Moin, zusammen,
es gibt so Tage, da möchte man die Welt umarmen. Gestern war so ein Tag für mich. Dabei dachte ich eigentlich, dass nach dem Fund eines Bohrers, einer gestielten Klinge, einer langen Klinge, eines vielversprechenden Kerngerätes und eines Schabers aus einem schön anzusehenden, schwarz gebänderten Flint nicht noch mehr gehen würde. Doch ich sollte mich täuschen, denn zum Schluss fand ich diesen vollständigen Meißel, den ich euch heute vorstellen möchte. Wobei ... ich gestehen muss, dass ich hin- und hergerissen bin, ob es wirklich ein Meißel oder nicht doch "nur" ein Scheibenbeil ist.
Die asymmetrische Schneide ist nicht geschliffen. Sie ist – beidseitig – in der Art eines Scheibenbeils hergestellt, also geschlagen. Und ich würde meinen, dass hier ein Profi am Werk war, denn die Schneide ist gerade mal 17,3 mm breit. Die Färbung des Flints variiert von weiß über hellgrau bis hellrosa. Die Rinde am Proximalende hat offensichtlich ebensowenig gestört wie das kleine Loch nahe des Distalendes.
Das Fundstück stammt vom selben endneolithisch/bronzezeitlichen Fundplatz nahe der Ostsee wie auch das
Scheibenbeil in Y-Form (https://sucherforum.de/steinartefakte/endneolithischbronzezeitliches-scheibenbeil-in-y-form/), der beidseitig gekerbte Schaber/Kratzer (https://sucherforum.de/steinartefakte/beidseitig-gekerbter-schaberkratzer/) und der massive Schaber/Kratzer (https://sucherforum.de/steinartefakte/ein-massiver-schaber-vom-endneolitischbronzezeitlichen-fundplatz/).
Hier die Daten des Artefakts:
- Fundgebiet: Nördliches Schleswig-Holstein
- Länge: 69,3 mm
- Breite: 14,6 - 21,8 mm
- Dicke: max. 11,5 mm
- Gewicht: 22 g
Mich interessiert eure Meinung. Was meint ihr: Meißel oder Scheibenbeil?
Viele Grüße von der Küste
Frank