Moin,
ich möchte Euch heute auch mal ein besonderes Fundstück zeigen. Vor zwei Stunden aufgelesen.
Ein Kannelurenstein. Material könnte Gneis sein, da bin ich mir aber nicht ganz sicher. ganz leicht grau-rötliche Farbe mit schwarzen Einschlüssen. Gneis und Granit kann ich mir nie merken.
In einem unserer Jahrbücher (1981) wird sowas beschrieben. (Jahrbuch habe ich nicht)
Angabe wird als jüngere Bronzezeit Periode III b - VI gemacht.
Wozu sie wirklich gedient haben ist glaube ich noch nicht endgültig geklärt. Es könnte aber bei der Metallverarbeitung eine Rolle gespielt haben.
http://www.digitale-bibliothek-mv.de/viewer/image/6002_71/1/
Gruß
Gabi
Ich habe den Eindruck, dass er bei der Herstellung beschädigt wurde und dann aufgegeben, da mir die umlaufende Rille noch nicht ausgeprägt erscheint.
:super:
Na das ist doch ein bedeutender Fund! Diese eigenartig bearbeiteten Steine sind recht selten, interessant wäre wirklich, wozu sie dienten. :kopfkratz:
:winke: Sven
Was bitte ist ein Kannelurenstein
Moin Signalturm,
http://www.rsg-cham.de/zeni_static/media/uploads/griechisch_grundwissen_12.pdf
unter Architektur wird der Begriff in etwa beschrieben. "...Dorische Säulen haben schärfere Einkerbungen (kanneluren)...."
Diese bearbeiteten Steine werden so bezeichnet, wozu sie genau dienten :nixweiss: :nixweiss:
Gruß
Gabi
Hallo Gabi, hallo Forum,
ein interessantes Teil.
Ich denke mal dass die Mulde und die Kerbe ein Resultat der intensiven Nutzung des Steins zum Klopfen sind. Möglich dass damit Erz vor der Verhüttung zerkleinert wurde, aber auch andere Tätigkeiten könnten in Frage kommen. Vielleicht Nüsse klopfen - viele Nüsse? :-D Irgendwann war es dann ein Schlag zuviel. Zeitlich kommt wohle auch ein größeres Spektrum in Frage.
Alles Spekulation. Danke für den Zeitvertreib.
Grüße aus Heinsberg,
Fritz.
Hallo Gabi,
sehr interessant. Wieder was gelernt :ildf:
Liebe Grüße Daniel
Hi Gabi,
So auf Anhieb hab ich keine passenden Gegenstücke zu Deinem Fund
auftun können.
Es gibt 'Äxte und Hämmer' mit solchen Schaftrinnen bei OSCAR MONTELIUS beschrieben
(Oskar Montelius: MINNEN FRÅN VÅR FORNTID Stockholm 1917.
In der französischen Typologie von J.-L. Piel-Desruisseaux tauchen
Geröllgeräte mit umlaufender Rille als Werkzeug der Grubenarbeiter auf.
Dies mag für Deine Region nicht unbedingt zutreffen.
Das Teil wird wohl bemerkenswert aber auch rätselhaft bleiben.
LG
Jan
Hallo Gabi,
das ist ja ein toller Fund, noch nie davon gehört. Wieder etwas gelernt!
lg,
crapi :winke:
Moin,
gebt mir ein wenig Zeit - ich kenne die Dinger aus Museen und Publikationen in meinem Archiv.
Habe leider gerade keine Zeit.
Was ich noch nachholen möchte.
@ Gabi, Glückwunsch zu diesem besonderen Fundbeleg :Danke2:
Gruß
Jürgen
Moin,
den Link aus MV den Gabi eingestellt hat kannte ich bereits.
In Brandenburg habe ich sie im Museum Straußberg gesehen, daher hatte ich derzeit recherchiert.
Ein eigenes Bild im Anhang.
Aus einem PDF in dem diese Steine erwähnt werden.
Zitat:
3.3 Funde aus Felsgestein
[...]
Der Kannelurenstein (Taf. 2,7) besteht aus feinkörnigem, quarzitischen Sandstein und hat die Form
einer runden Scheibe mit abgeflachten Rändern. Der Durchmesser beträgt etwa 6 cm und die maximale
Breite 3 cm.
