Blaue Steine aus der Lahn

Begonnen von Dickel, 08. Juni 2026, 12:08:20

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Dickel

Hallo,
dies ist ein erster Beitrag hier. Ich bringe gleich eine Frage zu meinen Steinen mit, die ich in der Lahn in der Nähe von Marburg gefunden habe. Um was für eine Gesteinsart könnte es sich hier handeln?

Im Fluß waren neben diesen blauen Steinen auch viele Quarze (links oben) zu finden. Das Blau geht auf den kleineren Fundstücken ins Türkise, auf den größeren ist es eher hellbläulich.

Viele Grüße,
Thomas

Nanoflitter

Es handelt sich hier um Glasschlacke. LG

stratocaster

Ich glaube, dass wir vor einiger Zeit schon mal einen Beitrag über die blauen Schlacken hatten  :kopfkratz:
Das Sucherforum dankt all denen,
die zum Thema nichts beitragen konnten
und dennoch geschwiegen haben !

Nanoflitter

Ja, blaue und grüne, einige davon, Thomas hat sogar Artefakte draus gebastelt. LG

thovalo

#4

Moin!

Ja, das sind verglaste Schlacken. Sie wurden im 18. Jh. sogar zu Dekorationen von Fassaden verwendet. Bunt und glänzend!


lG Thomas
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Dickel

Hier habe ich noch eine Website gefunden, bei der ähnliches berichtet wird:
https://www.windeck-im-wandel.de/infothek/dreisel/blaue-steine-in-der-sieg
 
Auch die Fundsituation ist bei mir vergleichbar, an einem Bachlauf, der in die Lahn mündet. Zwei der kleinen schlacken sind auch magnetisch.

Was noch bei mir als Frage offenbleibt:
- sind diese Glasschlacken bei der Eisen- oder eher bei der Glasherstellung angefallen? Meine Recherchen dazu widersprechen sich...
- kann man diese Schlacken einer bestimmte Zeitstellung zuordnen? Einer der Websiten sagt, daß diese seit dem 13. bis ins 18 Jahrhundert zugeordnet werden können.

Nanoflitter

Mit der Zuordnung tu ich mich auch schwer, kann auch aus Kupferverhüttung stammen o.ä. Müsste man sich mit der Bergbauhistorie vor Ort beschäftigen oder halt der örtlichen Glaserzeugungsgeschichte. Manche Experten können das evtl. erkennen, ich kann leider nur Schlacke mit Sicherheit sagen. LG

StoneMan

Zitat von: Nanoflitter in 08. Juni 2026, 21:30:26Mit der Zuordnung tu ich mich auch schwer, kann auch aus Kupferverhüttung stammen o.ä. Müsste man sich mit der Bergbauhistorie vor Ort beschäftigen oder halt der örtlichen Glaserzeugungsgeschichte. Manche Experten können das evtl. erkennen, ich kann leider nur Schlacke mit Sicherheit sagen. LG

Moin,

Du hast recht - schau mal von mir "Bleibergquelle"

 :winke:

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

stratocaster

#8
Zur allgemeinen Verwirrung hier noch ein Ergebnis aus der Guugel-KI.

Nebenbei: In der modernen Stahlerzeugung hat die Schlacke folgende Funktionen:
sie bindet unerwünschte Elemente
sie schwimmt oben über der Schmelze und hält den Luftsauerstoff fern
sie verhindert das Abkühlen der Stahlschmelze

Bei Wiki steht auch einiges.

Gruß  :winke:
Das Sucherforum dankt all denen,
die zum Thema nichts beitragen konnten
und dennoch geschwiegen haben !

Shard

Servus,

das hat mir die KI noch zur optischen Bestimmung von Schlacken ausgeworfen:

Visuelle und technologische Indikatoren nach Epochen

Prähistorie (Bronzezeit & Frühe Eisenzeit)
In dieser Phase waren die Öfen klein und die Temperaturen oft noch unregelmäßig.Merkmale: Die Schlacken sind meist unregelmäßig geformt, stark porös (,,brotlaibartig") und enthalten noch sehr viele unvollständig geschmolzene Erz- oder Gesteinsbrocken.
Effizienz: Sehr gering. Es befindet sich noch extrem viel nutzbares Metall in der Schlacke. Urgeschichtliche Eisenschlacken sind daher auffallend schwer und oft stark magnetisch.

Antike (Römerzeit) & Hochmittelalter
In dieser Ära wurde der Rennofen perfektioniert. Man lernte, die Schlacke im flüssigen Zustand gezielt aus dem Ofen ablaufen zu lassen, um Platz für mehr Metall zu schaffen.Typische Form: Fließschlacke. Sie sieht aus wie versteinerte, dunkle Lava mit welligen Fließspuren, Seilen oder Zapfen auf der Oberfläche.
Struktur: Sie ist deutlich kompakter, dichter und homogener als prähistorische Schlacke.

Spätmittelalter & Frühe Neuzeit (ca. 14. bis 17. Jahrhundert)
Mit der Erfindung von Wasserrädern konnte man riesige Blasebälge betreiben. Die Öfen wurden größer (Flussöfen/Stücköfen), die Temperaturen stiegen massiv an.Typische Form: Es entstehen riesige, tonnenschwere Ofensauen (Schlackenblöcke), die sich am Boden des Ofens sammelten und nach dem Prozess mühsam zerschlagen werden mussten.
Glaskomponente: Durch die extremen Temperaturen schmolz die Ofenwandung (Lehm/Sand) verstärkt auf. Die Schlacken werden oft glasiger (teilweise dunkelgrün oder bläulich) und weisen scharfe Kanten beim Bruch auf.

Moderne & Industrialisierung (ab ca. 18. Jahrhundert)
Mit der Erfindung des Koks-Hochofens trennten sich die Wege von Metall und Schlacke fast perfekt.Merkmale: Moderne Hochofenschlacke ist extrem arm an Restmetallen. Sie ist oft hellgrau, gelblich-weiß oder besitzt ein fast künstliches, poröses Aussehen (wie schaumiger Bimsstein).
Masse: Sie tritt an historischen Standorten meist in gewaltigen, industriellen Halden auf, nicht in kleinen Streufunden.

Gruß Shard