Liebe(r) Sucher & Finder,
- Schon wieder eine aus Brandenburg (Endmoraene-Erhebung)
- 3,5 x 3,0 x 0.7 cm
- Schlagbulbus + Narbe? (Bulbus dann so etwa quer gegenueber eine der Seiten)
- 'Spitze' mit retouche an eine Seite -> Spitz-Schaber?
Konnte das vielleicht so etwas sein wie eine 'Pseudo-Levallois Abschlag / Spitze, racloir simple / racloir convergent?
Vielleicht doch MP? Oder gar nicht?
-Gibt es auch noch eine kleine Hohlschaber oder ist das nur eine beschaedigung? (bitte sehe Foto A7a)
Ich bitte um Hilfe! Habe vorher noch niemals so ein Abschlag/Artefakt? gefunden...
Alles Gute!!! Steinereihe
Für mich sieht das alles ganz nach Natur und Pflugschlag aus! :friede:
Muss ich zustimmen , aber ein Abschlag ist es !
Keinesfalls Levallois!!
Mfg Fredi :winke: :winke:
Hallo Thovalo & Fredi,
Danke!!! :Danke2: :friede: !!!
Thovalo denkst du den Pflug hat den Bulbus gemacht?
-Ich sehe 4 x Schade
-Ob den Bulbus ein Agrifakt ist weiss ich nicht. Bulbus ist nicht prominent (hat kein ventralen rand), aber die Wallnerlinienen sehen nicht aus wie bei ein Geofakt. Aber Pflugbulbus-kennzeichen kenn ich leider nicht.
Meine Frage betrifft noch die Lateralkant Retouche: Ob diese Retouche Pflugschade ist braucht fuer mich noch weitere Erklaerung...
-Ich sehe etwa 10 ueberlappende Lateralkant-Negativen in eine Strecke die alle 1 mm gross sind.
-Ist es nicht so das Geofakten und Agrifakten oft 5 oder weniger Negativen zeigen?
-Ist es nicht so das Geofakten und Agrifakten oft nicht-ueberlappende und schraege Lateralkant-Negativen zeigen?
-Und (vielleicht am wichtigsten) Ist es nicht so das Agri(Pflug)-fakten oft Lateralkant-Negativen unterschiedlicher Groesse zeigen?
Diese reihe von '10 ueberlappende Lateralkant-Negativen die alle 1 mm gross sind' seht fuer mich ordentlich/systematisch aus.
Versuch mal mit 'pressure flaking' 10 ueberlappende Lateralkant-Negativen die alle 1 mm gross sind zu machen die systematischer aussehen wie diese?! Konnte schwierig sein! :narr: :-D Steinereihe
Literature:
Gillespie et al. (2004). Distinguishing Between Naturally and Culturally Flaked Cobbles: A Test Case from Alberta, Canada.
Geoarchaeology: An International Journal, Vol. 19, No. 7, 615–633.
STALEY (2006). SHADOW OF DOUBT OR DOUBTFUL SHADOWS: SMALL-SCALE LOW-DENSITY LITHIC SCATTERS AND AGRIFACTS.
NORTH AMERICAN ARCHAEOLOGIST, Vol. 27(2) 175-199.
Auf Bild a4 sieht man noch den Rost an der Lateralen ( Retusche ) :glotz:
Sind auch zu Frisch ( Scharfkantig )
Mfg Fredi :winke:
Es ist - wie hier schon gesagt - ein Abschlag aus einer Serie (von Abschlägen).
Die Vorbereitung einer Levallois-Technik ist hier nicht gegeben.
Sowohl am Anfang wie am Ende (proximal wie distal) ist das Stück nicht
oval glatt begrenzt. Dies kann durch Risse, Sprünge etc. kommen, die schon
im Stein angelegt waren.
Ob die Retusche seitlich am Rand intentionell oder durch Ackergerät entstand
ist schwer zu sagen.
Der als Retusche vermutete Bereich ist an sich gradlinig.
Das Bild zeigt in diesem Bereich eine rau und zackig verlaufende Kante.
Für Schaber, die opportunistisch aus qualitativ zweitklassigen Abschlägen hergestellt
wurden, ist in den meisten Fällen eine irgendwie halbrunde Kappe typisch.
Aufheben und weitersuchen, bis die Funde eindeutige Hinweise auf eine Zeitstellung
zulassen.
mfg
Jan
Ich sehe mit dem Stueck im Hand nur ein bisschen Erde, kein Rost.
Alt und frisch habe ich mehr gesehen. Zu kantig kann aber sein. Ist es zu kantig fuer menschliche Retouche?
Ich bin kein Flintknapper, habe aber in die Vergangenheit mit pressure flaking experimentiert. Das konnte schon kantig aussehen wenn mann wie hier 10 Negativen auf 1 cm macht...
