Kleine Plombe mit Blumen und Wappen

Begonnen von Fabulas, 02. Januar 2026, 11:21:14

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Fabulas

Guten Morgen im Neuen Jahr,

leider habe ich die Plombe nicht parat, dass ich sie ausmessen könnte. Ich weiß nur, dass sie sehr klein war. Ich finde sie rätselhaft, denn mit Blumen habe ich bislang noch keine Plombe gesehen. Das Wappen könnte möglicherweise Nürnberg sein. Hier ist mal wieder Euer Expertenrat gefragt. :nixweiss:
Würde mich über Eure Expertisen sehr freuen.

Viele Grüße
Anita

Fabulas

Ich hatte wohl die Bilder vergessen.
Wenn die Pflanze auf Hopfen hindeuten würde, gäbe es eine Verbindung zu Nürnberg, auf das ja das Wappen schon hindeutet. Aber das sieht doch nicht nach Hopfen aus  :irre:  :glotz:  :nixweiss:
Oder hat es im weitesten Sinne doch etwas mit dem Pegnesischen Blumenorden 1644 in Nürnberg gegründet zu tun?
Da gibt es ein erstes Zeichen, auf dem auch eine Art Eichel zu erkennen ist. Ich lade das auch noch hoch...
tut mir leid für die vielen Nachträge.


Fabulas

So, und jetzt hat es mir überhaupt keine Ruhe mehr gelassen und Ihr habt hier meine ganze Nachforschungsarbeit mitbekommen müssen - bitte entschuldigt. Vermutlich ist es eine Tuchplombe. Die hatten desöfteren Pflanzen oder Pflanzenteile abgebildet. Macht ja auch Sinn, wenn man bedenkt, aus was früher der Stoff - das Tuch - hergestellt wurde. So lass ich das mal stehen, es sei denn, jemand weiß mehr - dann freue ich mich natürlich. Ein Dankeschön und Kompliment an den Betreiber der Seite:
https://bleiplombenforschung.wordpress.com/category/tuchplomben/  :Danke2:
Ich hoffe, er sieht das.

Viele liebe Grüße
Anita

Signalturm

Hallo Anita.
Ja das es eine Tuchplombe ist war mir klar und wollte ich dir heute übern Mittag auch schon schreiben.
Und mit Nürnberg liegst du auch richtig.
Auf der Vorderseite von Tuchplomben hast du immer mit dem Stadtwappen die Herkunft des Tuchballens.
Die Zeichen auf der Rückseite haben dann ganz verschiedene Aussehen. Manche Tuchballen hatten 4-5 solcher Plomben welche von den verschiedenen Zünften und Warenkontrollen angebracht wurden.
Plomben zeigen zum einen die Herkunft (aus welcher Tucherstadt), dann die Stoffart und Qualität der gesiegelten Ware (nur wenn diese gut genug war um den Qualitätsanspruch der Weberzunft nach außen hin
zu repräsentieren) bekam der Stoffballen diese Plombe. Dann gab es noch die Qualitätssiegel der Färber und der Scherer (Zuschneider der Stoffe). Die Pflanze auf der Rückseite kann auch von einem Färber stammen (Färberpflanze) oder ist generell ein Hauszeichen eines der Handwerker bzw. das Erkennungszeichen eines der Kontolleure. So konnte man nachvollziehen wer die Qualität geprüft hatte und mit seinem Stempel bestättigte
Gruß Signalturm
Finderglück ist Finderlohn genug.

Fabulas

Zitat von: Signalturm in 02. Januar 2026, 15:43:15Hallo Anita.
Ja das es eine Tuchplombe ist war mir klar und wollte ich dir heute übern Mittag auch schon schreiben.
Und mit Nürnberg liegst du auch richtig.
Auf der Vorderseite von Tuchplomben hast du immer mit dem Stadtwappen die Herkunft des Tuchballens.
Die Zeichen auf der Rückseite haben dann ganz verschiedene Aussehen. Manche Tuchballen hatten 4-5 solcher Plomben welche von den verschiedenen Zünften und Warenkontrollen angebracht wurden.
Plomben zeigen zum einen die Herkunft (aus welcher Tucherstadt), dann die Stoffart und Qualität der gesiegelten Ware (nur wenn diese gut genug war um den Qualitätsanspruch der Weberzunft nach außen hin
zu repräsentieren) bekam der Stoffballen diese Plombe. Dann gab es noch die Qualitätssiegel der Färber und der Scherer (Zuschneider der Stoffe). Die Pflanze auf der Rückseite kann auch von einem Färber stammen (Färberpflanze) oder ist generell ein Hauszeichen eines der Handwerker bzw. das Erkennungszeichen eines der Kontolleure. So konnte man nachvollziehen wer die Qualität geprüft hatte und mit seinem Stempel bestättigte
Gruß Signalturm

