Schlagstein/ Reibstein

Begonnen von Merle2, 16. August 2026, 13:14:47

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Merle2

Moin,
Den Schlag-Reibstein wollte ich euch mal zeigen, da ich die Mulde bzw. Mulden spannend finde und scheinbar intensiv benutzt wurde.
Schlag- Reibstein dachte ich, ob es erst zum Schlagen und im weiteren Verlauf zum Reiben genutzt wurde...?
Viele Grüße :winke:

Merle2

Noch ein paar Bilder ohne verdörrten Rasen...mit KI..hoffe das irritiert nicht zu sehr...
 

Herlitz

Hallo,

ich sehe hier eine Kombination von Schlagstein-Retuscheur-Amboss. Also ein Werkzeug zur Feuersteinbearbeitung. Um welche Art Gestein handelt es sich? Ich nehme an, eine Art Quarzit?
Solche Geräte sollten wir eigentlich öfter finden, vermutlich erkennen wir sie häufig nicht.
 :glotz:  Sven

Nanoflitter

Hab ja schon viele Dutzend dieser Steine gefunden, mit Mulden war jedoch noch keiner behaftet, da diese hier eher zum aufrauhen der Mahlsteine genutzt wurden. Liegt wohl an der Gegend oder am Platz. Hier wäre so etwas sehr selten. LG

Merle2

Moin,

Ja, das ist der hiesig auffindbare Quarzit.
Ich dachte es euch mal zu zeigen, da es sehr intensiv genutzt wurde...Flintbearbeitung könnte sein, wie wäre die Ambossnutzung zu denken?
Primäre Ambossfunktion und dann als Schlag- Schleif- Retuschierstein abgenudelt?
Viele Grüße und Danke

thovalo

#5
Moin!

Die Verwendung von Geröllen zu verschiedenen Arbeiten ist in der Archäologie noch immer ein Nischenthema, dem sich wenig gewidmet wird und es sind Fundbelege, die von vielen Sammlern entweder gar nicht erkannt oder nicht beachtet werden, weil sie nich "attrktiv" genug erscheinen.

Dabei sind solche Funde bei genauen und vor allem sorgfältigen Prospektieren immer wieder mit auf den begangenen Fundflächen zu finden und nicht selten.

Es sind zweifellos insbesondere häufige Gebrauchsstücke auf besidelten neolithischen Fundarealen, wobei die Stücke aus rötlich patinierten Quarzit am ehesten ins Auge fallen, wei die Mulden dann die hellere Farbe des Quazits zeigen. Es gibt solche Gerölle auch in altsteinzeitlichen und mesolithischen Fundzusammenhängen. Da werden sie aber oft nicht mit gezeichnet, weil die Typologie der Steingertäschaften die entscheidende Rolle bei der chronologischen Einordnung spielt.

Es gbit sie mit einem, oft mit gegenständigen Mulden. Seltener sind Stücke die vier eingeschlagene Mulden aufweisen. Am gezeigten Fundbeleg ist eine reibenden Funktion auszuschließen, weil es dafür keine Hinweise gibt. Das Reiben ist ein Vorgang des Schleifens und erzeugt glatte Fläche die enstprechend des Vorganges mit der Zeit auch Stries, strichrörmige Schleifmerkmale, ausprägen.

Es sind zweifelsohne unterliegende Steine gewesen, auf denen wiederum Materialien wie Pflanzenfasern, Nüsse, Feuerstein, Farbsteine wie Rötel und Ocker, Quarze als Magerungszugabe der Tonverarbeitung usw. schlagend bearbeitet wurden.

Es wurden Gerölle verwendet die zumindest in einem Anteil auch nach Form und Gewicht ausgesucht worden waren und durch Erfahrung gut für die jeweilig auszufürhenden Arbeiten geeignet waren.

Für die Rössener Kultur sind Gerölle mit eingeschlagenen Mulden gut beschrieben. Doch ist aufgrund der fast überall freinen Verfügbarkeit und der paktischen Handhabung solcher Gerölle, ein Gebrauch weit über die Jungsteinzeit hinaus anzunehmen.

Das ein unterliegender Stein auch als Schlagstein gebraucht wurde ist schlicht und einfach pragmatisch, wenn sich ein Geröll für beide Funktion eignete.


lnsofern ist es toll und auch wichtig, wenn solche Stücke mit Arbeitsspuren aufgehoben und den Ämtern gemeldet werden.


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Fischkopp

Hallo Merle2, die schön ausgeprägte Mulde hat mich gleich fasziniert. Mein erster Gedanke war... wow, ein tragbarer Schälchenstein.... Schalensteine, Schälchensteine oder Näpfchensteine finden sich in ganz Europa. Nur sind die Dimensionen der Steine meist ganz andere und viel größer. Ich kenne nur einen der einigermaßen handlich ist. Kannst du die Fundregion etwas eingrenzen? Ansonsten ein sehr spannendes Teil und danke fürs Zeigen.

LG Fischkopp

Danske

Ein schöner, klassischer Klopfer mit einer ausgeprägten Mulde. Diese Arbeitssteine waren vielseitige Werkzeuge auf vorgeschichtlichen Plätzen. Thomas hat ja schon alles zu dieser Fundgattung geschrieben, einen Reibstein sehe ich hier auch nicht.
Ein feiner Fundbeleg  :super: , ich mag diese Arbeitssteine.

LG Holger
Ignoramus et ignorabimus.

Merle2

Moin,
Der Fund stammt aus dem Norden des Münsterlandes von einer mehrphasigen Fundstelle.
@ Thomas:Danke für die ausführliche und hilfreiche Erklärung
@ Holger: ja genau, ich finde die Steine die eine offensichtlich lange Nutzung hatten auch genial...
Viele Grüße

Persephone

Moin Merle,

vielleicht bringt der Verlauf mehr Licht ins Dunkel. Ich bin da bei Fischkopp und einem mobilen Schälchenstein (der Oftma,s auch zum Schlagen genutzt wurde wie zahlreiche Funde in SH z. B. beweisen)

https://sucherforum.de/steinartefakte/flintkugeln-und-schalchenstein/msg281675/#msg281675

 :winke: Persephone

thovalo

Guten Abend!

Die sogenannten "Schälchensteine" sind eine rein nordische "Spezialität".

Dieser Fund aus dem Münsterland hat damit absolut nichts zu tun. Das möchte ich so betonen, damit jetzt nicht ständig noch andere Begriffe verwirrend mit ins Spiel kommen.


lG Thomas   :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

thovalo



Wenn man diesen WIKIPEDIA-Eintrag zu Schalen-oder Schälchen steinen liest, ist der Begriff eigentlich Mumpitz!

https://de.wikipedia.org/wiki/Schalenstein
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.