Einordnung Ofenkeramik

Begonnen von Rheinpirat, 31. Juli 2025, 09:07:19

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Rheinpirat

Hallo zusammen,

ich habe gesten noch den vermeintlich jüngeren Bauschutt-Aushub, den ich in meinem "Grauware-Kugeltopf"-Thema angesprochen hatte, durchsucht und ein Stück Baukeramik gefunden, das ich aufgrund der Brandspuren als Bestandteil eines Ofens ansprechen würde. Es ist ziemlich grob gemagert und fällt durch die Reste einer möglicherweise floralen aufgesetzten Verzierung auf. Glasurrückstände sind nicht erkennbar.

Es wirkt insgesamt ziemlich grob und zweckmäßig, fast wie ein Backstein aus Lehm. Gegen etwas rein Zweckmäßiges sprechen jedoch die Zierelemente.

Furnologica habe ich durchsucht, konnte aber kein wirklich passendes Vergleichsstück finden.
Beim Versuch der zeitlichen Einstufung komme ich auf keinen grünen Zweig. Wüsste eventuell jemand Rat?

Vielen Dank schon vorab und viele Grüße!


Shard

Servus,

ein schönes Stück. Gefällt mir gut. Die Stücke die ich bisher gefunden habe wurden auf das 17. bis 19. Jahrhundert datiert, haben aber nur wenig gemeinsam mit deinem Stück. Bei meinen Stücken ist deutlicher zu erkennen, dass es Ofenkacheln sind.

Gruß Shard

thovalo


Moin!

Ein kleines Fragment, dass keine zweiflesfreien typologischen oder chronologischen Merkmale zeigt. Das Fragment eines Ofenkachel würde angesichts der dunklen Innenseite passen. Was fehlt sind Glasurreste über die man eine nähere Datierung einschätzen könnte oder zeittypische Motive in der Darstellung. Auch diese Kategorie erfüllt das Fragment nicht. Somit ist es zunächst nur allgemein als Fragment einer Ofenkachel einzuordnen. Mehr an Aussagemöglichkeiten sehe ich nicht. Wenn das nicht weit verlagerter Bauschuttist müssten noch mehr Fragmente auftauchen.


lG Thomas


 
Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

Rheinpirat

Danke Euch für die Rückmeldungen. Ich suche weiter, vielleicht findet sich noch das ein oder andere passende Stück.

Rheinpirat

Hallo zusammen,

anbei noch weitere, im direkten Umkreis gefundene Ofenbestandteile, die wahrscheinlich dazu gehörten.
Ein befreundeter Historiker würde den Ofen noch in die Spätgotik einordnen. Aus einer Aktennotiz im Archiv lässt sich nachverfolgen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit am Fundort zwischen 1440 und 1700 ein Wirtshaus stand. Das passt auch mit vergleichbarer Ofenkeramik aus Lutz (1973, "Ofenkacheln aus Heilbronn und Umgebung") gut überein.

Es könnten Wandungsfragmente von grob gemagerten Topf- oder Schüsselkacheln sein (linkes Bild). Insbesondere deshalb, da teils keine oder nur ganz geringe Wölbung zu erkennen ist. Das spricht generell gegen Koch- oder Vorratsgefäße. Die Fragmente sind zudem recht dickwandig.
Auf dem mittleren Bild unten erkennt man noch, dass die Kachel vermutlich auf ein grobes Textil gedrückt wurde. Entweder um sie bei der Herstellung leichter ablösen zu können oder zum besseren Halt am Ofen.
Auf dem Bild rechts ist noch der Bestandteil eines Zierfrieses zu sehen. Alles eher grob gemagert mit Ziegelbruch und kleinen Steinchen bis 5 mm. Es sind keine Anzeichen einer Glasur vorhanden.

Viele Grüße

Rheinpirat

Hier als Nachtrag noch ein weiteres Fragment einer Topfkachel. Müsste so um 1500 entstanden sein, gehört aber nicht zum obigen Fundkomplex. Dieses Stück war in einem neuzeitlichen Fundament als Füllmaterial eingebettet. Man erkennt noch einen Fingerabdruck (drittes Bild oben rechts), an der Stelle wurde wohl der "Knick" am oberen Rand ausgeführt. Diese Art Ofenkachel war am oberen Rand quadratisch.