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Restauration / Handwerk / Methodik => Fundreinigung und Restauration => Thema gestartet von: Ruebezahl in 30. September 2003, 19:21:39

Titel: verbogene Silbermünzen
Beitrag von: Ruebezahl in 30. September 2003, 19:21:39
Mal was zu diesem Thema. :hacker:
Bei den bisherigen Funden an verbogenen Silbermünzen war die Biegung immer deutlich unter 90 Grad. Diese Stücke habe ich zwischen zwei Hartholzstücken im Schraubstock gerichtet. Bisher hat das auch immer problemlos geklappt. :koenig:
Der Mariengroschen auf dem Bild war aber ein ganzes Stück über 90 Grad gebogen.
Deshalb war hier eine Vorbehandlung nötig.
Silber hat nämlich die Eigenschaft mit der Zeit Kristalle zu bilden, wenn es kalt verformt wurde, was ja beim Prägen passiert. Damit wird aus dem sonst so geschmeidigen Metall, ein sehr sprödes Material. Deshalb sind Biegeversuche ohne Vorbehandlung sehr riskant und können zum Zerbrechen der Münze führen.
Um diese Kristallbildung wieder rückgängig zum machen, muss man das Silber glühen.
Ich habe das mit dem Gasbrenner (für Heizungsbaus) auf einem Schamottestein gemacht.
Die Münze muss einmal rot aufglühen. Wenn den Raum nicht zu hell ist, kann man diesen Zeitpunkt auch recht gut erkennen. Aber Vorsicht, die Flamme kann die Münze zum schmelzen bringen ! :nono:
Danach habe ich die Münze mit zwei durch Stoff gepolsterten Zangen auf wenige als 90 Grad gebogen. Den Rest gab`s mit dem Schraubstock. Siehe oben.
Als Nebeneffekt sind durch das Glühen fast alle Beläge verschwunden. :-)

Titel:
Beitrag von: Jotonius in 30. September 2003, 20:34:12
WOW! :icon_eek:

Haste dieses Verfahren selber "ausgebrütet" oder haste darüber gelesen? Funzt ja super, wie man sehen kann. :super:

Wenn ich bei sowas nicht weiter wüßte, würde ich einen Goldschmied (Juwelier o.ä.) fragen, was man da machen kann.

Und für die Anfänger unter uns: neues immer an Schrottstücken aus demselben Material ausprobieren! Wenn man den Dreh raus hat, kann man das gute Teil restaurieren.

[Bearbeitet am 30-9-2003 von Jotonius]
Titel:
Beitrag von: Ruebezahl in 30. September 2003, 21:57:16
ZitatOrginal gepostet von Jotonius
WOW! :icon_eek:

Haste dieses Verfahren selber "ausgebrütet" oder haste darüber gelesen?

Mal was gelesen und dann einen befreundeten Fachmann "ausgequetscht".
Übrigens viele NE-Metalle neigen zu dieser Rekristallisation. Bei Silber ist sie aber besonders ausgeprägt.
Titel:
Beitrag von: c-4 in 05. Oktober 2003, 12:01:37
Bei Silberlegierungen  liegt  auch oft eine innere Korrosion vor, welche  zu starker Sprödigkeit  führen kann. Auch  bei diesen legierungen ist ein Erwärmen  bis kurz unter den Schmelzpunkt möglich, um diese Vorgänge  rückgängig zu machen.
Als Nebeneffekt  werden sulfidische und oxidische Beläge  auf dem Metall  von den Gasen in der reduzierenden/oxidierenden Flamme des Gasbrenners  entfernt.
Früher  wurden solche Arbeiten übrigens  im Holzkohlefeuer ausgeführt.