WOW! Das ist eine Ansage. Vielen, vielen Dank!!!!  :Danke2:
 :ildf:
Viele Grüße
Anita

Fabulas

Zitat von: Fabulas in 02. Januar 2026, 18:28:03WOW! Das ist eine Ansage. Vielen, vielen Dank!!!!  :Danke2:
 :ildf:
Viele Grüße
Anita

PS: Ach so, kann man ungefähr das Jahrhundert feststellen?

Signalturm

Textauszug aus einem alten Flyer zu einer Plombenausstellung des Steinburgmuseum in Romhild:

Im 13. Jh. beginnt die lange Tradition der Tuchsiegel, die Qualität und Maßhaltigkeit der gefertigten Ware durch die Städte und ihre Tuchmacherinnungen garantieren.
Die Stadt Osnabrück erlässt 1345 eine Anordnung zur Qualitätskontrolle der Stoffe auf Größe, Färbung und Webdichte, womit die Kennzeichnung der Tücher mit Meisterzeichen und Plombe verpfl ichtend wird. Auf diese Kriterien zielt das Statut für die Innung der Wolltuchmacher ab, das Graf Georg Ernst von Henneberg im Jahr
1577 für die Stadt Themar konfirmierte.
Für die Tuchsiegelung war über Jahrhunderte die Zweischeibenklappplombe mit Steg und einem bzw. zwei Stiften, die bei der Siegelung durch den Stoff und die gegenüberliegende Scheibe gesteckt und dann verpresst wurden, in Gebrauch. An manchen Tüchern brachten die Innungen der Tuchscherer und -färber für ihren Arbeitsgang zusätzliche Plomben an.

Und hier noch ein Link zu einem kleinen lesenswerten PDF zu Tuchplomben und ihren verschiedenen Verwendungen:
https://www.lwl.org/landesmuseum-download/kdm/archiv/2007/kdm_06_2007.pdf
Finderglück ist Finderlohn genug.

Fabulas

Zitat von: Signalturm in 02. Januar 2026, 21:43:01Textauszug aus einem alten Flyer zu einer Plombenausstellung des Steinburgmuseum in Romhild:

Im 13. Jh. beginnt die lange Tradition der Tuchsiegel, die Qualität und Maßhaltigkeit der gefertigten Ware durch die Städte und ihre Tuchmacherinnungen garantieren.
Die Stadt Osnabrück erlässt 1345 eine Anordnung zur Qualitätskontrolle der Stoffe auf Größe, Färbung und Webdichte, womit die Kennzeichnung der Tücher mit Meisterzeichen und Plombe verpfl ichtend wird. Auf diese Kriterien zielt das Statut für die Innung der Wolltuchmacher ab, das Graf Georg Ernst von Henneberg im Jahr
1577 für die Stadt Themar konfirmierte.
Für die Tuchsiegelung war über Jahrhunderte die Zweischeibenklappplombe mit Steg und einem bzw. zwei Stiften, die bei der Siegelung durch den Stoff und die gegenüberliegende Scheibe gesteckt und dann verpresst wurden, in Gebrauch. An manchen Tüchern brachten die Innungen der Tuchscherer und -färber für ihren Arbeitsgang zusätzliche Plomben an.

Und hier noch ein Link zu einem kleinen lesenswerten PDF zu Tuchplomben und ihren verschiedenen Verwendungen:
https://www.lwl.org/landesmuseum-download/kdm/archiv/2007/kdm_06_2007.pdf

Dankeschön. Super!