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Restauration / Handwerk / Methodik => Fundreinigung und Restauration => Thema gestartet von: Mjölnir in 25. Februar 2007, 22:41:19

Titel: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: Mjölnir in 25. Februar 2007, 22:41:19
Fand kürzlich in einer Großbaustelle auf 14m Tiefe diesen Eberzahn. Kann mir jemand verraten, wie ich den restauriere? Lege ich den auch in destil. Wasser ein oder geht man da anders vor, oder bearbeitet man den Zahn am besten gar nicht?
Dank euch - Gruß


Mjölnir
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: clemens in 01. März 2007, 07:17:51
Servus,

wenn Du ihn nicht behandelst wird er recht bald in kleine Splitter zerfallen (Wasserverlust). Jäger gießen solche Zähne mit Wachs aus, aber das hilft nur bedingt - im Museum hat man mir gelernt alte Zähne/Knoche in ein Bad von Klebstoff/Aceton zu legen - noch besser wenn Du dann Unterdruck anlegst, mit einem Eksikator beispielsweise. Geht super, habe meinen Höhlenbär-Eckzahn so gerettet und stabilisiert, auch alte Beinwürfel.

hoffe das hilft, Gut Fund Clemens
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: Rambo in 01. März 2007, 07:25:10
Ich festige meine "Knochenfunde" mit stark verdünntem Holzleim. Das hat den Vorteil der Holzleim ist durchsichtig und wasserlöslich. Acht geben muss man, das man ihn nicht zerdrückt, hier hilft allerdings eine "Füllung" mit Wachs oder Silikon. Ein Eberzahn besteht nur aus  dem Zahnschmelz und hat keine Zahnwurzel wie zB ein Höhlenbärzahn.  Da der Zahnschmelz keine Wasser beinhaltet, kann es auch zu keinen Wasserverlust kommen.
Gruß Rambo
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: Mjölnir in 01. März 2007, 15:14:04
Zunächst einmal mein Dank an ´Clemens`u. `Rambo` für die Infos. Ist mein erster Zahn den ich restaurieren möchte u. stelle mich deshalb etwas unbeholfen an. Den Aufbau des gereinigten Zahns habe ich auch so weit verstanden, nur wie befreie ich ihn von seinem jetzt noch vorhanden Schmutz. Wenn ich es richtig verstanden habe, müßte der Zahn eigentlich hohl sein u. ist jetzt noch mit Lehm u. anderen Substanzen gefüllt. Weiche ich diese Schmutzpartikel jetzt durch Einlage des Zahns in destilliertem Wasser auf oder gibt es bei Knochen u. Zähnen andere Methoden?

Gruß

Mjölnir
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: BWGuenni in 01. März 2007, 16:03:56
Moin Leute,

so einen ähnlichen Hauer habe ich kürzlich auch aufgesammelt, könnte das auch ein Wildschweinzahn sein oder was anderes?

Vom Aufbau her ist er an der Aussenseite breit und an der Innenseite schmal, also insgesamt mehr "dreieckig".

Vielleicht weiss einer mehr dazu.

Gruß

Günni

Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: Gratian in 01. März 2007, 20:26:09
Solche Hauer finden sich in antiken Abfallgruben oft zusammen mit Knochen und auch Austernschalen.... habe schon einige davon gesehen. Manchesmal erkennt man aber auch das sie verarbeitet waren weil sie z.B. durchbohrt sind oder Reste von Bronze am hinteren Zahlteil erkennbar ist...
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: clemens in 02. März 2007, 09:03:07
@ bWGuenni: ja, ist Schwein, der untere Eckzahn

die beiden Eckzähne wachsen permanent weiter und schleifen sich auch gegenseitig ab, daher der dreieckige Querschnitt. Siehe auch Abb. Schädelknochen:
http://www.faunistik.net/BSWT/MAMMALIA/UNGULATA/SUIDAE/SUS/sus.scrofa_schaedel01.html  ... oder Bildergoogle "Hauer Haderer" oder "Gewaff"

Da die Zähne innen hohl sind und nicht bis zum Ende mit Zahnschmelz gefüllt müssen die einzelnen Keilerwaffen ausgegossen werden. Das Zerbröseln von Zähnen wurde mir von einem Anthropologen im Museum mit Wasserverlust erklärt, deswegen ist auch das "versiegeln" und ausgießen eine wirksame Methode.

@ Mjölnir (das sind Namen ...) Ja, innen hohl, ca etwas mehr als die Hälfte. Einfach waschen, nix Aqua dest, ist egal, Wasser halt. Und den Dreck im Hohlraum mit Flaschenbürstl, Pfeifenputzer rausholen ... ist wurscht wie, vorsichtig halt. Ausgießen mit Wachs ist billig, aber umstritten. Holzleim ist eine gute Sache wenn man Wasserlöslichkeit anstrebt. Jagdschmuckhersteller nehmen gerne Kunstharz das sich beim aushärten nicht erwärmt. Die oberen dünnschaligen Enden ev. mit einer Klebeband-Manschette fixieren, stecks in ein Sandbett damit sie mit der Öffnung nach oben aushärten.

Diese sogenannten "Hauer" sind bei einem alten (max 7 Jahre) männlichen Wildschwein bis zu 20/25cm lang, weibliche Stücke haben deutlich kleinere, etwas gedrungenere, Hausschweine sind auch kleiner bezahnt. Deine ca 7 cm, wenns Wildschwein ist, sind also wahrscheinlich von einem ca 1-2jährigen Männchen, 60 kg Lebendgewicht.

Die meisten Zähne die man findet sind mit dem Hausmüll vom Misthaufen auf die Äcker gekommen. Die 14m tiefe ... muss Schuttmaterial sein wenn man bedenkt dass die durchschnittliche Mächtigkeit der Erdschicht sehr deutlich geringer ist.
hoffe Du kannst was mit diesen Infos anfangen, Servus und gut Fund
Clemens
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: BWGuenni in 02. März 2007, 10:01:13
@Clemens,
danke für die umfangreiche Info...

Gruß

Günni :super:
Titel: Re: Eberzahn - Restaurierung???
Beitrag von: Mjölnir in 02. März 2007, 10:06:45
Hi Clemens,

eine sehr ausführliche Anleitung - Danke dir dafür.

Mjölnir ist übrigens der Wurfhammer von Gott Thor aus der nordischen Mythologie. An dem Namen hat sich schon so mancher die Zunge verknotet.

Deine Aussagen bezüglich Alter und Gewicht des Ebers sind sehr interessant. Ich werde sie an meinen Stadtarcho weiterleiten. Wenn die Restaurierung des Zahns gelingt, wird er zusammen mit deinen Infos im Januar 2008 in der nächsten Ausstellung  der Stadtarchäologie zu  sehen sein. Leider kann ich mir bezüglich des Alters nicht ganz sicher sein. Durch die laufenden Baumaßnahmen, teilweise arbeiteten 3 Bagger gleichzeitig um uns herum, wurden viele Fundzusammenhänge durcheinandergewirbelt. Gefunden habe ich den Zahn auf 14m Tiefe (mittelalterl. Schicht) darüber befanden sich natürlich auch jüngere Schichten.

Gruß und gut Fund



Mjölnir