Liebe Sucher,
hier mal ein Strandfund aus einer Gegend die mit hochwertigem Feuerstein in Massen ausgestattet ist. Der Fund ist vollständig partiniert...
Länge: max: 100 mm
Breite: max: 44 mm
Dicke: max: 16 mm
Der Fund im Überblick.
Schlagflächenrest (SFR) mit Bulbus.
SFR: max: 6 * 9 mm
Eine andere Perspektive auf das Schlagereignis.
Nach der Abtrennung erfolgte Veränderungen im Streiflicht.
Ich halte mal fest,
gute Bilder sind nicht einfach... Die sekundären Veränderungen sind aber deutlich sichtbar.
Welche Kräfte genau eingewirkt haben für diese Veränderungen ist spekulativ.
Eine klingenförmiger Abschlag ist es auf jeden Fall.!?
LG Fischkopp
Moin Fischkopp,
das ist ein klingenförmiger Abschlag.
Im bewegten Wasser sind alle Grate und scharfen Kantrn verrundet.
Ventral sind (nah am Bulbus) zwei Materialeinschlüsse, die charakreristisch
von einem hellen Hof umgeben sind.
Gute aussagekräftige Bilder!
LG
Jan
Moin Fischkopp,
vorbildliche Präsentation deines Fundes, Abrollung mit senkrechten Ansichten aller Flächen sowie bezeichnete Detailansichten :super: Die Fotos sind dir hervorragend gelungen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, bist du dir selbst nicht ganz sicher, ob es ein Abschlag ist oder nicht. Zitat: "Eine klingenförmiger Abschlag ist es auf jeden Fall.!?"
Nach der Definition ist ein Abschlag ein zielgerichtet erzeugtes Spaltstück von einem Kernstein.
Dein Fundstück weist neben der Klingenform einen SFR, Bulbus und Kantenbearbeitung auf. Problematisch ist, dass sowohl die Form als auch die Schlagmerkmale nicht immer hinreichend für eine Artefaktbeurteilung sind. Die Merkmale können zwar Anhaltspunkte liefern, sie erlauben es aber nicht, einfache kantenbarbeitete Steinwerkzeuge sicher von Naturbruch zu unterscheiden. Denn sämtliche Merkmale, die einfache Steinartefakte aufweisen, können auch an durch Naturbruch entstandenen "Abschlägen" entstehen.
Problematisch ist halt auch der Fundort "Strand". Dort können natürliche Rollung, Pressung, Druck und Stoß speziell an Feuersteinen Wirkungen hervorbringen, die ihnen den Anschein von Artefakten verleihen.
Mein Fazit: Für mich als Laie ist eine Beurteilung deines Fundes, vor allem wegen des Fundortes, schwierig. Wie bereits in einem anderen Thread gesagt, wäre eine Beurteilung beim Fundort "Rheinhessicher Acker" einfacher.
Vom Gefühl her tendiere ich zu einem klingenförmigen Abschlag, aber vielleicht sollte ich es besser mit Stratocaster halten: "Das Sucherforum dankt all denen, die zum Thema nichts beitragen konnten und dennoch geschwiegen haben." oder mit Patrick: "Sorry, ich kann zu dem Fund leider nichts passendes sagen."
Auf jeden Fall handelt es sich um ein interessantes und toll präsentiertes Fundstück, danke für's Zeigen.
LG
Holger :winke:
Hallo in die Runde,
Holger schreibt: "Problematisch ist halt auch der Fundort "Strand".
Das ist der Chorgesang aus dem Binnenland. Das Mesolithikum im Nord- und Ostseeraum war durch
dramatische Änderungen der Küstenverläufe geprägt, die zu zu charakteristischen kulturellen
Anpassungen führte.
Das Abtauen der Gletscher überflutete den Norden der Kimbrischen Halbinsel
(Jütland) und wandelte DK von einem Festland zu einem Inselreich. Die Menschen reagierten mit
einer Küstenkultur (Fischzäune, Boote, Millionen Kern- und Scheibenbeile für ein Leben
am Wasser.
Aber auch der Zustand war nicht von Dauer: Vom Gewicht des Eises befreit hob sich die Tektonische Platte
im Norden, Die Muschelhaufen liegen (in Nord-Jütland) heute hoch im Binnenland.
Die Platte, die sich im Norden hob, senkte, und senkt sich immer noch etwa im Raum Süd-Jütland,
Schleswig-Holstein und MVP (Kippbewegung).
So kommt es, daß etwa zeitgleiche mesolithische Siedlungsplätze im Norden Jütlands im trockenen
Binnenland erforscht werden können (wie Binnenländer es lieben (etwas anderes kennen die Wenigsten).
Im immer noch ansteigenden Norwegen und Schweden liegen die alten Küstenplätze hoch im Land,
spätere Siedungen wurden an der jeweils aktuellen Küstenlinie darunter angelegt.
Siedlungsplätze südlich von etwa Ahus hingegen sind nur durch aufwendige Unterwasserarchäologie zu erforschen.
Auch die deutsche Ostseeküste (ich nenne mal Flensburg, Kiel bis Rügen) hat mesolithe Siedlungsplätze
nicht am Strand sondern unter Wasser. Auf manche Plätze wurde die Archäologie erst durch
solche Standfunde aufmerksam. Ein Helfer an nicht allzu tiefen Küsten ist der Blasentang, der auf festem Boden
(z. B. ein Steinbeil) Halt findet und wächst. Irgendwann hat die Pflanze soviel Auftrieb, dass sie ihre Verankerung
aus dem Boden zieht und im Flachwasser zum Strand wandert. Bei Trockenheit vergeht der Tang, der Stein bleibt.
Das ist die Realität für die Archäologie, wozu ich auch aufmerksame Strandsammler, die ihre Funde melden,
zähle.
Also, Strandfunde sind nicht von vornherein minderwertig, sondern anspruchsvoller.
Die Unterwasserarchäologie hat sehr bedeutsame Funde, Bestattungen und Fischereivorrichtungen
'an den Tag' gebracht weil diese Stellen vom Seegras und Gyttia geschützt die Zeiten
überdauert haben.
Und es gilt auch jetzt ganz aktuell: Dein Vorgarten von heute ist vielleicht der Strand von Morgen!
LG
Jan
Moin,
@ Jan, Danke für Deinen Exkurs.
Auch ich sage oft, dass Strandfunde problematisch sind.
Damit meine ich aber, dass durch die "Brandungsgeröllmühle" sowohl intentionelle Merkmale zerstört
werden, als auch rezente, natürliche "Merkmale", hinzukommen.
Nicht mehr und nicht weniger.
Gruß
Jürgen
ZitatAlso, Strandfunde sind nicht von vornherein minderwertig, sondern anspruchsvoller. Die Unterwasserarchäologie hat sehr bedeutsame Funde, Bestattungen und Fischereivorrichtungen 'an den Tag' gebracht weil diese Stellen vom Seegras und Gyttia geschützt die Zeiten überdauert haben.
Ich finde es bei den Strandfunden so faszinierend, dass von ganz groben abgerollten Stücken bis hin zu jahrtausendealten Haselnussschalen und Rindenstücken (aus freigespülten Torflinsen) alles möglich ist.
Viele Grüße
Michael
Moin Jan,
ich glaube, du hast mich da falsch verstanden. :friede:
Strandfunde sind natürlich nicht von vorneherein minderwertig, um Gottes willen. Ich meine es genau so, wie Jürgen es geschrieben hat. Durch das "Strandgeschehen" kann die Beurteilung von Funden ungleich schwieriger und anspruchsvoller werden als die von Funden im Binnenland.
LG
Holger