Sieht aus wie ein Stichel...

Begonnen von Schuhnagel 2, 21. April 2026, 08:37:31

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Schuhnagel 2

... und wurde wohl auch als solcher verwendet. Aber erfüllt er auch die formellen Anforderungen an einen Stichel?

Grauschwarzer Radiolarit mit leichtem Grünstich. Lesefund an einer mesolithische Freilandstation im Simmental.

Viele Grüsse

Ulrich

thovalo

#1

Guten Tag!

Gute Bilder, doch erkenne ich nicht die Merkmale eines Stichels. Gerade im Mesolithikum finden sich schnell Abschläge und Klingen mit schmalen Negativbahnen, die in beiderlei Richtung gehen können.

Für das Rheinland kann ich sicher sagen, gibt es überhaupt keine gesicherten, also in einem klaren Fundhorizont, ergrabene Stichel aus der Zeit des Mesolithikums. Im ohnehin anders und länger verlaufenden Mesolithikum des Nordens mag das ggf. anders sein.

Ob es so späte Stichel in der Schweiz (Simmental) gegeben hat, ist von hier aus nicht zu erschließen. Es ist auch nicht zu erkennen ob mit dieser Spitze gearbeitet worden ist. Ich wäre da eher bei einem Bearbeitungsabfall zur Korrektur der Schlagrichtung folgender Abtrennungen.


lG Thomas
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Schuhnagel 2

Hallo Thomas

Gegraben wurde im Simmental in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts (Andrist- Flückiger). In der damaligen Publikation "das Simmental zur Steinzeit" finde ich eine Reihe von vermutet mesolithischen Sticheln, die jedoch nicht ergraben wurden, sondern unterhalb eines Abris -mit über tausend weiteren Funden- auf den Kartoffeläckern lagen.

Viele Grüsse

Ulrich


thovalo



Danke für die Rückmeldung!

Das ist ja schon eine lange Zeit her und ob das wirklich Stichel waren ..... das bleibt dahin gestellt, wenn man nicht die originalen Funde betrachten kann.

In den kommenden Wochen wird in meiner Region ein spätaltsteinzeitlicher Fundplatz mit erstaunlich vielen gesicherten Sticheln neu bearbeitet werden. Sofern sich dann dort erneut Belege finden sollten,  werde ich sie hier in das Forum mit einstellen. Das offizielle Projekt läuft jetzt schon fünf Jahre mit ersten Sondagegrabungen der UNI Köln in diesem Jahr. Entdeckt hatte ich den Platz vor 20 Jahren.

lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Schuhnagel 2

20 Jahre dran geblieben... Respekt! Na ja, in unserem "Geschäft" ticken die Uhren anders.

Die Fundstelle, von der obiger Gegenstand stammt, bewirtschafte ich erst seit zwei Jahren. Pro Suchgang gibt`s drei Funde, wobei ich etwa deren 100 beisammen habe. Meist sind es Abfälle und wenig Kernreste, daneben gibt`s Abschläge und Klingen(Fragmente) etwa zu gleichen Teilen. In 18 Jahren bin ich da sicher ein Stück weiter :-)

Viele Grüsse

Ulrich


thovalo

Zitat von: Schuhnagel 2 in 22. April 2026, 21:42:2520 Jahre dran geblieben... Respekt! Na ja, in unserem "Geschäft" ticken die Uhren anders.

Die Fundstelle, von der obiger Gegenstand stammt, bewirtschafte ich erst seit zwei Jahren. Pro Suchgang gibt`s drei Funde, wobei ich etwa deren 100 beisammen habe. Meist sind es Abfälle und wenig Kernreste, daneben gibt`s Abschläge und Klingen(Fragmente) etwa zu gleichen Teilen. In 18 Jahren bin ich da sicher ein Stück weiter :-)

Viele Grüsse

Ulrich




So ähnlich ist es hier auch. 11 Jahre lang war die Fläche hier "nur" begrünt und wurde gar nicht mehr bearbeitet. Wenn ich laufe dann finde ichm im Jahr 12 - 15 Stücke, meist Reste der Feuerteinbearbeitung (Kerne, Klingen, Abschläge). Ein retuschierte Stücke meist eines im Jahr.

Das sind so die "normalen " mesolithischen Fundplätze.

Dem gegenüber stehen dasnn Massenfundplätze die an Materiallagertätten entstanden sind die immer wieder zur Herstellung von Grundformen aufgesucht wurden, oder ideale Lagerplätze, die teil über Jahrtausende hinweg immer wieder aufgesucht worden sind. Eine dieser Langzeitsiedlungsfundstellen in Brandenburg hatte ich im Studium mit prospektiert. Der feine Sand war dort vollkommen mit Kernsteinen, Klingen und Mikrolithen durchsetzt, egal wo man hintrat oder Sand abgerutscht war.

Die kleineren kurzzeitigen Lagerprätze sind da eher interesant, weil sie ja die Wanderbewegungen dokumentieren und was man findet was während eines solchen einmaligen Aufenthaltes benötigt und zurückgelassen wurde.


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.