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Sondenfunde => Eisenfunde => Thema gestartet von: Wiesenläufer in 03. Februar 2019, 14:34:01

Titel: Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Wiesenläufer in 03. Februar 2019, 14:34:01
Moin,

auf Anregung von Crapi, habe ich ein Teil meiner Hufeisen betrachtet. Dieses hier, dürfte mein ältestes sein. Ich weiß aber nicht ob es Stempeleisen 13./14. Jh. oder ein Griffeisen 17./18. Jh. ist.

Es ist 12cm groß, 10cm breit. Die Löcher sind eckig und länglich. Die Dicke ist evtl. 3mm dick ? Die Stollen sind unterschiedlich (abgelaufen ?)
Von 4cm in der Mitte, zulaufend zum Stollen unter 2cm.

Gruß
Gabi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Schwabe in 03. Februar 2019, 19:08:31
Ich würde es auch als Stempeleisen des 13. oder 14. Jahrhunderts ansprechen.

Das Eisen war am linken Hinterhuf montiert. Aufgrund der gut erhaltenen Stollen ist auszuschließen, dass es abgelaufen ist. im Mittelalter waren die Hufeisen üblicherweise nur etwa 3 mm stark. Man sieht 4 + 4 Nägellöcher, und es ist gar kein Platz für eine Aufdickung am Griff, so dass dies klar ein Stempeleisen sein muß. Manchmal ist - wenn die Erosion stark ist und das Eisen abgelaufen war - schlecht festzustellen ob eine Aufdickung am Griff war. Hier ist es eindeutig.
12 cm mal 10 cm spricht für ein  kleines Pferd und unterstützt die Ansprache.

Viele Grüße

Daniel
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Wiesenläufer in 03. Februar 2019, 19:20:20
Vielen Dank, Daniel,

Wie kannst Du erkennen, dass es am linken Hinterhuf montiert war ?  :staun:

Gruß
Gabi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Schwabe in 03. Februar 2019, 20:25:11
Ups, es muss natürlich linker Hinterhuf heißen. Das Foto ist ja von "unten". Voraussetzung der richtigen Ansprache ist, dass das erste Foto nicht verzerrt wurde.

Die Hufe haben eine unterschiedliche Form und entsprechend auch die Eisen:
länglich oval = Hinterhuf
rund oval = Vorderhuf
Bei manchen Eisen muß ich zugeben, sieht man das nicht eindeutig. Auch muss man daran denken, dass mancher Schmid evtl. zu kurze Eisen verwendete.

Außerdem sind die Ruten auf der Außenseite meist etwas breiter und/oder stärker gerundet. Bei alten Eisen mit ungerader Hufnagelanzahl sind außerdem außen mehr Nägel (z.B. drei innen und vier außen).


Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.  :winke:

Viele Grüße und noch einen schönen Abend

Daniel
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: crapseeker in 04. März 2019, 21:16:51
Hallo Schwabe,

tolles Wissen, hast Du eventuell einen Literaturtipp, ich würde mir gerne ein Buch kaufen, in dem die Hufeisenformen intensiver behandelt und beschrieben werden.

Danke und lg,

Crapi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Schwabe in 04. März 2019, 21:48:13
Hallo Crapi,

vielen Dank für die Blumen!

Von Walter Drack und von U. Imhof gibt es einige sehr gute und informative Veröffentlichungen. Vielen können auch im Internet heruntergeladen werden. Sie können als Standardwerke angesehen werden.

Beispiele für Literatur:
Ein Hufeisenfund aus dem 17. Jahrhundert bei Kiesen im Kanton Bern (U. Imhof)
Die Geschichte des Hufbeschlags (U. Imhof/Kerzer)
Der einzige interessante Beitrag zur Unterscheidung von Hufnägeln ist der 12. Jahrgang 2007/1 des Schweizerischen Burgenvereins.

Beste Grüße

Daniel
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: crapseeker in 05. März 2019, 07:04:10
Hallo Daniel,

super, vielen lieben Dank! :-)

lg,

Crapi  :winke:
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Robert in 05. März 2019, 08:41:07
Servus,

mal eine generelle Frage, ich hab ca.40 solcher Eisen, was kann man damit tun ???

Schrotthändler ???