Auf dem Umfang ist eine durchgängige Rille angebracht und in beide Flächen wurde eine
zentrische Delle eingearbeitet. Kannelurensteine kommen fast ausschließlich in der Bronzezeit
vor.
[...]
5.4.1 Bedeutung von Kannelurensteinen
Die bisher umfangreichste Arbeit über Kannelurensteine hat Fritz Horst (1982) vorgelegt.
Sie gründete sich auf 831 Exemplare, die von über 500 Fundplätzen stammten.
Zitat Ende
Quelle [PDF] > Klick < (https://www.gko.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/historisches_seminar/02urundfruehgeschichte/Online_Beitraege/OnlBei29.pdf): Germo Schmalfuß "Das Gräberfeld Battaune, Kr. Delitzsch in Sachsen.
Ein jüngstbronzezeitliches Gräberfeld der Lausitzer Kultur – die Ergebnisse der Grabungen von 1974/75"
Leipziger online-Beiträge zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie
Sabine Rieckhoff, Wolf-Rüdiger Teegen und Sabine Wolfram (Hrsg.)
Ein weiteres PDF > Klick < (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nnu/article/viewFile/49430/42957)
Gruß
Jürgen
Moin,
ja, dieser Fund hat mich am meisten überrascht und ein richtiges Glücksgefühl ausgelöst. :-D zumal nichts weiter im Sand zu sehen war. Absolut nichts.
Unser Bronzeexperte war auch begeistert und auch er sagt: jüngere Bronzezeit, nun heißt es: hartnäckig bleiben. :zwinker:
@Jürgen, gute PDF nur die zweite bekomme ich nicht auf. Erscheint nur ein leeres Blatt. :heul:
Gruß
Gabi
@ Jürgen:
Respekt!
Wor hett de Jung dat her?
LG
Jan
Der Verwendungszweck dieser Kannelürenresteine scheint ja ungeklärt zu sein, die Durchmesser betragen zwischen etwa sechzig bis einhundert Millimeter, haben an der flachen Seite eine Delle, ich versetze mich in die Bronzezeit, Resultat, ich würde mit so einem eingeklemmten Gerät flach gegossene offene Ringe, zum Beispiel Armreifen herstellen, ähnlich wie die heutigen Metallwalzen zum verarbeiten von Gold ect. .
Sagt den Archäologen bitte Bescheid, falls sie noch mehr Hilfe benötigen. :friede:
Gruß Colobus
Zitat von: Wiesenläufer in 10. September 2018, 06:31:39
...
@Jürgen, gute PDF nur die zweite bekomme ich nicht auf. Erscheint nur ein leeres Blatt. :heul:
Gruß
Gabi
Moin,
hat noch jemand das Problem?
Versucht bitte einen Download von hier > https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nnu/article/view/49430/42957
@ Jan, sowatt kannma nich lernen... *
duck und wech* :-D
Gruß
Jürgen
Wieder einmal eine ganz besondere nordische Spezialität :super:
Moin,
habe jetzt einen Auszug von unserem Jahrbuch bekommen. Dort werden die Kannelurensteine beschrieben.
Schade, jetzt bekomme ich die PDF nicht hier rein. :heul: Kopieren und einfügen klappt nicht. Die Seiten fotografieren geht leider auch nicht. 26 Seiten !
Was kann ich da machen ?
Gruß
Gabi
Zitat von: Wiesenläufer in 10. September 2018, 20:03:33
Schade, jetzt bekomme ich die PDF nicht hier rein.
...
Was kann ich da machen ?
Gruß
Gabi
Moin,
mir ins Postfach legen :-D
Konntest Du denn nun das ´zweite PDF´ downloaden?
Gruß
Jürgen
Zitat von: thovalo in 10. September 2018, 20:01:39
Wieder einmal eine ganz besondere nordische Spezialität :super:
Moin,
keineswegs eine nordische Spezialität.
Wenn Du in dieses PDF schaust (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nnu/article/viewFile/49430/42957), siehst Du die Verbreitungskarte der Kannelurensteine im nördlichen Mitteleuropa und der Schweiz.
Gruß
Jürgen
Hallo,
in anderen Gegenden nennt man sie Rillenstein, ich würde ihn auch als solchen bezeichnen, wie hier in Algerien. (http://www.cw-pictures.ch/stichwortverzeichnis/nggallery/tags/sahara/page/6)
und hier. (https://blog.amh.de/raetselhaftes-objekt/)
zum Vergrößern auf Bild klicken.
Ein interessantes Thema, und je mehr ich darüber lese, umso mehr komme ich zu der Erkenntnis, dass damit zuvor gegossene Gegenstände in Rundungen wie voran schon von mir geschrieben auch Bronzearmreifen in Form gebogen wurden, und die Enden wurden auf dem Rillenstein flach in die Breite geklopft, daher werden meist gebrochene Exemplare mit Klopfspuren gefunden, um das zu verstehen brauche ich kein Professor zu sein.
Wie ich in dem vorigem Link von StoneMan las, fand man an manchen Steinen Bronzespuren welches meine nicht nur Vermutung unterstreicht, ob die Gegenstände kalt oder wahrscheinlicher warm in Form gebracht wurden überlasse ich eurer Fantasie, denn ich gehe jetzt Dudu es ist schon spät.
Gruß Colobus
Zitat von: StoneMan in 10. September 2018, 22:28:36
Moin,
mir ins Postfach legen :-D
Konntest Du denn nun das ´zweite PDF´ downloaden?
Gruß
Jürgen
Moin Jürgen,
die PDF ist zu Dir unterwegs und des Link bekomme ich jetzt auf und kann sie downloaden. :super:
Gruß
Gabi
Zitat von: StoneMan in 10. September 2018, 22:33:34
Moin,
keineswegs eine nordische Spezialität.
Wenn Du in dieses PDF schaust (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nnu/article/viewFile/49430/42957), siehst Du die Verbreitungskarte der Kannelurensteine im nördlichen Mitteleuropa und der Schweiz.
Gruß
Jürgen
Was ist los ?
die bekomme ich genauso nicht auf. :heul:
Gruß
Gabi
Moin,
einer hätte eine Idee, dass dieses Teil evtl. auch als Widerlager für Bogenbohrer genutzt sein könnte. Warum nicht :kopfkratz:
Ebenfalls eine interessante Möglichkeit, die man nicht außer acht lassen sollte.
Gruß
Gabi
Ich habe mal die "Schlacke" rausgenommen, sonst verwirrt es vielleicht zu sehr.
Zitat von: Wiesenläufer in 11. September 2018, 08:39:00
Was ist los ?
die bekomme ich genauso nicht auf. :heul:
Gruß
Gabi
Moin Gabi,
ich habe Dir das PDF "Ein Kannelurenstein von Moide bei Soltau, Ldkr. Soltau-Fallingbostel" ins Postfach gelegt.
Gruß
Jürgen
Zitat von: Colobus in 11. September 2018, 02:23:38
Hallo,
in anderen Gegenden nennt man sie Rillenstein, ich würde ihn auch als solchen bezeichnen...
...
Gruß Colobus
Moin,
@ Colobus, Danke für den Link zum Archäologischen Museum Hamburg: Fund des Monats (https://blog.amh.de/raetselhaftes-objekt/).
Ich würde es nicht umbenennen - es ist als Kannellurenstein "bekannt", jetzt einen anderen Begriff verwenden
ist sicher keine gute Idee. Auch würde ich es nicht als Rillenstein sehen.
Die als Rillenstein bezeichneten Funde sind doch Rillenbeile deren Verwendungszweck (Gezähe) gesichert ist.
Die Kannelurensteine weisen kaum Merkmale einer grobe Verwendung auf.
Wer weiß, wer, wann und warum jemand den Begriff Kannelurenstein verwendete, vielleicht liegt die Assoziaton
ja doch im ursprünglichen Bereich der "Kannelierung", diese dient der optischen Strukturierung.
Gruß
Jürgen
Moin,
@Jürgen, jetzt habe ich es aufbekommen.
Hier mal einige Auszüge aus dem Jahrbuch 1981 Bodendenkmalpflege in MV, in Bezug zu den Kannelurensteinen, ihrer Verbreitung und möglicher Verwendungszwecke.
Zitat:
(...)
"Zu Beginn der jüngeren Bronzezeit (Periode In b) war die Zahl der sich noch in Gebrauch befindlichen Steingegenstände auf ein Minimum abgesunken..."
"Erst im Verlauf des älteren Abschnitts der ]ungbronzezeit (Periode III b und, IV) wurde wieder auf den Rohstoff Felsgestein zurückgegriffen.."
