Hallo,
ein Steinbeil von einer neuen Fundstelle! Dieses Steinbeil (sicherlich aus Amphibolit) fand ich neben Silex-Artefakten, mittelalterlichen und älteren Scherben. Dabei auch drei Scherben, die ich aufgrund ihrer feinen (seifigen) Oberfläche als bandkeramisch bezeichnen würde. In diese Zeit ist sicher auch das Beil zu datieren.
Viele Grüße
Sven
Schönes Stück und unglaublich Dünn :glotz:
Ist der Schliff so schlecht oder verwittert? :winke:
Die Rentner stimmen 2:1 fast 1,5 zu 1,5 für Dechsel.....,bin schon gespannt was es wird.
Einfach ein "rischtisch geiles Teil" O-ton Hansi.
:super:
Servus,
wenn es da bei euch Bandkeramik geben sollte, dann würde ich das Teilchen auch in die Dechselklingen-Schublade stecken. Es ist aber beileibe kein typischer Vertreter der Spezies. Die haben ja bekanntlich eine flache Ventral-, gewölbte Dorsalseite und eine aufgewippte Schneide.
Stell doch mal die Keramik ein, vielleicht hilft's weiter.
HG
RP
Hallo,
die Scherben werden nicht weiterhelfen, sie sind klein und unverziert. Aber in der Gegend gibt es häufig bandkeramische Funde.
Die Flächen des Beils oder der Dechsel sind schon ganz schön rampuniert aber die Schneide ist noch schön scharf, man könnte gleich wieder damit arbeiten. Ich bin übrigens eher dafür, es als Beil zu bezeichnen-wegen seiner relativen Symmetrie. Aber für mich ist alles derartige, was kein Bohrloch hat, ohnehin ein Beil.
Viele Grüße
Sven
Hej Sven!
Ist das ein Bohrloch auf Deinem Portraitfoto???
Michi
Ja, das ist das Bohrloch einer nur 8cm langen Steinaxt, die interessanterweise eine Zweitverwendung fand. Man erkennt noch die Spuren der ersten Bohrung. Leider ist das ein Altfund und die Fundzusammenhänge unklar.
Viele Grüße
Sven
Moin!
Hier wird ein falscher Eindruck erweckt! Korrekt muss es heissen:
"...einer nur NOCH 8cm langen Steinaxt".
Das ist der letzte Rest eines Spaltkeils, der laufend zurückgeschliffen worden ist, bis er weniger als 10 cm lang war.
Sehr schön erkennbar die Glanzzone auf dem Nackenende; sie zeugt von Tausenden von heftigen Schlägen.
Herzliche Grüsse KIS
Ich schreibe dazu mal noch einen extra Beitrag.
Jetzt wieder zurück zum Thema. Hier zwei Vergleichsstücke aus unserem Heimatmuseum, welche eine ähnliche Form haben.
Viele Grüße
Sven
Ja was steht denn auf den kleinen Schildchen , die neben den Ausstellungsstücken liegen? Also ich meine im Heimatmuseum.
Mir kommt es immer noch frühneolithisch vor. Der Setzkeil, stammt der auch von dort? Rössen?
Hier sind 2 Bildchen von ähnlichen Geräten, in der Draufsicht sind die auch rechteckig.
Die stammen von einer LBK-Stelle hier im Rheinland. Die Keramik von dort datiert in die späteste Phase der LBK im Rheinland. Soweit mir bekannt ist, hatten die Bandkeramiker keine parallel geschäfteten Beile. Das Material Deiner Stücke ist Amphibolit, auch typisch fürs frühe Neolithikum.
Vielleicht ist das aber in Mitteldeutschland anders.
Bin mal auf die Expertenmeinungen gespannt.
HG
RP
Diese Form von Amphibolitbeilen scheint hier durchaus gebräuchlich gewesen zu sein. Rössen ist auch nicht von der Hand zu weisen, der Fundort liegt am Rand des bekannten "Rössener Gebietes".
Hier übrigens noch die passende Keramik aus dem Heimatmuseum:
http://www.sucherforum.de/index.php/topic,39032.new.html#new .
