Abschlag mit ventraler Retusche

Begonnen von Schabersucher, 24. Februar 2026, 22:43:28

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Schabersucher

Liebe Leute,

hier kommt ein weiterer Stein, den ich am gleichen Ort wie den hier gezeigten 
Zitat von: Schabersucher in 23. Februar 2026, 19:14:27Stein
gefunden habe.
Eine Laterale des Abschlags ist auf der Ventralseite ziemlich regelmäßig und ziemlich steil (70-90 Grad schätze ich) retuschiert, mit 3 - 5 mm langen Absplissen. Die Retusche zieht sich von der Basis bis zur Spitze hin. Diese ergibt durch eine retuschierte Bucht auf der anderen Lateralen. Diese ansonsten unbearbeitete Laterale hat einige kleine unregelmäßige Absplitterungen. Die retuschierte Laterale hat einen deutlich unregelmäßigeren Verlauf als die unretuschierte, zumindest im oberen Bereich. Die Dorsalseite ist unbearbeitet. Die Basis bzw. der Schlagflächenrest scheint mir leicht bearbeitet. Der Abschlag ist mit knapp 2 cm an der dicksten Stelle, die sich etwa im Zentrum befindet, ziemlich dick.

L x B x H, M ~= 9 cm x 4 cm x 2 cm, 57 g
Fundort: Schleswig-Holstein

An diesem Stein fallen mir die Retusche auf der Ventralseite und der ungewohnte Kontrast der im Vergleich so unscheinbaren Erscheinung der Dorsalseite auf.

Habt ihr Hinweise zur Funktion oder zur Herstellung?

Viele Grüße,
Sven

Steinkopf

Moin Sven,

Ein Fundstück wirft Fragen auf.
Dieser spitz zulaufender Abschlas ist an Spitze und Kanten sehr verrundet.
Das kann  beim Gebrauch ,es läuft spitz zu, als auch während der Lagerung
(am Strand?) entstanden sein.

LG
Jan

Danske

Die Verrundung und der Glanz am distalen Ende könnten eventuell für eine Nutzung als Feuerschlagstein sprechen. Vernarbungen, die durch das Schlagen auf den Pyritknollen entstehen, kann ich auf den Fotos allerdings nicht erkennen. Möglicherweise ein "Funkenzieher"?? Die Diskussion, ob Funken schlagend oder ziehend erzeugt wurden, hatten wir hier im Forum ja schon. Wobei in der Literatur nur von Perkussions- also Schlagfeuerzeugen gesprochen wird.

LG Holger
Ignoramus, ignorabimus.

Schabersucher

#3
Zitat von: Steinkopf in 25. Februar 2026, 06:10:40Ein Fundstück wirft Fragen auf.
Dieser spitz zulaufender Abschlas ist an Spitze und Kanten sehr verrundet.
Das kann  beim Gebrauch ,es läuft spitz zu, als auch während der Lagerung
(am Strand?) entstanden sein.
Moin Jan und Holger,

vielen Dank für Eure Antworten und Hinweise!

Bei diesem Stein ist vor allem der Grat auf der Dorsalseite stark verrundet und vernarbt. Das sieht man ganz gut auf dem ersten Foto oben. Auch die Kante zwischen Dorsalseite und Schlagflächenrest ist stark verrundet. Die lateralen Kanten, die Spitze und die Kanten zwischen Ventralseite und Schlagflächenrest sind viel weniger verrundet. Ich hänge noch ein paar Fotos an, auf denen man die Kanten und Retuschennegative sieht.

Mir scheint deshalb, dass die Dorsalseite viel älter sein muss als die Ventralseite und die Retuschen. Der leichte Glanz der Ventral- und Dorsal-Flächen und die Farbe sind ähnlich, aber bei genauer Betrachtung ist die Ventralseite doch etwas heller. Das hiesse, es wäre ein Primärabschlag (?) von einem Kern-Stein, an dem sich die Form durch natürliche Abplatzungen ergeben hat. Dieser Abschlag wäre dann retuschiert worden.

Vielen Dank auch für den Hinweis auf den Glanz an der Spitze! Dieser stärkere Glanz scheint mir an Spitze, Bucht auf der unretuschierten Kante und in den Retuschen in der oberen Hälfte der retuschierten Kante vorhanden zu sein. Das hiesse, vor allem der obere Teil des Steins wäre tatsächlich viel in Benutzung gewesen (?), wahrscheinlich eher zum Schneiden oder Schaben als zum Feuerschlagen, weil sonst die retuschierte Kante stärker verrundet sein müsste (?).

Viele Grüße,
Sven
 

thovalo



Das Stück lässt mich auch am ehesten an einen Gebrauch als Funkenlöser denken!


lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Neos

Moin, zusammen,

Zitat von: thovalo in 25. Februar 2026, 19:24:45Das Stück lässt mich auch am ehesten an einen Gebrauch als Funkenlöser denken!

spannend! Das wäre das Letzte, an was ich bei diesem Stück denken würde. Bei einem Abschlag würde ich eventuell noch mitgehen, aber darüber hinaus wird's für mich schwierig.

Auch hier würde mich eine fachliche Einschätzung einer Archäologin/eines Archäologen sehr interessieren.

Viele Grüße

Frank