Warum Signal bei Keramik?

Begonnen von Fabulas, 26. September 2020, 21:55:20

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Fabulas

Hallo in die Expertenrunde,

meine Schwester und ich dürfen das Sondeln auf einem bayrischen Feld üben. Dieses Feld ist voller Keramikteile (keine Form, kein Muster erkennbar). Es gab ein Signal, ich grub. Und grub ... und grub. Der Pinpointer reagierte dann auf etliche Keramikteile, die ich aus der Tiefe holte. ich dachte mir, die haben vielleicht Metallabrieb anhaften, da muss noch was sein. Ich grub noch tiefer (sehr mühsam, da enorm steinig und fester Boden), dann kam noch ein größeres dünnes silbriges und total undefinierbares Teil zum Vorschein. Zuhause habe ich die Keramikstücke abgewaschen. Der Pinpointer reagiert trotzdem noch, wenn ich ihn hinhalte. Worum kann es sich da handeln? Freue mich auf Anwort aus dem Forum, das wir ganz klasse finden.

Fabulas
Die Zwei

stratocaster

Das Sucherforum dankt all denen,
die zum Thema nichts beitragen konnten
und dennoch geschwiegen haben !

RockandRole

Servus,

ganz einfach. Die Keramik ist metallhaltig. Ich glaube hatte neulich sogar eine Glasur, worauf der Pinpointer reagiert hat. Ein Bruchstuck von einem Beil aus dem Endneolithikum/Bronzezeit aus Basalt habe ich auch mit dem Detektor gefunden. Ist zwar nicht die Regel, aber ab und an kommt so etwas vor.  :super:

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Fabulas

Hallo,
Danke für Eure Antworten.

Daniel: Aber nicht jede Keramik ist doch metallhaltig, oder?
Stratocaster: Foto mache ich und stelle es morgen oder die Tage mal rein. Von der Keramik und von dem darunter liegenden Teil.

Gut's Nächtle

... ich glaub, ich träum vom Sondeln

Fabulas

mike 81

Zitat von: Fabulas in 26. September 2020, 23:28:35

Gut's Nächtle

... ich glaub, ich träum vom Sondeln

Fabulas

Na dann, träum schön.  :zwinker:

Gruß Mike
Sich regen bringt Segen

RockandRole

Guten Morgen,

das kommt immer auf den vorliegenden Ton an. Der Detektor schlägt auch erst an, wenn ein gewisser Wert überschritten wird. Ob jeder Ton Metall enthält, das kann ich gar nicht sagen.

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Jacza

Manche Keramiken (insbesondere Terrakotta), aber auch einige Ziegel, enthalten bestimmte Mineralien. Die werden dann, besonders wenn es feucht ist, leitfähig.

Fabulas

Bereite gerade Fotos vor.

Das Feld ist voll von orangen Bröckchen. Bei manchen glaubt man eine Struktur zu erkennen. Sehr vage. Könnte ja auch ein zerdepperter Blumentopf/Kübel sein. Mir sagte jemand, dass Ziegel etc. zerkleinert gerne auf dem Feld entsorgt wurden. Es liegt hellere und dunklere Keramik da. Später lade ich Fotos hoch.

Auch hier: Vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps und Infos!

Einen schönen Sonntag noch!
Fabulas

Fabulas

So, ich hab's.
Hier kommen die Fotos und noch ein paar vielleicht wichtige Informationen:
Der Fundort ist ein Acker ca. 2 km von einer Burg entfernt. In ca. 500 Meter Entfernung ist ein Bodendenkmal und noch ein paar hundert Meter weiter ein weiteres Bodendenkmal. Latenezeit und Römer. Deshalb machen wir aus jedem Fund natürlich voll die Geschichte. Manche Keramikteile sehen aus wie angebrannt.
Also ist die große Frage: Zivilisationsmüll oder mehr? Wir sind sehr gespannt auf Eure Rückmeldungen.

Viel Spaß beim Anschauen!

Fabulas

StoneMan

Moin,

Information Wiki zu Glasur (Keramik):
Chemisch bestehen Glasuren (wie andere Gläser auch) aus einem Gemisch von Mineralmehlen.
Gelegentlich sind auch Metalle wie Blei oder Gold als bestimmende Elemente beigemischt.
Quelle > Klick <

Gruß

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Wiesenläufer

Moin Fabulas,

ob euer Fundstück auf Bild 5, vielleicht ein Rest einer Hipposandale (römisch) ist ?  :kopfkratz:

Gruß

Gabi
Wer viel geht, findet viel.
(Nicht auf meinem Mist gewachsen)

Fabulas

Hallo @Stoneman,
aber es reagieren ja nur ein paar Steine. Es sind welche ohne (sichtbare) Glasur. Mit Glasur sind nur ganz wenige kleine Bruchstücke in unseren Funden dabei, sie sind ohne Reaktion.
Aber wir machen vielleicht zu viel Wind um nichts. Dankeschön auf jeden Fall.

Hallo @Gabi,
:winke:auf Dich haben wir schon richtig gewartet! Frauen sind hier eher selten. Schon viel von Dir angesehen - gleiche "sense" wie wir :-)
Das mit der Hipposandale ist uns auch schon untergekommen. Aber wir wagen ja gar nicht daran zu glauben.... für uns wäre es schon eine Sensation, weil wir ja noch im "Sondelkindergarten" sind.

Vielen Dank!

Weiß vielleicht jemand, was das dünne größere Teil (grausilbrig) für ein Material sein könnte? Es riecht nicht nach Eisen.


StoneMan

Moin ihr zwei (Fabelwesen, Quasselstrippen oder Fabelhafte?),  :-D

Wenn ihr den Dingen (die nicht nach Eisen riechen) so auf den Grund
gehen möchtet, was auf jeden Fall wünschenswert ist, dann macht euch
doch einmal mit der Ermittlung der Dichte vertraut.

Oft kann man daraus Schlüsse ziehen und sich der Materialfrage nähern bzw. bestimmte Elemente ausschließen.

Hier im Forum gibt es dazu bebilderte Anleitungen >Klick< und im Internet >klack< natürlich auch.

Entsprechende Tabellen zur Dichte gibt es auch.

Dichte fester Stoffe

Tabellensammlung Chemie/ Dichte fester Stoffe

Die Elemente des Periodensystems geordnet nach der Dichte


Als Test, ob eure Vorgehensweise korrekt ist, könnt ihr einen gepunzten Goldring nehmen,
dann seid ihr sicher, alles richtig gemacht zu haben.

Gruß

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Wiesenläufer

Moin Fabulas,

Zitat: "Frauen sind hier eher selten."

Einige sind hier schon vertreten, nur nicht so aktiv.  :zwinker:

Natürlich kann das Eisenteil auch moderner/alter Schrott sein aber mir kam es halt spontan in den Sinn,
aufgrund der rechts und links umgebogenen Fortsätze.
Warum sollte man einen Gedanken nicht äußern, man muss und kann nicht alles wissen und kennen.  :dumdidum:

< Hipposandalen >

Gruß

Gabi



Wer viel geht, findet viel.
(Nicht auf meinem Mist gewachsen)

Fabulas

Danke Gabi und Jürgen,

da haben wir ja jetzt gut zu tun. An die Hipposandale glaube ich (zumindest) auch.

Das dünne Teil werde ich zunächst mal meinem Angetrauten zum Messen geben und in die Tabelle schauen.

Jetzt wird es mit Sicherheit etwas ruhiger um uns  :irre:
Safari spinnt auf der Forenseite. Und die Arbeit muss nachgeholt werden. Aber sobald es geht kommen noch Bilder in andere Rubriken.

Viele Grüße von den Fabulas!

Weserberglandsondler

Moin, das ganze muss nicht unbedingt an Metallen liegen. Durch den Brand verändert sich das Magnetfeld der Keramik (oder sowas in der Art). Diese Veränderung können manche Detektoren erkennen. Den Deus kann man mitunter sogar so fein einstellen, dass man ihn auch zuverlässig als "Keramiksonde" einsetzen kann. Fragt mich aber bitte nicht, wie das geht... haben wir im Praxiskurs vom NLD so gesagt bekommen.  :besorgt:

Tomcat

Ob die Sinterung Einfluss auf die Leitfähigkeit hat, kann ich nicht sagen- ich vermute aber eher, dass eine geringere Sinterung, also eine wasserdurchlässigere Keramik, beim richtigen Feuchtegrad besser signalt.
Der Metall (oxid)-Gehalt spielt aber wohl , wie die Vorredner schon sagten, eine Rolle.
Bei der eigentlichen Keramik ist das so:
Brennbare Tone sind Schichtsilikate, aus Primärlagern können diese weiß brennen, wenn sie hauptsächlich aus Kaolin bestehen. Bei weißen Scherben hatte ich bislang keine Phantomsignale am MXT. Bei der Verfrachtung der Schichtsilikate in Sekundärlagerstätten können jedoch unterschiedliche Verunreinigungen eingebracht werden - durch Eisenoxid brennt Ton rötlich, durch Mangan schwarz/dunkelbraun. Zumindest rote Keramik britzelt in meiner Gegend manchmal im Prospecting-Mode, das ist aber lang her, dass ich damit gelaufen bin :-) . Wie feucht die Scherben sind ist dabei aus meiner Erfahrung wie gesagt wichtig, auch, ob das leitfähige Graphit im Spiel ist (Graphitton / graphitierte Keramik ist hier im Süden nicht selten, spätestens aus der Frühbronzezeit).

