Hallo zusammen,
seit ich im Mai 2024 zu Euch 'stieß', habt Ihr zahlreiche meiner fraglichen Stücke 'unter die Lupe genommen'. Vielen Dank dafür! Durch Ansehen Eurer Beiträge samt der dazu gehörenden Kommentare konnte ich mir darüber hinaus weitere Stück selbst erklären oder 'verwerfen'. Ein paar 'Fragezeichen' sind noch geblieben. So zum Beispiel dieser sehr flache Abschlag.
Ich nahm ihn in erster Linie mit, weil er mir gefiel. Zu Hause bemerkte ich jedoch, dass die linken Lateralen (siehe erstes Foto) wohl auf einer Länge von ca. 40mm mit einer feine Retusche versehen worden war. Irgendwo habe ich hierfür im Forum mal den Begriff 'Perlretusche' gelesen...
Mittlerweile habe ich auf diesem Acker einige weitere derartige, allerdings nicht ganz so markante Stücke gefunden. Der Fundort erbringt zwar gelegentlich das ein oder andere Artefakt, jedoch bisher noch keines, welche eine eindeutige zeitliche Einordnung zulassen würde. Kann man das Stück typologisch zuordnen oder muss ich mich mit der Bezeichnung 'retuschierter Abschlag' zufriedengeben?
l= 49mm
b= 40mm
h= 6 mm
Gewicht= 14 gr.
Fundort= Landkreis Gifhorn
Viele Grüße
Jondalar
Moin Jondalar!
Ja, das ist ein Abschlag, kein Artefakttyp.
Die anscheinend partielle Negativabfolge, entlang der schmalsten Stelle des Artefakts, lässt sich nicht als bewusst angelegt sichern. Ob das auf einen Gebrauch dieser Kante zurückgeht, lässt sich ebenso nicht klären.
lG Thomas :winke:
Moin, Thomas,
Zitat von: thovalo in 07. Februar 2026, 13:22:27Ja, das ist ein Abschlag, kein Artefakttyp.
hier kann ich dir gerade nicht folgen. Ein Abschlag ist schließlich ein Artefakttyp. Magst du hierzu vielleicht noch ein, zwei Worte verlieren, bitte?
Viele Grüße
Frank
Hallo, Jondalar,
Zitat von: Jondalar in 07. Februar 2026, 13:03:50Zu Hause bemerkte ich jedoch, dass die linken Lateralen (siehe erstes Foto) wohl auf einer Länge von ca. 40mm mit einer feine Retusche versehen worden war. Irgendwo habe ich hierfür im Forum mal den Begriff 'Perlretusche' gelesen...
für mich sieht es nicht nach einer Perlretusche aus; diese müsste m. E. noch regelmäßiger und feiner ausfallen. Die Retusche dieses Stücks scheint mir dennoch menschengemacht. Tatsächlich wäre es vermutlich von Vorteil, wenn du (ggf. häppchenweise) die gesamten 40 mm einmal entsprechend groß und scharf zeigen könntest. Hintergrund: Ein Pflug kann durchaus 1a (Pflug-)Retuschen erzeugen.
ZitatKann man das Stück typologisch zuordnen oder muss ich mich mit der Bezeichnung 'retuschierter Abschlag' zufriedengeben?
Man kann es typologisch als "retuschierten Abschlag" ansprechen, ja. Ich jedenfalls würde dieses Stück genau so eintüten.
Viele Grüße
Frank
Hallo Thomas,
vielen Dank für Deine Einschätzung.
Viele Grüße
Jondalar
Hallo Frank,
vielen Dank für Deine Einschätzung und den Impuls, noch einmal näher an das Objekt heranzugehen. Nun ja, richtig scharf sind die Fotos sicherlich nicht... Ich meine mich zu erinnern, dass auch Du mit einer Handykamera fotografierst. Erstaunlich was Du da 'rausholst...
Immerhin sieht man, was Du schon mutmaßtest: Die, wie auch immer entstandene Retusche, ist nicht sonderlich regelmäßig...
Viele Grüße
Jondalar
Zitat von: Jondalar in 08. Februar 2026, 11:22:39Nun ja, richtig scharf sind die Fotos sicherlich nicht...
Moin,
immerhin kann man auf allen Fotos sehen, dass die Retuschen nicht
schräg vom Pflug ab geschrappt wurden.
Derartige Feinarbeit traue ich dem Pflug eh nicht zu.
Die sehen für mich intentionell aus.
Gruß
Jürgen
Hab grad mal dieses frische Flintobjekt über einen groben Sandstein gezogen. Gibt auch eine schöne Retusche. :nixweiss: :zwinker: LG
Zitat von: Nanoflitter in 08. Februar 2026, 16:00:54Hab grad mal dieses frische Flintobjekt über einen groben Sandstein gezogen. Gibt auch eine schöne Retusche
Moin Nanoflitter,
jo, je nachdem wie schräg Du es dabei hältst, kannst Du die natürliche Schneide - die sehr empfindlich ist - stabilisieren um weiter damit
schneiden zu können, oder die Kante damit stumpf machen (Rückenretusche).
Ist also intentionell.
Gruß
Jürgen
Denke sogar, die meisten feineren Retuschen sind auf diese Weise gemacht, bis auf die Perlretuschen. Geht einfach schneller. Bei der Feldbearbeitung können sich aber auch mal 2 Steinchen begegnen.. bin in diesem Fall eher bei Thomas, "lässt sich nicht als bewusst angelegt sichern". Also ein Abschlag mit Retusche(woher auch immer). Ein Werkzeug würde diese Retusche aus dem Abschlag auch nicht machen. LG
Moin,
ganz ohne Polemik, retuschierte Abschläge wurden bestimmt als kleine Messer oder schabend verwendet.
Das sagt mir mein handwerkliches Verständnis.
Gruß
Jürgen
Nachtrag:
Zu meinen handwerklichen Neigungen kommen auch Funde wie dieser (https://sucherforum.de/index.php?msg=284305) hinzu.
Da bin ich bei dir, die Corona um die Lehrbuchartefakte beträgt sicher über 90%, doch amtlich wird dir das in diesem Fall keiner bestätigen. LG
Zitat von: Neos in 07. Februar 2026, 19:59:11Moin, Thomas,
hier kann ich dir gerade nicht folgen. Ein Abschlag ist schließlich ein Artefakttyp. Magst du hierzu vielleicht noch ein, zwei Worte verlieren, bitte?
Viele Grüße
Frank
Ein Abschlag ist eine Grundform. Eine Artefakttyp im Sinnes eines Geräteeinsatzes oder Gerätes ist aufgrund seiner Merkmale facharchäologisch typologisch deifiniert.
lG Thomas :winke:
Hallo Jürgen,
vielen Dank für Deine Einschätzung und vor allem auch für die Überarbeitung des Fotos. Sehr eindringlich! Nimmst Du auch Auftragsarbeiten an? ;)
Viele Grüße
Jondalar
Hallo Nano,
vielen Dank auch für Deine Einschätzung und für Dein anschauliches Beispiel einer selbst erstellten Retusche mit einfachen Mitteln. Tja, derartige Erfahrungen fehlen mir... Ich habe mir zwar den handwerklichen Hintergrund durch das Buch 'Flinthandwerk' angelesen, aber das ersetzt halt nicht die eigenen Erfahrungen mit dem Material. Die 'Flintartefakte'-Welt sieht dann vermutlich ganz anders aus...
Viele Grüße
Jondalar
Zitat von: Jondalar in 09. Februar 2026, 11:13:27Hallo Jürgen,
vielen Dank für Deine Einschätzung und vor allem auch für die Überarbeitung des Fotos. Sehr eindringlich! Nimmst Du auch Auftragsarbeiten an? ;)
:winke:
"Gerne" >zur Einschätzung
"Selten" > zur Auftragsarbeit (https://sucherforum.de/index.php?msg=495211)
Gruß
Jürgen
Hallo Jondalar,
ich denke mal der Anschlag und die Retusche sind gleichmäßig patiniert. Wenn dem so ist ist die Retusche vermutlich nicht viel jünger als der Anschlag selbst. Auf meinen Fundplatz sind solche Funde nicht selten. Nun bedarf es doch schon ein wenig Kraft diese zu erzeugen. Nur von Käse schneiden kommt sie nicht zustande.
Hallo Nanoflitter,
schöner praktischer Beitrag von dir! Welche Anstrengung hat es dich gekostet dieses Vergleisstück herzustellen? Woher beziehst du beinen Flint?
Ich sehe hier ein opportunitisches Gerät welches einiges Aushalten sollte.
LG Fischkopp
Die Anstrengung war gering, nicht mal 1 Minute, einfach den groben Sandstein paar mal 90Grad über die Laterale gezogen, vorher halt den Abschlag erzeugen. Mit Flint hab ich mich irgendwann auf Rügen eingedeckt. Liegt jetzt so im Garten verteilt :-) LG
Hallo Jürgen,
schön, dass Du auch weiterhin fragliche Artefakte einschätzen möchtest und ... naja... mit den Vorzügen von Anne kann ich natürlich nicht dienen... ;)
Aber... ein unfassbares Stück von Ihr. Ich hatte es beim 'Zurückblättern' in der Historie dieses Forums schon entdeckt...
Viele Grüße
Jondalar
Hallo Fischkopp,
vielen Dank für Deine Einschätzung. Ich teile diese. Die mutmaßliche Retusche zieht sich, was ich nicht erwähnt hatte, auch noch ein wenig auf die andere Seite herum. Ich glaube, der Pflug oder der benachbarte Stein wäre damit überfordert, wiewohl ich mittlerweile diese Kräfte keinesfalls unterschätzen würde... Aber das Fazit lautet für MICH letztendlich: ein, wie auch immer retuschierter Abschlag. Nicht mehr, aber vermutlich auch nicht weniger...
Viele Grüße
Jondalar