Ein archäologischer Beitrag zu Mahlsteinen

Begonnen von thovalo, Heute um 14:17:23

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thovalo



Moin!

Heute entdeckte ich diese Dokumentation zum Gebrauch von Mahlsteinen des Landesmuseums Halle. Die Folge beginnt, ohne rationale Erklärung weshalb, in interessant gesprochenen Englisch :nixweiss: , wird nach der Einführung aber in Hochdeutsch weitergeführt.

Ich habe dazu noch Anmerkungen:

1. Es handelt sich der Dokumentation nach, um (früh)bronzezeitliche Mahlsteine. Dennoch gibt es gegenüber dem Gebrauch, der Herstellung und Nachbearbeitung formal keine Unterschiede zum Gebrauch solcher Mahlsteine IM und SEIT dem älteren Neolithikum.

2. Es wird hervorgehoben, dass die Mahlseine überdurchschnittlich großformatig seien. Das finde ich angesichts eigener Fundbeobachtungen in neolithischen Fundbereichen nur bedingt nachvollziehbar. Auch die Unterlieger und Läufersteine im Neolithikum waren in meinem Arbeitsgebiet teils sehr großformatig und hochgewichtig. Es war immer eine Frage der Verfügbarkeit von Gesteingrößen. Im Geschiebetraumland des Deutschen Osten und Norden, konnte man sich die besten Brocken meist in direkter Nähe der Siedlungen aussuchen. Von daher finde ich die Behauptung relativ offen.

3. Hier wird dankenswerterweise auch auf die Funktion der Schlagsteine eingegangen, die zur Aufrauung der Mahlsteine verwendet wurden. DAs war mein eigentlicher Impuls, dass hier einmal einzustellen.


https://www.youtube.com/watch?v=l5tkdzOkpFM



lG Thomas  :winke:
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

thovalo



Hier einmal drei Bilder des Läufersteins einer neolithischen Schiebemahlmühle eines meiner Projekte in NRW. Sehr zart und "ladylike" ist dieses Format auch nicht.
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Danske

Eine sehr interessante Dokumentation aus Halle, Thomas, danke für's Zeigen.

Die junge Dame wird der deutschen Sprache nicht mächtig sein und beide Protagonisten sind daher gezwungen, "interessantes" Englisch zu sprechen.

zu 1.)
Diese Schiebemühlen dürften bereits seit Beginn des Neolithikums bis in die heutige Zeit in Gebrauch sein. Form und Gebrauchsweise haben sich bewährt, warum sollte sich daran in dem langen Zeitraum etwas ändern.

zu 2.)
Die Unterlieger sowie die Läufer aus den bronzezeitlichen Grabanlagen waren schon riesig, hätte ich nicht gedacht. Sehr selten werden bei Geländebegehungen ganze Unterlieger gefunden, meist sind es nur Bruchstücke und noch öfter werden Läuferfragmente gefunden. Mein bisher größter Fund war ein Unterliegerfragment und etwa so groß wie das von dir gezeigte.
Vielleicht gab es in der Bronzezeit mit zunehmender handwerklicher Spezialisierung bereits größere Mühlenbetriebe, die sich in der Hand etwa von Fürsten oder Stammesoberhäuptern befanden und in die umliegende Bauern einen Teil ihrer Ernte abliefern mussten. Zur Herstellung des eigenen Bedarfs an Mehl dienten die kleineren häuslichen Schiebemühlen.

zu 3.)
Interessant ist, dass zur Aufrauhung der Oberflächen Klopfer auch aus Felsgestein verwendet wurden. Das deckt sich mit dem bisherigen Fundaufkommen von Mahlsteinfragmenten und Klopfern des von mir begangenen LBK-Platzes. Auf etliche Mahlsteinfragmente kommen nur 3 Klopfer aus Flint, aber 40 Klopfer aus Felsgestein.

LG
Holger :winke:   
Ignoramus, ignorabimus.

stratocaster

Mal ein Wort zur Aussprache der englischen Sprache:

Die junge Dame am Anfang des Films kommt ja wohl von der Universität Barcelona
und dürfte katalonisch oder spanisch als Muttersprache haben. Insofern ist ihre
englische Aussprache sehr von ihrer Muttersprache gefärbt.

Ich hatte 1984-1985 die Gelegenheit, 6 Monate in Kenia zu arbeiten.
Dort ist neben Kisuaheli und verschiedenen Stammesdialekten englisch die
übliche Art, sich im Berufsleben zu verständigen.
Leider verstehen die Kenianer unsere deutsche Art, englisch zu sprechen, überhaupt nicht.
Da muss man sich schon schwer umstellen.
Die Kenianer haben übrigens einen viel besseren Wortschatz als wir Deutsche.

In den 90er Jahren war ich 4 mal beruflich in Indien.
So schwer es für uns Deutsche ist, indisches englisch zu verstehen, so schwer ist es
für einen Inder, unser deutsch gefärbtes englisch zu verstehen, nämlich kaum.

Fazit: Seid doch bitte milder mit Euren Mitmenschen.
Alles nicht so einfach  :dumdidum:
Das Sucherforum dankt all denen,
die zum Thema nichts beitragen konnten
und dennoch geschwiegen haben !