Bei Feldbegehungen habe ich mir schon oft überlegt, wo sich das Gefäß befindet dessen Scherben ich gerade auflese.
Aus diesem Grund habe ich mir einen Blumentopf (20 cm) geschnappt, den neongrün angemalt, so daß man die Scherben eindeutig wiedererkennen kann und rote Lienen in unterschiedlichen Wellenlängen und Zigzag-Mustern aufgemalt um das Teil leicht wieder zusammen setzten zu können.
Das gute Stück habe ich dann vor dem Bestellen des Ackers in ca. 35 cm Tiefe eingegraben. Der Boden des Blumentopfes steht schon auf gewachsenem Boden.
Natürlich läßt sich das ganze nicht 1:1 auf vorgeschichtliche Keramik übertragen aber es soll ja auch nur Anhaltspunkte über die "Wanderung" der Scherben geben. Dieser Topf ist viel härter gebrannt und wird beim nächsten Ackern wohl nahezu vollständig zerstört. Bei vorgeschichtlicher Keramik geschieht das wohl eher schichtweise, Jahr für Jahr.
Auf dem Acker steht heute noch der über den Winter abgefrorene Senf. Dieser wird die nächsten Tage mit der Kreiselegge untergearbeitet und vielleicht vor der Aussaat des Mais gegrubbert. Spätestens dann sollten die ersten Randscherben auftauchen.
Nach dem Ackern im Herbst folgen dann die nächsten Ergebnisse.
Schau ma mal was kommt.
Servus
Andreas
Servus Andy,
...eine schoene interessante Idee, bin auf das Ergebnis gespannt.
Aber wo ist der Knochenbrand ? ...und die Beigaben ? :dumdidum::zwinker:
Du hattest doch schonmal so einen aehnlichen Versuch gemacht oder ? Was kam denn dabei raus? oder dauert es noch ?
Gruesse Sash :winke:
Ich habe einmal Steinkistengrab gefunden. Die Keramik war im Umkreis von 20 Meter verstreut. Dabei war keine bestimmte Richtung erkennbar. Einerseits werden Stücke vom Pflug mitgenommen anderseits die Egge bzw die Fräse welche sowieso nur noch Fuzelite übrig lässt.
Der Deckstein lag am weitesten vom Grab entfernt, er wurde ja zuerst runter gerissen. Von den Seitensteinen waren nur noch Bruchstücke erkennbar.
Hute denke ich würden die Stücke noch weiter verstreut werden bei uns pflügen die Bauern im halben Meter Bereich, dabei wird eine Menge Material umgelagert.
Gruß Rambo
Zitat von: mifomex in 17. April 2011, 19:06:08
Aber wo ist der Knochenbrand ? ...und die Beigaben ?
das war mein letzet Fund aber in Situ.
Zitat von: mifomex in 17. April 2011, 19:06:08
Du hattest doch schonmal so einen aehnlichen Versuch gemacht oder ? Was kam denn dabei raus? oder dauert es noch ?
Du meinst den:
Langzeit Feldversuch (http://www.sucherforum.de/index.php/topic,39582.0.html)
Aber der liegt mindestens noch bis Herbst diesen Jahres da.
Servus
Andreas
...ja genau ! - Danke
Das wird noch Spannend :super:
Gruesse
Interessanter Versuch. :super:
Bin mal auf die Verlagerung gespannt.
Habe letztens die gefundenen Ziegelbruchstücke einer Villa Rustika
mit GPS eingemessen und auf die TOP 10 übertragen.
Obwohl die Teile arg weit auseinandergepflügt waren,
konnte man anhand der Streuung und Konzentration der Bruchstücke
doch recht gut den urspünglichen Ort festlegen.
Beim Blumentopf kann ich mir allerdings vorstellen,daß es schwer wird,
überhaupt Teile davon zu finden,da doch nicht sowiel Material vorhanden ist. :kopfkratz:
Super Idee, und in die Tat umgesetzt!
