Autor Thema: WHW  (Gelesen 2465 mal)

Offline archfraser

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WHW
« am: 24. Februar 2019, 18:15:55 »
Hi

Hier ein weiteres WHW-Abzeichen:
Leuchte scheine goldne Sonne WHW über dieses freie Land 1940/41
Welch makabrer Text!

archfraser
„Es mag sein, dass wir durch das Wissen anderer gelehrter werden. Weiser werden wir nur durch uns selbst.“

Michel de Montaigne

Offline Gratian

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Re:WHW
« Antwort #1 am: 24. Februar 2019, 23:58:32 »
Das 1926 entstandene Lied deutsche Hymne genannt. Text Heinrich Lersch, Musik Robert Götz.
Sicherlich kein nationalsozialistisches Gedankengut das in dem Volkslied der damals populären Wandervogelbewegung, erschienen im Liederbuch der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken, zum Ausdruck kommt. Liest man den gesamten Text eher das Gegenteil!

Die in der deutschen Bevölkerung sehr verbreiteten ersten zwei Zeilen wurden im Dritten Reich durch das WHW aufgegriffen und instrumentalisiert und insofern klingt die erste Zeile auf dem Anstecker aus heutiger Sicht wirklich makaber.

Leuchte, scheine, goldne Sonne
Über dieses freie Land
Felder, Wälder, Städte hülle
In dein schönes Lichtgewand
Laß die weiten Äcker reifen
Und die kleinen Gärten blühn
Leuchte hell in die Fabriken
Wo die Feuer sprühend glühn
Leuchte, goldne Sonne, scheine
Gib zum Werke mir die Kraft
Bruder, deine Hand, hier meine
Menschenbrüder, uns vereine
Eine heil´ge Leidenschaft

Tu dich auf, du Tor der Halle
Sonne breche hell hinein
Wollt ihr, funkelnde Maschinen
Freien Volkes Helfer sein?
Euer Rattern, euer Dröhnen
Klingt wie freudig Jageschrei
Mehr als Gold macht unsre Arbeit
Uns vom Fluch des Krieges frei
Rattert, sauset, ihr Maschinen
Freien Volkes Knechte ihr
Preßt die Platten, walzt die Schienen
Helft uns wirken, helft uns dienen
Brot und Freiheit schaffen wir

Tausend laute Räder brausen
Städte tönen, stromentlang
Ziehn die schwerbeladnen Schiffe
Braust der Eisenbahn Gesang
In Millionen Menschenherzen
Zieht der Glaube freudig ein
Was des Volkes Hände schaffen
Soll des Volkes Eigen sein
Brot und Freiheit unser Eigen
Menschenwürde unser Recht
Kraft soll sich der Schwachheit neigen
Brüderlich einander zeigen
Keiner Herr und keiner Knecht

Leuchte, scheine, goldne Sonne
Über diese ganze Welt
Bis sich einst in allen Zonen
Mensch um Mensch an Händen hält
Bis sich schwarze, braune, weiße
Menschen brüderlich umfahn
Und die keinem andern Geiste
Als der Liebe untertan

Drum mein Hammer, schwing und schalle
Läute Frieden, Hammerschlag
Ruf mit deinem Freudenhalle
Reiche, Arme, alle, alle
In den goldnen Arbeitstag


Insbesondere die letzte Strophe eigentlich nicht gerade das was die Nationalsozialisten predigten.

Heinrich Lersch gilt gemeinhin als Arbeiterdichter. Also jemand der sich kritisch mit den Bedingungen seiner Klasse auseinandersetzt. Lerch dichtete allerdings auch kriegsverherrlichende Lieder sein größter "Hit" schon  1914 „Deutschland soll leben selbst wenn wir sterben müssen„ die Zeile prangte an vielen Kriegerdenkmälern der damaligen Zeit.

Er arbeitete nach dem ersten Weltkrieg, in dem er schwer verwundet wurde, weiter als Schriftsteller, geprägt gleichermaßen von sozialistischen wie katholischen Einflüssen.

Dennoch gehörte Lersch zu den nationalen Dichtern die im dritten Reich geehrt wurden. Zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur wurde er im März 1933 in die Preußische Akademie der Künste berufen. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten. Er starb 1936 im Alter von 46 Jahren an Lungenentzündung..
 
Eine Biographie die wieder mal zeigt das es nicht immer schwarz und weiß gibt meistens ist die Farbe grau....

« Letzte Änderung: 25. Februar 2019, 00:11:16 von Gratian »
Gut Fund!   :engel:
Gratian

ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS
PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR. AMEN.

Offline Signalturm

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Re:WHW
« Antwort #2 am: 25. Februar 2019, 06:39:37 »
DANKE für deinen Beitrag. Klasse.  :Danke2:
Finderglück ist Finderlohn genug.

Offline archfraser

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Re:WHW
« Antwort #3 am: 25. Februar 2019, 07:19:31 »
Hallo Gratian

Vielen Dank für die Hintergrundinformationen!
 :super:

archfraser
„Es mag sein, dass wir durch das Wissen anderer gelehrter werden. Weiser werden wir nur durch uns selbst.“

Michel de Montaigne