Weidenblattförmige Pfeilspitze

Begonnen von StoneMan, Heute um 15:58:38

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

StoneMan

Aus meiner Reihe: "Alte Funde neu entdeckt".

Die Rehe kennen mich, sind vertraut.
Das Wetter war gut, der Boden fast trocken. Der "Abschlag" den ich aufhob, war mit Lehm verkrustet,
wollte ihn schon verwerfen – war da nicht doch eine Retusche ...?
Ich sackte ihn ein.

Zu Hause sah ich die Retuschen, konnte dieses spitzovale Teil aber nicht einordnen.
2019, beim Tag der Archäologie in Schleswig, hatte Sönke es als "Weidenblattförmige Pfeilspitze" bestimmt.

Funddatum / Ort: 2017 / Fehmarn
Daten: 37,5 x 18,8 x 5,0 mm, 3,3 g

Im "Kühn" wurde ich fündig.

Zitat Kühn, Hans Joachim, "Das Spätneolithikum in Schleswig-Holstein":
ZitatTyp 4. Lanzett- und breitlanzettförmige Pfeilspitze. OberfIächenretuschiert.
Variante a. Schlanke, lanzettförmige Pfeilspitze mit gerader, gerundeter oder
spitz auslaufender Basis (Abb. 16).

[...]

Dieser Variante entsprechende, weidenblattförmige Pfeilspitzen mit nur randlicher Retusche
hat I. Nilius der Trichterbecherkultur zugewiesen und in die Periode MN IV datiert (StoneMan ca. 4200 - 2800 v. Chr. ( 1*).
Somit würden diese oberflächenretuschierten Pfeilspitzen der Einzelgrabkultur wiederum nur älteren Vorbildern nachgebildet sein,
für die sich nach I. Nilius Entsprechungen in den Flintinventaren karelischer Jägergruppen finden.
Zitat Ende

(1*)  Anmerkung StoneMan:
MN = Mittelneolithikum,  Phase IV = Kugelamphorenkomplex (TBK).

Mehrere eigene Funde, vom ALSH bestimmt und erfasst, decken einen Zeitraum von der frühen
Bronzezeit (~ 1.500 v.Chr.) bis zum Spätpaläolithikum (~ 12.500 v.Chr.), auf diesem Platz ab.
# # # # #

Aber meine Peilspitze war doch deutlich anders  :kopfkratz:  also weiter recherchiert.

Alternativ zu Bildern von Vergleichsfunden zwei Hinweise / PDFs mit Grafiken.
In den beiden Arbeiten sind Weidenblattförmige Pfeilspitzen mit nur randlicher Retusche
die mehr Ähnlichkeit zu meinem Fund aufweisen.
Leider liegen mir keine Rechte zur Bildveröffentlichung aus den beiden PDFs vor.

"Das Neolithikum in Mecklenburg der Trichterbecherkultur" Ingeburg Nilius 1971, Abb. 7.
(Ein Auszug liegt mir vor - finde ich nicht öffentlich).

Noch mehr Ähnlichkeit zu meinem Fund in dieser Arbeit:
"Neolithische Siedlungsstrukturen im südöstlichen Schleswig-Holstein" Martin Hinz,
Seite 134, Abb. 8.41.


Gruß

Jürgen


 

 
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Neos

Moin, Jürgen,

klasse, dass wir von dir mal wieder ein spannendes Artefakt sehen dürfen!  :super:

Dieses hier durfte ich selbst schon einmal in der Hand halten und saß damals neben dir und Sönke, als er es näher bestimmte. Oh Mann, das ist wirklich schon über sechs Jahre her?  :irre:

Damals wie heute kann ich nur eines sagen: Herzlichen Glückwunsch zu dieser so seltenen Spitze!  :Danke2:

Viele Grüße von der Küste – ich freue mich auf dein nächstes Fundstück  :zwinker:

Frank

PS: Deine Fotodokumentation ist natürlich wieder par excellence!