Moin Leute. Dieser Fund stammt von eine MA Fundstelle in der Region Hannover. Funde gab es schon folgende. http://www.sucherforum.de/index.php/topic,67499.0.html Kennt jemand von euch solch ein Stück ? Durchmesser ca. 24 mm Stark ca. 0,6 mm Es ist auch leich Oval und nicht gerade. Material wahrscheinlich Kupfer oder Bronze. :nixweiss:
Gruß
Thomas
Siegel glaube ich nicht. Dazu ist das Fundstück zu dünn.
Ich vermute, dass es auf einem dickeren Träger (Fibel?) aufgelötet war.
Kannst Du denn die Schrift irgendwie entziffern? Majuskelschrift?
Gruß :winke:
Das war auch mein erster Gedanke. Könnte in Richtung Pressblechfibeln gehen ? Mit der Schrift muß ich mal schauen. Wer davon Ahnung hat kann das bestimmt entziffern. Nur ich leider nicht.
Hi,
als Vorbild, diente wohl ein Solidus aus Byzanz.
https://www.acsearch.info/search.html?id=3815581 (https://www.acsearch.info/search.html?id=3815581)
Gruß, Tuco :-)
Moin Tuco. Interessanter vergleich. :zwinker:
Zitat von: Birk in 27. Oktober 2019, 18:08:57
Das war auch mein erster Gedanke. Könnte in Richtung Pressblechfibeln gehen ? Mit der Schrift muß ich mal schauen. Wer davon Ahnung hat kann das bestimmt entziffern. Nur ich leider nicht.
Guten Abend!
Auf gar keinen Fall ist das eine Pressblechfibel oder ein Siegel, das zeigt allein schon die Rückseite und die Tatsache, dass die Schauseite nicht im Negativ ausgeführt worden ist! Die Ansatzstellen auf der Rückseite deuten auf eine verloren gegangene Halterung.
Von daher scheint es sich um die Schauseiter einer Fibel zu handeln.
Das sind lateinische Buchstaben, die letzten lauten .... TIO aber es muss nicht unbedingt eine sinnvolle Umschrift gewesen sein.
Die Darstellung zeigt wohl Christus mit Nimbus und einem Buch. Das ist die Ikonografie des "Christus Pantokrator". Der Pantokrator-Typus betont die Gottgleichheit Christi, seine Weltherrschaft, Segensmacht und Lehrautorität.
Ein Motiv vor allem in der byzantinischen Kunst und in den allermeisten griechisch-orthodoxen und russisch-orthodoxen Kirchen. Meist wird der Pantokrator als Brustbild dargestellt. Typisch sind der Kopf, der den Betrachter gerade anschaut, der Kreuznimbus, die Haltung der rechten Hand, die den Betrachter segnet, und ein geschlossenes oder aufgeschlagenes Evangelienbuch in der Linken. Die rechte Hand ist hier nicht mit gestaltet worden. Umlaufend eine geperlte Rahmung in mehreren Reihen.
Die Schrift ist Latein und vor der Schriftzeile befindet sich ein Kreuz.
lG Thomas
Auf die Ähnlichkeit mit byzantinischen Solidi hat Tuco ja schon hingewiesen. Die Umschrift dort lautet + IhS XPS REX REGNANTIVm das kann man auch hier erahnen wobei es nur so von Auslassungen und verdrehten Buchstaben wimmelt.
Drei Perlkreise und die Größe deuten m.E. auch eine Art Schmuckstück hin...die Störungen in der Patina auf der Rückseite auch - ich schließe mich der Deutung von Thomas an.
Ich habe mal den Solidus und das Fundstück in schwarz/weiß nebeneinander gestellt :glotz:
Die lateinischen Majuskeln sind ja ziemlich beschädigt; der von Gratian zitierte Text
scheint mit geringen Abweichungen zu stimmen :super:
Ottonisch / salierzeitlich scheint ja recht wahrscheinlich.
Gruß :winke:
VOLLSTE TEAMARBEIT!
Das ist die in Buntmetall vereinfacht übertragene Kopie eines byzantinischen Solidus als Fibel mit verlorener Halterung. Auch die geperlte Rahmung findet sich an einigen Solidi.
Die Umschrift lautet immer: + IҺS XPS RЄX RЄGNANTIЧM
Die Inschrift wiederholt sich immer gleich lautend weil sie absolut mit dieser IKONOGRAFIE des Christus als Weltenherrscher verbunden ist.
