Autor Thema: Porphyr?  (Gelesen 12037 mal)

Gröschaz

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Porphyr?
« am: 01. Mai 2002, 19:29:22 »
Hallo Fachleute,

ein Heimatforscher berichtete, er habe eine seit langem gesuchte Kirche im Wald entdeckt.
Er fand dort ortsfremdes Gestein, das er fürs Porphyr hält.
Da ich weiß, daß Altäre früher gerne aus diesem Stein gebaut wurden, fuhr ich hin und nahm einen dieser Steine mit.

Es handelt sich bei den lose herumliegenden Steinen um unbearbeitete, "gewachsene" Platten mit runden Kanten.
Deshalb habe ich Zweifel, ob dort überhaupt die Kirche stand.

Vielleicht kann hier das Gestein bestimmt werden?:idee:

Gruß Gröschaz

Offline Ruebezahl

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« Antwort #1 am: 01. Mai 2002, 20:00:59 »
Hi Gröschaz,
das auf dem Foto ist ganz bestimmt kein Porphyr ! Könnte "Roggenstein" oder ein anderes sedimentär entstandenes Gestein sein. Porphyr ist ein vulkanisches Ergußgestein ein hat eine sehr feinkörnige, homogene Struktur. Wenn du noch wissen möchtest wie Porphyr ausschaut, müsste ich noch mal in den Büchern schauen, ob ich ein Bild finde ! :cool1:
Grüße aus Ostfalen
Ruebezahl

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Napoleon Buonaparte

Offline Tomcat

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porphyr
« Antwort #2 am: 01. Mai 2002, 20:11:52 »
Hi Finder ,
Wenn ihr mal nach rom in den petersdom kommt , dann schaut mal vor der hauptpforte auf den boden : dort ist eine riesengroße porphyrplatte eingelassen !

mfg
Tct
Life burns!

Jotonius

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« Antwort #3 am: 01. Mai 2002, 21:02:04 »
Hi Gröschi,

Porphyr ist es 100% nicht, habe davon im Aquarium, aber leider grad kein Pic zur Hand.

Jedenfalls ist es rostbraun und hat null Ähnlichkeit mit obigem Stein. Ich kann Dir mal ein Exemplar mitbringen. :idee:

Völkli

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« Antwort #4 am: 01. Mai 2002, 21:10:55 »
Hey Gröllschatz,
....ups, Tag der Arbeit, scheinbar doch ein Bier zuviel in mich reingearbeitet.:-D:-D:-D:prost:

Ich mein natürlich: Hey Gröschaz,
bei dem von dir gezeigten Gestein handelt es sich garantiert nicht um Porphyr. Hier mal zwei Links um dir Porphyr zu zeigen.

http://www.sparber.it/html/d_porphyr.htm
http://www.porphyr-rochlitz.de/home1.htm
Aber zur Verteidigung deines Informanten, auch mir gegenüber wurde schon öfters, von angeblichen Fachleuten, ins rötliche gehende Gestein, einfach mal als Porphyr bezeichnet.
Gruß und Gut  Schluck,... äähhh... meine Gut Fund
Volker[/b]

:super::prost::super::wink3:

[Bearbeitet am 1-5-2002 von Völkli]

Offline Spuernase

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« Antwort #5 am: 01. Mai 2002, 22:12:04 »
Hai!
Erster Test, sofort mal ne Salzsäure drüber kippen. Wenns sprudelt, bestimmt kein vulkanischer Porphyr sondern irgendein Kalkgestein.
Sieht mir eher nach nem Onkolith oder Oolith aus.
Diese beinhalten lauter kleine Körnchen (Onkoide oder Ooide genannt, je nach Aufbau), die ein schaliges Aussehen haben, wie ne Zwiebel.
Sind da eventuell auch Querschnitte von zB. Schnecken zu finden?? (sieht oben rechts so aus, wie ne 6)!
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Gröschaz

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« Antwort #6 am: 01. Mai 2002, 22:12:35 »
Ich war mir gleich nicht sicher...

Übrigens hatte ein mir bekannter Wünschelrutengänger mit seinem Pendel die Herkunft der Steine "bestimmt": Bensheim.

Ist nur die Frage, weshalb an dieser Stelle (auf 10 x10 Metern) vulkanisches Gestein auftritt!

Hat es doch etwas mit dem keltischen Heiligtum zu tun, zu dessen Entweihung die Kirche überhaupt gebaut wurde??

Bin ich also trotz dieses "Fehlschlags" auf der richtigen Spur?

Auf jeden Fall: vielen Dank für Eure Mühe!:super:

Gruß Gröschaz

Jotonius

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« Antwort #7 am: 01. Mai 2002, 22:15:41 »
Hi Gröschi,

sag nur, der Druide oder wie er sich nennt, hat wieder "zugeschlagen"? :lol:

Gröschaz

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« Antwort #8 am: 01. Mai 2002, 22:55:35 »
:lol::lol::lol::lol::lol::lol::lol::lol::lol::lol::lol::lol:

Ganz klar: der Druide hat seine Finger im Spiel!!!!

Er hat auch schon "Mutungen" auf 2 original bronzezeitliche Horte!!!

-Werde ihn mal drauf ansprechen...:jump1:

Gruß Gröschaz

Digger

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« Antwort #9 am: 02. Mai 2002, 01:38:28 »

Hey Gröschaz,

ich lebe in der "nähe" von Bensheim und
muß Dir mitteilen das es sich durchaus um
ein Hartgestein handeln könnte.
In der ganzen Gegend gibt es massig
Steinbrüche die fast alles abbauen was
mit hartgestein zu tun hat,sogar bis 74
wurde Mamor abgebaut.
Porphyr wird in verschiedenster Art und
Aussehen entlang der ganzen Bergstrasse gewonnen !!!
Schlage einmal ein Stück ab und Poste den frischen Abschlag,dann bin ich eher
in der Lage etwas zu dem "teil" zu sagen.
Achte auf die Farbechtheit.

mfg Digger:besserwiss:

Offline McSchuerf

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« Antwort #10 am: 25. Juni 2002, 00:27:32 »
Es könnte tatsächlich ein Oolith ('Eistein') sein, dann müsste aber die Korngrösse, glaube ich, annähernd gleich gross sein...

...also konglomeratisch ist das Gestein auf jeden Fall mal..genauere Angaben zur Struktur und Textur des Gesteins sowie zu seiner Zusammensetzung, kann ich Euch  noch im Laufe der Woche sagen, wenn ich meine 'Gesteinskartei' durchgeschaut habe..
Porphyr wird auch mehr als Oberbegriff für eine ganz bestimmte Gesteinsgruppe bezeichnet; hier liegt natürlich kein Porphyr vor..

..also noch etwas Geduld..der McSchuerf wird's richten...::winke:

[Bearbeitet am 24-6-2002 von McSchuerf]

Gröschaz

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« Antwort #11 am: 25. Juni 2002, 00:36:46 »
Hallo McSchürf,

ich will kein Teil abschlagen, da die Platte "gewachsen" ist und an dieser Stelle genauso vorkommt.

Über eine genauere Bestimmung würde ich mich freuen.

Gruß Gröschaz

Offline McSchuerf

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« Antwort #12 am: 25. Juni 2002, 01:04:27 »
Hallo Gröschatz,

ich werde demnächst gerne mein Bestes versuchen - als 'Mineral-und Gesteins-Foto-Identifizierer' ..:lol:

Offline Spuernase

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« Antwort #13 am: 25. Juni 2002, 09:10:36 »
Hats du denn jetzt endlich mal ne Säure (H2O2, HCl, starken Essig etc.) drübergekippt, sprudelt es (zumindest leicht?)

Grüßlis Nasi
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Offline McSchuerf

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« Antwort #14 am: 25. Juni 2002, 18:18:59 »
Hallo, da bin ich wieder...

