Eine systematische Prospektion vor sieben Jahren

Begonnen von thovalo, 09. Januar 2026, 11:11:45

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thovalo

Moin!


Vor sieben Jahren habe ich, zusammen mit einem Doktoranden der urgeschichtlichen Fakultät in Köln, einen spätaltsteinzeitlichen Fundplatz systematisch prospektiert. Die Temperaturen lagen deutlich unter 0 Grad und die Begehung war, wie dort immer, sowohl mühsam wie auch lohnend.

Es fanden sich bei dieser Maßnahme unter anderen die alt gebrochene Distalpartie einer Rückenspitze "mit geraden Rücken" sowie ein klassischer "einfacher" Stichel. Die Rückenspitze und der Stichel gehören in dem erstaunlich umfangreichen Oberflächendundkomplex in die Zeit der spätaltsteinzeitlichen "Federmesserkultur".

Die Fundkomplexe der Zeit des ausgehenden Eiszeitalters werden über die am häufigsten autretende Gerätegruppen näher eingeschätzt. In aller Regel sind das die Kratzer und selten sind es die namengebenden, charakteristischen Peilspitzen. Auf dem hier begangenen Fundplatz ist es überraschend der Gerätetyp des Stichels. Die Stichel treten hier in vielfältigen Variationen auf. Außergewöhnlich ist zudem der hohe Anteil sehr kleinformatiger Stichel. Dafür gibt es in Deutschland bislang keinen vergleichbaren Platz dieser Zeitstellung. Stichel wurden nach heutigen Forschungsstand "spanabhebend" sowie fein schabend eingesetzt. Das lässt vermuten, dass auf diesem Platz recht intensiv Gegenstände hergestellt und bearbeitet worden sind, die an anderen Plätzen eine bei- oder untergeordnete Rolle gespielt hatten. Klassische Produkte die mit Sticheln hergestellt und bearbeitet wurden sind abgetrennte oder ausgelöste Geweih- und Knochenstücke die dann zu Nähnadeln, Harpunen, Spitzen usw. hergestellt worden sind. Dazu gehören aber auch Kunstwerke wie die Elchfigur und die große Knochennadel mit Tierkopfende aus den beiden zeitgleichen Bestattungen bei Bonn-Oberkassel.

Das Fragment der Spitze wurde dann als Abbildung mit in eine Veröffentlichung in A.i.D. aufgenommen.

Das seit 2005 zusammengetragene Fundinventar ist inzwischen vollständig aufgenommen und gezeichnet worden und auch für das kommende Jahr 2026 ist die wissenschaftliche Aufnahme finanziert und gesichert, sodass weitere Neufunde umgehend in das Inventar und die Datenbank übernommen werden können.


Ich wünsche Euch Allen einen guten Start in ein erfolgreiches neues Sucherjahr!



lG  Thomas
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.