Wenns dann an die Glasuern geht, wirds ohnehin metallisch-wild: Je giftiger, desto farbiger kommt mir immer vor. Cobalt (blau), Chrom (grün/gelbgrün), Mangan (braun), Beimischungen von Blei, um die Farbbrillianz zu erhöhen ... in 60er und 70er- Fliesen im berühmten Orange steckt als Exkurs oft sogar noch Uranoxid, das so stark strahlt, dass die Fliesen ausgetauscht werden sollten.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass da, je nach Gesamtbild, einiges an potentieller Leitfähigkeit zusammenkommt.
Tomcat
Life burns!

thovalo

#17
Guten Tag!  :winke:


Alles was ich sehen kann halte ich für neuzeitliches Material und die "reagierenden" Keramikstücke scheinen zur neuzeitlichen Baukeramik zu gehören. Da mag man in der groben Magerung auch stärkere Anteile an metallischen Bestandteilen gemischt zu haben. Manchmal hat man auch einfach Abbruchmaterial auf den Felder entsorgt. Zerkleinert hat sich das dann durch das Pflügen von alleine. Das ist für Euch eine interessante Übung.


Ich denke das gehört Alles in den allgemeinen Fundschleier oder ist Material das zur Nivellierung des Boden eingetragen und dann durch die Bewirtschaftung weitflächig verbreitet worden ist.


Es würde erst wirklich relevant(er) sein, wenn es vorneuzeitliches Material wäre. Davon sehe ich aber nichts. Scheint ein von Euren Archäologen ja gut ausgewählter "Übungsacker" zu sein!



liebe Grüße

Thomas  :winke:


Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

NUMERIANUS

Hallo!
für mich auch eher überraschend dass diese keramik mit
der metallsonde angezeigt wird, ich kenn das
eigentlich nur von den grauen graphitkeramikteilen
aus der la-tene zeit, die werden auch vom deus
sehr stark angezeigt
gruß und gut fund 

Fabulas

Vielen Dank an alle, die hier zur Aufklärung soviel gute Beiträge geliefert haben.
Da ist doch einiges sehr überraschend.
Wir haben das im September 2020 gefunden und gezeigt. Da waren wir noch absolute Neulinge und sind mit nur einer Sonde, Fisher F22, gegangen. Zu dem Zeitpunkt wurde uns in etwa klar, was das Suchen und Finden eigentlich für die Archäologie bedeutet und dass man sich über die Möglichkeiten und Rechte schlau machen muss. Es war ein Acker, den wir als Übungsacker bezeichnet haben, einer der ersten für den wir eine Erlaubnis vom Bauern hatten. Es gibt bis jetzt nur einen schriftlichen Kontakt zu Archäologen. Wie schwierig das Bestimmen von Scherben und undefinierbarem Material ist haben wir erfahren und lesen seitdem keine Scherben mehr auf. Dafür müssen wir erst nach einiges tun und lernen. Sehr gutes Lehrmaterial haben wir dank Stoneman. Jetzt sollten praktische Übungen mit Fachleuten folgen. Ich denke, wir schaffen das in diesem Jahr.

Liebe Grüße
Anita

Signalturm

In der Bedienungsanleitung zum Deus steht im Kapitel zum Bodenabgleich folgendes:
"90 ist die empfohlene Einstellung die es Ihnen ermöglicht magnetische Mineralien im Boden zu unterdrücken.
Beim Reduzieren des empfohlenen Wertes werden Sie ab 87 bereits HotRocks detektieren und die Spule wird bei leichten Stößen an ihr Gehäuse Störsignale auslösen.
Mit geringeren Einstellungen, ab 75/85, werden auch Tonscherben und der Boden als Medium selber geortet/angezeig.."

Gruß Signalturm
Finderglück ist Finderlohn genug.

Fabulas

Zitat von: Signalturm in 04. Februar 2022, 22:05:28
In der Bedienungsanleitung zum Deus steht im Kapitel zum Bodenabgleich folgendes:
"90 ist die empfohlene Einstellung die es Ihnen ermöglicht magnetische Mineralien im Boden zu unterdrücken.
Beim Reduzieren des empfohlenen Wertes werden Sie ab 87 bereits HotRocks detektieren und die Spule wird bei leichten Stößen an ihr Gehäuse Störsignale auslösen.
Mit geringeren Einstellungen, ab 75/85, werden auch Tonscherben und der Boden als Medium selber geortet/angezeig.."

Gruß Signalturm

Vielen lieben Dank. Ich habe mich zwar schon ein wenig mit ein paar Einstellungen beschäftigt. Aber den Bodenabgleich habe ich nicht sonderlich berücksichtigt.
Falls ich jemals wieder mit Sonde laufe, muss ich mir mal die Zeit nehmen und mir das genauer anschauen.
Aktuell bin ich doch wieder ziemlich verscherbelt. Da ich nur zu Hunderunden komme, peile ich natürlich sämtliche Ackerränder ab und werde auch fündig. Dabei hatte ich mir doch geschworen, nichts mehr mitzunehmen  :nono:
Ich hoffe, ich komme bald dazu mal einiges zu zeigen.

:winke:

Liebe Grüße
Anita