Ein buntes, mesolithisches Kernbeil der Ertebølle-Kultur

Begonnen von Neos, 29. März 2026, 21:22:29

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Neos

Moin, zusammen,

normalerweise ärgere ich mich, wenn ein landwirtschaftliches Gerät seine Spuren auf einem Artefakt hinterlassen hat. Nicht jedoch bei dem Fundstück, das ich euch heute vorstelle: Ein kleines, knubbeliges, mesolithisches Kernbeil.

Tatsächlich finde ich sogar, dass die rostbraunen "Farbtupfer", die der Pflug hinterlassen hat, diesem Gerät das gewisse "Etwas" verleihen. Das Material, aus dem es hergestellt wurde, ist ein hellbläulich-grauer, gebänderter Flint.

Das Kernbeil stammt vom selben Fundplatz wie die meisten meiner mesolithischen Fundstücke (u. a. die gestielte Klinge, ein Kernstein, eine mehr als 10 cm lange Klinge) und ist der Ertebølle-Kultur zuzurechnen (ca. 5.300 - 4.100 v. Chr.).

Hier die Daten des Kernbeils:

  • Fundgebiet: Nördliches Schleswig-Holstein
  • Länge: 93 mm
  • Breite: 17,1 - 40,9 mm
  • Dicke: max. 35,5 mm
  • Gewicht: 119 g

Viele Grüße von der Küste und euch allen "Gut Fund!" zum Saisonstart

Frank

StoneMan

Moin Frank, moin @ll,

"Ein kleines, knubbeliges, mesolithisches Kernbeil".

Man könnte auch "Ein kleines, knuddeliges, mesolithisches Kernbeil" sagen.

Glückwunsch dazu.  :Danke2:

Vom Feinsten dokumentiert - besser geht nicht.  :glotz:  :super: 

Gruß

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Steinkopf

Hallo Frank,

das kleine Kernbeil wurde zwar vom Pflug geküsst - aber es sieht unbeschädigt aus.
Wenn Du von diesem Meso-Fundplatz schon weitere Artefakte hast, kann dieses
das Bild vervollständigen.

Wenn ich ds Bild richtig 'lese', wurden beide Flanken von der gleichen Fläche aus
behauen. Es wäre dann wohl ein Kernbeil mit symmetrischen Querschnitt (P.V.P).

LG
Jan
 

Robert

das ist was besonderes, sowas hab ich nie gefunden !!!

Grüße Robert
wer alles weiß, bekommt keine Überraschung mehr

Danske

Moin Frank,

ein feines Kernbeil, der gebänderte Flint macht es für mich zu einem besonderen Stück. :super:

Bei der Typisierung bin ich unsicher, Kernbeil mit symmetrischem Querschnitt könnte passen, aber ich tendiere eher zu einem Kernbeil mit rhombischem Querschnitt. Aber das kannst du anhand des Originals sicher am besten beurteilen.

Wünsche dir auch ein gutes Fundjahr!

LG
Holger
Ignoramus, ignorabimus.

steinwanderer

Moin Frank,
bist Du dir mit dem Mesolithikum wirklich sicher. Habe mir die Sachen des Platzes angeschaut. Die sind alle blau patiniert. Das kenne ich so aus dem Mesolithikum nicht.
Gruß Klaus
Lewer duad üs Slav

Neos

Moin, Jürgen,

Zitat von: StoneMan in 30. März 2026, 00:00:25Glückwunsch dazu.  :Danke2:

Vom Feinsten dokumentiert - besser geht nicht.  :glotz:  :super: 

besten Dank!  :super:

Viele Grüße

Frank

Neos

Moin, Jan,

Zitat von: Steinkopf in 30. März 2026, 10:21:23das kleine Kernbeil wurde zwar vom Pflug geküsst - aber es sieht unbeschädigt aus.

absolut richtig erkannt – es ist vollkommen unbeschädigt.

ZitatWenn Du von diesem Meso-Fundplatz schon weitere Artefakte hast, kann dieses
das Bild vervollständigen.

Es ist eines von 22 Kernbeilen unter bis dato in Summe 3.241 Fundstücken dieses Fundplatzes. Das Bild, das ich von speziell diesem Fundplatz habe, ist somit schon recht rund, ja.  :zwinker:

ZitatWenn ich ds Bild richtig 'lese', wurden beide Flanken von der gleichen Fläche aus
behauen. Es wäre dann wohl ein Kernbeil mit symmetrischen Querschnitt (P.V.P).

Du liest es absolut richtig. Der Querschnitt ist recht symmetrisch (rhombisch).

Viele Grüße

Frank

Neos

Hallo, Robert,

Zitat von: Robert in 30. März 2026, 12:30:47das ist was besonderes, sowas hab ich nie gefunden !!!

da es Kernbeile im Mesolithikum meines Wissens ausschließlich in nördlicheren Gefilden gegeben hat, wird das der Grund dafür sein. Falls es dich jedoch einmal in den Norden verschlagen sollte: Sei sehr gerne mein Gast, Robert!  :prost:

Viele Grüße nach Bayern

Frank

Neos

Moin, Klaus,

Zitat von: steinwanderer in 30. März 2026, 20:36:29bist Du dir mit dem Mesolithikum wirklich sicher. Habe mir die Sachen des Platzes angeschaut. Die sind alle blau patiniert. Das kenne ich so aus dem Mesolithikum nicht.

eine für mich in mehrfacher Hinsicht spannende Frage!