Nachdem ich nun alle Gesteins-Abbildungen meiner 'Kartei' durchgegangen bin, wurde ich fündig:

Es handelt sich hier doch - aller Wahrscheinlichkeit nach - um einen porphyrischen Andesit oder um einen porphyrischen Trachyt mit Feldspat-Einsprenglingen (hell)!
Diese Kristalle, die bereits im Ausgangsmaterial Magma vorhanden waren, sind während des Lavaflusses bei Vulkanausbrüchen eingeregelt worden und weisen daher in dieselbe Richtung (was den Andesit betrifft..)..beim porphrischen Trachyt weisen die Einsprenglinge nicht alle in dieselbe Richtung..

Zum Begriff Porphyr:
Heute werden unter Porphyr(it) allgemein magmatische Gesteine (vor allem Vulkanite - also Ergussgesteine) zusammengefasst, deren Textur porphyrisch ist, d.h. sie weist grössere Einsprenglinge in einer feinen Grundmasse auf.

Das entspricht genau dem abgebildeten Foto und ist auch mit meinen Fotos unter Porphyr identisch..:jumpg:

Man kann auch sagen: Unter Porphyr versteht man magmatische Gesteine, die dann entstehen, wenn Magma oder Lava sich in zwei oder mehreren Phasen abkühlt. Bei der ersten, langsamen Phase kommt es zur Bildung von grossen Kristallen; bei der zweiten, schnelleren entstehen die Partikel der Grundmasse.

Porphyr ist weltweit verbreitet. Qualiotativ hochwertige Komplexe finden sich unter anderem in Finnland und im Lake District (England)...

Ein Salzsäuretest dürfte also auch ergeben, dass kein Aufschäumen erfolgt, da kein Calciumcarbonat (Calcit) vorliegt, sondern helle Feldspateinsprenglinge.

Ich hoffe, ich konnte damit etwas Licht ins Dunkel bringen...?

Gruss Peter :wink3:

[Bearbeitet am 25-6-2002 von McSchuerf]

Offline Spuernase

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« Antwort #15 am: 25. Juni 2002, 19:12:31 »
Ich bestehe auf den Salzsäure-Test! :-)

Wie erklärst du sonst die Schalen-Strukturen und die kleinen Blasen (die in nem Porphyr nich vorkommen sollten!), vielleicht weggebrochene Idioblasten?
Retrograde Umwandlung der "Feldspäte" oder Zonarbau??? Umwandlung in was?

In Lava sollte auch nur noch minimale Kristallbildung vor sich gehen, vielleicht noch in Decken- oder Flutlaven (die es in der BRD aber so nicht gibt, nur Afrika zB.)

Bildung hier also höchstens innerhalb einer Magmenkammer (wenn Porphyr...)....

Gegen Feldspäte spricht, dass keinerlei Kristallkanten oder Bruchflächen zu erkennen sind, alle" Kristalle" rundlich "angelutscht " sind. Im Kern oft zerbrochen? Keinerlei Einregelung zu erkennen ist, die auf ein Fließen hindeuten würden, was aber bei der Masse an Kristallen mit dem wenigen Matrixmaterial irgendwo zu erkennen sein sollte (vielleicht Schlotbereich??)

Grüßlis Nasi :engel:

[Bearbeitet am 25-6-2002 von Spuernase]
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Offline Spuernase

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« Antwort #16 am: 25. Juni 2002, 19:33:44 »
PS. Wenns nicht sprudelt könnte es immerhin noch ein Konglomerat sein, wofür die abgerollten "Kristalle" sprechen würden (oder ein Porphyr! :-) )
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Offline McSchuerf

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« Antwort #17 am: 25. Juni 2002, 21:48:36 »
Also auf meinem Bildschirm ist das Bild auch nicht gerade optimal zu erkennen (obwohl Flachbildschirme schon prima sind..)

...an ein Konglomerat dachte ich ja schon in meinem ersten Beitrag (siehe...'konglomeratisch') ..jedenfalls ist es auf keinen Fall ein Kalkoolith bzw. ein Oolith, selbst wenn jetzt alles, wider Erwarten unter HCL aufschäumen sollte...
die sehen einfach anders aus..alle anderen Gesteine, die auf meinen Fotos abgebildet sind, treffen auch nicht zu..

Einregelung, wie gesagt nicht beim porphyrischen Trachyt...ein Quarzporphyr wäre evtl,. auch möglich..das würde dann evtl. den von Dir vermuteten Widerspruch zum Aussehen des Feldspates erklären..?

Ein magmatisches Gestein ist es auf jeden Fall, denke ich..Sind wir uns dahingehend schon mal einig?
dann ist aber noch die nächste Frage zu klären: Ein Plutonit (Tiefengestein) oder ein Vulkanit (Ergussgestein)..was ist dazu Deine Antwort erst mal? :-)

:hacker:

[Bearbeitet am 25-6-2002 von McSchuerf]

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Gröschaz

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« Antwort #18 am: 26. Juni 2002, 00:05:54 »
Falls es Euch beiden Fachleuten weiterhilft: Hier die geologische Übersichtskarte dieses Gebiets.

Das Gestein wurde ungefähr auf Höhe 440 gefunden.
Ein Bauer berichtete aber, daß auf seinem Acker dieselben Steinplatten ausgepflügt werden. Dieser Acker befindet sich ca. auf Höhe 240.

Gruß Gröschaz

Jotonius

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« Antwort #19 am: 26. Juni 2002, 01:19:41 »
Hi Gröschi,

den Scan oben kann man kaum lesen, bitte stelle ein schärferes Bild ein.

Hier mal ein Bild von einem rotbraunen Porphyr-Stein (es gibt auch andere Farbvarianten).

Hier ist der Stein trocken:

Jotonius

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« Antwort #20 am: 26. Juni 2002, 01:23:02 »
Hier derselbe Stein naßgemacht, damit die Farben besser rauskommen. Die hellen Punkte sind Reflektionen vom Blitz. Die Aufnahmen sind nicht besonders gut, meine einfache DigiCam hat geringe Auflösung und keinen Makro. Mit Tele bekam ich das Bild groß genug unter Verlusten von Bildschärfe.

Bässer geîds nidd! :wink3:

Ich zeige Dir den Stein mal, wenn wir uns das nexte mal sehn. :idee:

Offline Spuernase

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« Antwort #21 am: 26. Juni 2002, 12:18:09 »
@ Jo :-) Nettes Stück, mit Fließgefüge? , oder ists ein geschichteter Sandstein!  :-D

@ Mc Schürf :-)
Es kommt ja halt alles in Frage, deswegen der Säure-Test, dann kann man nämlich einen Bioklastit ausschließen. Das da in den roten Kreisen sieht verdammt nach Bio-Schneckchen aus! :-)
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Jotonius

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« Antwort #22 am: 26. Juni 2002, 13:14:56 »
Hi Nase,

mit Steinen kenne ich mich nicht aus. Aber Bruno sagte mir, es ist Porphyr (von dem habe ich das). Er hat für Gala-Bau-Zwecke so Zeux vorrätig und hat es als Porphyr gekauft.

Offline McSchuerf

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« Antwort #23 am: 26. Juni 2002, 16:20:48 »
Hi, Jotonius,

dann läge ich ja doch nicht ganz falsch...:koenig::winke::wink3:

..aber auf der anderen Seite hat die Spuernase tatsächlich, wie's aussieht, drei Muscheln im Gestein ausfindig gemacht (rote Kreise) und dann sind wir  doch wieder am Anfang bzw. bei der Hypothese: Sedimentgestein und der grossen Wahrscheinlichkeit, dass es unter HCL aufschäumt..:wink3:

[Bearbeitet am 26-6-2002 von McSchuerf]

Gröschaz

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« Antwort #24 am: 26. Juni 2002, 22:39:35 »
So. Hier nochmal die geologische Karte.

Das Ergebnis der Säureprüfung morgen.

Gruß Gröschaz:hallo: