Vor mehr als 20 Jahren fand ein interessierter Vorgeschichtsfreund (übrigens derjenige der auch die Arnhofener "Feuersteinminen" auf sein Entdeckerpanier geheftet hat) ein paar mesolithische Miniartefakte auf diesem Acker. Meldete diese ......und 20 Jahre später baut die Ruhrgas AG eine Sibirien - Deutschlandtrasse durch dieses Areal.....
Leider viel zu spät hab ich dies erfahren...seit 2 Wochen wird hier gebuddelt und gefunden. Der Archäologe , Jan Weinig gräbt hier aus und er erzählte mir von einer außergewöhnliche Funddichte auf einer großen Fläche (25 Silices pro Kubikmeter im Schnitt).
Die Fundstelle liegt auf einer weiten Ebene an einem schroffen Abhang zur Naab. Weinig erklärte die besondere Siedlungsgunst des Platzes mit einer Beobachtung die er frühmorgens gemacht hatte.
Zahlreiche Rehe erschienen am Waldrand und nutzten eine Stelle die den einzigen seichten Abstieg zu den Wasservorkommen der Ebene ermöglichte. Die Kontrolle dieses heute noch bestehenden Massenwildwechsels war für diese fernen Jäger eine ausgiebige Lebensgrundlage....
Einige mittelpaläolithische Fundstücke spiegeln diesen Umstand vermutlich in viel frühere Äonen weiter zurück.
Der Archäologe, Dr. Weinig ,bat mich gleich mitzuhelfen um die Oberflächenfunde aufzulesen, einzutüteln, am exakten Fundort mit Stein beschwert niederzulegen um sie dann genau einmessen zu können. Die ABM´ler seien auf dem Acker bei dieser (mesolithischen) Fundgattung einfach überfordert. Der Lohn für mich wäre ein Grabungsbericht. Morgen früh gehts weiter ... und ich hoffe dass ich noch ein paar Pretiosen hier reinstellen kann.
Dies ist die erste Grabung auf einer hauptsächlich steinzeitlichen (mesolithischen) Fundstelle in unserem Gebiet und ich bin sichtlich, lesbar begeistert.
Ein Wermutstropfen ist der Umstand dass die Funde fast alle im Ackerhorizont liegen da Wind- und Hangerosion schon mächtig gewirkt haben.
Hier der Blick über die Hochterrasse hinunter ins Naabtal... und einige Impressionen von der Arbeit.... sieben....sieben ...sieben
Der für Archäologie zuständige Mann von der Ruhrgas AG meinte: Wir haben sehr viel Geld
Deshalb war diese Grabung erst möglich.
Ein Artefakt...welches ich natürlich nicht behalten durfte , fiel komplett aus dem mittelsteinzeitlichen Rahmen. Unten ganz glatt, dorsal hier im Foto ....fremdartiges Material. Spröde und verwittert- entwässert(?)
Schaun wir mal wies weitergeht
Bis bald
Edi
Salaam!
Ja Edi, der Moser Manfred, denn nur den kannst du als Entdecker von Abensberg/Arnhofen meinen! Einige Archäologen mögen ja über ihn denken, was sie wollen, aber eines steht fest: In den 70ern und 80ern hat der Mann mehr für die bayerische Archäologie getan als viele glauben wollen.
Und bei Jan Weinig bist Du in den Händen eines der wirklich guten bayerischen Steinzeit-Archäologen, aber das ist Dir sicher bekannt, Edi! Ich sag nur: Ingolstadt 1989: Steinzeit zwischen Donau und Altmühl (oder so ähnlich), wirst Du sicher kennen und besitzen.
Beste Grüsse KIS
Sehr interessant, Edi !!! :super:
Freue mich auf mehr Fotos und Berichte !! :winke:
Heute wars bescheiden...ich durfte die "auslaufende" mesolithische Begehungszone abstrampeln. 3 Stunden bei gleissender Hochsommersonne. Nach 2 einhalb Stunden löste sich die Auge Gehirnverbindung langsam auf......den Grabungsbericht bekomme ich ... und die Ausgrabung geht noch lange weiter.....
Der Archäologe fliegt erst mal nach Kuba... zu einem anderen Projekt..... ein anderer kommt.......
dann noch ein längeres Gespräch. Demnach ist die Suche nach hervorragenden Artefakten pure Eitelkeit..... die Masse , die Verteilung, die Landschaft und Topographie, die Zusammenhänge lassen den "Menschen" erkennen, den Vorgänger. Die Art der Jagd unserer hiesigen Mesolithiker. Die Fähigkeit des Menschen verwundete Tiere tagelang zu verfolgen( wie dies bei rezenten Jägersippen bei indigenen Völkern noch üblich ist) unter der Ausnutzung des entscheidenden Vorteils des Menschen: Der Milz, die uns zu ausdauernder Langzeitleistung befähigt und der intellektuellen Taktik , die es uns ermöglicht abwechselnd die Hetztaktik zu forcieren.
Ein Skelettpartikel oder ein Superartefakt sind zwar auch nicht zu vernachlässigen aber sie sind demnach nur ein Schatten der Wahrheit und weniger aussagekräftig als Verteilungs- und Aktivitätsmuster die aufgrund einer genauen Einmessung der Relikte erstellt werden können.
Und das Ende einer Begehungszone sei allemal interessanter als ein Superteil in dessen Zentrum....
Dies kann man ja nachvollziehen aber für den Deadendsucher ist es ziemlich ernüchternd. .......und der war ich...
Aber bald geht es weiter.
Ich habe hier etwas holzschnittartig den wissenschaftlichen impetus angerissen der uns weiterbringen könnte...aber das vor Allem was ich innerlich schon seit langem weiss ist: Suchen heisst Finden und wenn es die (anscheinende) Leere ist dann hat man auch gefunden.
Gefunden habe ich viele kleine Indizien....Männer und Frauen die ihren Beruf lieben... und in Staub und Mutter Erde nach dem Sinn suchen.
Und Ideen.
Weiteres folgt
Edi
Die Archäologen sind fort und kommen erst wieder wenn die nächste ,gemeldete, Fundstelle abgeschoben wird. Der Nachbaracker wurde übers Wochenende geeggt und die Funde streuen weiter - wie ich heute feststellen konnte. Ein paar Dutzend mesolithische Silices fanden sich in einem schmalen Band, parallel zu dem seit Urzeiten bestehenden Wildwechsel.
Wenn man in dieser lockeren Staubauflage schon Silices findet dann muss dieses Gebiet Unmengen im Untergrund verbergen. Denn normalerweise findet sich bei solchen Bedingungen selbst auf den besten mesolithischen Plätzen -rein-gar-NICHTS.
Hier mal mein Premiumfund von heute: Eine große (echt!) Flachklinge aus getemperten Jurahornstein, von exquisiter Materialqualität.
...das Ding wird wohl geschäftet gewesen sein...sonst hätte man sich die Fingerkuppen wegen der höllischen Schärfe arg malträtiert.
Ein weiteres Fundstück zeigen die beiden letzten Fotos.
Neben mir war höllischer Lärm...die riesigen Erdgasröhren wurden angeliefert...die uns das Gas aus Sibirien bringen sollen.
Ein verstörender Vormittag auf einem Acker meiner Heimat. 10000 Jahre Geschichte direkt nebeneinander........und die Sonne brannte wie von Sinnen.....die einzigen weissen Himmelsgebilde waren die zahlreichen "Kondensstreifen" dieser Himmelsidioten.......
Bis bald
Edi
hier noch die Basis des versehentlich 2x identisch geschickten Teils.
war das obere überhaupt eine (Messer)Klinge und das zweite Teil?
Danke vom edi
Und heute trotz strotzend-beissender gelben Sau und staubwindiger Lungenqual....die Fundzone wieder beträchtlich erweitert....die winzigen Absplisssplitter (das Zündholz ist ein ganz normal-Kleines) deuten auf weitverbreitete Wertkstoffbearbeitungszonen hin. Nicht auszudenken was ein mehrtägiger Landregen hier freispülen würde.
Unten am Fluss und an den Kiesweihern (Baggerseen) wird schon Wasser auf die Neuansaaten- u. Pflanzungen gepumpt. der Rest ist vermutlich schon verloren....das gab`s noch nie bei uns.
Mehrere winzige Lamellen und Geräte fanden sich auch.... hier noch so ein feinstretuschiertes Miniding mit kratzschneidenden Funktionskanten- und Enden
... mit der Spitze...Kratzerkappe(?) hier....
Bis bald
Edi
Hallo Edi!
Vielen Dank für deinen hochinteressanten Bericht! Wieviel Zeit bleibt euch denn noch für die Grabung, wenn die Rohre bereits geliefert sind?
..servus Poseidon,
Hier war die erste , geplante Grabung. Das Hochplateau zeigt aber dass die meisten Artefakte bereits in den Übergangshorizont "Mutterboden -Humusschicht" gelangt sind. Sogar vereinzelt mittelpaläolithische Geräte liegen somit neben mittel- jungstein- und La Ténezeitlichen Zeitzeugen in diesem Ausackerungsmillieu (siehe "altes Trumm"). Feuerstellen und Schutzbaugrundrisse der steinzeitlichen Begeher sind also schon wegerodiert.
Deswegen auch die minutiöse (oben erwähnte) Einmessung der Fundstücke aus den verschiedensten Epochen. Vielleicht ein vorauseilender Paradigmenwechsel um vor dem Bauträger die "Ausgrabungskosten" rechtfertigen zu können
Nur etwaige Gruben aus Epochen in denen tiefere Grubenkomplexe angelegt wurden könnten noch "in situ" Funde ergeben. Leider ist der Untergrund und die derzeitige Witterungslage nicht danach diese feststellen zu können.
Wenige Aushublöcher konnte ich dennoch erspähen.... und wenn da gezeichnet wurde...dann war da vielleicht doch was...was man nicht jedem X-Beliebigen Steinchensucher gleich mitteilt...den Grabungsbericht bekomme ich ja noch...
Und wenn was Interessantes dabei ist ... IHR auch
Bis bald
Edi
Servus Edi,
ein sehr auschlußreicher Bericht über eine interessante Fundstelle! Klimatisch vielleicht vergleichbar mit den Grabungen in der ägyptischen Sahara.
Den Energieversorgern geht's ja momentan finanziell so gut, daß die paar Euros für die Bodendenkmalpflege aus der Portokasse abgezweigt werden. Dann kommen normalerweise einige positive Artikel in der Presse, die kosten nix....alles in allem wäre eine ganzseitige Anzeige in der Süddeutschen vermutlich teurer!
Hier ist es genau so trocken wie bei euch, sozusagen extradry. Die gerade gekeimten Rübenpflänzchen sterben massenweise den Kindstod. Aber Wetteronline sagt für das kommende Wochenende von Süden aufziehende Niederschläge vorraus, meine täglichen Regentänze haben also gefruchtet!
Neue Funde habe ich aus o.a. Gründen nicht zu melden.....muß jetzt auch wieder raus aufs Regentanzparkett.
Bis dann, beste Grüße
RP
Ein wenig hat es getröpfelt.."Glück Auf" denn heute morgen.
Ein seltsames Mesolithikum ist das hier..... an die zweihundert Teilchen hab ich jetzt in einem Normbeutel verstaut. Lamellen , Kerne, Klingenbruchstücke, Absplisse, Ausgesplittertes....aber kein auch nur ansatzweise als retuschiertes Pfeileinsätzchen erkennbares Dreieck, Trapez, Segment etc. wie sonst an allen anderen meiner mittelsteinzeitlichen Fundstellen???....
und alles ist dermaßen fizzelig und hier und dort mit feinsten Perlretuschierungen veredelt....so dass man wirklich in die mikroskopische Betrachtungsweise verfallen muss um den Reiz dieser , durchwegs getemperten, feinen Jurahornsteinpartikel erkennen zu können.
Zudem kam mit dem Regen auch vermehrt Keramik zum Vorschein....die Hoffnungen auf Neolithik und Bronzezeit aufkeimen läßt. Aber da muss es noch beträchtlich spülen...und zwar schnell.....
Der Kern ist ein "Wunderprodukt" und manches weist darauf hin dass vielleicht sogar ein Kratzer intendiert war..... seidig weiß und was verwundert so unglaublich gut erhalten!!! Wieso? Wenn laut Ausgräber alle Steinartefakte im Ackerhorizont liegen. Und dies hin ....bis zu altsteinzeitlichen Geräten......
seht dies.....
...und das feinstretuschierte (vermutlich abgebrochene) Teilchen mit Rinden"rest".
Solche Perlretuschen können eigentlich nur mit einem Arbeitsgerät aus sehr dünnem Silex hergestellt worden sein ....oder dieses "Gerät" ist selbst so ein Werkzeug ...um sich selbstähnlich herzustellen .
Danke für eure Geduld.
Es ist schwierig bei solchen Extremwerkzeugen aus (zumindest bei uns ) unerforschten Äonen mitzupalavern..... aber wenn so ein Platz mal aufgetan ist ...dann hast Du Deine Arbeit für`s Leben....wenn man Lust hat. Denn das Faszinosum kann man kaum erklären.... da liegt etwas... 10000 Jahre alt... und es sieht aus wie frisch geschlagen.... und dann kommst Du dazu.....
Bis bald ,
Edi
und der Acker gibt weiter... am Sonntag kehren die Archäologen zurück... wenn ich sie treffe dann frag ich mal was das für ein "Kerl" ist...
