Beitrag i. d. "Fachzeitschrift" Bayerische Archäologie Mittelpaläolithikum

Begonnen von Furchenhäschen, 01. Juni 2026, 21:06:40

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Furchenhäschen

Hallo,
ich bin immer noch ganz geflasht vom Beitrag in der o.g. Fachzeitschrift mit folgender Überschrift
"Zitrusmesser aus Keuperhornstein"
Die Zeitschrift wird in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. herausgegeben.
Im Heftl sind einige aussagekräftige Fotos und viele Zeichnungen dargestellt, welche wohl Artefakte bzw. Werkzeuge darstellen sollen.
Zu den im Heft dargestellten "Mittelpaläolithischen Werkzeugen" versuchte ich verzweifelt im Floss oder im alten Hahn vergleichbares zu finden, Fehlanzeige, auch ein Zitrusmesser aus Keuperhornstein wird beschrieben.
Kennt von Euch jemand ein Zitrusmesser aus dem MP?
Vielleicht hat von Euch jemand Zugriff auf die Zeitschrift, es handelt sich um das Heft 2/2026.
Falls ja würden mich Eure Meinungen dazu insgesamt brennend interessieren.

Grüße Peter

Wiedehopf

Guten Abend Peter,

vielleicht meinen die sowas (habe leider keinen Zugriff auf das Heft):

ZitatÜbersicht mit KI
Ein Quartier d'orange (Orangenviertel/Orangenschnitz) ist im archäologischen Kontext ein bestimmter Typ von Feuersteinartefakt (Silex).
Es handelt sich dabei um einen Kern oder ein Abschlagstück aus Feuerstein, das durch seine typische, fast dreieckige oder keilförmige Form an ein Orangensegment erinnert.

    Form & Herstellung: Diese Artefakte haben eine spitz zulaufende Seite (die Rinde des Steins) und eine glatte, meist dreieckige Bruchfläche. Sie entstehen typischerweise bei der Ausbesserung von Kernen oder als Abfallprodukt der frühen Klingen- und Abschlagtechnik in der Steinzeit (insbesondere in der Bandkeramischen Kultur).

Nutzen: Obwohl diese Form oft als Nebenprodukt galt, belegen archäologische Untersuchungen, dass sie von steinzeitlichen Menschen als handliche Schaber, zum Feuermachen, Sägen oder sogar als kleine Meißel (Burins) verwendet wurden.

Viele Grüße
Michael

Schabersucher

Hallo Peter,

ich habe einige solcher Abschläge gefunden, die an Zitrusscheiben erinnern. Einer ist in diesem Thread beschrieben: (aber ob das MP ist oder ein "richtiger " Zitrusabschlag: keine Ahnung  :nixweiss:
Im Floss hatte ich im Paläolithikum was dazu gefunden... (Th. Weber, S. 180, Abb. 4)

LG, Sven

Zitat von: Schabersucher in 28. November 2025, 22:34:47...
Es wurde nur die maximal notwendige Zahl von Abschlägen durchgeführt: von einem rundlichen Geröll werden Abschläge wie Zitrusscheiben abgetrennt, die Dorsalfläche wird dann durch den Kortexrücken und ein Abschlagnegativ gebildet. Hier sind zwei Dorsalgrate vorhanden, von vorherigen Abschlagnegativen. An der Kante sind Retuschen auf die Dorsalfläche vorhanden, sodass dieser Stein als kleiner Schaber (?) benutzt werden konnte. Fundort wieder der Ostseestrand, und ich habe wieder mehrere Steine dieser Art gefunden, teils mit Retuschen, teils ohne.

Im Floss wird diese Technik in das Paläolithikum einsortiert, aber ich nehme stark (aber natürlich laienhaft) an, dass dieser Stein jünger ist, d.h., dass sich diese Technik durch die Zeiten erhalten hat.

...


Merle2

Moin Peter,
AiB hatte ich gestern im Briefkasten und hab sie grob durchgeblättert...hab mich dann sehr gefreut über einen Bericht zum MP.
Ich bin auch direkt über den Begriff gestolpert,  da ich den nicht kenne,  was gar nichts heißen muss...
Zitrusabschlag ist mir ein Begriff, aber egal. Hab den Artikel noch nicht gelesen. Soll ich ihn dir zukommen lassen?
Grüße

Furchenhäschen

Servus,
habe den Artikel gelesen die abgelichteten Steine sowie die Zeichnungen genau betrachtet. Mein persönliches Fazit ist, es handelt sich um keine MP-Artefakte, nichtmal um Werkzeuge aus einer anderen zeitl. Stufe. Ich verstehe nicht wie man einen auf dermassen wackeligen Füssen stehenden Fundbericht in solch einer Zeitschrift veröffentlichen kann.
Nicht umsonst heisst es in einschlägigen Kreisen "in Bayern gibt es keine noch aktiven Paläolithiker mehr"
Ich persönlich war jedenfalls entsetzt als ich den Artikel las.
Grüße Peter

RockandRole

Servus,

na dann bin ich mal gespannt. Das Blatt ist jedenfalls noch nicht bei mir eingetrudelt. Uthmeier benutzt ab und an den Begriff, Zitrus scheibenförmiger Abschlag. Michael hat meiner Meinung nach eine gute Beschreibung der Teile hier gepostet.