Ich hoffe auf einen spannenden Ausgang :smoke:
LG Fischkopp
Der Bauer hat nun den Acker zum erstenmal gepflügt. Da er sofort wieder Winterweizen angesäht hat, hatte ich keine Zeit die "Funde" einzumessen.
Was sich auf jeden Fall gezeigt hat-> der Rand wurde "abgesäbelt" und liegt jetzt zu 1/2 - 3/4 erhalten kopfüber im Acker. Vom Boden, wie zu erwarten, keine Spur.
Servus
Andreas
Leider komme ich fast nicht mehr zum Suchen aber nach dem Wolkenbruch von gestern habe ich mir mal wieder die Stelle angesehen.
Zwei Scherben konnte ich entdecken; Ein Randstück mit ca. 10cm und ein Wandstück mit ca. 2cm. Beide Stücke ca. 2~3 Meter voneinander entfernt.
Mal schaun was die Zeit noch so bringt.
Servus
Andreas
Danke für die Ausdauer, Andreas!!! Ich bin nach wie vor dabei um mitzufiebern.
Edi
Zitat von: Silex in 01. Juni 2013, 23:57:52
Danke für die Ausdauer, Andreas!!! Ich bin nach wie vor dabei um mitzufiebern.
Edi
Ich auch!
Wenn Befunde angeratzt werden bleiben die Gefäßreste ebenso unaufhörlich in fließender Bewegung!
Meist setzt die Flurgrenze der Feldwege der Bewegung wohl ein Ende!
Interessant ist auch der Zustand der Scherben, wie sie durch Bewegung, Kunstdünger und Witterung beeinflusst werden.
Klasses Experiment :Danke2:
Danke thomas :winke:
Heute war ich wieder mal zu Kontrollgang an Stelle und musste verwundert feststellen, daß es nun schon den Boden erwischt hat. Die Streuung der Scherben ist wie gewohnt im Radius von 1-2 Meter um das Zentrum.
Die Größten Scherben liegen im Zentrum, je weiter man sich von Diesem entfernt desto kleine werden die Bruchstücke.
Bis jetzt habe ich noch keine Scherbe gefunden, die mehr als ~2 Meter von der Stelle verackert wurde, an dem ich den Blumentopf vergraben habe.
Mal schaun was die nächsten Jahre so bringen.
Servus
Andreas
Nach wie vor einer der besten Feldversuche überhaupt!!! Danke für deine Ausdauer :super:
Hallo Andreas,
dein Beitrag ist sehr interessant.
Eine Sache ist mir bei meinen intensiven Feldbegehungen auch aufgefallen, da ich einige Plätze schon seit 40 Jahren begleite und diese dementsprechend bestens kenne.
So konnte ich z.B. beobachten, dass sich die ausgepflügte Fundmenge von einigen Fundplätzen erheblich veränderte bzw. reduzierte wenn von einer Pflügung in Hanggefällerichtung abgesehen wurde und quer zum Hang gepflügt wurde. Mit dieser Änderung einhergehend veränderte sich erstaunlicherweise auch die Fundstreuung nicht unerheblich im positiven Sinn.
Grüße
Peter
Was mich gewundert hat ist die Tatsache, daß der Boden des Blumentopfes schon nach 2 1/2 Jahren an der Oberfläche auftaucht. Zu dem Zeitpunkt als ich ihn vergraben hatte, stand Dieser noch auf gewachsenem Boden.
Das Feld wurde von einem Bauern mit einer Biogasanlage bestellt. Meist wird im Herbst Wintergerste angesät; Diese im Frühjahr abgeerntet; dann wurde der Mais gesät. Alle drei Jahre folgt eine Senfsaat für den Winter.
Auf einem Acker mit konventioneller Landwirtschaft sollten sich die Auswirkungen der Erosion nicht ganz so dramatisch zeigen.
Servus
Andreas