Spitzer Abschlag mit Retuschen

Begonnen von Schabersucher, 16. Dezember 2025, 23:04:35

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Schabersucher

Moin, liebe Leute,

hier kommt noch ein Stein, der mir etwas rätselhaft vorkommt. Ein Abschlag, ca 5cm lang, 3cm breit. Im Bereich der Spitze hat er ungewöhnlicherweise eine Dicke von ca 10mm und wird zum proximalen Ende hin immer dünner, ca. 3mm. An der Spitze eventuell ein Stichelschlag, rundum an den Kanten Retuschen und 4 Kerben (2 auf halber Länge gegenüberliegend und zwei am proximalen Ende). Was denkt ihr, könnte das gewesen sein? Schlagabfall an dem einfach etwas getestet wurde, ein Stichel, eine Geschossspitze??

Viele Grüße,
Sven

Schabersucher

... und hier noch weitere Fotos ...

thovalo



Moin!

Ich antworte mal sehr kurz: es ist kein Abschlag und das Stück hat auch keineintentionell angelegte Retuschen.

Für Beides fehlen die charakteristischen Merkmale.


lG Thomas  :winke: 
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Schabersucher

Zitat von: thovalo in 17. Dezember 2025, 20:55:05Moin!

Ich antworte mal sehr kurz: es ist kein Abschlag und das Stück hat auch keine intentionell angelegte Retuschen.

Für Beides fehlen die charakteristischen Merkmale.


lG Thomas  :winke: 
Moin Thomas,

vielen Dank für deine Antwort und hilfreiche Einschätzung, entschuldige die späte Rückmeldung! Und bitte entschuldige auch die schlechte Qualität der Fotos, die ich hier hochgeladen habe. Was ich beim Anschauen des Steins gedacht hatte, wäre zB auf Bild 7 links unten ein Schlagflächenrest und die ausgeprägte Schlagnarbe auf der dort gezeigten Ventralseite. Die deutliche Schlagbeule sieht man aus diesen Perspektiven leider noch weniger. Auf der Dorsalseite, zB Bild 1 und 5, ist ein deutliches Negativ eines Steckenbleibers, das aber auch im Original anders wirkt als auf diesen Fotos.
Die vermeintlichen Retuschen überzeugend zu fotografieren, gelingt mir ja leider so gut wie nie... im Floss finde ich dazu folgendes Zitat: "Auch natürliche Prozesse wie Kryoturbationen in Höhlensedimenten, oder moderne Prozesse, zB Einwirkungen des Pfluges, können an Artefakten Beschädigungen hervorrufen, die anthropogenen Retuschierungen ähneln können, jedoch sind die Negative natürlicher Prozesse und moderner Vorgänge niemals in Größe, Form und Lage so regelmäßig, wie dies bei anthropogenen Retuschierungen der Fall ist." Und da muss ich jedenfalls zugeben: die Negative/Beschädigungen, die man zB in Abb 4 (obere rechte Kante) oder Abb 8 (oben) sieht, sind nicht unbedingt die allerregelmäßigsten. Wenn man die Abbildung im Floss dazu anschaut (S. 130, Abb. 10), sieht man aber auch, dass dort tatsächlich anthropogene Retuschen mit einer gewisse Bandbreite an Regelmäßigkeit immer noch als solche bezeichnet werden. Intentionelle Anlage und Regelmäßigkeit gehen sicher Hand in Hand. Ich habe mich bisher eher an der Regelmäßigkeit orientiert, aber ich nehme an, dass ich wegen der Bandbreite dieses Merkmals auch leichter falsche Schlüsse ziehe... gibt es zum Begriff der "intentionellen Anlage" im Floss oder anderswo etwas ausführlichere Definitionen? 

Viele Grüße,
Sven

Levante

Hi,

Bei allem nötigen Respekt, diese Standardantworten nach Lehrbuch finde ich leider sehr störend, da sie nicht das vorliegende Problem ansprechen.

Nicht jedes Artefakt muss zwangsläufig aus einem Abschlag gefertigt worden sein. Viele Artefakte entstehen aus Trümmerstücken oder aus Frostscherben. Der Begriff intentionell angelegte Retusche ist bei solchen Artefakten, wie dem hier vorgelegten Beispiel kaum hilfreich.

