Guten Abend
Flaches Teil mit 2mm breiter konkaver "Stichelspitzenausbildung" (auf dem Foto kaum erkennbar)-Deutlich jedoch die gegen die Spitze ausgeführten Schlagbahnen.. Oder können die noch von einem vorherigen Arbeitsprozess stammen und der "Stichel" wäre ein Korrekturabschlag bzw ein schnöder Klingenabschlag?... scharf genug wäre "Sie" ja und man vermag auch einige letztbezügliche Gebrauchsspuren zu erkennen.
Aber die Spitze ist dermaßen dominierend perfekt dass ich an einen perfekten STICHEL denken möchte
Danke....
Edi
Hallo Silex :-)
Ich weiss ich habe es früher erwähnt, aber noch einmal:
Wenn ich unsere Archäologen richtig verstehe, sollte man bei den Sticheln, nur bei den Mittelsticheln eigentlich auf die Spitze fokusieren. Sonst ist es die markante "steilscharfe" Kante, die das eigentliche Arbeitsgebiet ist.
Dieses Gebiet erweisst oft kleine Absprengungen wegen harter Belastung.
Das gerät Funktionert wie eine Art Hebel, die hervorragend ist, wenn man z.B. in Knochen oder Geweih arbeiten will.
Danke für Deine Ausdauer , agersoe , und für Deine Antwort. Die Frage nach der Arbeitsweise der steinzeitlichen Stichel beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit. Du hast mir ja in einer früheren Antwort schon mal erklärt wie exzellent diese Dinger in Geweih und Bein arbeiten. Aber keiner meiner Archäologen konnte mir bisher erklären wie und ob das überhaupt so war. Auch habe ich bei der schnellen Durchsicht "meiner anerkannten" Stichel an den Stichelabschlagsbahnen keinerlei Hebelauswirkungsabsplitterungen feststellen können
(auch nicht an der anderen Lateralseite). Ich bin in der archäologischen Praxis ein Dilettant und habe leider keine Erfahrung im Steineschlagen aber mir scheint eine schiebende, spanabhebende Wirkung (siehe Kupferstich) wahrscheinlich und die zahlreichen Stichel an Endretusche könnten doch ein Hinweis darauf sein , dass die Endretusche eine Präparation für den nächsten, nachschärfenden Abschlag
darstellen könnten. Eine beiläufige Nutzung als Kratzerkante im fraglichen Arbeitsprozess könnte zudem als sekundärer Zusatznutzen
gefragt gewesen sein. Stichel an gegenüberliegendem Kratzer sind auch nicht so selten bei uns
Vielleicht hast Du auch eine weniger spekulative, fundiertere Quelle für die Anwendung des Stichels. Seltsam scheint mir auch dass diese Geräte ,auch in meinem Fundgebiet, lediglich auf endpaläolithischen Lokalitäten anzutreffen sind- obwohl im Meso- und Neolithikum bestimmt - oder sogar noch mehr- Geweih- und Knochenartefakte angefertigt wurden.
Wie gesagt ich bin froh über jede Auskunft, denn die Experten bei uns haben keine Ahnung.....Auffallend ist dass diese "Fraglichen" -bei uns-heute immer noch sehr scharf und spitz sind -also quasi nie Abnutzungsspuren aufweisen und in vielen Fällen eine konkave Spitzenzurichtung aufweisen- also eine Art Minidoppelspitze. Wenn Du was Erhellendes über Stichel hast dann rüber zu uns und mir..
Oh sticheln macht müde
Gute Nacht agersoe
Edi
Hallo Silex
............dass die Endretusche eine Präparation für den nächsten, nachschärfenden Abschlag
darstellen könnten.
Ich habe es so verstanden, dass die Retusche tatsächlich zum Anfang der Produktion gemacht wird, um den Stichelabschlag genau machen und steuern zu können.
Man kann nähmlich nicht auf eine scharfe Kante einen solchen quergehenden Abschlag machen, da muss schon eine Art Schlagplateau da sein, deshalb die Retusche.
Werde mal versuchen eine Illustration davon zu finden.
agersoe:"Ich habe es so verstanden, dass die Retusche tatsächlich zum Anfang der Produktion gemacht wird, um den Stichelabschlag genau machen und steuern zu können.
Man kann nähmlich nicht auf eine scharfe Kante einen solchen quergehenden Abschlag machen, da muss schon eine Art Schlagplateau da sein, deshalb die Retusche."
genau das hab ich verstanden und oben ähnlich beschrieben. Da "er" aber ein "Leitgerät" für endpaläolithische Fundstellen ist würde mich eben interessieren ob diese Geräteform "stichelnd ", hebelnd oder ziehend im Einsatz war. Viele meiner Stichel weisen eine deutliche Verbreiterung nach hinten auf und sind an der Basis kratzerähnlich ausgebildet , weisen eine Stumpfung auf oder sind schäftungsähnlich präpariert- was auf eine eher "schiebende Wirkungsrichtung" schließen lassen könnte......
aber das sind wohl nur laienhafte Vermutungen und Annäherungen an einen "fernen Spiegel" unserer Gedankenwelt
servus
edi
Hallo Silex :-)
@ Silex: Da "er" aber ein "Leitgerät" für endpaläolithische Fundstellen ist würde mich eben interessieren ob diese Geräteform "stichelnd ", hebelnd oder ziehend im Einsatz war.
Ja, da glaube ich sind auch die Archäologen in Zweifel, und ich glaube man muss sagen, alle drei Möglichkeiten sind möglich.
Das würde dann eine genaue mikroskopische Untersuchung von Eksperten entscheiden können.
In meiner Sammlung sind jedenfalls sehr viele von dem Typ: ziehend im Einsatz, da die kleinen Absprengungen auf der Hinterseite der steilscharfen Kante sind ! ...wenn du mich verstehst !! :irre:
danke agersoe
hier noch ein Stichel und noch ein..... der uns beide bestärkt, dass wir was gelernt haben.... von derselben Fundstelle....die hab ich erst vom LfD zurückbekommen ...deshalb die guten Zeichnungen
und wunderbare Weihnachten....
Hallo Silex :-)
Schöne Fotos und Zeichnungen der Stichel.
Danke :super:
..und auch frohe Weihnachten an dir !!
... und auf ein kommunikatives neues Jahr......
Danke agersoe und das noch zum "Letzten" für heute...Sticheln macht Spaß-Alles Gute an Dich und die Deinen und an alle die "guten Willens" sind
Servus aus der Oberpfalz
vom Edi
Das hatte ich noch vergessen.Du schriebst , agersoe:"In meiner Sammlung sind jedenfalls sehr viele von dem Typ: ziehend im Einsatz, da die kleinen Absprengungen auf der Hinterseite der steilscharfen Kante sind ! ...wenn du mich verstehst !! "
In welche Zeit datieren Deine Stichel? Weil mir, wie oben beschrieben, bisher keiner aus meso- und neolithischem Fundzusammenhang
untergekommen ist.... und die Lebensbedingungen und Werkzeuganforderungen können doch nicht soooo unterschiedlich gewesen sein- oder war der Stichel an das REN gekoppelt(?)..so dass die nach Norden abgewanderten Weihnachtsschlittentiere nur dort bei Euch den Stichel forderten... und bekamen
Und bei "UNS" ab dem Mesolithikum?... Hirsch- UR- REH... da hätte es sich auch nicht schlecht gestichelt im Gehörn???
"Soviele Fragen... So wenige Antworten" (B.Brecht)
Manchmal sind erst die blödesten Fragen der Anfang der Erkenntnis
Behüt`euch Gott
Hallo wieder Silex :-)
Ja, das ist natürlich eine gute Frage.
Ich kann nicht eine 100% sichere Antwort geben, da viele von unseren Fundstellen "gemischt" sind, es ist mit anderen Worten nicht ungwöhnlich, das man sowohl Ertebölle, mittelneolithisches und spätneolithisches am gleichen Ort findet. Das gibt natürlich viele potentielle Funde :jump: , aber auch grosse Schwierigkeiten die Geräte (wie Stichel, Schaber und Bohrer) zu datieren. :heul:
Ich kann aber trotzdem von meinen Fundstellen sagen, dass ich überzeugt bin, dass die grosse Mehrheit meiner Stichel-Funde aus der neolithischen Periode stammen.
..........und da waren ja die Rene schon mit dem Weihnachtsmann zusammen nach Grönland umgezogen !! :narr: :narr: