Glänzender Stein

Begonnen von Schabersucher, 28. Februar 2026, 16:21:27

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Schabersucher

Liebe Leute,

ich möchte euch wieder einen Stein, den ich am gleichen Ort wie diesen
Zitat von: Schabersucher in 22. Februar 2026, 14:08:55flächenretuschierten Abschlag
gefunden habe, zeigen und um Rat bei der Einordnung fragen:

Ein langgstreckter Flintstein mit drei etwa gleich großen Seiten. Eine davon (die "Unterseite", in den Bildern "ventral") ist nicht bearbeitet, die anderen beiden Seiten sind flächig retuschiert. Diese beiden Seiten glänzen in Hochglanz, während die Unterseite eher seidenmatt glänzt.

L x B x H; M ~= 6.5 cm x 2.8 cm x 2.5 cm; 50 g
Fundort: Schleswig-Holstein

Die Farbe des Flintsteins ist hellgrau, und auf einer Seite befindet sich zentral ein dunklerer, vorne und hinten spitz zulaufender Einschluss.
Bei einem Schaber mit ähnlich auffälliger Färbung hatte Frank vor einer Weile gefragt:
Zitat von: Neos in 09. Dezember 2025, 22:35:34Was meint ihr? Absicht? Oder Zufall?
Die Frage möchte ich hier wiederholen. Und vor allem auch: Was denkt Ihr, was dies für ein Werkzeug (?) gewesen ist?

Viele Grüße,
Sven

Rheingauner

Hi Schabersucher,

ich kann hier zur Bestimmung nichts beitragen, wollte Dir aber zu den Fotos ein "Chapeau" zukommen lassen, weiter so.

Gruß

Wiedehopf

Hallo Sven,

ich tendiere zu einer natürlich, z.B. durch Gletscherdruck entstandenen Form, die dann teilweise durch Windschliff poliert wurde. Ein Gerät kann ich leider nicht erkennen. Trotzdem, besonders aufgrund des dunklen Einschlusses, ein sehr schönes Stück.

Viele Grüße
Michael     

hargo

Zitat von: Schabersucher in 28. Februar 2026, 16:21:27... die anderen beiden Seiten sind flächig retuschiert. Diese beiden Seiten glänzen in Hochglanz, während die Unterseite eher seidenmatt glänzt.

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... Was denkt Ihr, was dies für ein Werkzeug (?) gewesen ist?


Sollte es ein Werkzeug sein, wäre es m. E. am ehesten ein Erntegerät.
Vorausgesetzt, die hochglänzenden Stellen entpuppen sich als Sichelglanz.

mfg

StoneMan

Zitat von: hargo in 28. Februar 2026, 23:26:24Sollte es ein Werkzeug sein, wäre es m. E. am ehesten ein Erntegerät.
Vorausgesetzt, die hochglänzenden Stellen entpuppen sich als Sichelglanz.

mfg
Moin,

@ hargo, korrigiere mich.

Bei Erntegerät setzt Du aber ein klingenartiges Stück voraus?

Ich sehe ein dickes Stück, mit fast rechtwinkligen Dreieck als Querschnitt.
Das müsste jetzt Schabersucher Sven bestätigen - oder nicht.

Das Ding sieht sehr glazial aus.

Gruß

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Steinkopf

#5
Moin in die Runde,

das gut bebilderte Fundstück sieht mir nach einer missglückten Arbeit aus.
Es könnte der Korpus vom Kernbeil (mit symmetrischen Querschnitt, Nr 144) geplant gewesen sein.
Glanz kann an der Oberfläche schneller entstehen als vielfach angenommen wird.
Aufgegebene, verunglückte (Fund-)Stücke sind im Forum wahrscheinlich unterrepräsentiert.

LG
Jan

Schabersucher

Liebe Leute,

vielen Dank für Eure Antworten und Hinweise und Euer Lob:
Zitat von: Rheingauner in 28. Februar 2026, 17:48:31wollte Dir aber zu den Fotos ein "Chapeau" zukommen lassen, weiter so.
(ich fotografiere mit einem älteren Sony Alpha Fotoapparat und habe mir für die Steine das günstigste Sony Makroobjektiv gekauft, das dazu passt. Damit klappt es viel besser als mit dem (auch alten) Smartphone!