Mit geperlten Nimbus der Christusfigur und auch in der Feinheit seiner Darstellung datiert das Vorbild für das Fundstück aus meiner Sicht in die zweite Hälfte des 10. Jhs. Es wird mehr von diesen Stücken gegeben haben, aber sicher sind nicht viele Exemplare überliefert und schon gar nicht so exellent erhalten.
lG Thomas :winke:
Ich wär hier mal etwas vorsichtiger. Wegen etwas fehlender Patina auf der Rückseite gleich auf eine Fibel zu schliessen, sehr gewagt. Das ganze Teil macht auch im Gegensatz zu den anderen Funden vom Platz auf mich einen recht neuen Eindruck. Die Patina sieht aus, wie hier ein Reichspfennig. Was immer das Teil mal für einen Zweck erfüllte... :kopfkratz: Ich würde dir natürlich von Herzen ein entsprechendes Alter des Fundes gönnen, aber man sollte vorerst mal die Kirche im Dorf lassen. :-) Gruss..
Nun gut, das ist mit der Patina so eine Sache; hängt ja vor allem vom Boden und von den Umweltbedingungen ab.
Mir kommt die Patina - vorausgesetzt die Farbe ist auf dem Foto richtig widergegeben - eher älter vor. :glotz:
Ich habe mal die Ansprachen aus dem Link oben zusammengefasst:
Scherbe 6.-7. Jh
Fibel 9.-10. Jh.
Kreuz um 1000
Prachtsporn 11.-12. Jh
und von mir noch das
Schnallenfragment um 1500 (hab die gleiche Schnalle; Ansprache damals von TeSi)
Der Fundkomplex hat schon mal eine Spanne von 1000 Jahren aufzuweisen.
Mich würde interessieren, ob an der Rückseite, dort wo die Patina fehlt, Reste eines Lotes vorhanden sind.
Muß ja auch nicht unbedingt eine Fibel sein.
Rein gefühlmässig halte ich das Fundstück durchaus für früh- bis hochmittelalterlich.
Gruß :winke:
Was mich wundert, die Perlringe und teilweise die Schrift sieht nach einem Mehrschlag aus, komischerweise ist das Männchen in der Mitte ok. Also muss hier die Form, bzw. der Stempel oder Matrize schon verwatzt sein. Oder es ist gegossen, was Pressblech dann ausschliesst. Da könnten die Fehler beim abdrücken z.B. in Wachs entstanden sein.
Auch fällt auf, dass sich hier jemand die Mühe gemacht hat
einen Randbeschnitt abzubilden, ähnlich den meisten originalen Münzen dieser Art. Sowas tut man nicht, um eine Fibelform neu zu erstellen, es sei denn, der Abdruck/Guss erfolgte von einem Original. Gruss..
Ps: Pressblech scheidet sowieso aus. :glotz:
Dass solch ein flacher Gegenstand gegossen wurde, erscheint mir unwahrscheinlich.
Die Idee mit dem Doppelschlag finde ich gut.
Womöglich wurden 2 Prägestempel verwendet: einer für die Figur und einer für
die Schrift und die Perlringe. Mit letzterem ging das dann wohl schief.
Vielleicht hat man durch Randbeschnitt noch etwas zu retten versucht und das
Teil dann verworfen ?
Alles Spekulation.
Auffällig sind noch die parallelen Schleifriefen auf der Rückseite.
Gruß :winke:
Die Idee mit dem Doppelstempel klingt nicht schlecht. Eine Möglichkeit von vielen. :super: Aber bei dem Aufwand dann das Teil so hässlich zu beschneiden? Bei den goldenen Vorbildern wurde so wohl das Gewicht auf Norm gebracht, was bei Gold ja auch Sinn macht. Das Strichschleifriefenaussehen kommt auch bei gegossenen, glatten Knöpfen vor. Gruss..
moin Leute. Interessante Vorschläge die Ihr da macht. :super: So solltes es sein. Die Farbe der Patina geben die Bilder sehr gut wieder. Mich wundert auch das gute gesammtbild des Fundes, da die meißten anderen Funde von dort schon arg gelitten haben. Ob das Stück nun solch ein alter hat muß halt ein Fachmann entscheiden der sich das Stück mal anschaut. So etwas dauert meißtens halt seine Zeit. Ob auf der Rückseite reste von Lot sind kann ich nicht beantworten. :nixweiss:
Gruß
Thomas
Hier eine Pressblechfibel aus Hessen
https://lfd.hessen.de/bildergalerien/eine-fr%C3%BCh-und-hochmittelalterliche-siedlung-der-n%C3%B6rdlichen-wetterau
und hier noch eine mit Reinigungspotential
https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/lich/highlight-fibel-mit-christus-darstellung_18039194
Offensichtlich gab es auch byzantinische Kupfermünzen mit dem Pantokrator-Motiv.