Sieht nach Restkern aus, der absichtlich oder durch ein Missgeschick abgetrennt wurde. Daraufhin wurde er modifiziert - die Spitze zugerichtet und seitlich eine Retusche angebracht. Bohren, Kratzen, Stemmen...alles scheint möglich...aber keine Funktion ist eindeutig determiniert...weder in der Handhabung noch in der Zurichtung... und dergestalt verhält es sich mit allen Geräten an diesem sonderbaren Platz.
Bestes Minimaterial und hier und da- ganz fein- findet sich eine Perlretusche...aber kein eindeutiger Kratzer - kein Stichel...kein Mikrolith mit typischer Retusche.... so ziellos wie die Kerne bezieseliert wurden so wirr erscheint das Ganze Fundgut. Und das über viele hundert Meter. Ohne dass sich die Fundstruktur ändert....
Aber es wird Gründe geben... dafür....
..aber sie kamen wohl nur im Frühmesolithikum hierher...und vorher... und dann erst wieder im Spätneolithikum
der Acker ist gesäät die Rohre kurz vor dem Einbau...die nächsten Erdgaspipelinestreifgebiete werden bald vom Grabungsteam erkundet
werden.
Die Ergebnisse von hier kommen....irgendwann
Bis bald
Edi
Schöööön Edi.
Ich hoffe das es bei mir auch so interessant wird...
Vieles was Du uns hier zeigst sieht ganz ähnlich meiner Fundstelle aus, nur das es bei mir Flint ist und der oftmals Schneeweiß patiniert ist.
Ich hätte nie gedacht das im Boden so viel steinzeitliches schlummert.
Weiter so, Kalle
Die Trasse wütet und die Archäologen sind für einen Werktätigen wie mich nicht mehr anzutreffen. Die e-mail Leitung vermutlich schon lange abgegraben. Die Äcker sind ohne Anwesenheit der Experten tabu...wurde mir über den Landwirt bei dem sie wohnten mitgeteilt.
Der Aushub aber gab nach einem kleinen Regenschauer folgende Keramik frei.
Mit dem Landwirt versteh ich mich sehr gut...und als ich Ihm erzählte dass auf seinem nahegelegenenn Anwesen, im Luftbild eine uralte Kapelle beim LfD gemeldet ist und eine (früh)mittelalterliche Befestigungsanlage auf seinem Areal vermutet wird, war er sichtlich stolz.
Die hier gezeigten Keramikscherbchen lassen mich in Richtung Bronze/Jungsteinzeit mäandern...wenn jemand etwas beitragen könnte....????
Danke
Edi
Die Grabung ist jetzt beendet...die Archäologen wieder fort. Leider konnte ich den Fortgang wegen des deutschen Wirtschaftswunders nicht mal mit einem Tag Urlaub begleiten...
Heute hab ich noch mal auf einem weit entfernten Ackerareal nachgeschaut und zwischen den wuchernden Pflanzen dieses Teil in die Retina geblitzt bekommen.
Ich weiß nicht zu was es diente. Ist mir in ähnlicher Form auch noch nicht untergekommen...auch in der Literatur nicht. Material: Getemperter Jurahornstein.Es ist auf der Dorsalseite fast flächendeckend retuschiert und die Lateralseiten sind fein abgestuft durchgearbeitet, wobei die Kanten schon fast abgearbeitet erscheinen ...was auch für die Spitze zutrifft.
Die Basis ist auch ungewöhnlich ausgebildet und dürfte seit jenen Tagen unverändert in meine Fänge geraten zu sein.....
Ansonsten warte ich auf die Auswertung der Untersuchungen und werde Euch angelegentlich davon unterrichten.
Vielen Dank für Euer Interesse
Servus bis bald
Edi
...fast so schön wie ein kleiner Dolch....
Danke für den schönen Bericht, und das Zeigen der schönen Funde.
Diese Fundlandschaft liegt mir leider sowohl in Kilometern als in Wissen sehr entfernt !! :heul: :zwinker:
Und die "Spitze" dieses "abnormen" Teils hatte ich noch vergessen.
Das letzte Bild ist durch einen Fehler von mir (bzw. meines spinnerten Computers) hineingeraten. Vielleicht könnten es die "Fähigen" samt dieser Nachricht löschen
danke
Edi
Zitat von: Silex in 28. Mai 2007, 22:33:59
Das letzte Bild ist durch einen Fehler von mir (bzw. meines spinnerten Computers) hineingeraten. Vielleicht könnten es die "Fähigen" samt dieser Nachricht löschen
danke
Edi
meines spinnerten Computers !! :narr:
PS : Edi, ich hab vor ein paar Tagen deine PM beantwortet !!
Grüsse