Autor Thema: Radiolaritfunde  (Gelesen 147 mal)

Offline Schuhnagel 2

  • Aristokrat
  • ****
  • Beiträge: 222
Radiolaritfunde
« am: 19. November 2022, 12:10:31 »
In meiner Gegend gibt es ausgedehnte Radiolaritvorkommen meist schlechter Qualität. Die Crux: Werkzeug sieht aus, als ob die Schweine darauf herumgekaut hätten (Foto 1, bekannte mesolithische Fundstelle).

Entdeckt habe ich eine vielversprechende Kumulation von Radiolariten am Ufer eines früheren Sees am Fuss eines kurzen Steilhanges unterhalb einer Terrasse. Ein Stück unterscheidet sich farblich vom Rest und könnte verschleppt worden sein. Mögliches Kernstück?

Wie könnte ich nachweisen, dass hier ein Steinschläger am Werk war?
Schweiz, westliche Voralpen

Offline RockandRole

  • Erzherzog
  • ***
  • Beiträge: 5.113
Re: Radiolaritfunde
« Antwort #1 am: 19. November 2022, 13:36:26 »
Servus,

geil, ich hab sehr über die Schweine schmunzeln müssen  :-)

Leider sehe ich an den Stücken keine menschliche Bearbeitung. Auch wenn die Energie sehr oft den Klüften folgt, muss man wenigstens ab und zu mal einen Bulbus oder ein Bulbusnegativ erkennen. Sonst bleibt es immer ein Rätselstück, da muss man sehr kritisch sein.

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Offline Schuhnagel 2

  • Aristokrat
  • ****
  • Beiträge: 222
Re: Radiolaritfunde
« Antwort #2 am: 19. November 2022, 14:46:22 »
Hallo Daniel

Hier habe ich ein recht kompaktes Stück aus dem Strassenschotter den Rissen entlang zerlegt. Was übrig blieb, waren bis 4cm lange kompakte Zufallstücke, die man zurichten könnte (wenn man es könnte).
Auf dem zweiten Bild habe ich versucht, eine ca. 4mm dicke Kante "zurechtzunagen".
Vielleicht müsste der Nachweis bei diesen Radiolariten anders aussehen als bei homogenem Material, das nach bestimmten Methoden bearbeitet werden kann?
Schweiz, westliche Voralpen

Offline RockandRole

  • Erzherzog
  • ***
  • Beiträge: 5.113
Re: Radiolaritfunde
« Antwort #3 am: 19. November 2022, 16:41:23 »
Wenn du retuschierte Mikrolithen oder Geräte hast, ist das ja eindeutig. Bei der Mikrolithenherstellung z. B. hat man bei einer normalen Klinge ja auch per Kerbbruchtechnik den Bulbus weggenommen.
Vielleicht hätte ein retuschierter Splitter keine richtigen Dorsalgrate, aber ansonsten wäre das ja ein Nachweis.

Wenn du bei uns aus dem Mainschotter Rohmaterial holst, dann hast du so ein Bild auch bei 8 von 10 Stücken. Die 8 wurden vor Ort gelassen und die 2 mit an die Plätze genommen. Vielleicht gibt es bei dir ja auch homogenere Rohstücke!?! Ansonsten stelle ich mir einen Nachweis schwierig vor. Mittlerweile habe ich bestimmt schon 10000 Artefakte aus Kieselschiefer in der Hand gehabt und ich würde mir das trotzdem nicht zutrauen. Woran soll man sich orientieren.

Wir haben hier ca 30 km weiter eine FS mit Quarz zu Baryt. Da hatte ich eine NFG dafür. Das hat auch ein sehr eigenes Bruchverhalten. Alles kann Alles sein aber alles auch Nichts. Schon frustrierend. Ich habe es dort aufgegeben ohne ein einziges klares Artefakt gefunden zu haben.

Aber das ist ja nur mein persönlicher Schluss den ich daraus gezogen habe. Versucht habe ich es ja auch  :zwinker:

Liebe Grüße Daniel

Liebe Grüße Daniel
gefährliches Drittelwissen

Offline Schuhnagel 2

  • Aristokrat
  • ****
  • Beiträge: 222
Re: Radiolaritfunde
« Antwort #4 am: 19. November 2022, 18:36:52 »
Vielleicht ist das Material (Dein Baryt und mein Radiolarit) wirklich nur beweiskräftig, wenn es verschleppt wurde, also an der betreffenden Stelle geologisch nicht vorkommt?

Das würde bedeuten, dass ich hier andere Materialien finden müsste, die einen Rastplatz belegen. Das Radiolarit-Vorkommen wäre dann einfach ein weiteres Kriterium für diese Anlaufstelle der Mesolithiker.

Schweiz, westliche Voralpen