Scheibenbeil mit interessanter Färbung

Begonnen von Schabersucher, 23. Mai 2026, 16:12:14

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Schabersucher

Liebe Leute,

den Stein, den ich euch heute vorstellen möchte, habe ich vor längerer Zeit an einem stürmischen Tag aus dem schleswig-holsteinischen Ostseesand gezogen. Nur eine Kante guckte hervor, aber die sah schon sehr verdächtig aus...

Das ist wohl ein Scheibenbeil aus einem Trümmerstück oder aus einem Abschlag. Die Maße sind ca 14 cm x 5 cm x 3 cm.
Was ich hieran interessant finde:

- das Gestein hat eine interessante Färbung, im distalen Bereich ein Orange, im proximalen Bereich eher dunkelrot, dazwischen dunklere Einschlüsse.

- der distale Bereich ist ziemlich milchig patiniert (?), im proximalen Bereich ist die Patina viel weniger ausgeprägt. Wie mag das zustande gekommen sein? Vielleicht hat das Beil aufrecht im Boden gesteckt und die beiden Bereiche waren dadurch in unterschiedlichem Milieu? Oder hat der proximale Bereich noch lange Zeit in einer Schäftung gesteckt, die die Patinierung beeinflusst hat?

- es gibt keinen Schneidenschlag und auch keine deutlichen Gebrauchsspuren an der Schneide. Ist das Beil überhaupt benutzt worden?

- am Nacken des Beils ist noch Kortex, wieso hat man sich nicht die Mühe gemacht, auch diesen Teil schöner zu bearbeiten?

- in welche Zeit würdet ihr das Beil einorden, ist das mesolithisch oder eher neolithisch?

Viele Grüße,
Sven

Schabersucher

... und hier noch zwei Fotos von oben und unten ...

Jondalar

Hallo Sven,

ein schönes Stück, welches Du eingestellt hast! Meinen Glückwunsch!

Auch wenn ich sicherlich -wegen eher seltenen Funden in meiner Gegend- nicht sattelfest bin, was diese Fundgattung anbelangt, scheint es für MICH wegen der beidseitigen Bearbeitung der einen Laterale auch ein Kernbeil sein zu können...
Viele Grüße

Jondalar
'Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen!'
(Konfuzius)

Schabersucher

Zitat von: Jondalar in 23. Mai 2026, 16:20:44Hallo Sven,

ein schönes Stück, welches Du eingestellt hast! Meinen Glückwunsch!

Auch wenn ich sicherlich -wegen eher seltenen Funden in meiner Gegend- nicht sattelfest bin, was diese Fundgattung anbelangt, scheint es für MICH wegen der beidseitigen Bearbeitung der einen Laterale auch ein Kernbeil sein zu können...
Viele Grüße

Jondalar

Hallo Jondalar,

Vielen Dank! Ja, das kann natürlich auch gut sein, dass es ein Kernbeil ist... Im Floss steht: "Die traditionell übliche Zuordnung der Beilklingen zur Gruppe der Kern- oder Abschlaggeräte ist bei einzelnen Stücken schwierig." Dementsprechend gibt es wahrscheinlich auch unterschiedliche Kriterien zur genauen Zuordnung, aber da bin ich natürlich überhaupt kein Experte...

Viele Grüße
Sven

Wiedehopf

Moin Sven,

könnte es sein, dass es ein Recycling-Produkt aus einem geschliffenen Beil ist ?
Die Schneidenpartie und der Rücken wirken so ein wenig so  :glotz: .  Wäre dann natürlich neolithisch.

Viele Grüße
Michael

Wiedehopf

Zitatam Nacken des Beils ist noch Kortex, wieso hat man sich nicht die Mühe gemacht, auch diesen Teil schöner zu bearbeiten?

Warum denn ? Wird doch von der Schäftung verdeckt. Und eine gewisse Rauheit trägt sogar noch zur besseren Haftung bei.

Viele Grüße
Michael 

Danske

Moin Sven,

ein sehr schönes Scheibenbeil vom Ertebølletyp, Glückwunsch zum Fund. :super:

Es weist klar eine Ventralfläche auf, also ist es kein Kernbeil.

Als Lesefund ist eine zeitliche Einordung dieser flachgeschlagenen Scheibenbeile nicht eindeutig möglich. Möglich ist eine Datierung in die Ertebøllezeit oder in die Dolmenzeit. Gefühlsmäßig tendiere ich, es in das ausgehende Mesolithikum zu stellen.

Die unterschiedliche Einfärbung kann so entstanden sein, wie du es bescheibst. Der Nacken war dann wahrscheinlich intensiver einem Eisen-III-Oxid-haltigen Milieu ausgesetzt als die Schneidenpartie. Die unterschiedliche Einfärbung kann auch mit einer unterschiedlichen Struktur des Steins zusammenhängen. Mit der Schäftung dürfte das nichts zu tun haben.

