Glänzende Arbeit: Ein endneolithisch/bronzezeitliches Dolch-Fragment

Begonnen von Neos, 01. Januar 2026, 20:19:20

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Neos

Moin, zusammen, und ein frohes neues Jahr euch allen!

Ich wünsche euch ein Jahr voller spannender Diskussionen hier im Forum und natürlich viele tolle neue Fundstücke auf euren Exkursionen!

Das Artefakt, das ich euch heute vorstelle, fand ich auf einem meiner größten endneolithisch/bronzezeitlichen Fundplätze unweit der Küste. Von dieser Fläche kennt ihr bereits unter anderem einen allseitig geschliffenen Meißel, eine Sichelklinge und einen Feuerreißer
Es handelt sich um ein Dolch-Fragment, dessen starker Politurglanz sich erst nach dem Reinigen deutlich zeigen sollte, wie ihr auf dem dritten Foto unten sehen könnt. Das Stück ist flächig retuschiert und besteht aus einem bräunlich-gelblichen, gebänderten Flint.

Hier die Daten des Dolch-Fragments:

  • Fundgebiet: Nördliches Schleswig-Holstein
  • Länge: 78 mm
  • Breite: 20 - 33 mm
  • Dicke: max. 9 mm
  • Gewicht: 28 g


Viele Grüße und habt alle einen angenehmen Start in ein gesundes und fundträchtiges Jahr 2026!

Frank

Wiedehopf

Moin Frank,

das ist wieder ein toller Fund von dir, meinen Glückwunsch.

ZitatEs handelt sich um ein Dolch-Fragment, dessen starker Politurglanz sich erst nach dem Reinigen deutlich zeigen sollte

Eine Frage dazu: Du meinst doch sicher eine Politur durch den Wind und von ihm mitgeführte Staub- und Sandpartikel ? Oder ist das menschengemacht ?

Viele Grüße
Michael

Steinkopf

Moin Frank,

Du beginnst das Jahr mit einem Ausnahmefund - wie immer eindrucksvoll bebildert.

Das Medialfragment läßt sowohl den Griff als auch das Blatt gut erkennen.
Für den Glanz kann es verschiedene Gründe geben. Ein Dolchgriff wird wahrscheinlich
umwickelt gewesen sein. Auch eine Scheide gehört dazu. (siehe Wiepenkaten)

Mal sehen, was noch im Forum an Ansichten kommt.

LG
Jan

Fabulas

Was für ein Auftakt!
Gratuliere sehr. Ein ganz wunderbares Stück.

Viele Grüße
Anita

Danske

Moin Frank,

ein super Fundstück mit sehr feiner Flächenretusche und phantastischer Färbung. :super:

Erstaunlich, dass solch filigranen Teile die lange Zeit mit intensiver Bodenbearbeitung überstehen konnten.

Bist du dir mit der Farbe des Feuersteins sicher? Könnte es sich nicht auch um eine Einfärbung durch EisenIII-Oxid handeln? Dann wäre das Stück wohl alt gebrochen.

Wünsche dir auch ein frohes, gesundes und fundreiches Jahr 2026.

LG
Holger :winke:
Ignoramus, ignorabimus.

Neos

Moin, Michael,

Zitat von: Wiedehopf in 02. Januar 2026, 05:41:56das ist wieder ein toller Fund von dir, meinen Glückwunsch.

dank dir!  :super:

ZitatEine Frage dazu: Du meinst doch sicher eine Politur durch den Wind und von ihm mitgeführte Staub- und Sandpartikel ? Oder ist das menschengemacht ?

Das ist eine gute und berechtigte Frage, die ich mir natürlich auch stelle. Nicht ohne Grund habe ich (wertfrei) lediglich von "Politur" geschrieben. Da sie gleichmäßig flächig vorhanden ist, käme eigentlich eine Wind- oder Sandpolitur in Betracht. Aufgrund der Tatsache, dass dies jedoch dorsal wie ventral der Fall ist, würde ich sie tendenziell der Nutzung des Geräts zuschreiben ("Gebrauchspolitur"). Letzten Endes könnte hier vermutlich nur eine Gebrauchsspurenanalyse Gewissheit bringen.

Viele Grüße

Frank

Neos

Moin, Jan,

Zitat von: Steinkopf in 02. Januar 2026, 09:12:35Für den Glanz kann es verschiedene Gründe geben. Ein Dolchgriff wird wahrscheinlich umwickelt gewesen sein. Auch eine Scheide gehört dazu. (siehe Wiepenkaten)

dank dir für die Erwähnung dieses phantastischen Dolches. Auf niedersachsen.de gibt es eine ganz gute Beschreibung dieses Ausnahmefundes.

ZitatMal sehen, was noch im Forum an Ansichten kommt.

Ja, da bin ich auch gespannt!