Da ist übrigens alles nur als neolitisch bzw. bandkeramisch bezeichnet. Es gibt auch noch mehr Amphibolitbeile, -dechseln, -flachhacken usw.:
Bei den abgebildeten Geräteklingen handelt es sich ausnahmslos um frühneolithische Dechselklingen.
HG
RP
Wie sieht denn dann ein Beil aus? Ist das auch eine Dechsel? Und frühneolitisch-das ist doch bandkeramisch oder gab es hier noch andere Kulturen zwischen Mesolitikum und Bandkeramikern?
Viele Grüße
Sven
Zitat von: sven in 11. Oktober 2009, 14:42:33
Wie sieht denn dann ein Beil aus? Ist das auch eine Dechsel?
Das kann ich nicht sagen, ich bin beileibe kein "Doktor Allwissend". Auf den ersten Blick kommt es mir wie eine parallel geschäftete Beilklinge vor. Auf dem unteren Bild meine ich aber eine gewölbte Schneidenpartie dorsalseitig und eine flache Schneide ventral zu erkennen, dann wäre es eine Dechselklinge.
Die Fotos sind zwar scharf und gut, es fehlt aber die Ansicht von vorne auf die Schneide. Die kann vielleicht weiterhelfen.
Die beiden Steine, die ich als Vergleichsstücke gezeigt habe, sind Einzelstücke. Daneben gibt es auf den besagten LBK-Fundstellen aber ausschließlich klassische Dechselklingen mit flacher Ventral- und gewölbter Dorsalseite.
Ich muß gestehen, mit den Kulturkreisen, die bei euch gesiedelt haben, nicht ausreichend vertraut zu sein. Ich kann die Sachen halt nur mit den eigenen Funden und denen aus der Literatur, die ich gelesen habe, vergleichen. Weiterhin ist mir nicht genau bekannt, ab wann genau es parallel geschäftete Beilklingen aus Felsgestein gab - ich vermute sowas wie spätes Rössen. Wie ich weiter oben geschrieben habe, sind die gezeigten Stücke alles andere als 08/15-Dechsel.
Wenn an Deinen Fundstellen überwiegend Geräteklingen zu finden sind, die wie Beilklingen aussehen und kaum klassische Dechselklingen, dann kann ich natürlich mit meinen Einschätzungen daneben liegen. Dann sind es eben Beilklingen.
Mit frühem Neolithikum wird in der Literatur schon mal Das Alt- und Mittelneolithikum bezeichnet.
An Stellen in Deutschland, wo es LBK gab, folgte diese den mesolthischen Kulturen. Das kann man wohl uneingeschränkt behaupten.
In der Hoffnung, nicht noch mehr Verwirrung gestiftet zu haben
RP :winke:
HG
RP
Ich habe in Ernst Probst, Deutschland in der Steinzeit eine Darstellung gefunden, die die Verbreitung der Bandkeramiker zeigt. Sie lebten anscheinend zeitgleich mit mesolitischen Jägern und Sammlern in teilweise kleinflächigen Gebieten. Man kann sich kaum vorstellen, daß es da nicht Auseinandersetzungen mit den Ackerbauern und Viehzüchtern gegeben hat, aber die Siedlungen der Bandkeramiker scheinen nicht sonderlich wehrhaft gewesen zu sein. Die nächste Frage, die ich mir stelle, ist: Wie haben die ersten Ackerbauern und Viehzüchter eigentlich die Wälder gerodet? Mit ihren kleinen Dechseln? Oder durch Brandrodung? Oder gab es nach der letzten Eiszeit noch gar keine so dichten Wälder, da noch Großwildherden alles abfraßen, was da wachsen wollte? Aber Holz für ihre Langhäuser brauchten sie auch. Wie haben sie die Bäume gefällt? Fragen über Fragen. :kopfkratz:
Aus SH ist bekannt das die Jäger und Sammler in der Übergangsphase zum Neolithikum lange
ihrer Tradition treu geblieben sind.Südlich der Elbe wurde auf Feldern geackert und Wälder
gerodet.Es bestanden Handelskontakte aber man blieb noch lange Zeit der Jäger und Sammlerkultur
treu.Es hat sehr lange bei uns im Norden gedauert bis das Mesolithikum beendet wurde.Das Eine oder
Andere wurde aber schon von den sesshaften Bauern übernommen.