Sehr vielen Dank Thovalo, Fredi und Jan!!!!! :Danke2:
Zu kantig für ein Artefakt das benutzt wurde und/oder tausende von Jahren alt ist
mfg :winke: :winke:
Danke Fredi !!!
Benutzt denke ich auch nicht. Es gibt aber viele unbenutzte Steinzeitartfakte!
Frage ist ob es notwendigerweise Rundungen geben soll, nur wegen hohe Aelter.
Von Fontmaure Frankreich gibt es zum beispiel tausende Chatelperronien Neanderthaler Werkzeuge ohne Patina, und ohne Rundungen an die Negativen (ist ja aber eine andere Steinart).
Aber ich denke du und Thovalo und Jan haben recht. :super: :smoke:
Ja die wurden aber auch aus ungestörten Schichten ergraben und nicht von Pflug und Kreiselegge hin und her bewegt durch sand dreck steine ect.
Mfg Fredi :winke:
Das Stueck kommt nicht von einem Acker.
Kommt von einem Grundstueck mit Straucher/Baume.
Die sind gerade machinal abgeraumt worden, mit mindestens die obere 50cm Erde (denke ich, es gibt keine Wurzel mehr).
Dabei sind Erdlagen freigekommen die normalerweis zu tief liegen um durch Machinen beruhrt zu werden.
Vielleicht gab es mit diesem machinalen abraumung die erste richtige Stoerung dieser Flintsteine.
Zitat Steinereihe:
"Von Fontmaure (Velleches, Vienne) Frankreich gibt es zum Beispiel tausende
Chatelperronien Neanderthaler Werkzeuge ohne Patina.."
Tatsächlich gibt es weit mehr als zigtausend.
Der Fundplatz wurde ausgegraben von Pradel.
Eine Geschichte dieses 'sehr gut abgesuchten Platzes' ist unter
http://www.aggsbach.de/2010/07/a-small-handaxe-from-fontmaure-vienne/
nachzulesen.
Im Museum von LeGrandPressigny (alte Ausstellung) waren einige Artefakte,
die ich noch in den Anfangsjahren der digitalen Photographie ablichten konnte.
Nun muss man zum Beitrag von Steinereihe feststellen, dass es sich um eine als
'Jaspis bezeichnete Steinart' (Wie immer die Mineralogen darüber befinden) handelt,
die opak und kräftig gefärbt ist und für den Bearbeiter sehr viel zäher als der
Baltische Flint ist. Bei der Menge an Material, die von Fontmaure im Umlauf ist
(ein Blick bei ebay genügt) wurde und wird auch rezent viel verarbeitet.
In Fontmaure sind tatsächlich typische Artefakte aus dem Mousterien gefunden
worden. Daneben sind auch andere Perioden vertreten.
Also auch dort ist nicht jeder zweifelhafte Abschlag mit MP datierbar.
Also, wenn wir seriös über Artefakte diskutieren wollen, dann
müssen wir nicht Birnen mit Pflaumen vergleichen.
mfg
Jan
Eh, da hat Jan natuerlich vollig recht!!! :schaem:
Aber es gibt da tatsaeglich MP Stuecke (Bifaces) ohne Patina und ohne Rundungen.
Danke fuer die schoene Foto dieser wunderbare Fontmaure Bifaces!!!
Bitte sehe unten noch einige Fontmaure Stuecke (habe ich nicht selber gefunden, habe ich geschenkt bekommen)
Ich habe fast alle Publikationen von Pradel gelesen, viele davon sind einfach & gratis von die wunderbare Persee website zu bekommen.
Steinereihe
Zu dem Fundmaterial von Fontmaure ist noch zu ergänzen, dass
neben dem 'Jaspis' noch der Quarzit (Grès lustré) vorkommt -
eine als körnig erkennbare, glänzende Qarzitvariation.
Beide haben nicht die geringste Neigung, eine Patina im Sinne einer
Farbänderung anzunehmen.
mfg
Jan
Wunderbare Fotos Jan!!!!!!!
Auch die Fotos, die Du eingestellt hast, sind sehr schön - vor allen farblich!
In den wenigen Jahren Unterschied zwischen meiner Reise in die Tourraine
und Deinen Fotos liegt natürlich ein riesiger Fortschritt in der Digitalen Fotografie!
Außerdem musste ich meine Bilder im Museum durch das spiegelnde
Vitrinen-Glas machen.
Sowohl die Reflexe als auch die Irritation des Autofocus sind sehr hinderlich.
Der Jaspe Fontmaure ist völlig anders zu bearbeiten.
Er hat fast keine größeren Partien, die rein und ohne Störung sind.
Selbst verglichen mit anderen französischen Silices ist dies eine einsame Liga.
mfg
Jan
:super:
Ist ein Abschlag (neo). Ist retuschiert.
(von Archaeologe bestätigt)
S. :winke:
:super: