Autor Thema: Ein altes Beil  (Gelesen 238 mal)

Offline vasa6

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Ein altes Beil
« am: 13. Januar 2023, 12:18:21 »
Hallo Suchergemeinde,
ich konnte mal wieder ein altes Beil dem Schicksal der Vergessenheit entziehen.
Ich denke mal, dass es sich hier um eine Bartaxt handelt. Datieren würde ich das Teil so zwischen 12. und 14. Jahrhundert,
könnte auch älter sein, vielleicht sogar eine Wikingeraxt??? Ich habe mal versucht auf dem Bild zu rekonstruieren wie
sie vielleicht mal ausgesehen hat, bevor man sie evtl. abgeschliffen hat, oder ein Teil abgebrochen ist.
Ich denke, dass das Beil nicht zum Holzschlagen konstruiert wurde, man es aber später dafür verwendet hat.
Was ich bisschen merkwürdig finde, ist das im Verhältnis zur Schneide sehr große Axthaus. Darauf würde ich schließen, dass das Beil mal etwas größer war. Was meint Ihr?

Viele Grüße Vasa

Offline Tomcat

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Re: Ein altes Beil
« Antwort #1 am: 13. Januar 2023, 16:45:36 »
Hallo Vasa,
In der Draufsicht erkennt man gut den asymmetrischen Aufbau - typisch für Äxte/Beile, die nah am Material geführt wurden, um z.B. Balken zu behauen!
Viele Grüße,
Tomcat
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Offline vasa6

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Re: Ein altes Beil
« Antwort #2 am: 16. Januar 2023, 09:02:35 »
Hi Tomcat, würde man da eine Bartaxt verwenden??
Ich denke, das wäre eher unpraktisch, der " Bart" würde da bestimmt nicht viel Stabilität vorweisen.
Dies war dann bestimmt auch der Grund warum sie heute so aussieht. In diesem Zustand wurde sie bestimmt zum Holz machen
verwendet. Die Asymmetrie täuscht auf dem Foto etwas, da das Beil unterschiedliche Verrostungsmerkmale aufweist.
Was meinst du zu dem Alter? Würde das passen?

Gruß Vasa

Offline Signalturm

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Re: Ein altes Beil
« Antwort #3 am: 16. Januar 2023, 10:39:11 »
Für mich ist die asymmetrie des Axthauses eindeutig für eine Balken- oder Behau-Beschlagaxt.
Dein Fund muss keine lange Spitze nach unten gehabt haben. Ist eher unwahrscheinlich. Eher so in der Form.
Finderglück ist Finderlohn genug.

Offline Tomcat

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Re: Ein altes Beil
« Antwort #4 am: 16. Januar 2023, 22:15:44 »
Mein Axtwissen ist etwas eingerostet (:-)), aber wir haben es hier durchaus mit einem älteren Modell zu tun - das Haus ist recht kompakt statt länglich.
Beim Behauen von Balken arbeitete man mit kleinen, gezielten Hieben, die jeweils nur dünne "Flakes" abnahmen. Wenn man bedenkt, wie lange man alleine für einen Balken brauchte, um diesen zuzurichten, sieht man die "gute alte Zeit" gleich mit ganz anderen Augen:-)
Anbei ein Video zwar von schlechter Qualität, man sieht aber sehr viele verschiedene Axtarten im Einsatz beim Behauen. Die besonders breite und asymmetrische Axt, die zum endgültigen Formen verwendet wird, zeigt eindrucksvoll, warum ein breites Blatt und ein asymmetrischer Aufbau ein echter Vorteil für diese Arbeit ist!

In den letzten 20 Jahren habe ich sehr, sehr viele Diskussionen zur Verwendung von Äxten und Beilen mitbekommen, meist kam man auf keinen grünen Zweig, weil "Kampfaxt" natürlich viel sexier klingt als "Beschlagaxt". Dabei sind Äxte durch Ihre besondere Verfügbarkeit und ihr wahrhaft durchschlagendes Wesen tatsächlich geradezu prädestiniert, als Werkzeug UND Waffe zu dienen... Ich möchte und kann da also keine Grenzen zu möglichen Zweitverwendungen ziehen :-)

Das Internet spuckt sehr viel (auch Müll) zu wikingerzeitlichen Äxten und Beilen aus, vielleicht wirst Du da fündig!
mfg
Tct
https://www.youtube.com/watch?v=zumV7Q7o5G4&ab_channel=SeppEinzenberger
« Letzte Änderung: 16. Januar 2023, 22:25:27 von Tomcat »
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