Weit runterscrollen
http://www.orthodoxes-forum.de/viewtopic.php?t=2607&start=15
Vielleicht sollte das eine Münze werden und man hat sich wegen der schlechten Prägung die Rückseite erspart.
Und noch eins
https://www.numisbids.com/n.php?p=lot&sid=276&lot=4017
Gruß :winke:
Pressblech heisst für mich, dass die Rückseite das Negativ der Vorderseite zeigt. Birks Stück ist geschlagen oder gegossen. Auch sind bei Pressblech nur weiche, von der Dicke abhängige Konturen möglich, keine kleinen Buchstaben etc. Gruss..
Zitat von: Nanoflitter in 30. Oktober 2019, 13:23:16
Pressblech heisst für mich, dass die Rückseite das Negativ der Vorderseite zeigt. Birks Stück ist geschlagen oder gegossen. Gruss..
Ist doch klar :dumdidum:
Ich bringe doch nur Beispiele.
Als Rentner habe ich etwas Zeit und will helfen :zwinker:
:-) :friede:
Ich habe gerade von St. Krabath die Nachricht bekommen, dass es sich um eine Plakette handelt, die in einer Taschenwerk-Prägung hergestellt wurde, die sich wiederum im 16. Jh durchsetzte. Es handelt sich um eine Devotionalie. Für weitere Informationen und zeitliche Einordnung verweist er an Dr. Stefan Faßbinder: Fassbinder, S. (2003). Wallfahrt, Andacht und Magie: Religiöse Anhänger und Medaillen : Beiträge zur neuzeitlichen Frömmigkeitsgeschichte Südwestdeutschlands aus archäologischer Sicht. Bonn: Rudolf Habelt.
Gruß
palaeo1
:super: :Danke2:
Zitat von: palaeo1 in 30. Oktober 2019, 17:41:31
Taschenwerk-Prägung
Diese Weiterentwicklung der Walzenprägung erklärt dann auch, warum das
Fundstück nicht eben sondern gebogen ist.
Herausgeschnitten aus dem gewalzten Blech wurde das Fundstück wenig sorgfältig.
Geprägt wurde sicher in größerer Stückzahl.
Klasse, dass das Rätsel wohl gelöst ist :super:
Gruß :winke:
Zitat von: palaeo1 in 30. Oktober 2019, 17:41:31
Ich habe gerade von St. Krabath die Nachricht bekommen, dass es sich um eine Plakette handelt, die in einer Taschenwerk-Prägung hergestellt wurde, die sich wiederum im 16. Jh durchsetzte. Es handelt sich um eine Devotionalie. Für weitere Informationen und zeitliche Einordnung verweist er an Dr. Stefan Faßbinder: Fassbinder, S. (2003). Wallfahrt, Andacht und Magie: Religiöse Anhänger und Medaillen : Beiträge zur neuzeitlichen Frömmigkeitsgeschichte Südwestdeutschlands aus archäologischer Sicht. Bonn: Rudolf Habelt.
Gruß
palaeo1
Eine tolle Auflösung!
Moin Leute. Schön das dieser Fund nun bestimmt wurde. :super: Schade das es doch kein MA ist. Was die Freude an dem schönen Stück nur ein wenig mindert. :zwinker: Danke an alle für die Hilfe. :super: :-)
Trotzdem noch eins. Schaut man sich die Erhaltung des Fundes an ist diese wirklich super. Das muß echt ein gutes Material gewesen sein. Oder noch nicht so lange im Boden. Wobei es dort echt wenig Müll gibt.
Andere, auch jüngere Funde, sehen dort echt um längen schlechter aus.
So macht Fundbestimmung doch Spass. Also weiter so an alle.
Gruß
Thomas
In Ermangelung eines Moderators für das Mittelalter verschiebe ich mal zu den Devotionalien
und ergänze den Titel.
Gruß :winke: