Glättstein Tonschiefer

Begonnen von RockandRole, 07. Februar 2026, 20:32:30

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RockandRole

Hallo Leute,

lange ist's her seit ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe. Hoffe es geht euch allen gut. Letztes Jahr war ich kaum auf der Suche, so habe ich mich auch ein wenig aus dem Thema Archäologie herausgenommen.

Letzte Woche war ich aber mal wieder auf sandigem Boden im Maindreieck unterwegs. Die Stelle hat wohl seinen Schwerpunkt in den Metallzeiten, mit ein paar kleinen Spritzern Mesolithikum und Endneolithikum wird es mir dort manchmal etwas aufgepeppt.

Der Tonschiefer,
welcher bei uns als Geröll im Main vorkommt, ist facettiert  :glotz:  man kann hier gut die Farbveränderung und noch die Riefen im Stein erkennen. Auch die Seiten sind abgeschliffen und auch teilweise das Zentrum. Was auch immer damit ,geglättet' wurde, es war recht abrasiv.

Ist jetzt halt die Frage, ob man das nicht schon als Schleifstein bezeichnen sollte. Natürlich ist er ziemlich klein und mit dem Pol etwas zu schleifen stelle ich mir auch umständlich vor.

Wie würdet ihr das Stück bezeichnen und was könnte damit bearbeitet worden sein?

Diese Mini Einschläge auf dem zweiten Bild sollten auch kein Zufall sein, aber für eine Verwendung als Retuscheur ist das mir irgendwie zu wenig.

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Jondalar

Hallo Daniel,

schön, dass Du mal wieder einen Beitrag geschrieben hast. Vielen Dank dafür! Ich habe Dein Konterfei schon vermisst...  ;)
Viele Grüße

Jondalar 
'Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen!'
(Konfuzius)

Danske

#2
Hallo Daniel,

schön, mal wieder was von dir zu hören und zu sehen.

Ein schönes Teil hast du gefunden, die Schlifffacetten sind eindeutig.

In "Felsgesteinartefakte des Alt- und Mittelneolithikums" (im Floss) schreibt Birgit Gehlen zu den Schleifsteinen:

"Neben der großen Gruppe der amorphen Schleifsteine lassen sich folgende Geräte morphologisch unterscheiden, die allesamt selten in den Inventaren auftreten:
Reibsteine haben in allen Richtungen konvexe Oberflächen und können als kleine Läufer in Schleifwannen angesehen werden."

Zu den Stücken mit unbestimmbarem Schliff schreibt sie im gleichen Aufsatz:

"Hierzu gehören Gerölle mit Schlifffacetten, die man als Glättsteine ansehen kann."

Das Früh- und Mittelneolithikum passt zwar jetzt nicht in den Zeitrahmen deiner Fundstelle, aber ich denke, dass die Ausführungen auch auf andere vorgeschichtliche Perioden anwendbar sind.

Hier noch eine Ausarbeitung zu Keramik-Glättsteinen insbesondere aus urnenfelderzeitlichem Zusammenhang:
https://www.academia.edu/32221115/Bemerkungen_zu_Keramik_Gl%C3%A4ttsteinen_unter_besonderer_Ber%C3%BCcksichtigung_der_Gl%C3%A4ttsteine_aus_dem_urnenfelderzeitlichen_Keramikdepot_von_Dr%C3%B6sing_Nieder%C3%B6sterreich

Ich denke, dass es bei deinem Fundstück in die Richtung Reibstein/ Glättstein geht. Was bzw. welche Materialien letztlich damit bearbeitet wurde, dürfte sich wohl nur durch eine Gebrauchsspurenanalyse klären lassen.

Sehen wir uns beim AG-Treffen am 09. Mai? Würde mich freuen!

Liebe Grüße
Holger
Ignoramus, ignorabimus.

RockandRole

Hallo Leute,

habe euch auch vermisst  :-)

Danke Holger für die Anregungen. Ich war bei einem Glättstein für Keramik irgendwie engstirnig und habe immer an eine glatte Oberfläche gedacht, so wie bei einem Babypopo halt. Natürlich kann man aber ja auch Kanneluren und weitere Glättverzierubgen damit anbringen. Damit wären die Schmalseiten ja durchaus geeignet. Natürlich kann man so etwas auch mit anderen Materialien wie Holz oder Knochen machen.

Ja, das wäre toll, wenn wir uns auf dem Treffen sehen würden  :winke:

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

thovalo

Guten Morgen Daniel!

Ein Freund aus Luxemburg bearbeitet einige große Sammlungskomplexe und unter den Fundtypen ist eine Gruppe sehr vergleichbarer "Schiefergerölle" (als improvisierter "Überbegriff"), die dort zumeist Kieselgeoden sind. Die Fundregion, die auch Teile der Eifel umfasst, ist bisher kaum bearbeitet worden und so war es fast schon erschütternd wieviel tausend Beilklingen und ebensolche Stücke mit bschliffenen Teilbereichen, so wie Dein Fundbeleg, es aus diesem doch zumindest ähnlichen Material dort gibt.

Die Funde mit Schlifflächen und Schliffacetten werden dort als mögliche "cushionstones" angesehen, die eine Rolle bei der Metallbearbeitung gespielt haben. Das ist für mich aus den Artefakten dieser Art die ich gesehen habe, eine mögliche Entsprechung für Deinen Fundbelegs. Ob diese Stücke der Bronze- oder Eisenzeit enstammen, aber auch älter oder jünger sind oder sein können, all das ist nicht gesichert und geben die Fundumstände nicht her. Was aber auffällt ist die große Menge und die flächendeckende Verbreitung solcher Gerölle mit beschliffenen Teilflächen.

Über die sogenannten Poliersteine für Keramik, die zumindest einmal für einen österreichischen Fundplatz behauptet wurden, sind kaum zu fassen, denn dafür benötigte man kein besonderes Gestein, keine besondere Form und es entstand kein dermaßen die Oberfläche formender Abrieb. Gerölle mit Facetten, meist solche aus dunklen Gestein, finden sich tatsächlich fast überall. Auch Quarzite mit glänzend polierten Teilflächen kenne ich aus Fundbereichen mit jungsteinzeitlichen bis eisenzeitlichen Fundspektrum.

Ich denke, das sind Gebrauchsstücke die zu unterschiedlichen Zeiten entsandn sind un ggf. sogar unterschiedliche Entstehungshintergründe und Zietebenen hatten.


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.