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Tja Thomas, solche Einschätzungen kommen immer wieder vor. Mein Lieblingsbeispiel ist die Bestimmung mehrerer preußischen Schuppenkettenglieder vom Helm (mind. 4 von 6 abgebildeten), als spätrömische Schuppenpanzerlamellen...in einem Ausstellungskatalog des rheinischen Landesmuseums in Trier.

Den Archäologen war einfach nicht bekannt oder bewusst , dass der Fundort Jahrzehnte lang Exerzierplatz der preußischen Armee in Trier war...hätte man mal drauf kommen können, wenn man sich mit der Stadtgeschichte näher befasst hätte....aber da war der Wunsch Vater des Gedankens und der Archäologe etwas betriebsblind.
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Steinartefakte / Re: Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von Egon am 10. August 2022, 22:54:32 »
Hallo Herlitz, leider bin ich nicht der Erfinder des kreuzförmigen Pfeilschaftglätters, der ist schon ein paar Jahre im Steinzeithimmel und bekommt da jeden Tag Wildschwein satt.

Eigentlich erschließt sich mir gar nicht, warum man überhaupt einen kreuzförmigen Pfeilschaftglätter herstellen sollte, welches Plus an Handhabung oder Funktion dadurch entsteht, aber offenbar ist dies in der Vergangenheit passiert, es muss also Gründe dafür gegeben haben, oder jedenfalls keine Gründe, die dagegen sprachen. Leider finde ich nicht mehr die Quelle für das Foto des kreuzförmigen Pfeilschaftglätters, siehe oben. Vielleicht hat jemand anderes mehr Glück.

Das der Pfeilkanal meines Steins unregelmäßig verwittert ist, ist ganz natürlich. Das Gegenteil wäre seltsam und unüberzeugend, so wie all die fabrikneu aussehenden Artefakte auf Ebay. Hier ein wirklich verwitterter Pfeilschaftglätter, kaum als solcher zu erkennen, weswegen Grabungsleiter Wolfgang Heuschen auch so traurig aus der Wäsche guckt:
https://img.wp.de/img/archiv-daten/crop11106263/3597651249-w1200-cv16_9-q85/83208082-239.jpg

Der Pfeilkanal meines Pfeilschaftglätters weist an einem der Enden übrigens genau die Deltabildung aus (Sanduhrform), die man auch von einigen anderen Pfeilschaftglättern kennt. Siehe dazu z. B. die Veröffentlichung von Florian Sauer 2017, „Ein spätpaläolithischer Pfeilschaftglätter von der Freilandfundstelle Oberweiherhaus“, PDF:
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/74687/68368

Die Längs- und Quernaht auf der Oberseite meines Steins sind (sichtbar und fühlbar) erhaben, es handelt sich also um festeres Gestein als das umgebende Gestein. Während die beiden Längs- und Quereinritzungen auf der Rückseite das genaue Gegenteil sind, nämlich Einritzungen. Wird das auf den Fotos nicht deutlich? Diese Einritzungen sind fast wie eine Signatur des Bearbeiters, wirklich sehr schön.

Bei Google findet man unter der Bildersuche unter "Pfeilschaftglätter" nicht allzu viele Beispiele, per Suchwort "arrow shaft straightener" sieht das schon ganz anders aus und da finden wir dann alle möglichen Pfeilschaftglätter in allen möglichen Materialien. Seltsamerweise scheint sich daher der Steinzeitmensch nicht an Materialvorgaben des 21. Jahrhunderts gehalten zu haben. Ob hier vielleicht ein Fall von schändlichem Steinzeit-Querdenkertum vorliegt? Nancy Faeser, übernehmen Sie!
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Steinartefakte / Re: Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von palaeo1 am 10. August 2022, 18:17:55 »
Ich gehe mit den Ansichten von Thomas und Sven konform !
LG Klaus
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Steinartefakte / Re: Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von Herlitz am 10. August 2022, 18:04:01 »
Ich denke, ich muss mich der Meinung von Thomas anschließen. Das Bild zeigt nicht den zu erwartenden Schliff. Die "Riefe" scheint unregelmäßig und ist auch zu glatt.
Die Markierungslinien sind einfach die anders verwitterten Gänge im Gestein. Deshalb auch auf der anderen Seite.
Aber du hast den Stein in der Hand, wir können nur die Bilder deuten.
Überzeug uns vom kreuzförmigen Pfeilschaftglätter! Wär ja ein Ding.  :smoke:
 :winke: Sven
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Beschläge / Re: Beschlag?
« Letzter Beitrag von Robert am 10. August 2022, 17:27:22 »
es kann auch ein Schwertgriff sein

 :winke:
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Steinartefakte / Re: Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von Egon am 10. August 2022, 15:59:04 »
Grüß Gott,

ich habe mir nochmal mein Bildarchiv angesehen und weiß nun vermutlich, warum der Bearbeiter nicht nur die Längsnaht, sondern auch die Quernaht auf der anderen Seite des Pfeilschaftglätters quasi eingezeichnet, also eingeritzt hat. Denn es sind auch Pfeilschaftglätter mit  kreuzförmigen Glättkanälen gefunden worden, das hatte ich vergessen. Zunächst hier ein Foto eines solchen kreuzförmigen Pfeilschaftglätters, ich weiß aber nicht mehr, wann und wo ich das aus irgendeinem Internet-Artikel oder Forum herauskopiert habe.

Dann nochmal ein Foto einer etwas tieferen Ansicht des Glättkanals meines Pfeilschaftglätters. Ist nicht so einfach, den Glättkanal halbwegs überzeugend zu fotografieren. Obwohl ich aus einiger Entfernung mit Zoom und kleinster Blende gearbeitet habe, läuft das Ding trotzdem aus der Tiefenschärfe.


Bekanntlich wurden doppelte Pfeilschaftglätter gelegentlich als Grabbeigaben gefunden, so dass man davon ausgeht, dass die immer doppelt verwendet wurden. Das mag sein, um die Schäfte zu glätten. Zwingend erscheint mir die doppelte Anwendung aber nicht, warum soll die Pfeilglättung nicht auch per einzelnen Pfeillschaftglätter erfolgt sein? Überdies braucht man zwingend einen einzelnen Pfeilschaftglätter, um den Pfeil nach der Glättung halbwegs gerade zu bekommen, denn kerzengerade wachsen die ja nicht an den Bäumen. Dafür muss der Pfeil entsprechend seiner Krümmungen gegengedrückt werden, und das geht nur mit einem einzelnen Pfeilschaftglätter. Dick Baugh hat darüber mal experimentelle Versuche angestellt, hier der Link, der Artikel ist allerdings leider auf Englisch, die Versuche erschließen sich aber auch durch die Fotos:
https://primitiveways.com/arrow_straightening.html
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Steinartefakte / Re: Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von thovalo am 10. August 2022, 13:40:41 »



Guten Tag!


Pfeilschaftglätter bestehen aus einem spezifischen rötlich körnigen quarzitisch gebundenen Sandstein. Das hier ist ein Geröll mit einer natürlich entstandenen langschmalen Einbuchtung. Das ist leider kein Pfeilschaftglätter und tatsächlich auch kein Artefakt.


liebe Grüße
Thomas  :winke:
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Beschläge / Re: Beschlag?
« Letzter Beitrag von Signalturm am 10. August 2022, 12:49:58 »
Hast Recht. Sollte generell für Schneidewerkzeug odrr Wsffe stehen. Nicht nur Messer. Auch eine Art von Bajonett oder so. Ich sehe die Klinge quer in der Vertiefung stehen....
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Steinartefakte / Re: Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von Herlitz am 10. August 2022, 11:08:19 »
Hallo Egon!
Willkommmen hier im Forum!
Da stellst du uns ja einen bemerkenswerten Fund vor:  :super:
Nicht nur, dass Pfeilschaftglätter recht seltene Fundbelege sind, weist dieser noch diese Ritzungen auf. Deiner Deutung kann ich wohl folgen, wissen werden wir aber wohl nie, was der Jäger sich dabei gedacht hat. Man könnte ja auch vermuten, dass der Stein gepalten werden sollte. Das macht aber für mich gar keinen Sinn.
Ich freue mich auf Bilder weiterer Funde und deine Beteiligung hier im Forum.
Ich hoffe, du hast einen Plan, Egon  :zwinker: .
 :winke: Sven
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Steinartefakte / Pfeilschaftglätter mit kleinem Clou
« Letzter Beitrag von Egon am 10. August 2022, 10:36:19 »
Hallo Freunde der Silikate und Karbonate,

möchte hier einen Pfeilschaftglätter zeigen von geradezu klassischer Form. Fundstelle ist (wie immer bei mir) ein Bach im Rechtsrheinischen, einige Kilometer östlich von Düsseldorf.  Material ist eine Art fester Tonschiefer, wie er hier häufig vorkommt und folglich häufig für Werkzeuge verwendet wurde, da es Flint hier nicht gibt.

Der Stein hat einen kleinen Clou. Denn wie ihr auf der Vorderansicht seht, hat der Stein dort zwei Nähte, eine quer, eine längs. Die Längsnaht geht mitten über den ganzen Pfeilkanal. Es ist daher anzunehmen, dass der steinzeitliche Kollege diese Längsnaht als Orientierung für die Anlage seines Pfeilkanals verwendet hat. Das erklärt auch, warum der Pfeilkanal nicht zentrisch angelegt wurde, sondern leicht nach links versetzt wurde, eben um der Längsnaht zu folgen. Der Stein wurde damals also wegen der Längsnaht ausgewählt.

Es gibt eine weitere interessante Einzelheit, denn wie ihr auf den Ansichten der Rückseite erkennen könnt, hat der Kollege die Längsnaht der Vorderseite auf der Rückseite per Einritzung gespiegelt. Weil er offenbar auch auf der Rückseite einen Pfeilkanal anlegen wollte, was dann aber nicht erfolgte. Seltsamerweise hat der Kollege aber nicht nur die Längsnaht per Einritzung gespiegelt, sondern auch die Quernaht. Mit welchem Ziel, bleibt offen.
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