vertreten. Die anderen sind lediglich durch Retuschierung in Form gebracht worden.

Die Ansichten der Schneide die so in der Hand gehalten ist, wie sie wahrscheinlich in einer Handhabe iaus Holu eingesetzt gewesen war.
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

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Dies ist eine weitere und geichartig gestaltete Dechselklinge aus einer Feursteingrundform vom Fundareal. Sie ist deutlich besser erhalten, leicht hell patiniert und weist gleichfalls heftige Ausschlagspuren auf, die in diesem Fall von Ventral nach Dorsal verlaufen.
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

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Der schönste Beleg dieser Dechselkingen aus einer Feuersteingrundform aus dem Rheinland stammt auch von dieser Feldflur und wurde in etwa 20 Meter Entferung von dem Neufund innerhalb einiger Jahre verbrannt,  in zwei anpassenden Hälften aufgelesen.
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

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Hier noch ein Bild des verbrannten, zusammengesetzten Exemplars mit einer Miniaturform dieser Machart, die auch Schliffpartien aufweist und einer gleichfalls dem Feuer ausgesetzt gewesenen kräftigen und vollkommen beschliffenen Dechselklinge aus Feuerstein. Alle Fundbelege stammen vom selben Fundareal,


Die Zeitstellung all dieser Fundstücke ist die der Michelsberger Kultur (etwa 4.300 - 3.650 v. Chr.). Die MK entwickelte sich im Pariser Becken und breitete sich in ihrer älteren Ausprägung zunächst über die Maasregion bis nach Westfalen nach Osten aus. Ihre Bezeichnung erhielt sie dann durch Grabungen auf dem Michaelsberg in der Nähe von Heilbronn, ein Platz der allerdings nur die jünger Michelsberger Kultur repräsentiert.

Möglicherweise ist die Tradition des Gebrauchs von Dechselklingen aus der älteren Tradition der Bandkeramik und der mittelneolithischen Rössener Kultur von den Vertretern der älteren Michelsberger Kultur in die Machart dieser Hiebgeräte aus Feuersteinabschlägen transferiert worden.

Da mein altes Bildarchiv komplett verloren gegangen ist, kann die die älteren Fundstücke hier nicht mehr in ihren Details zeigen. Die Sammlung, mit über 3ß.000  lithischen Artefakten, liegt vollständig im Magazin des Landesamtes für Bodendenkmalpflege.



lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.