"Außer den Gußformen gehörte ein weiteres Arbeitsgerät aus Stein zur technischen Ausrüstung der die Bronze verarbeitenden Spezialisten. Darüber hinaus sind aus diesem Zeitabschnitt keine aus Stein hergestellten Gegenstände bekannt geworden. Bei dem angeführten Gerätetyp handelt es sich um flache, überwiegend runde, seltener ovale, aus Geröllen gefertigte Stücke mit einer umlaufenden Rille entlang des Scheibenrandesf Des weiteren weisen die beiden Flächen je eine flache Delle auf. Der Querschnitt dieser Stücke ist meist oval, zuweilen aber auch von viereckig-abgerundeter Gestalt. Die Größe dieser Stücke schwankt erheblich.."
"Die Kannelurensteine wurden aus entsprechend vorgeformten Geschieben hergestellt, wobei in erster Linie Granit, mehrfach auch Sandstein und Quarzit verarbeitet, jedoch nur ausnahmsweise auf Kalk- und Gipsgestein bzw. aqf Quarz, Porphyr und Syenit zurückgegriffen wurde. Die Oberfläche der Steine wurde intensiv bearbeitet, die umlaufende RiH'e und dieDelleb. mit großer Sorgfalt ausgeführt. Derartige Arbeiten erforderten u. a. einen hohen Zeitaufwand. Das unterscheidet die Kannelurensteine,abgesehenvon der abweichenden Form, von allen anderen bronzezeitlichen Steingegenständen mit Rille, für deren Herrichtung nur ein Minimum an Zeit aufgewendet wurde."
"Abgesehen vom Nordischen Kulturbereich begegnen Kannelurensteine nur noch in unmittelbar angrenzenden Siedlungsräumen der Lausitzer Stämme und im Bereich der schweizerischen Urnenfelderkultur in konzentrierter Form."
"Für die Datierung der Kannelurensteine stehen verhältnismäßig wenige Fundkomplexe zur Verfügung. Aus dem Nordischen Bereich sind es einige Hortfunde, die eine direkte zeitliche Einordnung ermöglichen, sowie die Vorkommen auf Siedlungs- und Bestattungsplätzen, die annähernde Werte ergeben. Zu den auf diese Weise datierten Funden gesellen sich weitere Hinweise für die zeitliche Einordnung, wenn man die Besiedlungsdauer einiger Siedlungskammern, aus deren Bereich Kannelurensteine vorliegen, einbezieht."
"Gestützt auf alle diese Fakten kann man nur mit Sicherheit sagen, daß die Kannelurensteine eine Erscheinung der jüngeren Bronzezeit (Periode III b- VI) sind."
" Die vorrömische Eisenzeit kennt dann diesen Steingerätetyp nicht mehr. "
Von 1865 - 1965 gab es die unterschiedlichsten Meinungen zum Zweck der Steine.
Schleudergeräte, Behausteine, Netzabsenker, Drehstein, Brust-oder Fiedelbohrer, Klopfstein, usw. bis hin zur Verwendung im häuslichen Bereich.
Zitat:
("...")
"In jüngster Zeit sind mehrere im Fundverband auftretende Kannelurensteine entdeckt worden, die die. Deutung als Schmiedegerät erhärten. Zahlreiche Hortfunde des Nordischen Kreises (H.-]. Hundt 1955) konnten als Totenschätze für einen eng begrenzten Personenkreis, zu dem auch die Metallurgen zu rechnen sind, herausgestellt werden. Die den Bronzespezialisten zugewiesenen Funde enthielten Brucherz und Schmiedegeräte. In diesem Ensemble begegnen auch Kannelurensteine (Krampnitz - Abb. 11, Prebberede). In die gleiche Richtung weisen auch die Befunde von mehreren Siedlungsplätzen (H. Kaufmann 1956, S. 283), auf denen ein Nebeneinander von Resten der Metallverarbeitung und Schmiedegeräte, darunter Gußformen und Kannelurensteine, bezeugt ist. Ein Beispiel dafür liegt aus Liebenwalde vor. Eine Gußform (Abb. 10) und ein Kannelurenstein (Abb. 27) stammen aus einer Siedlungsgrube."
"Die Verwendung im Produktionsprozeß könnte durch die Form der Geräte und das häufige Auftreten von deutlichen Klopfspuren an diesen bestätigt werden. Außerdem la~sen sich dafür auch technologische-Gründe (H. Ohlhaver 1939, S. 19 f.) anführen. Für die Ver- und Bearbeitung des Metalls benutzten fast alle rezenten urgesellschaftlichen Stämme Steingegenstände. Diese waren aufgrund der Druckfestigkeit und Härte des Materials dazu weit geeigneter als etwa Metallgeräte."
Diese Deutung trifft mit Sicherheit, schon im Hinblick auf den extremen Größenunterschied und dem damit verbundenen Gewicht, nicht auf alle Kannelurensteine zu. Auszuschließen sind in erster Linie wohl schon die besonders großen, schweren Stücke, des weiteren möglicherweise auch die aus, für diesen Zweck ungeeignetem Material (z. B. Gipsgestein) gefertigten Exemplare. Die vorgeschlagene Deutung schließt nicht aus, daß die Kannelurensteine auch mit kultischen Vorstellungen verknüpft waren (R. Indreko 1956, S. 62; H. Kaufmann 1958, S. 2830. Gegen eine ausschließliche Verwendung im kultischen Bereich sprechen jedoch die eingangs geschilderten Fundumstände."
Quelle:
Fritz Horst
Bronzezeitliche Steingegenstände aus dem EIbe-Oder-Raum
Bodendenkmalpflege in Mecklenburg
Berlin 1982 S.33-83
Mit Erlaubnis vom Amt, einige Passagen wiederzugeben.
Ich habe versucht, einen Ausschnitt zusammen zustellen und hoffe, dass mir Jürgen ein klein wenig hilft und es ergänzt, was noch fehlt und wichtig ist.
Z.B. die Verbreitungskarte. :zwinker:
Gruß
Gabi
Hallo Gabi,
ich komme immer wieder zum selben Resultat, wie würde man einen solchen Bronzezeitlichen Armreif (https://www.quagga-illustrations.de/produkt/h0025236/) herstellen, was für ein Material habe ich zur Verfügung, Holz scheidet bestimmt aus, weil zu weich und würde bei erhitztem Bronzereif rauchen und verbrennen, bei deinem Kannelurenstein sind ja auch Abbrüche und Schlagspuren zu sehen, wo kommen die her? Das kannst du selbst beantworten, die Reifenenden wurden auf, wie du schriebst, unvollendeter Rille flach geschlagen, dazu gab es bestimmt verschiedene Ausführungen.
Ich glaube ich muss mir einen geeigneten Stein am hiesigen Baggersee suchen und zurecht kloppen und dann glatt schleifen eine Rille, beidseitig eine Delle mit einseitig abgerundetem Holzstock in Harz getaucht und mit grobem Sand belegt ein schleifen. Mei, mei, ich denke in der Zeit während ich hier schreibe, hätten die damaligen Schmuckschmiede solch ein Gerät schon längst gefertigt.
Ich gehe jetzt schaukeln.
(http://www.animierte-gifs.net/data/media/1583/animiertes-schaukel-bild-0006.gif)
Gruß Colobus
Sowas aber auch - in der heute bei mir eingegangenen Archäo.. in D. steht auf S. 73
'ein rätselhaftes Steingerät aus den Magazin des Archäo.. Museums Hanburg. Durchm. 10 cm
Oder war das in diesem Textreichen Thread schon gesagt worden?
LG
Jan
Ja, wenn die Lösung so einfach wäre, dann könnte man Geschichte schreiben. :zwinker:
Gruß
Gabi
Inhalt entfernt.
Information muss nicht doppelt oder mehrfach hier vorhanden sein. Die nächsten Beiträge führen da weiter.
Fritz.
Zitat von: Steinkopf in 11. September 2018, 17:22:46
Sowas aber auch - in der heute bei mir eingegangenen Archäo.. in D. steht auf S. 73
'ein rätselhaftes Steingerät aus den Magazin des Archäo.. Museums Hanburg. Durchm. 10 cm
Oder war das in diesem Textreichen Thread schon gesagt worden?
LG
Jan
Moin Jan,
Colobus hatte bereits auf den Fund des Hamburger Museums verlinkt > klick hier < (http://www.sucherforum.de/index.php/topic,74826.msg466224.html#msg466224)
Und ich hatte in einer Anmerkung zu Colobus wiederholt auf den Fund des Monats im Archäologischen Museum Hamburg verlinkt > Klick < (http://www.sucherforum.de/index.php/topic,74826.msg466245.html#msg466245)
Der Bericht ist also öffentlich hier einzusehen > https://blog.amh.de/raetselhaftes-objekt/
Gruß
Jürgen
Zitat von: Wiesenläufer in 11. September 2018, 15:45:35
...
Ich habe versucht, einen Ausschnitt zusammen zustellen und hoffe, dass mir Jürgen ein klein wenig hilft und es ergänzt, was noch fehlt und wichtig ist.
Z.B. die Verbreitungskarte. :zwinker:
Moin,
was fehlt denn noch wichtiges außer der Verbreitungskarte?
Die Verbreitungskarte aus Deinem Jahrbuch MV,
"Bronzezeitliche Steingegenstände aus dem EIbe-Oder-Raum , Fritz Horst",
ist identisch mit der aus dem PDF
"Ein Kannelurenstein von Moide bei Soltau, von Klaus Raddatz" >Klick < (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nnu/article/viewFile/49430/42957), siehe Bildanhang.
Gruß
Jürgen
Moin Jürgen,
:Danke2:
Es gab eine Passage, die ich einfügen wollte, war aber nicht möglich gewesen. Ist aber auch nicht weiter schlimm, da das wesentliche soweit drin sein müsste.
Gruß
Gabi
Hallo zusammen,
hier ein Ausschnitt aus einer Veröffentlichung über die bronzezeitliche Metallverarbeitung: https://www.grin.com/document/105685
Danach werden die Kannelurensteine als Klopfsteine in der Metallverarbeitung gedeutet.
Vielleicht wurden sie wie die späteren eisenzeitlichen Feuerschlagsteine mittels eines in die umlaufende Rille gelegten Seils am Gürtel getragen.
Ein interessantes Thema, Glückwunsch zum Fund, Gabi.
LG
Holger
Hallo zusammen!
In der aktuellen Archäologie in Deutschland ist ein vollständiges Exemplar mit einer sehr klaren Struktur der umlaufenden Rille abgebildet. Die Datierung ist grundlegend unklar und die Funktion nicht bekannt. Es werden mögliche Beziehung zu bronzezeitlichen "Rillensteinen" angenommen, die allerdings andersartig ausgeprägt sind.
Die seltenen und rätselhaften Teile werden wohl noch länger ein Rätsel bleiben!
lG Thomas :winke:
Moin,
die "Dinger" werden wahrlich ein Rätsel bleiben, zu mindestens so lange, bis mal ein Stein mit irgendwelchen Anhaftungen gefunden wird.
@ Holger, diese Veröffentlichung ist sehr interessant u.a. ist auch Dr. Jantzen aufgeführt. Auf einem unserer Lehrgänge (der jedes Jahr eine bestimmte Zeitepoche abdeckt) wird ein Bronzeteil hergestellt, der auf Youtube zu sehen ist. (Falls ihn einer noch nicht kennt) Übrigens: auf einem Sportplatz :zwinker:
https://www.youtube.com/watch?v=n3DS_5VHA9Y
Gruß
Gabi
Zitatdie "Dinger" werden wahrlich ein Rätsel bleiben, zu mindestens so lange, bis mal ein Stein mit irgendwelchen Anhaftungen gefunden wird.
In der neuen 'Archäologie in Deutschland' werden die 'Dinger' als Teile von Gewichtssätzen gedeutet.
ZitatIhr Zweck blieb lange Zeit rätselhaft, bis in jüngsten Studien festgestellt wurde, das ihre Gewichte Vielfache oder Bruchteile einer wahrscheinlichen Einheit von etwa 400 g sind.
Kennt vielleicht jemand von euch die angesprochenen jüngsten Studien ?
Viele Grüße
Michael
Hallo Michael,
vielen Dank für diesen neuen Beitrag.
Gibt es denn Beispiele für die Gewichte die ein Vielfaches oder Bruchteile von diesen 400 sind? Irgendwie trifft das doch auf so ziemlich vieles zu.
Als eine Art Waagstein kann man sich das aber schon vorstellen. Eine Schnur um die Kannellure zum Aufhängen wäre ganz praktisch.
:winke: Sven
Hallo Sven,
sie zeigen drei 'Kannelurensteine' aus der spätbronzezeitlichen Siedlung von Hitzacker in Niedersachsen, die Gewichte sind 235 g, 905 g und 1245 g.