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Furchenhäschen

Zitat von: RockandRole in 02. Juni 2026, 19:13:00Servus,

na dann bin ich mal gespannt. Das Blatt ist jedenfalls noch nicht bei mir eingetrudelt. Uthmeier benutzt ab und an den Begriff, Zitrus scheibenförmiger Abschlag. Michael hat meiner Meinung nach eine gute Beschreibung der Teile hier gepostet.

Liebe Grüße Daniel
Servus Daniel,
der Begriff Zitrusabschlsg, nur am Rande bemerkt, ist nebensächlich, fachlich  meines Erachtens in der Formenansprache nicht etabliert. Ich sehe ausserdem bei den im Bericht fotografisch und zeichnerisch dargestelten Steinen keine Artefakte und schon gar nicht aus dem Mittelpaläolithikum.
Grüße Peter

RockandRole

Servus in die Runde,

jetzt hatte ich auch die Gelegenheit den Artikel zu lesen, ich sollte es aber ein zweites Mal tun :)
Da ich ja auch in einer Region mit Keuper suche, kenne ich das beschriebene oder ähnliches Rohmaterial ganz gut.
Bei meinen Aufsammlungen finden sich kaum, bis gar keine Artefakte aus dem Material. Ihr merkt schon, ich bin mir manchmal nicht sicher, ob bei dem ein oder anderen stark weiß patinierten Abschlag, sich nicht auch ein Keuperhornstein darunter verbirgt.
Hier wurde ca. 95% Kieselschiefer verwendet der massenhaft in den Flussschotterbänken vorhanden war.
So ähnlich war es ja bei Coburg, trotzdem gab es sicher Gelegenheiten, bei dem die Rohmaterialquelle aufgesucht wurde.

Mich würde interessieren, ob die Stelle jagdstrategisch günstig gelegen hat und ob es dann Anzeichen von anderen Rohmaterialien gibt, welche dann evtl. bei einem initialen Inventar mitgenommen wurden. Dann würde für mich die Nutzung von der Quelle schon Sinn machen, denn zum Zerlegen von Jagdbeute sind keine komplizierten ausgefeilten Artefakte notwendig, sie müssen nur handlich und scharf sein und in ausreichender Menge verfügbar.

Gibt es denn das Rohmateial als Zitrusmesser oder strunkförmige (komischer Begriff) Werkzeuge in anderen Aufsammlungen?

Die Form der Messer wird ja schon alleine durch die Form des Romaterials vorgegeben. Kleine bis mittlere Knollen ergeben dann bei einem schnellen Spaltprozess diese Form, will oder kann man nicht viel retuschieren. Mir fehlt im Artikel auch eine Größenangabe zu den Rohmaterialknollen.
Hier in der Gegend sind mir jedenfalls diese beschriebenen Formen nicht unbekannt, bei kleinen bis mittleren Knollen. Nur sind das bei mir meist Schaber.

Im Text wird beschrieben, dass das begehrte herzustellende Artefakt das Zitrusmesser war und weniger der Zitrusschaber. Das verstehe ich nicht so ganz. Am Anfang von vielen Schabern steht doch ein Messer, welches durch Schärfungsprozesse dann zu einem Schaber transformiert wird. Das trifft natürlich nicht auf den Typ Quina zu. Ist das nun auf die eingeschränkte Bearbeitbarkeit des Hornsteins zurückzuführen?

Hier merkt man, wie an einigen anderen Stellen des Artikels, dass der Autor kein studierter Paläolithiker ist, was natürlich nicht schlimm ist, aber manchmal etwas Stirnrunzeln erzeugt, was aber auch nicht schlimm ist ;)

Mal nebenbei, wo sind die Schlagsteine dieses Platzes?


Vielleicht hätte man dem Artikel noch 10-20 Jahre Feldbegehung Zeit geben sollen. So wirft er bei mir jedenfalls mehr Fragen als Antworten auf  :nixweiss:

Trotzdem schärft der Artikel den Geist und das Auge

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Furchenhäschen

Servus Daniel,
mit 2 Paläolthikern habe ich über die im Bericht dargestellten "Steine" gesprochen, es gab nur ein Kopfschütteln. Das ist bereits der 2. Bericht in der Zeitschrift zum Thema Paläolithikum aus derselben Feder der m.E. schwer daneben liegt und fachlich nicht korrekt ist.
Grüße Peter