Sollte ich schätzen, würde ich meinen, dass maximal fünf Prozent der Artefakte, die ich hier gefunden habe, eine bläuliche Pantina besitzen. Heißt im Umkehrschluss: Die überwiegende Mehrheit der Fundstücke ist andersfarbig patiniert; in diesem Fall vorwiegend rötlich und bräunlich.

Und, ja, ich bin mir sehr sicher bei der Ansprache "Mesolithikum". Wohin würdest du dieses Kernbeil denn verorten und warum? Und sicherlich nicht aufgrund seiner Patina, oder?

Viele Grüße

Frank

Neos

#10
Moin, Holger,

Zitat von: Danske in 30. März 2026, 19:39:18Bei der Typisierung bin ich unsicher, Kernbeil mit symmetrischem Querschnitt könnte passen, aber ich tendiere eher zu einem Kernbeil mit rhombischem Querschnitt. Aber das kannst du anhand des Originals sicher am besten beurteilen.

nun, er ist rhombisch und somit symmetrisch. :-D  Aber hatten wir das nicht schon einmal:kopfkratz:

ZitatWünsche dir auch ein gutes Fundjahr!

Dank dir!  :super:

Viele Grüße

Frank

steinwanderer

Moin Frank,
ja, ich gehe auf Grund der blauen Patina von einem höheren Alter aus. Es ist doch durchaus möglich, das schon viel früher Kernbeile in Benutzung waren.
Gruß Klaus
Lewer duad üs Slav

Robert

Zitat von: Neos in 30. März 2026, 22:24:26Hallo, Robert,

da es Kernbeile im Mesolithikum meines Wissens ausschließlich in nördlicheren Gefilden gegeben hat, wird das der Grund dafür sein. Falls es dich jedoch einmal in den Norden verschlagen sollte: Sei sehr gerne mein Gast, Robert!  :prost:

Viele Grüße nach Bayern

Frank

das ist leider in meiner besonderen Lage micht mehr möglich, aber trotzdem herlichen Dank für
die Einladung.

Grüße
Robert
wer alles weiß, bekommt keine Überraschung mehr

Steinkopf

#13
Zwei Flintkünstler sind bei der Arbeit: Kernbeile machen. Rhombus und  Symmetrius

Beide haben eine nahezu identisches Flintplatte in der Hand und beginnen
eine gerade Kante / Flanke durch Abschläge zu bilden.
So weit - so gut.
Nun kommt der entscheidende Unterschied:
Symmetrius dreht sein Werkstück so, daß die Oberseite oben bleibt.
Rhombus dreht sein Werkstück so, daß die ehemalige Oberseite nun unten ist.

Nachdem die zweite Kante derart abgechippt wurde, ist das Werkstück, bei dem die
gleiche Oberseite an beiden Flanken in die gleiche Richtung  gechippt wurde,
symmetrisch im Querschnitt.
Bei Rhombus, der das Werkstück von gegenüberliegenden Flächen aus formte,
ergibt sich ein rhombischer Querschnitt.

Soweit der Grundgedanke im Einklang mit Peter Vang Petersens (FLINT) Unterscheidung.

Da im Verlauf noch weiter an dem Beil herumgemacht wird, ist diese Unterscheidung
bei vollständig überarbeiteten Kernbeilen dann vielleicht kaum noch zu erkennen.

Soweit zur Terminologie. Es ist die Weise, wie ein Meister das Werkstück für die zweite Kante drehte.

LG
Jan

Neos

Moin, Klaus,

Zitat von: steinwanderer in Heute um 07:30:24ja, ich gehe auf Grund der blauen Patina von einem höheren Alter aus.

hmmmm...  :kopfkratz:  Meines Erachtens/Wissens sagt die Patina relativ wenig über das Alter eines Artefaktes aus, weshalb ich an der Stelle nicht mitgehen würde.

ZitatEs ist doch durchaus möglich, das schon viel früher Kernbeile in Benutzung waren.

Mir ist zwar nicht bekannt, dass es Kernbeile bereits im Palälolithikum gegeben hat, aber für möglich halte ich das auch. Solltest du Quellen zu diesem Thema kennen, dann poste die bitte sehr gerne einmal.

Viele Grüße

Frank

Neos

Hallo, Robert,

Zitat von: Robert in Heute um 08:18:31das ist leider in meiner besonderen Lage micht mehr möglich, aber trotzdem herlichen Dank für
die Einladung.

ich verstehe. Sehr schade und sehr gerne!

Viele Grüße

Frank

Neos

Moin, Jan,

Zitat von: Steinkopf in Heute um 18:13:02Zwei Flintkünstler sind bei der Arbeit: Kernbeile machen. Rhombus und  Symmetrius
...

wenngleich ich zugegebenermaßen nur zu 98% folgen konnte: Lieben Dank für deine bildhafte Erklärung! :super:

Viele Grüße

Frank