Zitat.... Etwas später, an der Schwelle zum 1.Jt.v.Chr., breitet sich eine neue Form von Steinobjekten in Mitteleuropa aus, die als Gewichte genutzt worden sein können. Es handelt sich um die sogenannten Kannelurensteine: massive Steine mit einem Gewicht von bis zu 5 Kg., die ihren Namen aufgrund der charakteristischen Riller erhalten haben, die um die breiteste Stelle verläuft. Kannelurensteine werden in Deutschland und insbesondere im Norden, zumeist in Siedlungen vorgefunden. Ihr Zweck blieb lange Zeit 'rätselhaft', bis in jüngsten Studien festgestellt wurde, dass ihre Gewichte Vielfache und Bruchteile einer wahrscheinlichen Einheit von etwa 400 g sind.
Quelle AiD 04/23, Seite 30, Artikel 'Wiegen und Wert - Mitteleuropa zieht nach'
Viele Grüße
Ich habe vermutlich die angesprochenen 'jüngsten Studien' zur Funktion der Kannelurensteine als Gewichte gefunden:
https://www.academia.edu/87876626/Sind_Kannelurensteine_Gewichte_R%C3%A4tselhafte_Objekte_aus_der_Bronzezeit
(kostenfreier PDF-Download, aber anmelden muss man sich).
Viele Grüße
Michael
Moin Michael,
lang, lang ist es her. :irre:
Eine interessante Studie und trotzdem sind diese Kannelurensteine für mich noch immer geheimnisvoll.
Gesichert ist ja eigentlich "nur", dass sie in die Bronzezeit gehören, was ich durch die Funde rund um den Kannelurenstein auch bestätigen kann.
Zumal sich in diesem Fundgebiet eine Siedlungskammer der gesamten Bronzezeit befindet.
Direkt am Fundort meines Steines ist nichts mehr hinzu gekommen aber in unmittelbarer Nähe mindestens eine Siedlung und mehrere zerstörte Gräber auf dem gesamten Höhenrücken. Ein Teil am angrenzenden Fundort kann ich leider nicht begehen, obwohl ich dort eine Fortsetzung des Bronzezeitlichen Fundplatzes vermute.
Diese enorme Vielfalt an Gewichtsangaben irritiert mich. :kopfkratz:
Als Laie ist es eigentlich plausibler mir vorzustellen das (mein Stein) eine "grobe" Gussform für Arm-/Beinringe ist.
Gewichte hätte man auch einfacher herstellen können :friede:
Passenden Stein, Loch rein, etwas zuhauen, abschätzen,glätten und fertig!
Mein Stein bewegt sich ja um die 400g, doch weiter sagt er mir nichts aus und liegt schon lange unbeachtet im Magazin.
Lieben Gruß
Gabi
Hallo Gabi. Du schreibst: ...grobe Gusdform..."
Das kann ich mir nun mal gar nicht vorstellen.
Wenn für die Metallverarbeitung, dann doch eher wie ein
Ambos und zum runddchleifen etc., oder? :kopfkratz:
Aber da bräuchte ein guter Schmied auch keinen dolchen Stein für. :nixweiss:
ZitatMein Stein bewegt sich ja um die 400g, doch weiter sagt er mir nichts aus und liegt schon lange unbeachtet im Magazin.
Moin Gabi,
ich habe einen Kannelurenstein aus einer Altsammlung der ca. 195 g wiegt. Das ist doch, bei aller gebotenen Skepsis, schon mal eine verblüffende Bestätigung für die Gewichts-Hypothese.
Viele Grüße
Michael
Für Armreife zu biegen oder glätten? :nixweiss:
Mensch Gabi - was für ein Fund! Ich gratuliere Dir, bin erfreut neidvoll :-D
Grandios. Ich habe die pdf's ausprobiert. Sie werden in den Download-Ordner auf den Rechner geladen. Vor Dir hast Du dann eine leere Seite.
Vorausgesetzt bei Dir ist es so wie bei mir. :dumdidum:
Liebe Grüße
Anita
Zitat von: Signalturm in 21. Juli 2023, 08:34:18
Hallo Gabi. Du schreibst: ...grobe Gusdform..."
Das kann ich mir nun mal gar nicht vorstellen.
