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Lesefunde => Steinartefakte => Thema gestartet von: Steinkopf in 05. November 2015, 21:27:24

Titel: Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Steinkopf in 05. November 2015, 21:27:24
Hallo,

endlich fällt mir ein 'Buchtschaber' in die Hände.

Er liegt zwischen ca. 70 zumeist lausig gearbeiteten Schabern von einem Feld mit Funden,
die vom zuständigen Archäologen der Trichterbecherzeit zugerechnet wurden.
Die Bezeichnung 'Bucht...' verabscheute er wie der Gehörnte das Weihwasser.

LG

Jan
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Steinkopf in 05. November 2015, 21:28:23
Upps - hier die Bilder
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Nanoflitter in 05. November 2015, 22:45:18
Lausig ist gut.... mehr wie einen Entrindungsabschlag seh ich auf den Bilder nicht. Aber regional kennst du dich sicher besser aus. Gruss...
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Steinkopf in 05. November 2015, 22:52:16
Hallo Nano,

bei dem unteren Bild ist der konkave Verlauf (die Bucht) doch recht gleichmäßig retuschiert.
Das Ende des Abschlags wurde nicht bearbeitet - wie es eigentlich bei Kratzern üblich ist.

LG

Jan
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: StoneMan in 05. November 2015, 23:04:00
Zitat von: Steinkopf in 05. November 2015, 21:27:24
...
Die Bezeichnung 'Bucht...' verabscheute er wie der Gehörnte das Weihwasser.
...
Moin Jan,

ja ja , die Bezeichnung "Bucht" negieren so einige - scheint ´ne Art Massensyndrom zu sein...^^

Der kommt in mein Archiv  :super:

Danke für Deinen Mut  :-D

Gruß

Jürgen

PS Klick das Bild
(http://www.aggsbach.de/wp-content/uploads/2010/08/Aurignacien-Hundssteig.jpg) (http://www.aggsbach.de/2010/08/krems-hundssteig/)
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Neos in 05. November 2015, 23:20:10
Moin, Jan,

ich würde dieses Stück ebenfalls als Buchtschaber ansprechen. Dass manch einer mit diesem Begriff ein Problem hat, ist mir auch bekannt. Ein Archäologe sagte diesbezüglich einmal zu mir: "Fakt ist, wir finden sie aber.".  :smoke:

Beste Grüße

Neos
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: StoneMan in 05. November 2015, 23:45:03
Moin,

Dieser Bericht liegt mir vor
Gerd Sobietzky
Zur Datierung von Artefakten submariner Fundplätze im Strelasund.
Buchtschaber - ein neolithisches Kleingerät.
>> http://www.kulturwerte-mv.de/cms2/LAKD1_prod/LAKD1/de/start/_Service/Publikationen/index.jsp?&publikid=6756

Und in der AID 4-2015 (https://www.aid-magazin.de/Heft-4-2015.5627.0.html) ist ein Artikel, der dieses Thema aufgreift.

Spannendes Thema.

Gruß

Jürgen

Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Steinkopf in 06. November 2015, 00:06:05
Hallo Jürgen, Hallo Neos,

Jürgen schreibt: "...die Bezeichnung "Bucht" negieren so einige - scheint ´ne Art Massensyndrom zu sein..."


Wir kennen das von Laktose-, Fructose-, Milcheiweiß-, Gluten- etc. Mit solchen Intoleranzen müssen Betroffene den Umgang lernen.


Neos hat es für die Buchtschaber-Intoleranz auf den Punkt gebracht: 'Fakt ist, wir finden sie aber."


Man muss damit leben (lernen).

Schöne Grüße

Jan



Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: Nanoflitter in 06. November 2015, 07:35:43
Bei dem Bild mit den 3 gezeigten anderen Beispielen gehe ich mit, ich hab übrigens nichts gegen die Bezeichnung. :-)
Gruss....
Titel: Re:Kratzer mit konkav retuschierter Bucht
Beitrag von: thovalo in 06. November 2015, 07:52:42


Das als Eingang zum Thema gezeigte Artefakt ist ein retuschierter Abschlag, eindeutig ohne intentionell ausgeführter "Buchtung".


"Buchtschaber/kratzer" als Typ soll ein allein nordisches Phänomen sein!


Zu bedenken bleibt das Wesentliche: gibt es wirklich typologisch einheitliche klare Merkmale eines Werkzeugtyps, die durch ständig wiederholte Merkmale klar definierbar und definiert sind, oder sind es letztlich finale Gebrauchszustände eines zuvor typologisch anders ausgeprägten Werkzeugtyps, eines Kratzers/Schabers mit gerader oder gewölbten Kantenverlauf, deren Verlauf im Laufe der Werkzeugbiografie durch intensiven Gebrauch und Nachretuschierung immer mehr eingebuchtet worden ist. Das muss man am Artefakt selber klar erkennen und überprüfen können.

Also Werkzeugtyp versus Gebrauchsmerkmal ("Buchtung")

Das zum Thema gestellte Artefakt ist in beiderlei Perspektive KEIN Kratzer mit konkav retuschierter Bucht, denn es gibt keine Bucht die durch die Retuschierung deutlich konkav eingewölbt ist. An dem Fundbeleg folgt die Retuschierung der am Abschlag bestandenen geschwungenen leichten Wölbung des Lateralverlaufs.


lG Thomas   :winke:


Was Jürgen zeigt sind Kerbungen in Klingen oder dünnen Abschlägen wie sie immer wieder auftreten können, nicht nur im Norden.


Buchtschaber sind seit dem Moustérien bekannte Steinwerkzeuge, die in der Jungsteinzeit aber häufiger vorkommen. Es sind Feuersteinabschläge, die am Ende oder an der Seite ein oder zwei Einbuchtungen aufweisen.

Buchtschaber dienten zum Runden oder Glätten von Holzschäften. Auch zum Flechten bestimmte Ruten wurden mit Buchtschabern entrindet und geglättet, bevor sie geteilt und weiterverarbeitet wurden.
*


* das ist eine in der Wissenshaft auch noch nicht belegte Behauptung wie sie immer noch aus alten Zeit übernommen ist!
Ebenso kann man sich die Bearbeitung von Knochen- und Geweihgeräten (Spitzen, Nadeln usw.) vorstellen