Die Wälder waren dicht und verwachsen, Urwald eben.
Beim Roden wurde gezündelt und mit nordischen Flintbeilen gefällt.
Dieses gilt aber nur für Nordeuropa!
Deutschland war im Neolithikum überwiegend mit dichtem Wald bewachsen. Der häufigste Baum war die Linde, an günstigen Lagen gab es auch Eiche usw.
Ja, die Bandkeramiker haben die Bäume mit Dechseln gefällt, närürlich gab es auch Dechsel mit größeren Klingen. Danach blieben auf Brusthöhe gekappte Baumstümpfe stehen. Brandrodung war wohl eher selten. Das Vieh wurde in der Waldweide ernährt.
Einen teils sogar detaillierten Überblick bietet kostengünstig:
Jens Lüning (Hrsg.), Die Bandkeramiker. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westfalen 2005. 304 Seiten.
HG
RP
Moin!
Sag ich doch, der Mann weiss, wovon er redet/schreibt und diesmal, wen er empfiehlt.
Wer´s noch nicht hat, muss es sich beschaffen. Momentan das Beste, was es - vor allem zu diesem Preis von m.W. nach Euro 14,00 - zur LBK überhaupt gibt!
HG KIS
Zitat von: Khamsin in 16. Oktober 2009, 17:28:21
Moin!
Wer´s noch nicht hat, muss es sich beschaffen. Momentan das Beste, was es - vor allem zu diesem Preis von m.W. nach Euro 14,00 - zur LBK überhaupt gibt!
HG KIS
Das Buch gibt es scheinbar nur noch gebraucht. Hab mir gerade eines gesichert. Preis liegt bei ca. 20 Euro.
Danke für den Tipp (oder heisst es Tip...), Jungs !!
Zitat von: rolfpeter in 16. Oktober 2009, 07:19:22
Deutschland war im Neolithikum überwiegend mit dichtem Wald bewachsen. Der häufigste Baum war die Linde, an günstigen Lagen gab es auch Eiche usw.
Ja, die Bandkeramiker haben die Bäume mit Dechseln gefällt, närürlich gab es auch Dechsel mit größeren Klingen. Danach blieben auf Brusthöhe gekappte Baumstümpfe stehen. Brandrodung war wohl eher selten. Das Vieh wurde in der Waldweide ernährt.
Einen teils sogar detaillierten Überblick bietet kostengünstig:
Jens Lüning (Hrsg.), Die Bandkeramiker. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westfalen 2005. 304 Seiten.
HG
RP
Hallo RP,
ich zitiere die folgenden Zeilen von Harald Lübke aus Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie
Band 165.
Am Ende des Atlantikums, der Zeit der Ertebölle-Kultur, setzte sich der Wald in der Norddeutschen
Tiefebene vor allem aus Eichen, Linden, Ulmen und anderen Laubbäumen zusammen.
Auf der Graphik ist der genauere Überblick.
Ich nehme an, daß im Neolithikum die Baumbestände ähnlich waren und nicht weniger wurden.
Es ist aber alles nur auf Norddeutschland bezogen.
HG Manfred :winke:
(http://s8.directupload.net/images/091016/sc9h9qr2.jpg)
Servus,
Ich hätte mich bezüglich der Vegetation vielleicht detaillierter ausdrücken sollen. Es gibt da wirklich zeitliche und auch regionale Unterschiede.
Ich habe leider zur Zeit keinen Zugang zu meinen Büchern, deshalb nur oberflächlich:
Die Vegetation der Altsiedellandschaften der ältesten Bandkeramik ähnelt der der Ursprungsgebiete der Kultur, man bevorzugte lichte Waldgesellschaften. So nimmt man für die hessische Wetterau lichtreiche Kiefernwälder als erste Siedlungsgebiete an.
In der nächsten Stufe der Landnahme erreichte man u.a. das Rheinland. Hier bestand der "Urwald" aus dichten Laubmischwäldern mit überwiegend Ulme in den feuchten Tallagen und Linde auf den guten Böden der Lößplateaus, hier wurde im Rheinland bevorzugt gesiedelt.
An den Rändern der gerodeten Ackerflächen bildete sich dann durch höheren Lichteinfall eine Pflanzengesellschaft, in der auch der Hasel heimisch war.
Über das Neolithikum nahmen die Anteile mit geschlossener Bewaldung durch verstärkten Ackerbau und Weidewirtschaft ab.
HG
RP
Moin Rolfpeter,
ein Beispiel aus der französischen neolithischen Landschaft,
ich vermute das es ähnlich auch in Norddeutschland so
ausgesehen hat.
Lieben Gruß Manfred :winke:
(http://s12.directupload.net/images/091017/u5kt7bjy.jpg)
Geiles Poster! Wo hastn das her Marienbad, ist das noch irgendwo zu bekommen?
Gruß
Tom
Wirklich ein schönes Poster!
In 1000 Jahren wird es vielleicht ein ähnliches mit rauchenden Atom-Kraftwerkstrümmern geben.
HG :winke:
RP
Ich habe inzwischen gehört, dass es durchaus befestigte Siedlungen der Bandkeramiker gab. Aber vor wem mögen die Befestigungen geschützt haben? Vor Jägern und Sammlern, welche ihnen sicherlich zahlenmäßig unterlegen aber von der körperlichen Verfassung sicherlich überlegen gewesen sein dürften, oder vor anderen Bandkeramikern, deren Ackerfläche ausgelaugt war und sie neue Siedlungsgebiete erschließen mussten? Erstaunlicher Weise sind Bandkeramische Siedlungen aber wohl oft über mehrere hundert Jahre besiedelt gewesen. Man kannte bestimmt schon eine Mehrfelderwirtschaft bei der die Böden regenerieren konnten.
Interessant finde ich auch den hohen Anteil an Hasel bei der Vegetation. Die Nüsse waren bestimmt ein willkommener Kalorienlieferant und konnten über schlechte Ernten hinweghelfen.
Viele Grüße
Sven
Die bandkeramischen Erdwerke tauchten eigentlich erst zu Ende der LBK auf. Das Zusammenleben mit den Wildbeutern muß also prima geklappt haben.
Untersuchungen zu den Handels-/Tauschbeziehungen unter den einzelnen Siedlungsstellen haben ergeben, daß die sozialen Strukturen irgendwann zerbröselt sind. Dann kamen die Befestigungen und auch die Massengräber mit eingeschlagenen Schädeln.
Ich kann hier aber nicht die gesamte Bandkeramik aufarbeiten, da würde ich mir Blutblasen an die Finger tippen.
Besorge Dir mal ein gutes Buch, s.o. Hier beispielsweise erhältlich:
http://www.antikmakler.de/catalog/product_info.php/products_id/9839
Bei Wikipedia gibt es natürlich auch Informationen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bandkeramische_Kultur
Schönen Sonntag noch
RP
Zitat von: rolfpeter in 16. Oktober 2009, 07:19:22
Deutschland war im Neolithikum überwiegend mit dichtem Wald bewachsen. Der häufigste Baum war die Linde, an günstigen Lagen gab es auch Eiche usw.
Ja, die Bandkeramiker haben die Bäume mit Dechseln gefällt, närürlich gab es auch Dechsel mit größeren Klingen. Danach blieben auf Brusthöhe gekappte Baumstümpfe stehen. Brandrodung war wohl eher selten. Das Vieh wurde in der Waldweide ernährt.
Einen teils sogar detaillierten Überblick bietet kostengünstig:
Jens Lüning (Hrsg.), Die Bandkeramiker. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westfalen 2005. 304 Seiten.
HG
RP
Hallo Leute,
hier ein Beispiel von einer experimentalarchäologischen Brandrodung in einem Buchenwald. Die freie Fläche ist durch
Brandrodung entstanden. Die Farne sind die ersten Pflanzen, die nach dem Feuer aus der Asche wachsen. Die Esche
ist die erste Baumart. Der Farn wurde mit Hacken entfernt und Einkorn ausgesät. (die hellen grasartigen in der Freifläche)
Auf dem 2. Foto wird der unkrautartige Farn zwischen dem Ur-Gerteide sicher viel Arbeit ( Jäten) bereitet haben.
HG Manfred :winke:
(http://s2.directupload.net/images/091018/ohohs2bs.jpg)
(http://s12.directupload.net/images/091018/6o6p4o4i.jpg)