Ein retuschierter Abschlag aus Feuerstein vom Lousberg bei Aachen

Begonnen von thovalo, 19. Februar 2026, 13:41:24

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thovalo


Moin Euch Allen!


Ein Gestern rechts des Rheins gefundene Abschlag aus importierten Feuerstein, vom Lousberg bei Aachen, zeigt sich nach der Reinigung, als Gerät mit einer seitlich ausgestellten, breiten Spitze.

Die Form wurde sicher opportunistisch genutzt und zur Entschärfung des Kantenumlaufs fein retuschiert.
 
Der Gebrauch dieser  Feuersteinvarietät ist insbesondere für die Zeit des späten Neolithikums (ab 3.700 v. Chr.) charakteristisch und vom riesigen Gesamtfundareal stammen inzwischen erstaunlich viele Belege von zerlegten Lousbergbeilklingen.

Als weiteres, auch recht aktuell gefundenes  Stück einer sekundär verwendeten  Lousbergbeilklinge, ist ein Klopfstein aus Lousbergfeuerstein neben den Neufund gelegt.

Die Wegstecke vom Fundplatz zur Lagerstätte beträgt nach Routenplaner 92 km und ein Fußgänger benötigt für diesen Weg 21 Stunden. Die Dauer für die Wegstrecke dürfte in etwa mit der übereinstimmen, die ein Menschen in der jüngeren Steinzeit, dem weder Brücken, Straßenschilder noch vorbereitete Strecken zur Verfügung standen, für diesen Weg benötigte.

Da das aber nur eine Strecke ist, benötigte man für den Hin- und Rückweg insgesamt 42 Stunden. Ein Aufwand von etwa 6 Tagen nur um zu dieser Lagerstätte und wieder zurück zu kommen.

Da ist dann aber noch kein Stein aus dem Boden geholt worden. Eine mögliche "Expedition" von der Siedlungsstelle ausgehend dorthin und eine Rückkehr mit entsprechend gewonnenen und zusätzlich mit zu transportierenden Material, wird vermutlich die Zeit von zwei Wochen gedauert haben.


lG Thomas
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

thovalo



Hier noch zwei Bilder der wechseln retuschierten breiten Spitze und der neu gefundene Abschlag mit einerm vor nicht allzu laner ZEit aufgelesenen Schlagstein aus einer Lousbergbeilklinge.


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Steinkopf

Moin Thomas,

das ist ein interessanter Beitrag.
Die Herkunft der Materialien als Beleg für die regionalen Verbindungen
sind in Deiner rheinländischen Suchregion schon besonders.
(Sagt ein Sucher von der Altmoräne)

LG
Jan


thovalo



Moin Jan,

das stimmt. Hier gelingt es ganz gut, die Feuersteinvarietäten den unterschiedlichen Vorkommen zuzuschreiben, zumindest wenn sie deren besonderen Merkmale teilen. Das macht dann manchmal auch bestimmte Vorlieben für einzelne Varietäten in bestimmten Zeiten deutlich

lG Thomas
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Danske

Zitat von: thovalo in 19. Februar 2026, 13:41:24Der Gebrauch dieser  Feuersteinvarietät ist insbesondere für die Zeit des späten Neolithikums (ab 3.700 v. Chr.) charakteristisch und vom riesigen Gesamtfundareal stammen inzwischen erstaunlich viele Belege von zerlegten Lousbergbeilklingen.

Dazu passt die folgende Ausarbeitung von Daniel Schyle: file:///C:/Users/holhu/Downloads/11094-Artikeltext-17234-1-10-20130917-1.pdf

Im Wesentlichen auf Grundlage einer Vorarbeit von Jürgen Weiner berechnete er, dass im Abbauzeitraum etwa 300.000 !! Beilplanken den Lousberg verlassen haben.

LG Holger
Ignoramus, ignorabimus.