Grüße
Robert
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Wiesenläufer in 05. März 2019, 16:39:47
Moin,

Sorry,  :friede: irgendwie ist mir der Beitrag entfleucht.
Danke für die vielen informativen Antworten.  :Danke2:

Dieses und andere Hufeisen liegen bereits eine Weile im Wasser, zum ersten Mal abgebürstet und das Wasser gewechselt.

Gruß

gabi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: crapseeker in 05. März 2019, 19:16:03
Hallo Gabi,

das wässern macht erst nach der Elektrolyse Sinn, jetzt wässerst Du nur den Rost ;-) und plagst Dich unnötig mit der Bürsterei,
wenn Du die Dinger entsalzen willst, zuerst in die Elektrolyse damit, dann zurück ins Wasser :-), da dann so lang wie möglich (ich lass sie meist den Sommer über drin, also bis zu einem Jahr mit regelmäßigem Wasserwechsel).

Elektrolyse geht wie folgt: Analoges Batterieladegerät, Plastikeimer, Wasser, Soda (Putzsoda), Nirosta-Rohr, rote Klemme aufs Rohr, Rohr im Wasser, Klemme außerhalb, sonst geht sie mit drauf, zu entrostendes Stück an einer Stelle blank anschleifen, schwarze Klemme auf diese Stelle drauf (die darf mit ins Wasser), Rohr und zu entrostendes Stück dürfen sich NICHT berühren, Gerät einschalten. Ich lasse das immer so im 12-Stunden-Rundlauf: morgens ein entrostetes Teil raus und ein Neues, rostiges rein, am Abend Entrostetes raus, Neues rein.... Die Menge des Sodas stimmt, wenn Du Bläschen aufsteigen siehst und hörst, lieber etwas mehr (min. 3-4 gehäufte Eßlöffel auf ca. 5 Liter H2O). Zum Tauschen stecke ich das Gerät immer ab, aber man kann auch so ins Wasser greifen.

Das entrostete Stück mit der Drahtbürste fertig entrosten- müsste ganz leicht gehen, meist fällt der Rost in großflächigen Krusten ab, wenn Du das Stück auf den Boden fallen lässt, anschließend ins Wasserbad zum Entsalzen. Nachdem es entsalzt ist (Monate später), im Backrohr ausgiebig trocknen, nochmals intensiv mit der Drahtbürste reinigen und im Paraffinbad konservieren.
Viel Erfolg :-)
Anbei ein soeben fertig gestelltes Hufeisen :-).

lg,

Crapi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Schwabe in 05. März 2019, 20:01:51
Hallo Crapi,

Danke für die Beschreibung.

Hast Du auch ein Bild wie das Hufeisen vorher aussah? Es wäre interessant zu sehen in welchem Zustand es vorher war.

VG Daniel
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: crapseeker in 06. März 2019, 05:40:38
Hallo,

nicht von diesem Hufeisen, aber von einem, das ich gerade elektrolysiert habe, die schauen eh alle mehr oder weniger gleich aus zu Beginn.

lg,

Crapi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Wiesenläufer in 06. März 2019, 05:51:13
Moin Crapi,

naja, mal schauen ob ich alle Einzelteile dafür zusammen bekomme und es auch selber kann.
Wer hat denn heut zu Tage noch ein Batterieladegerät!
Werde mal an der Arbeit fragen ob mir einer der Jungs dabei helfen kann oder sowas schon gemacht hat.
Die Anleitung habe ich mir jedenfalls abgeschrieben.

Gruß

Gabi
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: crapseeker in 06. März 2019, 08:44:34
Hi Gabi,

Ihr habt in D doch sicher auch online-Gebraucht-Märkte, oder schau mal auf E-bay. Ich hab mir hier ein Ersatzgerät um 12 euro gekauft :-).

Viel Erfolg,

lg,

Crapi :winke:
Titel: Re:Frage zu Hufeisen
Beitrag von: Wiesenläufer in 06. März 2019, 16:40:45
Moin Crapi,

ein Kollege baut mir das auf.  :-) Wird nicht gleich sein, aber ich werde ihn schon regelmäßig dran erinnern.  :dumdidum:
An der Arbeit, haben wir alles mögliche rumliegen und das wäre sogar besser, dann habe ich die Umstände nicht und kann morgens immer austauschen.  :-D

Gruß

Gabi