Wenn für die Metallverarbeitung, dann doch eher wie ein
Ambos und zum runddchleifen etc., oder? :kopfkratz:
Aber da bräuchte ein guter Schmied auch keinen dolchen Stein für. :nixweiss:
Moin Signalturm,
ist halt nicht so einfach. :kopfkratz:
Habe mir die PDF zum wiederholtem Male durchgelesen, durchaus möglich das es in Richtung Gewichte gehen kann, doch selbst die Form variiert bei den einzelnen Stücken sehr stark. Die umlaufenden Rille(n) kann ich für ein Gewicht ja noch nachvollziehen.
Aber auch da hätten sie es sich auch einfacher machen können.
Vielleicht gibt es ja mal einen Grabungsfund wo alles passt.
Lieben Gruß
Gabi
Zitat von: Fabulas in 21. Juli 2023, 18:37:21
Mensch Gabi - was für ein Fund! Ich gratuliere Dir, bin erfreut neidvoll :-D
Grandios. Ich habe die pdf's ausprobiert. Sie werden in den Download-Ordner auf den Rechner geladen. Vor Dir hast Du dann eine leere Seite.
Vorausgesetzt bei Dir ist es so wie bei mir. :dumdidum:
Liebe Grüße
Anita
Moin Anita,
ja, der Fund war schon was besonderes und ich bin auch immer wieder in diesem Bereich am suchen.
Leider bisher ohne weiteren Erfolg.
Da ich angemeldet bin (was mich mittlerweile wegen der täglichen Werbung nervt) brauche ich die PDF nicht runterladen,
sondern kann die weiter unten einfach lesen.
Lieben Gruß
Gabi
Moin Gabi,
Zitatdoch selbst die Form variiert bei den einzelnen Stücken sehr stark
Genau das ist mir in den Jahren in denen ich über diese Teile lese auch aufgefallen und ich denke dass hier zum Teil eine Überschneidung zu einem anderen Gerätetyp vorliegt und dass das nicht immer sauber getrennt wird bzw. getrennt werden kann.
Da gibt es auf der einen Seite der Variationsbreite die scharf und exakt ausgeprägten, eher kleineren, aufwändig hergestellten Exemplare. Die kann ich mir recht gut z.B. als Lauf- oder Schiebegewicht auf einer Balkenwage aus Knochen vorstellen. Die beiden 'Tellerchen' könnten dann zur Handhabung beim Verschieben gedient haben. Oder auch zum volumenmäßigen Abmessen seltener Substanzen die bei der Herstellung von Bronze, Medizin, Bier oder was weiss ich benötigt wurden ('man nehme ein Kannelurentellerchen Bilsenkrautpulver'). Zusätzlich trat vielleicht auch noch ein symbolischer Wert dazu, wie die Funktion als Berufskennzeichen einer spezialisierten Gruppe.
Auf der anderen Seite der Variatiosbreite gibt es die eher flau und nachlässig gearbeiteten flachrund bis flachoval gearbeiteten Steine mit einer umlaufenden Rinne, die meiner Beobachtung nach viel häufiger abgebildet werden (so auch jetzt die drei Exemplare in der AiD). Ich kann mir vorstellen, dass bei denen auch oft eine Verwechselung mit eisenzeitlichen Schlagfeuerzeugen, die an einer über die Rinne geführte Kordel am Gürtel getragen wurden, vorliegt.
Zwischen diesen beiden Varianten gibt es dann eine große Bandbreite von Übergangsformen.
Moin Nano:
ZitatFür Armreife zu biegen oder glätten?
Die 'Bronzeschmied-These' und die 'Gewichts-These' scheinen mir bisher am plausibelsten. Sie müssen sich ja auch nicht gegenseitig ausschließen.
Viele Grüße
Michael
p.s. die phantasiereichste These war bisher, dass es sich um symbolische Darstellungen von Käse-Laiben handelt, die als Grabbeigabe verwendet wurden.
ein toller Fund, hab ich bis jetzt auch nicht gekannt :super: :super: :super:
Grüße
Robert
Hi,
die Gewichtshypothese wird international noch recht skeptisch betrachtet. Rahmstorf und Ialongo haben durchaus große Verdienste bei der Ermittlung alter Gewichte z.B. aus der Bronzezeit. Da wird aber sehr viel mit komplexer Statistik gearbeitet und leider sprechen die Dinger rein gar nicht, da sie keine Bezeichnungen tragen.
Ich bin gespannt wie das weitergeht und ob es jemals ein abschließendes Ergebnis geben wird.
slowfood