Erster netter Fund des Jahres: Dechselklinge

Begonnen von Jondalar, 08. März 2026, 18:20:01

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Jondalar

Hallo zusammen,

letztes Jahr hatte ich unter dem Titel 'Erster netter Fund des Jahres' eine mesolithische Dreiecksspitze eingestellt.

https://sucherforum.de/steinartefakte/erster-netter-fund-des-jahres-mesolithische-dreiecksspitze/

In diesem Jahr lag, zumindest hier, lange Schnee und ich fürchtete schon, dass es noch dauern würde, bis sich etwas Passables finden lässt. Heute jedoch wartete diese linienbandkeramische Dechselklinge auf mich. Zugegebenermaßen nur von einer Seite ansehnlich, finde ich aber dennoch, dass ich das Stück Euren kritischen Augen zumuten kann. Interessieren würde mich, ob es denkbar ist, dass das Stück gar nicht beschädigt, sondern nur in diesen rudimentären Zustand hergestellt wurde?

Länge: 75mm
Breite: 42mm
Höhe: 15mm
Gewicht: 95 gr.
Fundort: Landkreis Wolfenbüttel

Viele Grüße

Jondalar
'Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen!'
(Konfuzius)

thovalo


Moin!

Bei Fotos ist manchmal nicht so gut zu erkennen, ob eine Oberfläche geschiffen ist. Das ist hier für mich auch der Fall.

Die Seitenansicht spricht für mich eher für eine Parallelbeilklinge!
Das Gestein kommt bestimmt aus dem Geschiebe.

Das Stück hat schon ordentlich Materialverluste erlitten.


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Merle2

Moin,

Das ist doch ein tolles Stück! Für mich sieht es komplett aus.
Guter Start  :smoke:  und weiterhin viele schöne Funde...
Viele Grüße

Nanoflitter

Ja, von den Bildern her eine Beilklinge. Schöner Fund! LG

Neos

Hallo, Jondalar,

Zitat von: Jondalar in 08. März 2026, 18:20:01Zugegebenermaßen nur von einer Seite ansehnlich, finde ich aber dennoch, dass ich das Stück Euren kritischen Augen zumuten kann.

das finde ich definitiv auch! Besten Dank fürs Zeigen und herzlichen Glückwunsch zum Fund!  :super:

ZitatInteressieren würde mich, ob es denkbar ist, dass das Stück gar nicht beschädigt, sondern nur in diesen rudimentären Zustand hergestellt wurde?

Denkbar ist sicherlich Vieles. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es deutliches schwieriger sein dürfte, ein solch "fragmentiertes" Beil zu schäften als eines, das "vollständig" ist.

Thomas hat natürlich recht, wenn er schreibt, dass man den Schliff dieses Beils nicht auf den Fotos erkennen kann. Ich denke aber, dass dies aufgrund des verwendeten Materials auch schwierig sein dürfte, und dass ein Schliff allein aufgrund der Form des Beiles vorhanden sein muss. Oder wie verhält es sich für jemanden, der das gute Stück in die Hand nehmen und drehen und wenden kann, Jondalar?

Viele Grüße

Frank

Danske

Moin Jondalar,

auch von mir Glückwunsch zum schönen Fund.

Ich halte das Stück auf jeden Fall für eine stark strapazierte, heißt, durch Gebrauch beschädigte Beilklinge. Ob es eine Dechselklinge oder eine Parallelbeilklinge ist, lässt sich m.E. anhand der Fotos nicht eindeutig beurteilen. Lässt sich denn, wenigstens ansatzweise, ein D-förmiger Querschnitt erkennen? Ein Foto mit Blick auf die Schneide wäre hier hilfreich. Ist der verbliebene Schliff der Ventralseite im Querschnitt plan oder gewölbt? Die schiefrige Struktur des Materials könnte für ein Gestein aus der Amphibolgruppe sprechen.

LG
Holger
Ignoramus, ignorabimus.

Jondalar

Hallo Thomas,
vielen Dank für Deine Einordnung. Es ging mir, wie schon so oft hier im Forum: Blinde werden sehend. Eigentlich weiß ich, dass ein Dechsel einen D-förmigen Querschnitt hat. Den hat dieses Stück aber nicht... Wurden Dechsel- und Parallelbeilklingen zur gleichen Zeit hergestellt und wurden letztere um 90° gedreht geschäftet?
Viele Grüße 

Jondalar
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(Konfuzius)

Jondalar

Hallo Merle,

vielen Dank für Deinen Zuspruch und auch Dir weiterhin viele schöne Funde.
Viele Grüße

Jondalar
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Jondalar

Hallo Nano,
vielen Dank für Deine Einschätzung und Deinen Zuspruch.
Viele Grüße

Jondalar
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Jondalar

Hallo Frank, 
vielen Dank für Deinen Glückwunsch. Die Seite auf dem ersten Foto ist komplett geschliffen, die auf den zweiten nur zu Hälfte auf den  nicht weggebrochenen Bereichen. 

Der Hintergrund meiner Frage war, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie bei einer Klinge bei Gebrauch die nicht mehr vorhandenen Bereiche weggebrochen sein könnten. Aber da können ja vielleicht die Praktiker unter Euch etwas sagen. Für MICH sieht das aus, wie eine Klinge, die vielleicht aus einem gebrochenen Stück oder einem Reststück erstellt wurde, und die man dann einem Toten, bei dem es nicht mehr so auf tadellose Funktionsfähigkeit ankam, mitgegeben hat. Naja, meine Fantasie mal wieder...
Viele Grüße

Jondalar 
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Jondalar

Hallo Holger,
vielen Dank auch für Deine Einschätzung. Ich reiche ein Foto von der Schneidenseite noch nach. Wie ich schon auf den Kommentar von Thomas schrieb, hat dieses Stück wohl keinen so eindeutigen D-förmigen Querschnitt...
Bei dem Fundort gibt es nach meiner Einschätzung zwei unterschiedlich aussehende Materialien, siehe dazu auch folgenden Beitrag:

https://sucherforum.de/steinartefakte/ein-fur-mich-besonderer-tag-1-2-dechsel/

Ein ganz homogen aussehendes, etwas körnigeres Material, wie auf den Fotos zu der ersten Klinge (meiner Meinung nach auf jeden Fall aus der Amphibolgruppe) und ein etwas scheckigeres, glatteres Material (siehe das zweite Stück des zitierten Beitrages.) Das jetzige Stück gehört zu der zweiten 'Art'. Beides ist in hiesigen Gefilden nicht unüblich. Ob es unterschiedliche Materialien sind, kann ich nicht sagen...
Viele Grüße

Jondalar
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thovalo

#11
Zitat von: Jondalar in Heute um 07:05:11Hallo Thomas,
vielen Dank für Deine Einordnung. Es ging mir, wie schon so oft hier im Forum: Blinde werden sehend. Eigentlich weiß ich, dass ein Dechsel einen D-förmigen Querschnitt hat. Den hat dieses Stück aber nicht... Wurden Dechsel- und Parallelbeilklingen zur gleichen Zeit hergestellt und wurden letztere um 90° gedreht geschäftet?
Viele Grüße

Jondalar

Ja, es gibt beide Formen mit unterschiedlichen zeitlichen Schwerpunkten. Die Dechselklingen aus Aktinolit-Hornblendeschiefer haben ihre Hauptzeit im älteren und mittleren Neolithikum und die Parallelbeilklingendann ab dem jüngerne Neolithikum. Diese Hauptzeiten haben eine Übergangsphase in der beide Formen zeitgleich auftreten können. Für die Michelsberger Kultur sind auch Dechselklingen aus Feuerstein bekannt, die zeitgleich mit Parallelbeilklingen einher gehen.

Entscheidend ist immer der plan-konvexe Querschnitt der Dechselklingen für deren Ansprache. Bei Parallelbeilklingen gibt es das Phänomen, dass sie  zumindest im Bereich der Schneide mit der Zeit auch asymmetrisch werden. Der Korpus bleibt aber zu identifizieren, wie das an Deinem Stück eindeutig der Fall ist. Im späten und ausgehenden Neolithikum werden Beilklingen entweder sehr rechteckig ausgeformt oder sie sind recht einfach aus nicht sehr regelmäßig ausgeformten Geröllen gearbeitet. Bei den rechteckigen Stücken gibt es in Süddeutschland noch recht kleinformatige Dechselformen aus grünen Gesteinen (meist  aus Nephrit).

Die Fehlstellen an Deiner Beilklinge sind auf dem Feld ausgeschlagen worden, meist wohl von landwirtschaftlichen Geräten, das legen die Eisenschrammen an der Oberfläche nahe.

Das Gestein erinnert mich optisch an Grani, auf jeden Fall an Gestein aus nordischen Geschiebe.


lG Thomas   :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Jondalar

Hallo Thomas,

vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen. Anbei noch das Foto von der Schneide her. Ich hoffe, dass sich das Stück so eindeutig zuordnen lässt. Für mich ist das nicht so einfach, da die seitlichen 'Abschlüsse' ja weggebrochen sind.
Viele Grüße

Jondalar
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