LG

Patrick

P.S. Meine ausführliche Antwort findet sich hier:

https://sucherforum.de/steinartefakte/grundlegende-fragestellungen-in-der-forschung-artefakt-ja-oder-nein!/
Nicht nur ein Scherben (Keramische Fragmente) Sucher sondern auch ein Scherben (Keramische Fragmente) Finder. :-)

Herlitz

Hallo,

den Abschlag kann ich nachvollziehen, besitzt das Stück doch einen Bulbus und Schlagnarben. Eindeutige Retuschen sehe ich aber nicht, im Gegenteil, es gibt rezente Bestoßungen. Es wirkt auf mich recht alt, oder stammt es von einem Ufer? Die Angabe der Fundumstände und Region ist oft wichtig für die Bestimmung von Funden.
 :winke:  Sven

Schabersucher

Zitat von: Herlitz in 08. Januar 2026, 18:31:29Hallo,

den Abschlag kann ich nachvollziehen, besitzt das Stück doch einen Bulbus und Schlagnarben. Eindeutige Retuschen sehe ich aber nicht, im Gegenteil, es gibt rezente Bestoßungen. Es wirkt auf mich recht alt, oder stammt es von einem Ufer? Die Angabe der Fundumstände und Region ist oft wichtig für die Bestimmung von Funden.
 :winke:  Sven
Hallo Sven,
vielen Dank für die Kommentare und Nachfragen!
Wie alle meine Steine, stammt auch dieser vom SH Ostseestrand, das hatte ich hier vergessen dazuzuschreiben... also JA: das Ufer der Ostsee, und gleichzeitig auch: NEIN, der Stein war bis vor kurzem in die Steilküste eingebettet und lag noch nicht lange am Ufer als ich ihn aufgehoben habe (behaupte ich mal so aus meiner Erfahrung heraus...). Ob rezent (das heisst erst vor relativ kurzem entstanden) oder nicht rezent, will ich lieber nicht beurteilen, ich vermute, der Stein ist auch in diesen Negativen der Absplitterungen (die jeweils immer von einer Kante auf nur eine Fläche gehen) patiniert.
Viele Grüße, Sven

Schabersucher

#7
Zitat von: Levante in 08. Januar 2026, 14:33:19Hi,

Bei allem nötigen Respekt, diese Standardantworten nach Lehrbuch finde ich leider sehr störend, da sie nicht das vorliegende Problem ansprechen.

Nicht jedes Artefakt muss zwangsläufig aus einem Abschlag gefertigt worden sein. Viele Artefakte entstehen aus Trümmerstücken oder aus Frostscherben. Der Begriff intentionell angelegte Retusche ist bei solchen Artefakten, wie dem hier vorgelegten Beispiel kaum hilfreich.

LG

Patrick

P.S. Meine ausführliche Antwort findet sich hier:

https://sucherforum.de/steinartefakte/grundlegende-fragestellungen-in-der-forschung-artefakt-ja-oder-nein!/
Hallo Patrick,
vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe schon von verschiedenen Fachleuten gehört, dass es tatsächlich sehr sehr sehr viele Artefakte zu finden gibt und dass tatsächlich nicht alle davon interessant erscheinen. Die Fragestellung ja oder nein, bzw Geofakt oder Artefakt, ist vielleicht also manchmal die Fragestellung interessant oder nicht interessant, oder wird damit verwechselt... da hast du sicher recht!
Bei der Beurteilung wendet man wohl intuitiv oder erlernt das sogenannte Ockhams Rasiermesser an (Wikipedia sagt: Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und diese in logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt folgt.) Und was eine "einfache" Theorie ist und was eine nicht so einfache, hängt nach Bayes auch vom Vorwissen jenseits der gezeigten Bilder ab, das bei jedem hier im Forum natürlich unterschiedlich ist. Deshalb können wir auch gar nicht immer zu den gleichen Schlüssen kommen, ob ja oder nein. Und es wird ja auch meistens angemerkt, das jede Beurteilung hier ziemlich unsicher ist. Die Diskussion über diese Theorien ist aber jedenfalls spannend und hilfreich, finde ich

 :friede:  viele Grüße, Sven

Danske

Hallo Sven (Schabersucher),

soweit ich das mitbekommen habe, hast du alle bisher im Forum gezeigten Funde im Strandbereich gemacht. Wie bereits in einem anderen Thread von dir gesagt, besteht darin eine wesentliche Problematik bei der Beurteilung dieser Funde.

Hier auf einem Acker in Rheinhessen wäre die Sache dahingehend klar, dass der ortsfremde Feuerstein von Menschen eingebracht wäre. Es würde sich also zumindest um Trümmerstücke bei der Bearbeitung, ggf. auch mit Bearbeitungsspuren, handeln.

Im Gegensatz dazu kommt der Feuerstein in deinem Suchgebiet in großen Mengen natürlich vor. Im Brandungsbereich entstehen durch Abrollungen und Kantenbestoßungen die von dir gezeigten Formen, was eine Beurteilung Artefakt oder Geofakt, zumal anhand von Fotos, schwierig macht.

Daher kann ich dir nur nochmals ans Herz legen, deine Funde im zuständigen Landesamt vorzulegen. Bestenfalls kannst du dort mit einem Archäologen ins persönliche Gespräch kommen. Das würde dir bei der Einordnung deiner Funde sicher weiterhelfen.

LG
Holger :winke:   
Ignoramus, ignorabimus.