Zitat von: Wiedehopf in 28. Februar 2026, 21:22:12ich tendiere zu einer natürlich, z.B. durch Gletscherdruck entstandenen Form, die dann teilweise durch Windschliff poliert wurde.
Ja, Windschliff könnte ich mir auch gut vorstellen. Die Unterseite hätte dann einfach nicht so viel davon abbekommen. Die Retuschen sehen mir aber so aus, als wären sie doch von Menschenhand. Es gibt auf beiden Flächen solche, die von der unteren Kante ausgehen, sowie auch solche, die vom oberen Grat ausgehen.
 
Zitat von: hargo in 28. Februar 2026, 23:26:24Sollte es ein Werkzeug sein, wäre es m. E. am ehesten ein Erntegerät.
Vorausgesetzt, die hochglänzenden Stellen entpuppen sich als Sichelglanz.
Wie Jürgen auch geschrieben hat, hat der Stein einen etwa gleichseitigen dreieckigen Querschnitt. Als Sicheleinsatz o.ä. hätte das wahrscheinlich nicht funktioniert.

Zitat von: StoneMan in Heute um 10:21:36Das Ding sieht sehr glazial aus.
@Jürgen: was bedeutet glazial? Heisst das der Stein bzw. die entrindete Oberfläche hat die letzte(n) Eiszeit(en) miterlebt? ZB durch Windschliff in der Steppe kurz nach der Eiszeit? Oder ist durch Gletscherdruck entstanden, wie Michael ja auch sagt?

Zitat von: Steinkopf in Heute um 10:26:36das gut bebilderte Fundstück sieht mir nach einer missglückten Arbeit aus.
Es könnte der Korpus vom Kernbeil (mit symmetrischen Querschnitt, Nr 144) geplant gewesen sein.
Glanz kann an der Oberfläche schneller entstehen als vielfach angenommen wird.
Aufgegebene, verunglückte (Fund-)Stücke sind im Forum wahrscheinlich unterrepräsentiert.
Ja, ich könnte mir auch vorstellen, dass es kein komplettes Werkzeug mehr ist oder aber ein verworfenes Verunglücktes. Mir kommt es so vor, als fehlt an der Spitze noch ein ganzes Stück.
Meine Vermutung ist, dass es als Werkzeug zum Stechen oder Bohren o.ä. gedacht gewesen sein könnte.
Wenn der Fundort nicht in Schleswig Holstein gewesen wäre, hätte ich auch schon beim Vorstellen Ähnlichkeiten mit einer Limace erwähnt, die mir aufgefallen sind, als ich die paläolithischen Kapitel im Floss angeguckt habe. Limace steht für Nacktschnecke auf französisch, was wohl auf die Form und die unspektakuläre Unterseite hinweisen soll (aber in diesem Fall auch für die fast feucht glänzende Oberfläche passen würde). Jedenfalls ist demnach "eine Limace eine spitzoval zugeformte Doppelspitze mit dorsalem Kiel und weitgehend ebener unretuschierter Ventralfläche. ... Oft ist nur eine Spitzenpartie wirklich deutlich zugespitzt während die zweite leicht abgerundet sein kann. " Diese Definition scheint ungefähr zu passen.
"Zur Funktion lassen sich kaum verbindliche Aussagen treffen. ... Stücke, die Limaces gleichen, finden sich in jungpaäolithischen Zusammenhängen."

Da ich aber noch nie so eine Limace im Original gesehen habe und vor allem, weil der Fundort eher dagegen spricht, bin ich mir bei dieser Hypothese doch eher sehr unsicher...

Viele Grüße,
Sven

StoneMan

Zitat von: Schabersucher in Heute um 19:19:00@Jürgen: was bedeutet glazial?

Moin,

Wörterbuch = glazial - Geologie = eiszeitlich, während einer Eiszeit entstanden,
mit einer Eiszeit im Zusammenhang stehend...

Gruß

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry