Modell zum Bodenradar einer Niederungsburg

Begonnen von Lojoer, 13. April 2015, 18:49:45

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Lojoer

Vor knapp 2 jahren haben wir ein Bodenradar über die Vorburg einer mittelalterlichen Niederungsburg (Motte) gelegt. Obwohl an der Oberfläche fast so gut wie nichts mehr zu erkennen ist, konnten wir noch reichlich Fundamentreste im Boden feststellen.
Anhand dieser Befunde habe ich mich an eine Rekonstruktion als Modell herangewagt. Hinsichtlich des aufstrebenden Mauerwerks habe ich mich an den Baustil des 13.-14. Jh. (der Endzeit der Motte) orientiert.
Hier nun ein paar Impressionen, wie sie ausgesehen haben könnte und natürlich eine der zahlreichen Tiefenscheiben des Bodenradars
Gruß Jörg

whitecrow68

Fantastisch,
ist dir wirklich gut gelungen, vielen Dank fürs zeigen.

LG,

Tom
Geologie ist die Lehre von Zeit und Druck.
Garrett ATX Minelab e-Trac

thovalo

Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.

mc.leahcim

Hallo Jörg

Was für ein herrliches Modell!!

Da möchte man sofort hereinlaufen und staunen. Auch die Fotos sind klasse!

Aus der zweiten Dimension wurde die dritte Dimension.  :super:

Danke fürs machen und zeigen.

Gruß

mc.leahcim
Gum biodh ràth le do thurus. = Möge deine Suche erfolgreich sein (Keltisch/Gälisch)
Die soziale Kälte hilft nicht die globale Erwärmung aufzuhalten!!

Sorgnix

BOAH!!!!



Da ziehe ich den Hut - und verneige mich!!  :friede:  :Danke2:


Das ist ja der Wahnsinn!

Saubere Arbeit.


Darf ich folgende Fragen stellen??

- welcher Maßstab??
Ist schwer zu erkennen. Sind das zwei Klebstofftuben auf Bild 1?
M 1:200??
Ziemlich diffiziele Sache ...


- gab´s das Material im Modellbau-Shop?
... oder bist Du Hardcore-Bastler, und fertigst alles selbst?
(Tiere und Personen nehme ich mal aus)


- Was schätzt Du für die reinen Materialkosten??
Wäre sicher interessant.


- die Arbeitszeit?
Wie lange hat das gedauert??
Das war wohl etwas mehr, als ein paar "lauschige Winterabende" ...  :dumdidum:
Soll ich mal tippen??
... 100 h reichen nicht.  :smoke:

Der wahre Wert resultiert mit Sicherheit nicht aus Materialkosten und Aufwand - der ist für so ein Modell unbezahlbar!!#


Glückwunsch!!


Und DANKE fürs zeigen!
Jörg

AndiObb

Eine wirklich hervorragende Arbeit, vielen Dank fürs Zeigen! :super: Stellst Du das auch aus?
Hoffnung beginnt dort wo die Wahrscheinlichkeit endet

StoneMan

Moin Jörg,

ganz großes Kino  :super: :super: :super:

Begeisterte Grüße

Jürgen
Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Lojoer

Hi Sorgnix
zu Deinen durchaus berechtigten Fragen
Zitat von: Sorgnix in 13. April 2015, 20:41:32


- welcher Maßstab??
Ist schwer zu erkennen. Sind das zwei Klebstofftuben auf Bild 1?
M 1:200??
Ziemlich diffiziele Sache ...

Der Maßstab ist 1 : 160, wegen Platzangebot und wegen der Figuren (Modelleisenbahn Spur N). Die Grundplatte 120 x 80 cm.

- gab´s das Material im Modellbau-Shop?
... oder bist Du Hardcore-Bastler, und fertigst alles selbst?
(Tiere und Personen nehme ich mal aus)

Im Modellbau-Shop wurde das Streugut (Figuren, Flocken, Fasern usw.) gekauft.
Alles andere wurde selbst hergestellt Bäume, Büsche; Gebäude wurden aus Ton gebrannt; Figuren auf mittelalterlich umgetrimmt; Brücken, Wehrgänge, Geländer usw. aus Holz; Wasser Kunstharz.



- Was schätzt Du für die reinen Materialkosten??
Wäre sicher interessant.

Materialkosten ca. 400 - 500.- €


- die Arbeitszeit?
Wie lange hat das gedauert??
Das war wohl etwas mehr, als ein paar "lauschige Winterabende" ...  :dumdidum:
Soll ich mal tippen??
... 100 h reichen nicht.  :smoke:

Da hast Du recht! 100 h reichen bei weitem nicht. Alleine 1,5 h zum umtrimmen jeder der 1 cm großen Figuren (insgesamt 30 Stück). Die Stunden darf man einfach nicht zählen, sonst fängt man gar nicht an.

Der wahre Wert resultiert mit Sicherheit nicht aus Materialkosten und Aufwand - der ist für so ein Modell unbezahlbar!!#


Glückwunsch!!


Und DANKE fürs zeigen!
Jörg


das Modell ist für das Heimatmuseum Alsbach-Hähnlein bestimmt und wird dort ab mitte dieses jahres zu sehen sein.


Gruß Jörg

Caddy

Hallo Jörg
das Du goldene Finger hast, war mir ja soweit bekannt.
Aber das setzt jetzt dem Ganzen noch einen drauf.
Absolut Spitze.  :super:

Gruss Caddy

Prospekteur

Hallo :staun:,

ich habe schon mehrere 3D-Rekonstruktionen "digital" erschaffen. Aber dein Modell macht wirklich was her. Sowas ist tausendmal schöner anzusehen und beeindruckt viel mehr wenn sowas vor einem steht, als ein einfacher Monitor in den man reinschaut :zwinker:. Wir haben auch mal für unseren Verein aus den Daten eines 3D-Modells einen 3D-Druck erstellen lassen.

Ich muss sagen dass Dein Modell viel mehr charme hat und das Leben auf einer Burg/Motte wirklich toll veranschaulicht. Wenn ich nicht schon soviele Hobbys hätte, würde ich das auch gerne mal versuchen.....aber ich habe leider nicht ausreichend Zeit und die nötige Erfahrung für so einen haufen Arbeit :zwinker:

Hut ab vor dieser wirklich gelungenen und tollen Arbeit!

master-jeffrey

 :winke:
Da alles von meinen Vorgängern schon gesagt wurde, von mir nur ein:

Woau - Fantastisch - Was man aus einem schummrigen 2D Bild und fundierten Kenntnisse, sowohl wissenschaftlichen, als auch handwerklichen, in Personalunion alles bewerkstelligen kann - oder besser, was du bewerkstelligen kannst, ist schon fantastisch.
Meine herzlichen Glückwünsche zu dieser Meisterleistung.  :super: :super:

mfg

Master-Jeffrey

reese

ein wunderbares Modell hast Du da gestaltet. Ich bin beeindruckt.
Gern hätte ich die Bilder noch etwas größer um besser die Details anzuschauen.
Wie hast Du das Wasser gemacht?

Danke fürs zeigen.

LG Reese

StoneMan

Moin,

meine Begeisterung hatte ich ja bereits ausgedrückt.
Dennoch möchte ich an einem Beispiel auf die Liebe zum Detail hinweisen  :super:

Diese Steinmauer ist sowas von super! Naturgetreu und vor allem fachgerecht ausgeführt.  :glotz:
Denn die senkrechten Fugen (weiß markiert) dürfen bei solch einer Mauer nie in einander übergehen, sondern
müssen versetzt angeorndnet sein, wie es hier vorbildlich zu sehen ist.

Die Wahl der unterschiedlich großen Steinquadern ist absolut gelungen.
Die regelmäßige gewollte Ungleichheit bringt eine schöne Natürlichkeit.

Gruß

Jürgen, der selber so eine Mauer im Garten gebaut hat.

Was könnte wichtiger sein als das Wissen? fragt der Verstand.
Das Gefühl und mit dem Herzen zu sehen, antwortet die Seele.
Antoine de Saint-Exupéry

Caddy

Jörg, Bild zwo,links, unter dem Fachwerk, stellt das ein Klo dar ?

Lojoer

Hallo Caddy,
schon möglich, da sind ja offenbar bräunliche Verfärbungen an der Wand  :zwinker:
Aber im Grunde genommen kann man ohne eine Grabung nicht wirklich sagen wo jetzt irgendwelche Klos installiert waren. Das liegt dann doch noch in der Freiheit des Modellbauers.
Was bei diesem Gebäute jedoch anhand der Fundamente eindeutig feststeht, ist dass es ein sehr massives Gebäute gewesen sein muss. Wegen der fehlenden Ringmauer in diesem Bereich war eine Stützmauer vorgestellt, die das morastische Erdreich stabilisierte und den Mauerdruck teilweise abgefangen hat. Des muss also steinernes Mauerwerk bis in deutlicher Höhe vorhanden gewesen sein, bevor der obere Teil in Fachwerk ausgeführt wurde. Die Befunde lassen sich so am besten erklären. Bogenförmiger Befund oben rechts im Bodenradar.
Gruß Jörg

Caddy

Sehr schön durchdacht das Projekt.
Das Bild mit Hintergrund macht die ganze Geschichte sogar irgendwie lebendig.

Sauber, Danke.  :super:

Lojoer

Hi,
wenn noch Fragen sind warum ich dies oder jenes so oder so gemacht habe. Tut Euch keinen Zwang an. Vieles ist zu begründen, ich will jedoch auch zugeben, einiges Phantasie.
Gruß Jörg
Hier noch ein Bild vom Aufbruch der Kreuzfahrer.

Caddy

Ich meine irgendwo mal gelesen zu haben, dass diese Fachwerkaufstockungen nicht ungewöhnlich waren.
Sehr oft wohl auf den steinernen Grundfesten zerstörter Burgen.
Dein Modell ist ja nun fiktiv entstanden (über Erdboden), aber Du hast Dich sicherlich an bekannten oder erhaltenen Gebäuden
orientiert.

Lojoer

#18
Hallo Caddy,
die bautechnische Entwicklung dieser Niederungsburgen ist in groben Zügen aus Grabungen bekannt.
Im 10. Jh. waren diese Burgen praktisch ausschließlich Holzbauten (Ausnahme die Königs- und Kaiserpfalzen). Einfache Schwellbalken im Boden verlegt bildeten das Fundament für die in Holzständerbauweise erstellten Fachwerkhäuser und Türme. Die Außenmauern waren Wälle und Palisaden.
So ca. im 11. Jh. änderte sich dahingehend, dass die Schwellbalken dann auf Steinfundamenten, die Gebäute aber immer noch Fachwerkbauten waren verlegt wurden.
Wahrscheinlich aufgrund der Entwicklung der Waffentechnik und des Technologietransfers durch die Kreuzzüge wurden im 12. - 13. Jh. die Gebäute und auch die Außenmauern aus Stein ausgeführte. Je bedeutender die Stellung des Adels desto eher konnte man dies sich leisten. Die oberen Stockwerke wurden bis ins Ende des Mittelalters weiterhin in Fachwerk errichtet. Natürlich gab es hier und da mal Ausnahmen, aber in der Regel kann man dies grob verallgemeinern.
Bei der von uns untersuchten Niederungsburg wussten wir, dass bei Grabungen Anfang des 19 Jh. Steinfundamente, Buckelquader gefunden wurden. Z.B. auch Fragmente von romanischen Doppelbogenfenstern. Leider sind die Befunde nach heutigem Ansprüchen misserabel dokumentiert.
Weiterhin ist bekannt, dass 12. Jh. zur Einweihung einer Burgkapelle Bischöfe aus Chur, Straßburg und weitere weltliche und geistische Würdenträger anwesend waren. Die hat man gewiss nicht in Hütten untergebracht.
Wir gingen eigentlich von Fachwerkbauten mit Steinfundament aus. Im Bodenradar zeigte sich dann aber eine als Zwinger aufzufassende Ringmauer. Im Innenbereich massive Fundamente als Randhausbebauung der inneren Mauer. Aus diesen Fakten sowie die beschriebenen (leider nicht mehr vorliegenden) Schiefer, Dachziegel und Ofenkachelfunden kann man entsprechende Rückschlüsse ziehen. Z.B. auch nach einem Gebäute in Ost/West-Ausrichtung als Kapelle.
Die Befunde dürften wohl eine Burg aus dem 13. - 14. Jh. wiedergeben.
Ach ja, interessant ist übrigens die Dreifachgrabenanlage, wobei die Gräben sehr flach waren und wohl mehr Schlamm wie Wasser enthielten.
Muss eine üble Mückenplage gewesen sein  :zwinker:
Sicher ist das Aussehen der Burg nur in groben Zügen zu rekonstruieren. Im Großen und Ganzen müsste es jedoch hinkommen. Turm neben Tor, Kapelle entweder im Torturm oder neben Saalbau usw. Ob dieses Gebäute mit Schiefer, jenes mit Ziegel oder diese mit Schindeln gedeckt war wir kaum noch festzustellen sein.


Gruß Jörg      

Caddy

Sehr interessant, welche Recherchen da so in die Forschung mit eingepflegt wurden.

Ich danke Dir für den Bericht und die Erklärung Jörg.  :super:

TeSi

Mal wieder eine Arbeit der Extra-Klasse von Jörg, aber man kennt es ja nicht anders von ihm  :winke:

Pantherchamäleon

MFG Pantherchamäleon