LG
Holger   

Ignoramus, ignorabimus.

Schabersucher

Zitat von: Wiedehopf in 23. Mai 2026, 20:55:09Moin Sven,

könnte es sein, dass es ein Recycling-Produkt aus einem geschliffenen Beil ist ?
Die Schneidenpartie und der Rücken wirken so ein wenig so  :glotz: .  Wäre dann natürlich neolithisch.

Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,

es wirkt auf mich alles wie aus einem Guss, ich glaube eigentlich nicht, dass es der Rest eines flächig geschliffenen Beils ist. Aber ca das obere Drittel der in Bild 1a/b sichtbaren Fläche könnte tatsächlich leicht überschliffen sein. Woran erkennt man am besten, ob geschliffen oder nicht?

Viele Grüße,
Sven

Schabersucher

#8
Zitat von: Danske in 23. Mai 2026, 22:33:15Die unterschiedliche Einfärbung kann so entstanden sein, wie du es bescheibst. Der Nacken war dann wahrscheinlich intensiver einem Eisen-III-Oxid-haltigen Milieu ausgesetzt als die Schneidenpartie. Die unterschiedliche Einfärbung kann auch mit einer unterschiedlichen Struktur des Steins zusammenhängen. Mit der Schäftung dürfte das nichts zu tun haben.

LG
Holger   



Vielen Dank, Holger!

Die rote bzw orange Färbung käme dann durch Eisen aus  der Umgebung zustande? Mir kommt es eher so vor, als wäre das Rot die ursprüngliche Farbe des Flint und die Patinierung würde auf dem Rot einen milchigen Schleier verursachen. D.h. der Stein wäre sozusagen rot durchgefärbt, ist das auch möglich? In Bild 3a sieht man in der Mitte des Beils eine (rezente?) Absplitterung, deren Negativ viel intensiver rot ist, bzw wo der weiße Schleier fehlt.

Viele Grüße,
Sven

Danske

Die Beilklinge war ursprünglich hell, wie an den rezenten Abplatzungen an der Schneide zu erkennen ist. LG...
Ignoramus, ignorabimus.

Wiedehopf

ZitatWoran erkennt man am besten, ob geschliffen oder nicht?

Bei den nordischen jungsteinzeitlichen Beilen kann man den Schliff oft an parallel, meist in Längsrichtung verlaufenden feinen Kratzern (Kritzungen) erkennen. Die können durch eine danach noch vorgenommene Politur mehr oder weniger überdeckt werden.

Ich kann das leider nur sehr schlecht fotografieren, hänge aber mal ein Beispiel an.

Viele Grüße
Michael   

p.s. ich denke jetzt doch, dass dein Fund eine natürliche, nicht geschliffene Oberfläche hat  :glotz:   

Schabersucher

Zitat von: Danske in Heute um 00:04:24Die Beilklinge war ursprünglich hell, wie an den rezenten Abplatzungen an der Schneide zu erkennen ist. LG...
Hallo Holger,
ja, die Farbe in den kleinen Negativen der Abplatzungen konnte ich mir auch nicht erklären... wenn das Weiß die ursprüngliche Farbe ist, dann ist das Beil für meine Verhältnisse sehr gut erhalten. Sonst ist es ja praktisch überall rot oder orange gefärbt und die Kanten sind noch sehr scharf. Lange kann es nicht in der Brandung gelegen haben...
Viele Grüße,
Sven

Schabersucher

Zitat von: Wiedehopf in Heute um 09:44:10Bei den nordischen jungsteinzeitlichen Beilen kann man den Schliff oft an parallel, meist in Längsrichtung verlaufenden feinen Kratzern (Kritzungen) erkennen. Die können durch eine danach noch vorgenommene Politur mehr oder weniger überdeckt werden.

Ich kann das leider nur sehr schlecht fotografieren, hänge aber mal ein Beispiel an.

Viele Grüße
Michael   

p.s. ich denke jetzt doch, dass dein Fund eine natürliche, nicht geschliffene Oberfläche hat  :glotz:   

Hallo Michael,

Vielen Dank! Ja, solche Rillen sind nicht zu finden. Höchstens vielleicht eine "Politur". Wie ging das wohl praktisch? Haben die Leute damals Sand mit unterschiedlicher Körnung verwendet?

Viele Grüße
Sven

Fischkopp

Hallo Sven,

auch von mir herzlichen Glückwunsch zum Fund! Du hast ja auch die Abnutzungsspuren an der Schneide angesprochen. Ich habe es noch nicht selbst probiert aber ich denke auch nach einem längeren Gebrauch wird wohl nicht viel zu sehen sein. Bearbeitet wurde wohl meist frisches Holz. Und bei der härte von Flint...

Kann hier jemand vielleicht weiterhelfen?

Beste Grüße
Fischkopp