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Lesefunde => Steinartefakte => Thema gestartet von: Steinkopf in 12. Oktober 2024, 18:29:35

Titel: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: Steinkopf in 12. Oktober 2024, 18:29:35
Hallo,

Als ich bei einem Suchgang dieses Kernbeil (Abbildung links) entdeckte, war meine Freude groß.
Es war perfekt gearbeitet mit einem mustergültigen Schneidenschlag - wie auf Abbildungen in den Büchern.

Bei näherer Betrachtung der anderen Seite fiel mir auf, das hier keine Schneide gearbeit war.
Stattdessen war es noch der rohe Cortex.

Der Grund für diesen Abbruch war eine natürliche Materialstörung - ein kleiner Hohlraum im Flint.

Deutlich sichtbar - Hat denn der mesolithische Steinschläger das nicht gesehen?
Wahrscheinlich nicht gleich. Bei vielen Flintstücken haftet noch lange eine Kreide-/Kalkkruste an,
die als Anlagerung am Flint so hart sein kann, dass sie sich erst nach sehr langer Zeit auflöst.

So erkläre ich mir dieses Unikat.

LG
Jan
Titel: Aw: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: Wiedehopf in 12. Oktober 2024, 23:38:59
Das ist doch trotzdem ein schönes und zweckmäßiges Werkzeug. Auch mit der anderen, spitzeren Seite lässt sich doch viel anfangen.

Viele Grüße
Michael   
Titel: Aw: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: Danske in 13. Oktober 2024, 00:52:58
Moin Jan,

ein sehr schönes Kernbeil :super:

Vielleicht war die Materialstörung von der Kortex bedeckt. Beim Versuch des Schneidenschlags gelang dieser, vielleicht aufgrund der Störung, nur halb und gab dann den Hohlraum frei.

LG
Holger
Titel: Aw: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: Steinkopf in 24. November 2024, 18:06:35
Hallo,

@ Holger:

Sehr wahrscheinlich ist diese Höhlung erst bei dem Schneidenschlag aufgefallen.
Kreideanhaftungen können besonders nah am Feuerstein sehr hart sein.

@ Michael:
   "Das ist doch trotzdem ein schönes und zweckmäßiges Werkzeug.
    Auch mit der anderen, spitzeren Seite lässt sich doch viel anfangen."

Hier war es vielleicht der Flintknapper selbst, der das Beil bei der Endkontrolle
verwarf: Qualitätsmanagement!

LG
Jan
Titel: Aw: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: thovalo in 25. November 2024, 16:30:54

Guten Tag!

Gerade wegen der Besonderheit ist das ein interessanter Fundbeleg!


lG Thomas  :winke:
Titel: Aw: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: Sprotte in 25. November 2024, 17:20:05
Hallo,

ich höre immer wieder etwas von Kreidekruste etc. Richtig wäre es, von Cortex (bzw. Kortex oder Rinde) zu sprechen. Diese enthält im Allgemeinen überhaupt kein CaCO3 (wie ein Säuretest offenbart).

Viele Grüße
Sprotte
Titel: Aw: Kernbeil mit Materialfehler
Beitrag von: Steinkopf in 25. November 2024, 19:07:15
Moin Sprotte,

Meistens ist es so wie Du hier schreibst.
Alle Anhaftungen aus Entstehung in 'weißen' Schichten sind mechanisch, chemisch
oder wie auch immer vergangen.

Holt man Flint jedoch frisch aus den 'Kreidegruben' (Zumeist war das im Norden von Jütland)
kann man den harten Kern des   'Flint im Kalkmantel' nicht immer erkennen.

Mein Beispiel ist:
                 https://sucherforum.de/experimentelle-archaologie/perforierter-kratzer/

Der Flintsmed (Björn) hatte ein Stück abgeschlagen.
Die Dorsalseite war eine 'beinharte (Werner)' Kalk/Kreidekruste.
Erst durch Kratzen mit modernem Werkzeug (Jan) wurde die Form und
die sich abzeichnende Möglichkeit der Perforation sichtbar.

LG
Jan