Hi,
anbei ein Pilgerzeichen was sich heute beim sammeln von Keramik fand. Die von mir entdeckte Siedlungsstelle im Amöneburger Becken (Mittel-Hessen) datiert bislang ausschließlich in das 9./10. Jahrhundert. Dieses Pilgerzeichen fand sich heute im Aushub welcher vom Auskoffern des Baches stammt, als Beifunde fand sich viel Keramik des 9./10. Jahrhunderts. Die Zeitstellung muss jedoch nicht zwingend auf das Pilgerzeichen zutreffen.
Aktuell würde ich es nicht als typisches Blei/Zinn Pilgerzeichen des 14. Jahrhundert ansprechen. Anhand des silbrigen Glanzes und der Härte tendiere ich eher zu einer Silberlegierung. Die mir bekannten Pilgerzeichen des Spätmittelalters sind alle flach gestaltet, hier haben wir jedoch schon fast ein Halbrelief vorliegen.
Anhand der Jakobsmuschel würde ich die Darstellung als den heiligen Jakobus ansprechen.
Über Anregungen, Hinweise oder Datierungen würde ich mich sehr freuen.
LG
Ich kann nur sagen :super: ein absolutes Traumstück. Zeitlich kann ich da nichts dazu beitragen, macht mir aber eher einen neuzeitlicheren Eindruck
Gruß cyper
Guten Morgen!
Wer sagt denn, dass die Keramik nicht irgendwann im Bachbett komplett umgelagert worden ist, oder das dieses Pilgerzeichen nicht aus auflagernden Schichten stammt, das sind ja hydrologisch hoch dynamische immer währende Prozesse!
Der Pilgerstab mit kugeligen Knauf, der (Pilger)Hut, sein Attribut die Muschel. Die Erhaltung ist wunderbar und das Objekt auch in der reliefartigen Darstellung prima. Die Figur steht auf einer Plinte was mit der reliefartigen Ausarbeitung an eine Statue erinnert. Gyper hat recht wenn er einen neuzeitichen Eindruck betont. Sakrale Darstellungen nehmen oft alte Stile auf. Vielleicht wurde auch eine konkrete Statue als Vorbild verwendet. Jakobusorte und Jakobusdarstellungen gibt es ja sehr viele.
https://www.alamy.com/stock-photo-statue-of-saint-james-at-the-obradorio-facade-of-the-cathedral-of-39523476.html
Wie auch immer, eins ist sie jedoch schonmal ganz sicher nicht: "karolingisch".
lG Thomas :winke:
Neuzeitlich ist das Stück ganz sicher nicht, schon eher spätmittelalterlich. Hergestellt im Gittergussverfahren handelt es sich möglciherweise um die Darstellung von St. Jodokus als Pilger. Vielleicht findet sich was ähnliches in der Pilgerzeichendatenbank.
Zitat von: Sigillata in 21. Mai 2018, 10:27:11
Neuzeitlich ist das Stück ganz sicher nicht, schon eher spätmittelalterlich. Hergestellt im Gittergussverfahren handelt es sich möglciherweise um die Darstellung von St. Jodokus als Pilger. Vielleicht findet sich was ähnliches in der Pilgerzeichendatenbank.
Neuzeitlich fäng bei mir etwa nach 1550 an und so sehe ich das Pilgerabzeichen in etwa.
Cyper
Man lernt ja nie aus :dumdidum:
Als gelernter Werkstoffkundler war mir das "Gittergussverfahren" bisher neu.
Aber es gibt schließlich genügend eigentümliche Fertigungsverfahren wie z.B.
Warmkümpeln, Kaltfliessdrücken, Warmstreckziehen, usw.
Gruß :zwinker:
Guten Abend,
karolingisch ist es ganz sicher nicht! Ja so ist es wohl. Ein Kontext kann zu einer falschen Einschätzung verleiten, vor allem wenn man von einem Thema fast keine Ahnung hat. :dumdidum:
Die bisherige Ansprache von archäologischer Seite ist um 1400 oder 14. Jahrhundert. Aber ich habe noch einige Eisen im Feuer.
Somit gehört dieser Fund wohl nicht zu der karolingischen Siedlung in diesem Bereich sondern eher zu der 1375 erstmals erwähnte Wüstung Fortbach zu der ich aber aktuell noch keine keramischen Funde finden konnte.
Die Materialfrage halte ich ebenfalls noch für nicht geklärt. Blei oder die häufige Blei Zinn Legierung ist es wohl nicht. Sieht wie patiniertes Silber aus, glänzt auch so. :kopfkratz:
LG
Patrick
Ich habe gerade in der Pilgerzeichendatenbank nachgesehen, da finde ich aber leider nichts ähnliches. :P
http://www.pilgerzeichen.de/indices/motive/pz/4/0/_/U3QuIEpvZG9rdXM=
Der runde Nimbus weist auf einen Heiligen und da fällt als erstes der Apostel Jakobus (der Ältere) ein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobus_der_%C3%84ltere
Pilgerhut, Pilgerstab, Muschel seine Attribute - rein stilistisch und materialmäßig wirkt das Stück neuzeitlich.
Die Öse auf der Rückseite verwirrt. Ansonsten würde ich wegen der Bruchstelle am unteren Ende auf den Stiel eines Apostellöffels tippen... Die Rückseite wirkt auf mich fast industriell hergestellt...
https://de.wikipedia.org/wiki/Apostell%C3%B6ffel
Ich sehe das wie Gratian
Apostellöffel haben hinten nie eine solche gerade Fläche. Auf die Öse kann ich mir auch keinen Reim machen.
Gruß cyper
Hi,
eine Bruchkante ist am Fuß nicht vorhanden, lediglich ein Grat vom gießen, so wie an anderen Breichen auch, einfach nicht sauber geputzt nach dem Abguss.
Grüßt Euch,
unabhängig vom Alter ist es eine wirklich sehr qualitätvolle Arbeit. Ein absolutes Traumstück!
ZitatApostellöffel haben hinten nie eine solche gerade Fläche.
Zitat Wikipedia: Der Begriff Apostellöffel (Tauflöffel) bezeichnet einen meist silbernen oder versilberten Löffel, an dessen Stielende sich eine Apostelfigurfigur
(meist vollrund) meist vollrund heißt eben nicht immer....sag also nie niemals.... :winke: :-D
Man lernt nie aus, hab ich so auch noch nicht gesehen.
Gruß cyper
Gib mal apostels spoon oder apostels tea spoon oder apostels coffee spoon ein... die Dinger waren im England des 18. und 19. Jahrhunderts sehr beliebt...meist vollplastisch aber auch manchmal teilplastisch...
Cool , so Löffel muss ich haben.... :staun:
Guten,
irgendetwas muss an dem Fundstück komisch sein. Ich habe mehrere ,,Experten" für Pilgerzeichen selbst angefragt oder anfragen lassen, alle halten sich bedeckt. :heul:
Es wird jetzt abgelegt unter:
Pilgerzeichen, Gitterguss, Jakobus der ältere, vermutlich neuzeitlich, Silber oder versilbert.
Es handelt sich ja schließlich nur um einen Lesefund zu einer sonst homogenen Siedlung des 9./10. Jahrhunderts.