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Sondenfunde => Plomben und Bleifunde => Thema gestartet von: nobody in 07. November 2005, 21:23:29

Titel: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: nobody in 07. November 2005, 21:23:29
Hallo,
habe dieses Stück neulich zusammen mit Schnatzenputz aus dem
Acker gefischt. Das Stück ist erstmal aus Blei.
Wenn man sich nur die Vorderseite anschaut, könnte man meinen,
das es eine Marke oder Rechenpfennig ist.
An eine Plombe oder Siegel glaube ich ihrgendwie nicht.
Kann vielleicht jemand mehr dazu sagen ?

Gruß
nobody
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: Ruebezahl in 07. November 2005, 21:33:45
Verschluß von Weihwasser (Gratian?) oder Medizin Teriak  :winke:
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: tholos in 07. November 2005, 22:42:36
Hallo zusammen,

siehe auch folgende Beiträge:

http://www.sucherforum.de/index.php?topic=3447.0
http://www.sucherforum.de/index.php?topic=366

Gruß

tholos :super:
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: nobody in 07. November 2005, 22:53:45
Danke euch beiden,
warum zum Teufel hat man Flaschen mit Blei verschlossen?
Korken und Wachs gegen austrocknen kenne ich, aber Blei?

nobody
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: Gratian in 08. November 2005, 21:10:03

ZitatVerschluß von Weihwasser (Gratian?) oder Medizin Teriak

Also wir hatten bei Heimdall mal die ausführliche Diskussion - mittlerweile denke ich es handelt sich um Theriacumverschlüsse. Ich hatte zu Heimdallszeiten mal begonnen die Fotos verschiedener Stücke zu archivieren; leider bin ich nicht fertig geworden bevor Heimdall offline ging. Hier ein paar Kostproben und auch aus meiner Sammlung:
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: Gratian in 08. November 2005, 21:11:10
und weiter gehts:

Und dazu noch dieser link:

http://members.aon.at/ch.gugl/feldk2.htm
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: Gratian in 08. November 2005, 21:19:59
Theriak Electuarium theriacale, Electuarium theriaca; wichtiges Arzneimittel das Mittelalters, dessen Erfindung dem König Mithridates VI. Pontus (132 - 63 v. Chr.) zugeschrieben wird (verbessert von Andromachus, dem Leibarzt Neros.). Theriak bestand zunächst aus 64 versch. Ingredenzien, denen man im Laufe der Jahrhunderte noch zahlreiche weitere hinzufügte. Die Herstellung erfolgte unter behördlicher Aufsicht in den Apotheken, zuletzt in der Kugel-Apotheke zu Nürnberg 1754. Th. war noch mit 12 Bestandteilenin der Pharmacopoea Germanica von 1882 und im EB 6 verzeichnet (Geh. 1% Opium)

Theriak venezian
fein gepulvertes Opium                   10 Teile
Xereswein                                        60 Teile
fein gepulverte Angelikawurzel         60 Teile
fein gepulverte Schlangenwurzel       60 Teile
fein gepulverter Baldrian                  20 Teile
fein gepulverter Cylonzimt                20 Teile
fein gepulverte Meerzwiebel             20 Teile
fein gepulverte Zitwerwurzel             20 Teile
fein gepulverter Malabar-Kardamom   10 Teile
mittelfein gepulvertes Ferrosulfat      10 Teile
gereinigter Honig                           720 Teile

Zubereitung: Das Opium wird mit dem Xereswein angerieben, dann mit den anderen Bestandteilen gemischt und anschließend die gesamte Mixtur im Wasserbad erwärmt.
Dieser zusammengebraute Cocktail ist von schwarz-brauner Farbe und riecht würzig.

Zur Zeit des Paracelsus gehörte Theriak zu den kostbarsten und unentbehrlichen Heilmitteln.
In früheren Zeiten war Theriak außerdem ein beliebtes Mittel bei Zahn- und Kopfschmerzen, Husten, Entzündungen im Hals, Verdauungsbeschwerden und Menstruationsproblemen, ja sogar nach dem Biss giftiger Tiere wurde es verabreicht.
Die alten Bücher empfehlen hier als mittlere Arzneigabe 1 Gramm Theriak

Warum Blei?
Diese Verschlüsse sind auch als Markenzeichen und somit Qualitätsmerkmale zu sehen - frühe Werbung sozusagen.... und Blei war einfach und billig zu formen bzw. zu prägen.
Titel: Re: Plombe, Siegel oder Münzfälschung
Beitrag von: Flinc in 09. November 2005, 08:54:28
Hallo Gratian

Hier ist noch eins für Deine Sammlung...

Die Umschrift lautet:

THERIACHA  F  AL  PARADISO  IN  VEN

das könnte folgnedermassen interpretiert werden:

THERIACHA F(ina) AL (...) PARADISO IN VEN(EZIA)

"Feines Theriacum aus der Apotheke "Zum Paradies" in Vendig"   

Venedig scheint dafür einer der wichtigsten Umschlagplätze in Wuropa gewesen zu sein. Und zu PARADISO fällt mir nichts anderes ein als dass es wohl der Hersteller oder Vertreiber gewesen sein könnte...

Grüsse

Flinc