Liebe Grüße zurück

Frank

Neos

Hallo, Anita,

Zitat von: Fabulas in 02. Januar 2026, 11:14:41Was für ein Auftakt!
Gratuliere sehr. Ein ganz wunderbares Stück.

dank dir! :super:  Ich freue mich sehr, dass ich es finden durfte!

Viele Grüße

Frank

Neos

Moin, Holger,

Zitat von: Danske in 02. Januar 2026, 14:24:04Erstaunlich, dass solch filigranen Teile die lange Zeit mit intensiver Bodenbearbeitung überstehen konnten.

das wundert mich auch immer wieder.

ZitatBist du dir mit der Farbe des Feuersteins sicher? Könnte es sich nicht auch um eine Einfärbung durch EisenIII-Oxid handeln? Dann wäre das Stück wohl alt gebrochen.

Die unterschiedlichen Farben gehen jeweils komplett durch den Stein durch und sind nicht nur oberflächlich vorhanden. Insbesondere an der rechten Lateralen kann man das ganz gut sehen (zumindest "in natura" :zwinker:).

Deine Anmerkung hinsichtlich Eisen III-Oxid ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, wenn man sich das hier zu Gemüte führt:

  • Dünne Eisenoxidfilme können einen scheinbaren Politurglanz erzeugen.
  • Dieser Glanz ist:
          - flächenhaft
          - nicht funktional gebunden
          - unter dem Mikroskop eher ,,tot" (ohne Mikrobewegungsstruktur)
  • Kann Gebrauchspolitur imitieren


ZitatWünsche dir auch ein frohes, gesundes und fundreiches Jahr 2026.

Dank dir, das wünsche ich dir ebenso! Und da sich deine Fundfläche ja kürzlich verdoppelt hat...  :zwinker:

Liebe Grüße zurück

Frank

Steinkopf

Moin Frank,

Du hast das Prachtstück und kannst feststellen, ob der Glanz gleichmäßig,
sowohl auf den bearbeiteten Breitseiten als auch auf den beiden Bruchflächen ist.
Beim Gebrauchglanz (Griff, Scheide etc.) müßten die beiden Bruchflächen doch
nicht oder nur wenig glänzen.
Wenn die Bruchflächen den gleichen Glanz aufweisen, wird dies wahrscheinlich
andere Ursachen haben.
Denkbar ist ja auch, daß dieses fragile Werkstück schon bei der Herstellung
zerbrach.

LG
Jan

Neos

Moin, Jan,

Zitat von: Steinkopf in 03. Januar 2026, 09:28:04Beim Gebrauchglanz (Griff, Scheide etc.) müßten die beiden Bruchflächen doch
nicht oder nur wenig glänzen.

genau so schaut's aus: Die Bruchflächen als ,,matt" zu bezeichnen wäre nicht korrekt, aber sie glänzen kaum. Der Glanz ist in keiner Weise mit jenem auf der Dosal- und der Ventralfläche vergleichbar.

ZitatDenkbar ist ja auch, daß dieses fragile Werkstück schon bei der Herstellung
zerbrach.

Wäre es so, kämen natürlich nur Wind- und/oder Sandpolitur infrage. Dann passt die Oberfläche der beiden Bruchflächen jedoch nicht dazu.

Viele Grüße und dank dir für deine Anmerkungen, Jan.  :super:

Frank

Steinkopf

Moin Frank,

vielen Dank für die prompte Antwort!
So ein aussergewöhnlisches Fundstück beschäftigt mich natürlich.
Du suchst auf dem Gebiet der Jungmoräne mit 'frischerem' Flintmaterial.
Dort kann ein solches Werkzeug auch entstanden sein.
Mein Suchareal im Westen Norddeutschlands ist auf dem Gebiet der Altmoräne.
Hier hab ich auch schon Dolche gefunden und vorgestellt. Das Format ist
wesentlich kleiner. Große Dolche aus unserem Raum wurden sicherlich importiert.
Drei Klingendolche, die in Ostfriesland bei Grabungen gefunden wurden
sind aus französischem Le Grand Pressigny Material gefertigt.

LG
Jan

Wiedehopf

Moin Frank

ZitatDa sie gleichmäßig flächig vorhanden ist, käme eigentlich eine Wind- oder Sandpolitur in Betracht. Aufgrund der Tatsache, dass dies jedoch dorsal wie ventral der Fall ist, würde ich sie tendenziell der Nutzung des Geräts zuschreiben ("Gebrauchspolitur").

Denkbar wäre das Entstehen einer beidseitigen Politur auch noch durch jahrhundertelange Durchmischung des Bodens beim Frieren und Auftauen (Kryoturbation). Der Boden auf deinem Vor-Ort-Bild sieht mir durch die enthaltenen Kleinpartikel nach einem ziemlich gut geeigneten Poliermittel aus  :glotz: .   

Viele Grüße
Michael

StoneMan

Moin,

Zitat von: Wiedehopf in 05. Januar 2026, 15:48:26Der Boden auf deinem Vor-Ort-Bild ...

... hat zu wenig Sand.

Den Unterschied von S-H zu M-V kenne ich - in MeckPomm ist sehr viel Sand, dort
habe ich auch "junge" Flinte gefunden, die sahen aus wie aus der Sahara.

Gruß

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Neos

Moin, Michael,

erst einmal möchte ich mich bei dir und all jenen bedanken, die ihr euch Gedanken wegen dieses Fundstücks macht. Ich finde das ganz toll und gleichermaßen spannend!  :super:

Zitat von: Wiedehopf in 05. Januar 2026, 15:48:26Denkbar wäre das Entstehen einer beidseitigen Politur auch noch durch jahrhundertelange Durchmischung des Bodens beim Frieren und Auftauen (Kryoturbation). Der Boden auf deinem Vor-Ort-Bild sieht mir durch die enthaltenen Kleinpartikel nach einem ziemlich gut geeigneten Poliermittel aus

Ich denke man kann bei den meisten Oberflächenfunden davon ausgehen, dass diese – insbesondere durch die Landwirtschaft –, aber natürlich auch durch Kryoturbation über die Jahrhunderte bzw. Jahrtausende verlagert worden sind. Wenn ich deine Sätze also richtig interpretiere, dann vermutest du, dass der Glanz durch ich nenn' es mal lapidar ,,ständiges Wenden" des Dolch-Fragments und durch Wind-/Sandpolitur entstanden sein könnte. Interessant!  :super:

Was du nicht wissen kannst, ist, dass Jürgen mit seinem Hinweis vollkommen recht hat: Die Fläche, auf der ich dieses Artefakt gefunden habe, befindet sich in einer Senke, in der der Boden nicht so viel feinen Sand enthält.

Losgelöst davon bin ich einmal alle Dokumentationen dieses Fundplatzes durchgegangen. Demnach weist dieses Artefakt als einziges von bis dato 785 Funden diese starke Politur auf.

Summa summarum spricht aus meiner Sicht viel für die lange Nutzung dieses Gerätes als Ursache für die Politur. Dennoch werde ich mir beizeiten mal eine zweite (bzw. dritte, vierte, fünfte :zwinker: ) Meinung von einem Archäologen einholen.

Viele Grüße

Frank

Neos

Moin, Jürgen

Zitat von: StoneMan in 05. Januar 2026, 18:54:55... hat zu wenig Sand.

:super:

ZitatDen Unterschied von S-H zu M-V kenne ich - in MeckPomm ist sehr viel Sand, dort
habe ich auch "junge" Flinte gefunden, die sahen aus wie aus der Sahara.

Tatsächlich gibt es auch in Schleswig-Holstein Flächen, die es teilweise (!) mit denen von Mecklenburg-Vorpommern aufnehmen können. Der Fundplatz des Dolch-Fragments gehört jedoch nicht dazu.

Viele Grüße

Frank

Wiedehopf

Moin Frank,

ZitatWenn ich deine Sätze also richtig interpretiere, dann vermutest du, dass der Glanz durch ich nenn' es mal lapidar ,,ständiges Wenden" des Dolch-Fragments und durch Wind-/Sandpolitur entstanden sein könnte.

Nee, ich habe die Kryoturbation so verstanden, dass dabei nicht das Artefakt bewegt oder gar permanent gewendet wird sondern der umgebende Boden:

ZitatDie "Glanzpatina " oder "Lackpatina", manchmal - übrigens wohl meistens zu Unrecht- "wüstenlackartig " genannt, ist überwiegend eine rein mechanisch erzeugte Oberflächenpolitur, außerdem, und dann nur geringfügig, können Lösungserscheinungen an den Oberflächen hinzutreten. Ihre Ursachen sind mehr oder weniger eindeutig zu erkennen. Entweder ist es Windschliff, wie er besonders von Rust an seinen Quarzitgeräten vom Morsumkliff9 festgestellt wurde, oder, und dies dürfte der verbreitetste Fall sein, es handelt sich um eine im Frostboden durch die ständig wiederholte Reibung mit Bodenteilchen bei der Turbation erzeugte Politur, die bei geeigneter Einbettung bis zum Hochglanz gefördert werden kann.

Dieses Zitat stammt aus einer älteren Untersuchung von Herbert Lindner:

https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/qu/article/view/81930
Über die Patina altsteinzeitlicher Artefakte

Bezogen auf dein jungsteinzeitliches Dolchfragment ist diese Option nun natürlich auch für mich unwahrscheinlich geworden, da du schreibst, dass alle 785 anderen Funde von dort nicht diesen Glanz aufweisen.

Viele Grüße
Michael